Habichtswald- Klinik

 

 

 

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Amtsgericht Aalen
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Ihr Ansprechpartner: Herr Dr. Volker
Schmiedel
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IK-Nr. 260660123

Datum: 15.09.03 Schm/bö

Rechtsstreit Melhorn ./. Firma Süddeutsche Krankenversicherung AG AZ: 3 C 968/01 Gutachtenauftrag vom 11.06.03

Durch Beschluss des Amtsgerichtes Aalen vom 21.05.03 wurde ich beauftragt, eine ergänzende Stellungnahme einzureichen, und zwar ausschließlich zu den Punkten 12, 14 und 15 im Schreiben der Klägerin vom 13.05.03. Dem möchte ich hiermit nachkommen.

Zunächst einige kurze Vorbemerkungen zu den Kriterien meiner Begutachtung. Durch Beweisbeschluss vom 13.11.02 seitens des Amtsgerichtes Aalen sollte der Beweis erhoben werden, ob es aus Sicht der biologischen (auch alternativen) Medizin vertretbar erscheint, die streitgegenständlichen Medikamente bei den von der Klägerin beschriebenen Beschwerden als medizinisch notwendige Heilbehandlungen anzusehen. Dabei handelt es sich um eine für die Kläger sehr wohlwollende Forderung. In einer strengeren Auslegung hätte auch gefordert werden können, dass die Behandlung nach den Maßgaben einer evidenzbasierten Medizin notwendig ist. Hierzu hätte ich dann die wissenschaftlichen Datenbanken nach entsprechenden Studien absuchen müssen. Da diese strenge Forderung, die für die Klägerin sehr nachteilig gewesen wäre, nicht erhoben wurde, habe ich drei naturheilkundliche und orthomolekulare klare Standardwerke, davon zwei deutschsprachig und eines aus dem amerikanischen Raum, zu Rate gezogen. Wenn auch nur in einem dieser Werke vermerkt war, dass ein bestimmter Nährstoff bei einer bestimmten Indikation medizinisch sinnvoll ist, habe ich dies bereits als positive Wertung gelten lassen. Sicherlich könnte man noch weitere orthomolekulare Werke zu Rate ziehen, man könnte auch im Internet nachsehen. Bei einer so großzügigen Auslegung würde man allerdings praktisch für jeden Nährstoff bei praktisch jeder Indikation irgendeine Quellenangabe finden, die einen Hinweis darauf liefert, dass diese Behandlung sinnvoll sein könnte. Dann hätte man sich allerdings den Prozess und das Gutachten ersparen können.

 


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Gutachten im Rechtsstreit Melhorn ./. Firma Süddeutsche Krankenversicherung AG vom 15.09.03

 

Stellungnahme zu Punkt 12, Blatt 967:

Die Klägerin gibt an, dass im Kompendium von Michael Zimmermann über Burgersteins Mikronahrstoffe m der Medizin vielseitig über den Einsatz von Vitamin B 1 bei einer Erkrankung berichtet wird, wie sie Thiemo Melhorn hat. Als Anlage wird das Deckblatt des Kompendiums und Kopien daraus zu Vitamin B 1 angegeben. In dieser Literaturangabe sind a lerdmgs lediglich Funktionen, erhöhte Gefahr von Mangelzuständen und Folgen von Mangelzustanden sowie Labordiagnostik, vitaminreiche Nahrungsmittel und empfohlene tägliche Vitaminzufuhr sowie Einnahmeempfehlungen und Toxizität angegeben. Indikationen jedoch nicht, schon gar keine Indikation wie sie bei Thiemo Melhorn vorliegt. Ein Blick auf den Unterpunkt bei den Funktionen: Übermittlung von Nervenimpulsen an das Gehirn und die peripheren Nervenzellen, daraus ließe sich eine Sinnhaftigkeit einer Therapie mit Vitamin B 1 konstruieren. Dies erscheint mir allerdings zu dürftig. Beispiel: auch Natriumionen sind für die Funktion der Nervenzellen und Übertragung der Nervenimpulse essentiell notwendig. Niemand würde daraus jedoch eine Behandlungsindikation für Natriumchlorid (Kochsalz) zur Behandlung von Nervenstörungen ableiten wollen. Ich bleibe daher dabei, dass für Vitamin B 1 nach der benutzten Standardliteratur und den oben angegebenen Kriterien keine Notwendigkeit zu erkennen ist.

Stellungnahme zu Punkt 14, Blatt 268:

Beurteilung, ob Hevert-Vitan N ein Nahrungsergänzungsmittel sei: Hier war es tatsächlich mein Fehler, mich auf die telefonische Information der Firma zu verlassen. Ich habe inzwischen Informationen von Frau Spuler, Apothekerin der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung der Firma Hevert, eingeholt. Demnach handelt es sich bei Hevert-Vitan N um ein Arzneimittel im Nachzulassungsverfahren, welches zum Zeitpunkt der Verordnung den Zulassungsstatus als fiktiv zugelassenes Arzneimittel führte. Für das fiktiv zugelassene Arzneimittel wurde inzwischen der Verzicht erklärt, die Verkehrsfähigkeit endete am 01.07.03. Es handelte sich jedoch zu keinem Zeitpunkt bei Hevert Vitan N Tbl. um ein Nahrungsergänzungsmittel.

Stellungnahme zu Punk 15, Blatt 269:

Kupferorotat wegen starker neurodermitischer Ausschläge. In der Tat ist, wie die Klägerin angibt, die Bedeutung des Kupfers für die Haut in der Literatur unbestritten. In den benutzten Standardwerken gab es keine Hinweise auf die Gabe von Kupfer zur Behandlung von Neurodermitis. Die Klägerin hebt darauf ab, dass Kupfer gegeben wurde, um bei einer Dauerverordnung von Zink das Zink-Kupfer-Gleichgewicht zu erhalten. Dies ist prinzipiell sinnvoll, eine Verordnung von Kupfer wäre dann auch tatsächlich notwendig, wenn unter einer Dauerzinkbehandlung ein Kupfermangel nachgewiesen worden wäre. Ein solcher Nachweis hätte durch entsprechende Blutanalysen geschehen können. Die Klägerin hebt allerdings darauf ab, dass der Bedarf energetisch getestet worden sei. Es wird hierbei nicht angegeben, um welche energetische Testung es sich handelt. In Frage kommen z. B. Bioresonanz, Elektroakupunktur nach Voll oder Kinesiologie. Solche energetischen Testverfahren können möglicher Weise Informationen auf einer feinstofflicher Ebene, nicht jedoch auf einer substantiellen Ebene, erbringen. Meines Wissens gibt es bisher weltweit keine einzige Studie, die belegt, dass mit solchen energetischen Testverfahren auch ein Mangel nachgewiesen werden kann, der durch anerkannte Testverfahren bestätigt wurde. Der Gutachter selbst verfügt über eine mehr als achtjährige Erfahrung mit Elektroakupunktur nach Voll und setzt diese erfolgreich in der Verträglichkeitsprüfung von Nahrungsmitteln oder Medikamenten ein. Mangelzustände können damit jedoch nicht nachgewiesen werden. Der Einsatz von Kupfer zur Behandlung einer Neurodermitis wird nach der verwendeten Standardliteratur nicht empfohlen. Die Annahme eines Mangels ist spekulativ und ein solcher nicht nachgewiesen.


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Gutachten im Rechtsstreit Melhorn ./. Firma Süddeutsche Krankenversicherung AG vom 15.09.03

 

Ich erkläre, dass ich das vorliegende Gutachten nach bestem Wissen und Gewissen nach Aktenlage und Literaturstudium erstellt habe. Ich unterhalte keinerlei Geschäfts- oder sonstige Beziehungen zu Kläger oder Beklagtem.

Dr. med. Volker Schmiedel
Facharzt für Physikalische
und Rehabilitative Medizin
Chefarzt der Inneren Abteilung