Teil V des Artikels

"Inflationstheorie - Inflation und die Arbeitslosigkeit in der Wirtschaftstheorie"

Eine Allgemeine Inflationstheorie mit der Bedeutung für die Arbeitslosigkeit.
Die Wirtschaftstheorie: Bekämpfung von Inflation und Arbeitslosigkeit sind möglich
durch Strecken der eignerbezogenen Abschreibungen des Unternehmens

 

 


Aktion: Staatsbürger gegen den Herzinfarkt - Die Mitschuld der Bundespolitik am Tod Tausender!
http://www.melhorn.de/Herzinfarkt/Herzinfarkt6.htm#60

Die Bundestagsabgeordneten könnten durch Wahrnehmen ihrer Aufsichtspflicht jährlich Hunderttausende vor dem Killer Nr. 1 - die Herz-/Kreislaufbeschwerden - schützen, aber sie überlassen es vorsätzlich der Bürokratie, das wichtigste aller Herzmittel- das Hormon Strophanthin - zum wirtschaftlichen Vorteil der Großpharmaindustrie aus dem Markt zu drängen.

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Am 1.3.08 habe ich in Sachen Strophanthin nun als 'öffentliche Petition’ eingereicht:

"Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass
1. auf dem Arzneimittelmarkt die wettbewerbsfeindlichen Beschränkungen zugunsten der Pharmakonzerne zurückgenommen werden;
2. der Wirkstoff Strophanthin daher wieder aus der Verschreibungspflicht zu entlassen ist.
"

Begründung und vertiefte Ausführungen unter
http://www.melhorn.de./Petition/

 

Nach meiner Anrufung des EU-Parlaments in Brüssel
konnten Sie diese Petition im Internet mitzeichnen unter

http://itc3.napier.ac.uk/e-petition/bundestag/view_petition.asp?PetitionID=720

 

Zur Grundrechtswidrigkeit einer Beschränkung der öffentlichen Mitzeichnungsfrist


 

 
 

Inhaltsverzeichnis:

Teil V. Die Preisf i n d u n g von Nachfrager und Anbieter
5.1. Die 'Zielsetzung' in der Preisfindung
5.1.1. Die Zielsetzung des Nachfragers in der Preistheorie
5.1.2. Die Zielsetzung des Anbieters in der Preistheorie
5.2. Die Verhaltensweise in der Preisfindung
5.2.1. Die Verhaltensweise in der Preistheorie
5.2. 2. Marktform und der 'Spannungsgegensatz im Markt'

 
 
 

Teil V. Die Preisf i n d u n g von Nachfrager und Anbieter

Seinen 'Wunschpreis' findet das einzelne Wirtschaftssubjekt als Folge seiner eigenen und der ihm bekannten Zielsetzungen und Verhaltensweisen Dritter.

Auch der Anbieter plant in dieser Phase seinen Preis. Dabei ist er sich bewußt, daß er diesen Preis aber nur erzielen kann, wenn dem Nachfrager zum Zeitpunkt des Kaufes ( Tausches ) die Möglichkeit zur Substitution dieses Gutes fehlt, der Nachfrager also nicht zwischen von ihm als gleichwertig eingestuften Gütern wählen kann.

Die Möglichkeit zur Substitution kann dem Nachfrager fehlen, etwa weil quantitativ kein Alternativangebot vorhanden ist. Wahrscheinlicher ist, daß er meint, einem - tatsächlich gegebenen - Alternativangebot fehle die qualitative Gleichwertigkeit. Seine Beweggründe hat dies dann in interpersonellen Präferenzbildungen:

" Die wechselseitige interpersonelle Abhängigkeit von Präferenzen hat ihre Ursache darin, daß die Mehrzahl der Menschen Urteile nicht völlig selbständig fällt, sondern dabei die Urteile anderer berücksichtigt. So schafft sich ein Haushalt Bezugsgruppen von Haushalten, an deren Verhalten er seine eigenen Ansprüche und Leistungen orientiert - komparative Bezugsgruppen - mit deren Mitgliedern er sich bloß vergleicht ( zu diesen besteht i.a. eine ,horizontale' Verbindung ) und normative Bezugsgruppen, deren Verhalten er als Vorbild für eigenes ansieht ( diese gehören eher einer Schicht an, die nach Einkommen und Verbrauchsgewohnheiten über dem urteilenden Haushalt liegt )" [ 45 ]

Wie über die Zielsetzung entscheidet das Wirtschaftssubjekt auch über die Verhaltensweise selbständig. Die Verhaltensweise ist dabei der Weg zur Zielerreichung, wohingegen die Zielsetzung maßgeblich für die Wahl der Verhaltensweise ist. Beide werden zu Beginn der Wirtschaftsperiode festgelegt. Sie sind zwar tendenziell gleichgerichtet, doch paßt sich die Verhaltensweise der jeweiligen Situation im Markt flexibler an.

Mit der Preisauszeichnung legt sich der Anbieter fest. Diese Planzahlen spiegeln seinen Willen und weitgehend auch seine Meinung über die Fähigkeit, im Wettbewerb bestehen zu können. Dabei wird unter Wettbewerb verstanden:

Für die Entscheidungen des Anbieters wichtiger als die Nachfrage ist dabei die Art der Wettbewerbsbeziehungen zu den Konkurrenten, denn der Anbieter kennt die Nachfrage in der Regel nicht genau, bezw muß diese von ihm vielleicht sogar erst noch aufwendig geweckt werden.

Die Nachfrage ist bei Bestimmung von Zielsetzung und Verhaltensweise für den Anbieter somit eher eine Spekulationsgröße, denn eine Erwartungsgröße. Sie ist dadurch eher nachrangig, so lange der Anbieter nur sicher ist, unterstellen zu können, daß die wohl ausreicht. Auch daran wird deutlich, daß die Unbekannte 'Nachfrage' folglich kein tauglicher, gesamtwirtschaftlicher Ansatz antiinflationärer Maßnahmen sein kann.

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5.1. Die 'Zielsetzung' in der Preisfindung

Die Zielsetzung spiegelt das Wollen des Wirtschaftssubjektes.

Der Begriff Zielsetzung wird nicht unumstritten verwendet. Ihm übergeordnet wird in der Literatur auch der Begriff Verhaltensmaxime:

5.1.1. Die Zielsetzung des Nachfragers in der Preistheorie

Für die Zielsetzung der Nachfrager

In der Hingabe von Geld erlebt jedoch kein Nachfrager eine Nutzenmaximierung. Insbesondere würde er sich stets auch mit einem niedrigeren Preis zufrieden geben und daß dies nicht so ist, liegt allein am Anbieter. Dies ist selbst dann so, wenn der Preis ein vernachlässigtes Datum nachfragerischer Überlegung ist, etwa weil der Nachfrager glaubt, er habe genügend Geld und er müsse daher nicht 'auf den Preis sehen', denn auch wenn der Anbieter daraufhin den Preis anhebt, bleibt dies doch allein eine anbieterische Entscheidung zur Preissteigerung. Auch bei einer Auktion, bei der die Nachfrager den Preis so lange hochtreiben, bis nur noch ein Nachfrager bleibt, würde der Ersteigerer jederzeit auch nur einen niedrigeren Preis bezahlen wollen.

Preisbildung ist folglich nur insoweit mit einer nachfragerischen Zielsetzung verbunden, als es darum geht, möglichst niedere Preise bezahlen zu müssen. Insoweit ist der Nachfrager immer antiinflationär ausgerichtet, denn er wird nie gezielt auf eine Preiserhöhung hinarbeiten, sondern eine solche allenfalls hinnehmen. Der Nachfrager ist folglich auch kein Ansatz antiinflationärer Maßnahmen. Inflation geht folglich immer nur vom Anbieter aus.

Da der Preis als der Wert für den Tauschgegenstand Geld definiert ist, meint der Begriff 'Anbieter' stets den Anbieter des Gutes. Der Anbieter des Geldes ist der Nachfrager. Diese Festlegung ist nicht selbstverständlich, weil zunächst nicht personalisiert werden kann, welcher Tauschpartner nun eigentlich der Anbieter und wer der Nachfrager ist, denn jedes Wirtschaftssubjekt ist gleichzeitig Anbieter und Nachfrager, da jedes Wirtschaftssubjekt etwas anbietet - Geld oder Gut - und jedes etwas nachfragt - Gut oder Geld.

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5. 1. 2. Die Zielsetzung des Anbieters in der Preistheorie

Zielsetzung des Anbieters ist nach obiger Begriffsbegrenzung das Erlangen von Geld. Bezüglich der Zielerreichung wird in der Literatur danach unterschieden, ob die Anbieter

" ... von der Anerkennung der bestehenden Marktform ausgehen oder nicht, ob also
'wirtschaftsfriedliche' Zielsetzungen ( Schneider ) und damit auch 'wirtschaftsfriedliche' Verhaltensweisen oder
'kämpferische' Zielsetzungen und damit auch Kampfstrategien und/oder Verhandlungsstrategien vorliegen." [ 50 ]

Allerdings ist eher fragwürdig, daß die Marktform Gegenstand anbieterischer Zielsetzung sein soll, indem gelten soll:

"Wird die bestehende Marktform nicht akzeptiert, so kommt als kämpferische Zielsetzung einmal die Verdrängung von Konkurrenten und damit die Veränderung der existierenden Marktform in Betracht. Dasselbe Ziel, die Monopolisierung eines Marktes, kann allerdings auch auf anscheinend friedlichem Wege verfolgt werden durch Kartellierung oder Konzern - oder Trustbildung. " [ 51 ]

Auch wenn die Marktform letztlich den Preis bestimmen mag, ist sie - entgegen der obigen Darlegung - nur im Ausnahmefall eine anbieterische Zielsetzung im eigentlichen Sinne, denn sie ist in der Regel eben nicht anbieterischer Selbstzweck, sondern nur Mittel der Zielerreichung. Der Kampf um eine Marktform ist daher eine Verhaltensweise zur Erreichung der eigentlichen Zielsetzung.

Als wichtigste und typische wirtschaftsfriedliche Zielsetzung der Marktwirtschaft gilt für den Anbieter die 'Maximierung des Periodengewinnes' [ 52 ], ein Begriff, der inhaltlich allerdings schwierig auszufüllen ist, denn:

" Sobald .. die Erwartungen unsicher werden, weil mehrere Entwicklungen zugleich möglich sind, wird das Maximalgewinnprinzip in seiner herkömmlichen Definition unbrauchbar. Wenn die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten erwartet werden, kann offenbar nur noch die Gewinnwahrscheinlichkeit maximiert werden. Gibt es nicht einmal Anhaltspunkte für solche Wahrscheinlichkeiten möglicher Entwicklungen, so bleiben nur die .. Entscheidungskriterien, unter denen das Minimax-Prinzip ( die Wahl derjenigen wirtschaftlichen Entscheidung, bei der bei den ungeeignetsten Entwicklungsmöglichkeiten das günstigste Ergebnis zustandekommt ) als extrem pessimistisch anzusehen ist ( weil de facto mit dem jeweils ungünstigsten Entwicklungsmöglichkeiten gerechnet wird.)" [ 53 ]

Die 'Maximierung des Periodengewinnes' gilt allerdings nicht als eigentliche Zielsetzung im strengen Sinne, sondern auch sie ist die Zusammenfassung vieler Einzelziele in einem Oberbegriff, der als 'Sammelziel' nur durch die Erfüllung dieser Einzelziele, mit ihren genau definierten Anforderungen, erreicht wird.

Neben der 'Maximierung des Periodengewinnes' werden weitere wirtschaftsfriedliche Zielsetzungen genannt:

"die Absatzmaximierung oder auch Umsatzmaximierung bei Nichtunterschreiten eines Mindestgewinnes, die Gewinnmaximierung bei Nichtunterschreiten eines Mindestabsatzes, das Halten eines bestimmten Marktanteils und schließlich auch die Erzielung eines branchenüblichen, traditionellen oder angemessenen Gewinns." [ 54 ]

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5.2. Die Verhaltensweise in der Preisfindung

Unter Verhaltensweise der Marktteilnehmer wird die "Art ihres Handelns im Hinblick auf die Marktseite und die Konkurrenten " [ 55 ] verstanden. Sie bestimmt das Handeln der Wirtschaftssubjekte und berücksichtigt den Datenkranz, innerhalb dessen die Zielsetzung verwirklicht werden kann. Mit dem Begriff Verhaltensweise verbinden sich daher in der Literatur die Begriffe monopolistisch, oligopolistisch und polypolistisch. Irrt das Wirtschaftssubjekt in der laufenden Wirtschaftsperiode bezüglich seiner Festlegung von Zielsetzung und Verhaltensweise, so soll es versuchen, zunächst seine Verhaltensweise zu ändern, bevor es seine Zielsetzung berichtigt.

 

 

5.2.1. Die Verhaltensweise in der Preistheorie

Die Preistheorie sieht die Bedeutung der Verhaltensweise kritisch. Für sie ist Verhaltensweise

" ein besonderer Preisbildungsfaktor nur dann, wenn sie gewissermaßen 'stellvertretend' für nicht detaillierte Marktbedingungen oder nicht genau spezifizierte Verhaltensmaximen in die Analyse eingeführt wird. Andernfalls wäre die Verhaltensweise das eindeutig bestimmte Ergebnis von Verhaltensmaxime und Marktbedingungen, wobei sich allerdings (wie beim Oligopol ) herausstellen kann, daß bestimmte Verhaltensmaximen bei bestimmten Marktbedingungen keine eindeutigen Verhaltensweisen abzuleiten erlauben." [ 56 ]

Daher sei die Verhaltensweise

"als preisbestimmender Faktor ein schillernder Begriff. Wird die Analyse genügend weit getrieben, so muß sich eine bestimmte Verhaltensweise schließlich doch als Resultante aus besonderen Marktbedingungen und gewissen Verhaltensmaximen deuten lassen. Infolgedessen handelt es sich bei diesem Begriff in dem hier gebrauchten Sinne um ein Instrument der Vereinfachung der sonst so komplizierten Zusammenhänge." [ 57 ]

Hier wird die Verhaltensweise u.a. als Ergebnis mehrerer, 'gewisser Verhaltensmaximen' verstanden, obwohl der Begriff der Verhaltensmaxime - m.E. richtigerweise - doch bereits damit belegt ist, Oberbegriff für die "letzte Zielsetzung" zu sein - siehe Kapitel 5.1 - und damit keinesfalls wie eine beliebige Zielsetzung zu sehen ist.

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5.2.2. Marktform und der 'Spannungsgegensatz im Markt'

Auch der Begriff 'Marktform' ist nur bedingt wirklichkeitsnah. Weil die Preistheorie eine Fülle von Marktformen und -verhalten erarbeitete, entstand der Eindruck, definitorisch seien dadurch eindeutige Aussagen über die Wirklichkeit dieser Märkte gemacht. Tatsächlich wird jedoch für jeden Analysetyp

"ein Kreis von Prämissen bereitgestellt, der für die betrachtenden Wirtschaftseinheiten eine charakteristische Planungs- und Aktionsproblematik voraussetzt und damit der modelltheoretischen Ableitung der Preisbildungsvorgänge die notwendige Bestimmtheit gibt." [ 58 ]

Das Unwirkliche solcher Modelle ergibt sich aus der Vielfalt und Verzahnung möglicher Marktformen und Verhaltensweisen. Ihrer Übertragung auf die Realität steht entgegen, daß alle Annahmen über die im Markt tatsächlich vorherrschende Verhaltensweise oder Marktform nur reine Mutmaßungen sein können, denn verbindliche Aussagen sind nur bei vollkommen Märkten möglich, wie etwa der Börse und ähnlich ,organisierten' Märkten. Sichere Aussagen über anbieterisches Verhalten sind nur im Falle eines vollkommenen Polypolisten zu erwarten, wenn also - wie z.B. im landwirtschaftlichen Produktionsbereich - staatliche Aufkaufversprechen für unbegrenzte Mengen und zu Festpreisen gegeben sind.

Andere Konstellationen hängen hingegen maßgeblich bereits davon ab, ob überhaupt die Möglichkeit zu einem Pleiopol besteht und ob bezw wie nachdrücklich der Anbieter diese Situation bewertet. Der Ausdruck Pleiopol soll

"die Situation, in der zusätzliche Anbieter in eine Industrie eintreten, von der anderen Situation abheben, in der es
viele Anbieter auf einem Markt gibt." [ 59 ]

wofür Machlup den Ausdruck "Wettbewerb durch das Auftreten neuer Anbieter" [ 60 ] verwendet .

Selbst wenn sich morphologisch also gewisse Marktformen identifizieren lassen, so sagen diese doch nur bedingt etwas darüber aus, wie sich der Anbieter selbst sieht und welche Verhaltensweise er bevorzugt. Die Verhaltensweise eines Anbieters ist stets von seiner Annahme darüber bestimmt, ob und wie andere Anbieter auf seine Handlungen reagieren. Unabhängig vom Zeitpunkt dieser Annahme entzieht sich aber gerade dieser individuelle Entscheidungsbereich der Wirtschaftssubjekte jedem Versuch einer makroökonomischen Erfassung.

Eine Konstruktion von Beispielen erübrigt sich. Diese sind aus der Theorie hinlänglich bekannt. [ 61 ] Es hat sich auch nichts daran geändert, seit Recktenwald im Jahre 1951 feststellte:

"Die Untersuchung des Inhalts und der Ergebnisse der Marktformenlehre hat gezeigt, daß die Annahmen der reinen Theorie der Marktformen ( Zahl und Produktdifferenzierung ) zu stark vereinfacht und damit zu allgemein sind und daß die markttheoretischen Aussagen über die Preisbildung nur wenig praktische Bedeutung erlangen. Die meisten theoretischen Modelle sind für konkrete Marktlagen unanwendbar. Es fehlt ein enger Kontakt mit der Wirklichkeit ...

Man braucht sich nur in der Wirtschaft umzusehen oder, noch einfacher, ein Buch aufzuschlagen, das sich mit empirischen Marktuntersuchungon befaßt, um wiederholt Hinweise auf die große Bedeutung zu finden, welche die technischen, institutionellen, geographischen und rechtlichen Bedingungen für das Handeln der wirtschaftenden Menschen besitzen. Die Angebots- und Nachfragekurven werden nicht nur durch diese Faktoren mitgeformt, sondern auch in ihrer Lage beeinflußt. " [ 62 ]

Es ist daher ein eher grobes Verständnis wirtschaftlicher Abläufe, Friedlichkeit und Kampf als Verhaltensweisen zu sehen und dann gilt:

" Von wirtschaftsfriedlichem Verhalten soll immer dann gesprochen werden, wenn die Existenz der jeweiligen Marktform und/oder das Marktgeschehen durch die Verhaltensweise nicht in Frage gestellt wird. Im Gegensatz dazu führen Kampf- und Verhandlungsstrategien entweder zur Umwandlung der bestehenden Marktform oder zur Unterbrechung des Markgeschehens ( Streik, Aussperrung, Boykott ) " [ 63 ]

Die Marktform ist tatsächlich mehr als nur " die morphologische Struktur der Angebots- und Nachfrageseite eines Marktes" [ 64 ]. In ihr summieren sich vielmehr die individuellen und gesamtmarktlichen Abhängigkeiten aller Zielsetzungen und Verhaltensweisen in vielfältigem Spannungsgegensatz, ohne daß dieser aber eine konkrete, selbständige Entscheidungsgröße von Anbieter und Nachfrager werden kann.

Allerdings wäre es falsch, diesen undifferenzierten und undifferenzierbaren Spannungsgegensatz im Markt gänzlich unberücksichtigt zu lassen und statt dessen davon auszugehen:

" Nun kann es keinem Zweifel unterliegen, daß für den Ablauf des Wirtschaftsprozesses in der Zeit allein die Verhaltensweise der handelnden Wirtschaftssubjekte relevant ist. Die morpho- logische Struktur der Anbieter und Nachfrager in einem Wirtschaftsgebiet spielt primär keine Rolle. [ 65 ]
...

Diese Tatsache, daß im allgemeinen eine eindeutige Beziehung zwischen Morphologie der Angebots- bezw. Nachfrageseite und der zur Anwendung kommenden Verhaltensweise nicht besteht, rechtfertigt es, das Studium der Morphologie des Angebots und der Nachfrage in einem bestimmten geographischen Gebiet als von sekundärer Bedeutung zu behandeln." [ 66 ]

Tatsächlich spielt die morphologische Struktur von Angebot und Nachfrage als - wenn auch unscharfer - Spiegel des 'Spannungsgegensatzes im Markt' gerade bei der Wahl der Verhaltensweise für das Wirtschaftssubjekt eine sicher wichtige Rolle. Die genannte Annahme, das Wirtschaftssubjekt habe eine gewisse Wahlfreiheit darin, ob es bei Ermittlung seiner Zielsetzung und Verhaltensweise die bestehende Marktform anerkennen wolle oder nicht - sich also verhältnismäßig frei zwischen wirtschaftsfriedlich und kämpferisch entscheiden kann - trifft nämlich kaum zu.

In Wirklichkeit ist die genannte morphologische Marktstruktur für die Planungen des einzelnen Wirtschaftssubjektes meist sogar der einzige, externe Anhaltspunkt bei Festlegung der eigenen Zielsetzung und Verhaltensweise und das Wirtschaftssubjekt unterwirft sich ihm daher in der Regel, anstatt zu versuchen, darauf 'kämpferisch' oder 'wirtschaftsfriedlich' Einfluß zu nehmen. Die vom einzelnen Wirtschaftssubjekt angenommene Marktform wirkt folglich - trotz aller definitorischen Unschärfe - bis in die anbieterische Preispolitik - was die Analyse des wirtschaftlichen Prozesses allerdings noch schwieriger macht.

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