Amtsgericht
Stuttgarter Straße 7-9
73430 Aalen

 

 

15.7.02

 

In dem Rechtsstreit 3 C 968/01
Silvia Melhorn ./. Süddeutsche Krankenversicherung

 


erging am 11.7.02 ein weiterer Beweisbeschluss.

 

 

1. Das Gericht hat in diesem Beschluss nur über die Befangenheit des Gutachters entschieden, nicht aber über die im Schriftsatz vom 2.7.02 dargelegten weiteren Vorwürfe. Dort hieß es zusätzlich:

" Er ist als Gutachter zu entlassen, da …

- der Vortrag sachlich wirr und in der Wertung widersprüchlich ist - Ziffer 4;
- ihm die medizinische Kompetenz zu Fragen der Arzneitherapie fehlt - Ziffer 5;
- er den Sachverhalt wider besseren Wissens verfälscht - Ziffer 6;"


1.1. Der Vortrag der Klägerin ist nachvollziehbar, wonach der gutachterliche Vortrag inhaltlich wirr und widersprüchlich ist. Das Gericht hätte hierüber entscheiden müssen, weicht einer solchen Entscheidung jedoch aus:

" 4. Die weitergehenden Angriffe der Klägerin sind nur solche, die die fachliche Entscheidung betreffen und die gerade Gegenstand des Beweisthema sind. Sie betreffen nicht den Vorwurf der Befangenheit." ( Beschluss, S. 3 )

Darin ist - auch nach eigener Auffassung des Gerichtes! - also keine Entscheidung über die beantragte Entlassung des Gutachters wegen Abgabe eines wirren und widersprüchlichen Gutachtens zu dem Beweisthema zu sehen!

Es muss vielmehr erst noch entschieden werden, ob die klägerischen Vorwürfe berechtigt sind und die beantragten Konsequenz daraus zu ziehen ist. Es wird beantragt, hierüber bedarfsweise ein Sachverständigenbescheid einzuholen.

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1.2. Es ist unter Ziffer 5 des Schriftsatzes vom 2.7.02, S. 9 begründet dargelegt, dass Prof. Wolf als Gutachter zu entlassen ist, weil ihm die medizinische Kompetenz zu den von ihm getroffenen Aussagen über eine Off-Label-Therapie fehlt.

Zwar ist die Off-Label-Therapie vertraglich zwischen den Parteien nicht ausgeschlossen, aber eben diese Vereinbarung versuchte der Gutachter wieder aufzuheben, bezw von dieser Rechtslage abzulenken. Dabei verlässt er sich ersichtlich darauf, das medizinisch unkundige Gericht werde daraufhin annehmen, dass die Label-Angaben zugleich auch die Therapie mit einem solchen Medikament begrenzen. Tatsächlich ist dies - ausweislich der dargelegten hR - jedoch nicht der Fall! Nur im Bereich öffentlicher Kassen ist zudem die Bezahlung der Off-Label-Therapie umstritten - was im privaten Bereich aber vertraglich unstreitig ist!

Eine Beurteilung, ob eine Off-Label-Therapie sinnvoll ist, kann der Gutachter aber offensichtlich nicht treffen, sonst hätte er sich nicht seitenweise auf die Label-Angaben und deren Bedeutung für das Beweisthema beschränkt.

Solche Aussagen kann jedenfalls fachlich üblicherweise auch nur ein Behandler machen oder auch - soweit es um Mikronährstoffe geht - ein Ernährungswissenschaftler. Der Pharmakologe macht hingegen Aussagen über die Wirkung körperfremder Stoffe auf den Organismus - zu denen Mikronährstoffe aber bekanntlich schon mal nicht gehören! Die hier getroffenen Aussagen fallen allein in die Fachbereiche Medizin oder Ernährungswissenschaft. Die neuerliche Beauftragung von Prof. Wolf in diesen Fragen ist daher weiterhin unrichtig.

Der Antrag, den Gutachter wegen medizinischer Inkompetenz zu entlassen, ist jedenfalls nicht ausreichend und vor allem nicht begründet dadurch entschieden, dass das in diesen medizinischen Fachfragen fraglos unkundige Gericht sich einfach auf die bloße Feststellung zurückzieht:

"Der Sachverständige ist als Pharmakologe auch kompetent zur Beurteilung dieser Frage. Die Angriffe der Klägerin sind nicht gerechtfertigt." ( S. 3 )

Das Gericht möge seine Rechttauffassung nachvollziehbar vertiefen und nicht einfach feststellen! Oder es möge antragsgemäß einen Sachverständigen hinzuziehen, der ihm diese Frage beantwortet. Darauf hat die Klägerin einen Anspruch - bevor jetzt weiteres Geld für ein Folgegutachten von Prof. Wolf ausgegeben wird!

 

 

2. Die Klägerin weist zur Vermeidung von Missverständnissen darauf hin, dass eine Trennung der Krankheiten und deren Behandlung nicht möglich ist, da alle Erkrankungen in einem engen Zeitraum abliefen. Was für die eine Krankheit gut und richtig, tat denselben Dienst meist auch gleich für die andere Krankheit.

Prof. Wolf trennt demgegenüber alle Krankheiten schubladenmäßig. Das geht nicht!

Beweis: Sachverständiger

Mangels medizinischem Fachwissen hält Prof. Wolf - wie dargelegt - eine Behandlung von großflächig vereiterten Atheromen allein mit Cefasel-Kapseln und Cytobion für ausreichend - schließt aber deren Behandlung mit immunsteigernden Arzneimitteln konsequent aus.

 

 

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Die Klägerin hält eine solche Therapieauffassung zwar für medizinisch unmöglich, wie in Schriftsatz vom 1.7.02 auch ausgeführt, doch das medizinunkundige Gericht nimmt an solchem Vorbringen des Gutachtens beharrlich keinen Anstoß.

Dabei offenbart allein schon das Übergehen der immunsteigernden und organstützenden (wie Revitorgan Nr. 4 ) Medikamente - allein schon bei den eitrigen Atheromen!- Ausdruck eines völligen Mangels an medizinischer Kenntnis des Gutachters. Das bezieht sich nicht auf Prof. Wolf selbst, der das Gutachten von einem wohl unerfahrenen Assistenten verfassen ließ, aber als verantwortlicher Gutachter scheidet ihn das - wie bereits beantragt! - aus.

Wenn nun mangels medizinischer Kompetenz von Prof. Wolf wiederum nach solchen Kriterien und solcher Vorgehensweise geurteilt werden sollte, so wird die Wahrheitsfindung gleich schlecht ausfallen müssen - aber wiederum Geld kosten.

 

 

3. Es sei auch darauf hingewiesen, dass die Blutentnahme als Abschluss der Hepatitisbehandlung erfolgte und nicht bei deren Beginn.