Satzfahne : LOCAL_C NJWEVSTEX606104.VTS 24.10.1996 08:20 Seite l
•. Erstattungsfähigkeit von Heilpraktikerhonorar
MB/KK 76 § l
Die medizinische Notwendigkeit einer Heilpraktikerbehand-
lung liegt vor, wenn diese aus der Sicht der biologischen Medizin
sinnvoll und geeignet ist. (Leitsatz des Einsenders)
LG Bückeburg. Urt. v. 14.6.1996 - 1 S 29/96

 
 
 

Zum Sachverhalt: Die auch für Heilpraktikerbehandlung privatkrankenversicherte Kl. wurde wegen Arthrose, Hypertonie. Fersensporn, Durchblutungsstörungen und Wirbelsaulensyndrom von einem Heilpraktiker mit Hyperthermie-Injektionen u.a. behandelt. Die bekl. Krankenversicherung weigerte sich zu erstatten, weil aus schulmedizinischer Sicht keine medizinisch notwendige Heilbehandlung vorläge.

Das AG hat die Bekl. verurteilt; deren Berufung blieb ohne Erfolg.


Aus den Gründen: Aufgrund der glaubwürdigen Angaben der Kl. im Rahmen ihrer Anhörung im Termin vom 15. 5. 1996 ist davon auszugehen, daß bei ihr im März/April 1994 die Beschwerden vorgelegen haben, die der Zeuge B unter dem Stichwort „Diagnose" in seinen Rechnungen vom 11. und 26. 4. 1994 im einzelnen aufgeführt hat. Darüber hinaus steht aufgrund der Angaben der Kl. weiter fest, daß die Behandlung dieser Beschwerde durch den Zeugen B, einen Heilpraktiker erfolgreich war. Nach Durchführung der sehr intensiven Behandlung in den Monaten März und April 1994 waren die Beschwerden verschwunden. Soweit die Bekl. die Notwendigkeit der durch den Zeugen B durchgeführten medizinischen Behandlung bestreitet und sie für ungeeignet hält, kann zu ihren Gunsten davon ausgegangen werden, daß ihre Ansicht von der Schulmedizin und möglicherweise auch von Heilpraktikern; die andere Richtungen vertreten, geteilt wird. Es mag sogar so sein, daß die Wirksamkeit der von dem Zeugen B durchgeführten Behandlung wissenschaftlich nicht nachweisbar ist und deshalb zu Recht angezweifelt wird. Dies kann jedoch nicht der Maßstab sein, an dem die medizinische Notwendigkeit dieser Heilbehandlung durch den Zeugen B gemessen wird. Wenn sich die Bekl. in dem zwischen den Parteien bestehenden Versicherungsvertrag verpflichtet, auch die Kosten der Behandlung der Kl. durch einen Heilpraktiker zu erstatten, müssen die medizinische Notwendigkeit dieser Behandlung und auch ihre Art und Methode daran gemessen werden, ob die Behandlungsmethode und die eingesetzten Medikamente aus der Sicht der biologischen Medizin sinnvoll und geeignet sind. Diese Frage hat der Sachverständige Dr. Sch in seinem Gutachten von 19. 10. 1995 eindeutig bejaht. Dem schließt sich die Kammer unter Bezugnahme auf die Ausführungen des AG in dem angefochtenen Urteil an.


(Mitgeteilt von Rechtsanivalt Dr. H. Lanz, München)
Anm. d. Schriftltg.: Zur Erstattung der Kosten einer Heilpraktikertherapie bei HIV-Infektion vgl. OLG München, NJW 1996, 2434 = NJWE-VHR 1996, 160 L.