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Essays zu Religion und Religionsausübung:

 

Essay 1: Religion, Kraft und Macht

Über die heutige Preisgabe
einer Sinnhaftigkeit menschlichen Lebens


Essay 2: Glaube, Liebe, Hoffnung
Die Rolle der Religion in einer individualisierten Gesellschaft

 

 

von

 

Heilpraktiker
Wolf-Alexander Melhorn
dipl.rer.pol.

 

Lernt Gutes zu tun,
sorgt für Gerechtigkeit
Jesaja 1,17

 

keywords: Liebe, Glaube, Hoffnung, Religion, Individuum, Gesellschaft, Freiheit, Reinkarnation, Metamorphose, Instinkt, Ersatzliebe, Ersatzhandlungen, Dogmen, Dogma, Unfehlbarkeitsdogma, Konzil, Kontantinopel, Fortschritt, Armut, Neid, Himmel, Hölle, Bindungsintensität, Elite, Elitezucht, Artvermehrung, Arterhaltung, Kind-Eltern-Beziehung, Eltern-Kind-Beziehung, Lieblosigkeit, Kinderlosigkeit, Ersatzeltern, Pflegeeltern, Heim, Nächenliebe, Freundesliebe, platonische, Sexualität, Korintherbrief, Elternliebe, Lehr-Unfehlbarkeit, Lehr-Infallibilität, Primat, Jurisdiktionsgewalt, Familie, Eltern, Erziehung,

 

 


 

 

 

 

Essay 1: Religion, Kraft und Macht

Ein Essay über die heutige Preisgabe
der Sinngebung menschlichen Lebens

 

Der Mensch trägt schwer an der Bürde, verstehen zu wollen und eine Schande für die Menschheit, was die verschiedenen Glaubensrichtungen mit dem unstillbaren Bedürfnis der Menschen nach Erkennen des Lebenssinnes angestellt haben!

Dabei ist dieser Wissensdurst eigentlich jene Gnade, die erst die besondere Stellung des Menschen unter den Lebewesen ausmacht! Tiere haben eine vergleichbare Sehnsucht nach Erkenntnis nicht! Sie sind!

Zur Last wurde dies der Menschheit erst dadurch, dass sich das Bedeutsame solchen Erkennen- und Begreifenwollens stets dem Diktat der Machtausübung jener ducken muss, die sich Glauben als Möglichkeit besonders menschennaher Machausübung missbrauchen.

Es gibt keine verlässliche Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens! Erst recht nicht dem, der sich dem gefühlsmäßigen Angebot einer göttlichen Kraft als übergeordneter Größe verstandesmäßig verweigert. Ihm bleibt nur Ungewissheit, deren Belastung von ihm zwar meist durch eine vermeintliche Gleichgültgkeit gegenüber solchen Fragen gemildert werden soll – es mit zunehmendem Alter aber in der Regel nicht tut.

In solche Leere springen nun die Religionen, wobei sie ihre Antwort durch sichtbaren Glanz zu erbringen meinen und dadurch aus Anspruch ihren Machtbeweis machen! Art und Intensität der Verbreitung von Religionen sind ein weiterer Beleg dafür!

Dabei sind es maßgeblich immer Männer, die in letztlich lächerlichem Wichtigtun darauf bestehen, dass die, von ihnen zu ihrer Machtausübung ‚erwählte’ Religion wichtig, führend und beherrschend ist oder wird! Nicht selten soll dies einfach schon deshalb so sein, weil sie sich einst dafür entschieden haben! Bedarfsweise versteckt sich solchermaßen folglich Persönlichkeit hinter Prunk und sind diese Männer jeweils auch nur dadurch 'etwas Besonderes’. Nur durch solch starke Beleuchtung kann jemand oft überhaupt sehen, dass und was sie sind!

Frauen brauchen solche Art der Bestätigung seltener. Ihr Geltungsbedürfnis leben sie traditionell – jedenfalls bis zur sexuellen 'Befreiung’ der Frau durch die Antibabypille! – im Geschlechterwettstreit durch Betonung der besonderen Stellung ihrer Mutterschaft in der Gesellschaft aus. Kraftvollem wie einer Mutterschaft, kann der Mann naturgegeben schließlich nie gleichwertig Dauerhaftes entgegenstellen! Erst die gleichgestellte Umarmung der Frau in Bett und Beruf zieht sie von diesem Podest wieder herunter!

Das musste naturgegeben zum Unterlegenheitstrauma des Mannes dadurch werden, dass der Mann - als seinen, sichtbaren Beitrag zur Schöpfung! - zunächst mal allein seinen Samen einbringen kann! Im Hinblick auf den, für den Fortbestand der Gesellschaft allein bedeutsamen Vermehrungsakt der Geschlechter scheint das allerdings – jedenfalls auf den schnellen Blick! - zunächst deutlich weniger, als die Frau mit Schwangerschaft und Geburt sichtbar und anerkannt leistet.

Eine besondere, naturbedingte Schwächung ihrer Wertestellung erwächst den Männer außerdem daraus, dass sie - selbst in eigentlich machtvollen Zeiten ihrer Ausübung sexueller Potenz! – weniger von eigenem Willen und Wollen bestimmt sind, als vielmehr durch Zustimmung oder Duldung sexueller Handlungen der Frauen!

Das in der Konsequenz seiner Auswirkung zu erkennen, löst beim Mann gewöhnlich ein Bedürfnis nach Herstellung eines Machtgleichgewichtes mit der Frau aus. Will er diesen Ausgleich mit naturgemäß verfügbaren Mitteln erreichen, so wird er das - vor allem in jungen Jahren - durch Gebrauch von Körperkraft versuchen. Der musste und muss sich letztlich selbst eine Frau unterwerfen!

Allerdings vermag Kraft allein noch keine Überlegenheit im Sinne von 'Macht über die Frau’ zu begründen! Erst die Umsetzung der Kraft in Form einer Androhung von Gewalt kann Machtgrundlage werden und hat dabei unter Männern außerdem noch den möglichen ‚Vorteil’, im ‚Revierkonflikt’ um eine Frau den Einzelnen sogar noch der Geisteskraft anderer Männer überlegen zu machen.

Aus dem biologischen Revierkonflikt erwächst dem Mann seine Kraft also erst in Verbindung mit Gewalt als Macht. Dann allerdings verhilft ihm seine Kraft aber zu einer Besonderheit, die ihn - mit letztlich einfachsten Mitteln! - im Ergebnis auch gegenüber der Frau als scheinbar überlegen ausweist.

Wo sich Kraft und Gewalt zusammentun, werden sie jedenfalls immer zur Macht und es war insoweit nur folgerichtig, dass der Mann die jeweils eigene Rolle in seiner Gesellschaft geschichtlich gewöhnlich dann auch durch Kraft - und bei Widerstand demzufolge mittels Gewalt! - auf- und ausbaute!

Sofern der Mann dabei nicht selbst über ausreichend körperliche Kraft verfügt, ersetzt ihm diese - vor allem heute - das Tauschmittel Geld! Nicht körperlich an ein Individuum gebunden, kann Geld vereinbarungsgemäß und personenunbezogen schließlich durch seinen bloßen Tauschwert Kraft sein und damit Macht darstellen!

Insofern gibt es folglich auch nicht wirklich ‚die Macht des Geldes’, sondern nur eine, dem Geld zuerkannte Kraft! Von körperlich schwachen Männern wurde Geld und ihm Vergleichbares daher schon immer als letztlich sogar überlegenes Mittel der Macht- wie der Gewaltausübung genutzt! Das spiegelt sich auch in dem generationenlangen Bestreben der Männer, Frauen von männerfreier Verfügung über Geld möglichst fernzuhalten.

Allerdings geht es in der Wirklichkeit vieler Beziehungen nur scheinbar darum, wer von beiden das Geld verdient und damit verantwortlich über dessen Ausgabe bestimmt! Eben deshalb überspielt, in einer gewaltfreieren Geldgesellschaft, aber wiederum der Mann die ihm naturgegeben eigentlich vorgesetzte Vorrangstellung der Frau um so drängender durch zumindest öffentlichkeitswirksame Machtausübung aus, denn nach eigenem Verständnis macht er dadurch sein Unterlegenheitsbewusstsein gegenüber der Frau wieder wett. Die wohl wichtigste Erklärung für die festgezurrte Unterdrückung der Frau in vielen Religionen und Kulturen!

Dieses Denken und Verhalten beherrschte natürlich ganz selbstverständlich auch die Religionen! Wegen der vergleichsweise oft eher mangelhaften Einfühlsamkeit der Männer in seelische Bereiche von Zusammenleben – und insoweit eigentlich mangels wirklicher Eignung! - wird ein Mann – wenn er sich trotzdem entschlossen hat, in 'dem Seelenbereich Glauben’ tätig zu werden - entsprechend konsequent nach Macht streben und diese nach Erhalt dann auch ausüben und verteidigen. Will er so doch beweisen, dass seine Entscheidung für diesen Teilbereich jeder Welt richtig war und ist!

Die Bestätigung durch Macht macht das Tun des Mannes gleichsam wertverbindlich. Hat er Macht bekommen, wird er seine Befugnis notfalls mit Gewalt beweisen, wobei für ihn der ‚Notfall’ sofort dann eintritt, wenn ihm Macht streitig gemacht wird. Dann schlagen sich Männer teilweise fanatisch gegenseitig tot! In Wahrheit werden selbst dann letztlich nur Lächerlichkeiten jeweiligen Glaubens als dessen Macht- und Überlegenheitsbeweis beschworen.

Das galt und gilt noch heute für alle Religionen! Daher ohne Ausnahme Schande und Verachtung zwar nicht über die Religionsgründer selbst, aber über die meisten der ihnen nachfolgenden Religionsführer als jeweilige Machtverwalter!

Allerdings belegt in der Neuzeit dieses Geschehen andererseits aber auch das nicht minder krasse Versagen der Frauen. Haben sie es doch noch immer nicht fertig gebracht, solchem Männlichkeitgetue gewaltfrei Grenzen zu setzen und dies, obwohl durch dieses unrühmliche Treiben der Männer längst das Wesentliche am Glauben verloren ging: als Preis des Menschseins nachdenken zu dürfen über die Sinnhaftigkeit menschlichen Lebens und des Unterschiedes zum Tier.

 

 

 


Essay 2: Glaube, Liebe, Hoffnung

Die Rolle der Religion in einer individualisierten Gesellschaft

 

 

Gelegentlich nehme ich zur geistigen Abwechslung an Essay-Wettbwerben teil. Wird einem da doch ein umfangmäßig begrenztes Thema vorgegeben und zudem eine Zeit gesetzt, innerhalb der es behandelt sein muss. Dem unterwerfe ich mich gerne, weil ich solche Themen sonst gar nicht angehen würde.

Dabei nehme ich mir dann allerdings auch mal die Freiheit, die Grenzen des Themes wettbewerbswidrig zu verlassen, bezw die Vorgaben dessen, was stilmäßig ein Essay sein sollte, wenn mir das thematisch wichtiger erscheint.

Vom vorliegenden Thema gibt es zwei Fassungen, weil ich versehentlich nicht eingehalten hatte, dass das Essay zweispaltig einzureichen ist und damit den Wettbewerbsrahmen sprengte. Durch Kürzen um die Häfte ging aber dann wiederum vieles verloren, was m.E. argumentativ wichtig ist. Bekanntlich liegt in der in der Kürze nicht immer auch die Würze. Hier veröffentliche ich die ursprüngliche 'Langfassung'.

Wiedergabe der Ausschreibung des Essay-Wettbewerbs:

Glaube, Liebe, Hoffnung - Die Rolle der Religion in einer individualisierten Gesellschaft

"Ist es nicht sonderbar, dass die Menschen so gerne für die Religionen fechten und so ungerne nach ihren Vorschriften leben?“, schreibt Georg Christoph Lichtenberg.

Das gilt wohl für nahezu alle Religionen, und doch spielen sie eine wichtige Rolle in den verschiedenen Gesellschaften und Kulturen. Weltweite Trauer und Anteilnahme anlässlich des Todes von Papst Johannes Paul II., der Weltjugendtag, religiös motivierte Terroranschläge - diese so unterschiedlichen, aber allesamt aktuellen Ereignisse lassen viele Kommentatoren bereits von einem Wiedererstarken der Religionen in der heutigen Gesellschaft sprechen.

Ist dem tatsächlich so? Wie sieht sie aus, die Rolle der Religion in der modernen, globalisierten Welt, in der wir gleichzeitig die zunehmende Individualisierung innerhalb unserer Gesellschaft beobachten? Welche Wechselwirkungen ergeben sich aus einem derartigen Spannungsverhältnis? Suchen die Menschen in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs und der zunehmenden sozialen Unsicherheit wieder vermehrt Trost und Zuflucht bei Gott?
Dient die Religion als letzte Gegenwelt zum vom Wettbewerb durchdrungenen Alltag? Können wir bei der zunehmenden Zahl von Religionsgemeinschaften auch eine neue Offenheit und wirkliche Toleranz erkennen? Oder entstehen religiöse Nebenwelten, die nur in Ausnahmefällen zueinander finden, z.B. wenn es sich um Anschläge auf Personen und Sachen handelt? Welchen Einfluss haben und welche Werte vermitteln die Religionen in Erziehung und Bildung? Und welche Bedeutung kommt dabei den Medien zu, die das öffentliche Bild der Religionen nachhaltig gestalten?"

Inhaltsverzeichnis

1. Die Abgrenzung des Themas zum Korintherbrief 13,13
2. Der gängige Begriff Liebe
3. Die Instrumentalisierung des Begriffes Liebe
4. Allgemeine Definition des Begriffes Liebe
5. 'Liebe' zwischen Eltern und Kind
6. Kindliche Lieblosigkeit als Voraussetzung der Eltern-Kind-Trennung
7. Instinktgesteuertes Leben
8. Liebe als triebbestimmtes Handeln
9. Enttäuschende Elternschaft
10. Dankbare Kinder?
11. 'Ersatzliebe'
12. 'Ersatzhandlungen' für Liebe
13. Religion als Gegenstück zu den Verstandeskräften
14. Die Freiheit der Reinkarnation
15. Das Weltwissen der Reinkarnation eine Bedrohung der Kirchen
16. Religionswechsel durch die christliche Kirche
17. Tod den 'Ungläubigen' und Andersdenkenden
18. Dogmenrücknahmen durch einen Papst?
19. Die aussterbende Menschheit?
20. Rettung durch neuzeitliche Sozialsysteme?
21. Das Verschwinden der Familie - ein Verlust?
22. Das Rudelwesen Mensch
23. Artvermehrung statt Arterhaltung
24. 'Elitezucht' ein tauglicher Ersatz?
25. Zur Lebensberechtigung alter Menschen
26. Die Liebe im geschlossenen Lebenskreis
27. Die Bindungsintenstität zwischen Eltern und Kind
28. Die Kind-Eltern-Beziehung
29. Religion und Erdbevölkerung
30. Der Untergang der Menschheit trotz technischem Fortschritt?
31. Die Fehlentwicklung der BRD
32. Individualisierung eine Entschuldigung?
33. Religion als Antwort?
34. Gerechtigkeit statt Armut und Neid

 

Zusammenfassung:

Liebe ist vorbehaltslose Hingabe an ein Anderes;

Glaube in der Religion ist Ausdruck eines sehnenden Überzeugtseins von Liebe,
Hoffnung in der Religion das Verdrängen des Misslingens, Liebe dauerhaft zu leben,
Religion der Versuch, Liebe über die Institution Kirche trotzdem Halt und Hort zu sein.

1. Die Abgrenzung des Themas zum Korintherbrief 13,13

Das Thema unterstellt, dass die Begriffe Glaube, Liebe, Hoffnung, im Sinne des Paulus von Tharsus im 1. Korintherbrief 13,13 für alle christlichen oder diesen verwandten Religionen bestimmend sind und damit auch für die Rolle der Religion in einer individualisierten Gesellschaft:

„ Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei,
aber die Liebe ist die größte unter ihnen. “
(zitiert nach der Lutherbibel 1984)

Allerdings weicht die Begriffsfolge „Glaube, Liebe, Hoffnung“ von der durchaus richtigen Steigerung der Begriffsbedeutungen ab, wie sie der Korintherbrief vornimmt, der die Liebe als letzten der drei Begriffe nennt und ausdrücklich hervorhebt: „aber die Liebe ist die größte unter ihnen“. Der Essay-Wettbewerbs hingegen ordnet den Begriff 'Liebe’ zwischen 'Glaube’ und 'Hoffnung’. Das deutet an, diese Begriffe stünden inhaltlich eher gleichwertig nebeneinander.

Tatsächlich ist dies nicht so. Religionsbezogen geht es bei Glaube und Hoffnung immer um die Liebe und deren Verhältnis zum Weltlichen. Der Begriff Liebe ist folglich der zentrale Gedankenansatz. Sie hat die besondere Stellung inne, die ihr der Korintherbrief zuordnet.

 

 

 


2. Der gängige Begriff Liebe

Üblicherweise wird der Begriff Liebe (vom mittelhochdeutschen liebe „Gutes, Angenehmes, Wertes“) eher unverbindlich verstanden, wohl damit sich jeder darin irgendwie mit seinem Tun und Denken wiederfinden kann. Eben deshalb kommt aber auch so viel Leid aus dem begrifflich vielleicht am seltensten verstandenen Satz: „Ich liebe Dich“:

 

„ Liebe … ist im engeren Sinne die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen zu empfinden fähig ist. Im weiteren Sinne bezeichnet Liebe eine ethische Grundhaltung („Nächstenliebe“). Im ersteren Sinne ist Liebe ein Gefühl oder mehr noch eine innere Haltung positiver, inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person, die den reinen Zweck oder Nutzwert einer zwischenmenschlichen Beziehung übersteigt und sich in der Regel durch eine tätige Zuwendung zum anderen ausdrückt. Hierbei wird nicht unterschieden, ob es sich um eine tiefe Zuneigung innerhalb eines Familienverbundes („Elternliebe“) handelt, um eine enge Geistesverwandtschaft („Freundesliebe“) oder ein körperliches Begehren („geschlechtliche Liebe“). Auch wenn letzteres eng mit Sexualität verbunden ist, bedingt sich auch in letzterem Falle beides nicht zwingend (z.B. sog. „platonische Liebe“). „ ( Wikipedia, Stand 30.12.05 )

Wertend finden sich im Obigen unterschiedlich starke Empfindungszustände von Zuneigung, was dem Begriff Liebe jedoch nicht gerecht wird. Tatsächlich wäre es weitergehenden Überlegungen nur förderlicher, wenn Zuneigung begrifflich eben als Zuneigung verstanden würde, aus der vielleicht mal Freundschaft werden kann und schließlich Verbundenheit - ohne deshalb aber jemals dem Begriff 'Liebe' zugeordnet zu sein.

Vor allem stellt die gängige Begriffsdeutung keine Gemeinsamkeit zwischen Liebe und den Begriffen Glaube, Hoffnung und Religion her. Dabei sind alle Begriffe eigentlich untrennbar miteinander verbunden. Ist Liebe doch die Urkraft in der und für die Schöpfung.

3. Die Instrumentalisierung des Begriffes Liebe

Der Mensch wurde entwicklungsgeschichtlich von der Kette bloßen Instinkthandelns gelassen, als ihm ein großes Gehirn die Fähigkeit zu denken ermöglichte.

Als Wächter dieser neuen Freiheit, sich im Einzelfall entscheiden zu können(müssen), stellte sich dem Menschen damit aber zugleich die Angst vor dem Versagen ein. Dies forderte Antworten auf Lebensfragen, die sich dem instinkthaft gelenkten Tier nicht stellen.

Dies war die Geburtsstunde der Religion.

In vielfältigen kulturellen Ausschmückungen erweiterten die Kirchen den gängigen Begriff Liebe über seine obige, individualistische Vieldeutigkeit hinaus um die Besonderheit der 'göttlichen Liebe' und/oder 'die Liebe zu Gott'. Die Gläubigen, Hoffenden und damit 'die Religiösen' konnten dadurch mit dem Hinweis geworben werden, 'besondere Gottesgeschöpfe' zu sein, weil allein sie fähig seien zu lieben und bevorzugt sie von Gott geliebt würden.

Innerhalb der einzelnen Religionen wurden so der Glaube und auf diesem beruhende Hoffnung gleichsam instrumentalisiert, was seinen Ausdruck in den entstehenden Kirchen und den sie symbolisierenden 'Gotteshäusern' fand. Ohne Andersdenkenden den Begriff Liebe streitig zu machen, wurden somit die 'Liebe zu Gott' und die 'Liebe von Gott' jeweils ein begrifflicher Teilbereich der Liebe, der den Religionen und ihren Kirchen und damit deren irdischen 'Gottesvertretern' vorbehalten scheint.

Tatsächlich fehlt solcher Verwendung des Begriffes Liebe ein redliches Schöpfungsverständnis. Begriffsdeutung und -verwendung des Wortes Liebe bleiben dadurch nämlich menschenbezogen, als ob sie für andere Lebewesen nicht gelte, die dadurch nur noch unter ihrem Nutzenaspekt für die Menschheit gesehen werden. Tierversuch und Genmanipulation sind Auswüchse dieses Denkens. Dabei werden wiederum Pflanzen und Tiere die 'Krone der Schöpfung' sein, wenn der Mensch wieder ausstirbt.

Kritik an einer solchen Denkweise wurde bedarfsweise stets durch die kirchliche Forderung unterlaufen, Zweifler sollten gefälligst stärker 'glauben'. In Wahrheit wurde der Einzelne dadurch beabsichtigt für die Kirchen lenkbar.

Überheblichkeit und Unduldsamkeit als Voraussetzung von Fanatismus waren und sind die Folge und so wurde der Begriff Liebe 'Mittel zum Zweck'. Nichts anderes hat der Menschheit mehr Tote eingebracht, Hass und Verzweiflung.

4. Allgemeine Definition des Begriffes Liebe

Tatsächlich muss die Definition des Begriffes Liebe nicht nur eine verbindende Beziehung zwischen Liebe, Glaube, Hoffnung und Religion herstellen, sondern auch den schöpfungsgemäßen Auftrag der Liebe deutlich werden lassen.

Diesem Erfordernis wird nur die Definition gerecht:

Liebe ist vorbehaltslose Hingabe an ein Anderes.

Als den Lebewesen naturgegebenes Tun ist Liebe begrifflich dadurch zugleich Voraussetzung und Aufgabe allen Lebens.

Ihren reinsten Ausdruck findet solche Liebe dabei im Mitgefühl des Einzelnen für andere..

Dieses 'Mitfühlen' muss sich dabei keineswegs an Konkretem festmachen wollen, sondern kann gleichsam abstrakter Ausdruck einer empfundenen Anteilnahme sein - wie etwa bei Spenden nach Katastrophen. Bei diesen hat der Spender in der Regel keinen direkten Bezug zu einer Person oder einem sie betreffenden Zustand. Der Spender kennt vielmehr den Betroffenen meist nicht - aber er spendet ihm und seinem Zustand(Umstand), weil er sich in die Lage des Betroffenen hineinversetzt und diesen dann als hilfebedürftig einstuft.

5. 'Liebe' zwischen Eltern und Kind

Nach Absicht und Wirken bezweckt Liebe naturgemäß demzufolge im Ergebnis immer Arterhaltung, und nie ist sie daher selbstlos, jedoch im Handeln frei von Vorurteilen.

Liebe im Sinne vorbehaltsloser Hingabe an einen Anderen leben allerdings nur Eltern, denn deren 'Liebe' zum Kind(er-haben) ist zur jeweiligen Arterhaltung unverzichtbar.

Dies gilt für die Menschen ebenso wie für Tiere und – vielleicht - Pflanzen. Da hierüber bezüglich Pflanzen allerdings bislang nur bekannt ist, dass auch sie ein Gefühlsleben haben, bleiben diese wegen fehlender Erkenntnisse im Folgenden außer Betracht.

Die Liebe der Eltern zum Kind ist allerdings ein einseitiger Vorgang. Das Kind selbst lebt nämlich seinerseits keine Liebe. Soweit es den Eltern Gefühle wie Dankbarkeit, Mitgefühl, Freundschaft, Anerkennung, Bewunderung o.a. entgegenbringt, bedeutet dies jedenfalls nicht, dass die Eltern ihrerseits 'widergeliebt’ werden.

Tatsächlich wird für einen Gefühlsaustausch des Kindes mit seinen Eltern der Begriff Liebe falsch verwendet, denn warum auch sollte ein Kind nach Grund und Entwicklungszustand seine Eltern 'lieben' (können/wollen) im definierten Sinne?

Aufgrund seiner Schutzbedürftigkeit ist das Verhalten eines Kindes – bei Mensch wie Tier - vielmehr zweckbestimmt nur auf Überleben und die eigene Weiterentwicklung ausgerichtet. Die 'Kinder’ von Menschen und Tieren entwickeln sich dabei aufgrund instinkthafter Neugier auf 'das Leben’, wobei ihnen ein ebenfalls instinkthafter Spiel- und Lerntrieb bei der Aneignung und Verfestigung des Erlernten hilft.

Trotz aller hingebungsvollen Zuwendung der 'Eltern’ empfindet das 'Kind’ - weder beim Mensch noch beim Tier - in seiner Kindheit daher 'Liebe’ für seine Eltern. Es empfängt zwar Liebe und spiegelt dies bestenfalls auch in Verhalten und Entwicklung als Freundschaft, Zuneigung u.a. wider, doch seine Gefühle gegenüber den Eltern bleiben überwiegend unterschiedlich starker Ausdruck von Dankbarkeit.

Christliche Religionen haben die Zusammenhänge der Eltern-Kind-Beziehung in der Elternrolle von 'Gott-Vater' richtigerweise ebenso berücksichtigt, wie die 'Kindrolle' Jesus Christus, indem er Mensch wurde. Die Menschen wiederum sind 'Kinder Gottes'.


6. Kindliche Lieblosigkeit als Voraussetzung der Eltern-Kind-Trennung

Diese 'Lieblosigkeit' des Kindes gegenüber seinen Eltern – bei Mensch wie Tier - ist artgemäß.

Unterschiede zwischen Mensch und Tier bestehen jedoch beim Beenden einer Eltern-Kind-Beziehung. Löst sich doch das Tier seelisch scheinbar unbeschadet und elternbezogen vergleichsweise leicht von seinem Nachwuchs.

Das liegt nach Beobachtungen aber nicht daran, dass bei Tieren die Beziehung zwischen Eltern und Kind schwächer ausgeprägt ist. Vielmehr ist die Phase der Abhängigkeit des Kindes von den Eltern erheblich kürzer als beim Menschen, weshalb üblicherweise bei den Tieren die Bindungsstärke schwächer ist, als in der menschlichen Eltern-Kind-Beziehung.

Gerade dass und wie sich eine solche Trennung von Eltern und Kindern überhaupt vollzieht - nicht selten qualvoll, gerade für 'liebende Menschen-Eltern'! – beweist übrigens ebenfalls, dass es sich kindseitig um bloß instinkthaftes Verhalten handelt, dessen Ziel es ist, irgendwann selbst Verantwortung für das eigene Leben übernehmen zu wollen(müssen).

Anders wäre, nach seiner - bei den Menschen möglicherweise sogar jahrzehntelang - gewachsenen Bindung an die Eltern, dem Kind eine Trennung unmöglich. Ist ein solcher Schritt – jedenfalls bei den Menschen – doch immer auch eine seelische Verletzung der Eltern und dies wäre dem Kind auch bewusst. Ein 'liebendes' Kind könnte dies nicht tun.

Sofern 'Menschen-Eltern' daher unter diesem Vorgang der Ablösung leiden, ist das meist Folge ihrer individuellen Unfähigkeit, das Reifen ihres Kindes richtig und rechtzeitig einzuordnen, diesem Geschehen eigenes Verhalten anzupassen und das Kind dann 'los-zu-lassen'.

Dem Kind wird solche, es letztlich sogar 'überfordernde' Eltern-Liebe nicht selten sogar zur Last und dies um so drückender, je schwerer und schwerfälliger der 'liebende' Elternteil auf seinen rollengemäßen Unterwerfungsanspruch an das Kind verzichtet.

Die richtigerweise 'lieblose' Beziehung des Kindes zu seinen Eltern wird auch daran deutlich, dass das Kind bei den höher entwickelten Lebewesen – Tier wie Mensch - ohnehin nicht notwendig an seine genetischen Eltern gebunden ist. Gerade beim Menschen kann mit instinkthaft gelebter Liebe für das Kind die Elternrolle sogar von 'Ersatzeltern' übernommen werden. Früher waren dies bei Vermögenden standesmäßig etwa Ammen. Aus anderen sozialen Gründen sind es heute etwa Pflegeeltern. Das kann für die Entwicklung eines Kindes im Einzelfall sogar besser sein.

7. Instinktgesteuertes Leben

Das Tier wird vom Instinkt bestimmt, der oft auch über Zusammensetzung und/oder Zusammenkommen der Tiergruppe entscheidet. Manche Tiere finden überhaupt nur zum Zwecke der Paarung zusammen.

Wird – wohl zulässig – auch den Pflanzen unterstellt, gleichsam 'instinktmäßig' zu sein, so war und ist Instinkt die zentrale Lenkkraft allen Lebens.

Zwar gibt es menschenähnliche Erdbewohner schon seit über 1 Million Jahren auf der Erde, aber erst der heutige Mensch und seine direkten Vorgänger konnten durch ihr größer gewordenes Gehirn allmählich vom ausschließlichen Instinktverhalten ablassen und dieses durch eigenes, verstandliches Denken ganz oder teilweise ausschalten und/oder ersetzen. Erst etwa 30 000 Jahren sind in Bezug auf den heutigen Menschentyp seither vergangen.

Diese Möglichkeit vielschichtigen, übergreifenden Denkens ist wegen seiner tiefgehenden Wirkung auf die Gefühle allerdings nur bedingt ein Gewinn für die Menschheit. Über seine Instinkte hinaus zu wachsen, gebiert dem Einzelnen nämlich zwangsläufig auch die Notwendigkeit – bis hin zur Not! - mit seinem Verstand nun auch denken zu sollen(müssen).

Das aber bedeutet in der Folge auch Unsicherheit vor dem Unbekannten, das der Instinkt nicht(mehr) beherrscht, eben deshalb der Verstand aber plötzlich als Bedrohung begreift und sich dadurch zum Handeln gefordert weiß.

Der Verstand wurde für den Menschen zugleich Geburtsstätte der Angst, seinem Verstehen und Erkennen möglicherweise nicht gewachsen zu sein – insbesondere aber nicht dem Verstand seiner Mitmenschen.

Angesichts dieser Ängste und Schwierigkeiten verwundert es nicht, dass der Mensch instinkthaft danach weiterhin immer Teil einer Gruppe blieb und ohne diese auf Dauer auch nicht überlebensfähig ist. In dieser, 'seiner' Gruppe arbeitet er lebenslang, am eigenen Überleben und an dem seiner Gruppe - artgemäßer Egoismus, der allerdings nicht zu verurteilen ist.

"Zusammenleben und Zukunft einer Gesellschaft sind abhängig von der Solidarität der Einzelnen gegenüber der Gruppe und dem gruppengerechten Rückschnitt ihrer Individualität“ (Wolf-Alexander Melhorn: "Eine egoistische Gesellschaft? - Der Einzelne zwischen Individualismus und Solidarität"– http://www.melhorn.de/Egoismus )

 

8. Liebe als triebbestimmtes Handeln

Zunächst in der vorurteilsfreien Hingabe an ein anderes, artgleiches Lebewesen bei Vorbereitung und Ausführung eines Aktes der Fortpflanzung, danach im eigenen Elternsein leben Mensch wie Tier 'Liebe' in ähnlicher bis gleicher Weise ihre Arterhaltung als triebbestimmtes Handeln. Wirkliche Unterschiede zwischen Mensch und Tier in Bezug auf Liebe ergeben sich erst dadurch, dass die 'Brutpflege' von Mensch und Tier unterschiedlich lang dauert.

Dass diese Möglichkeit der Menschen, eine vielleicht sehr große Bindungsstärke in der Beziehung zwischen Eltern und Kind aufzubauen, allerdings Ausdruck 'göttlicher Liebe' ist und die Menschheit als 'Krönung der Schöpfung' ausweist, muss jedoch bezweifelt werden.

In der Wirklichkeit ist dies dem Einzelnen für sein Leben mehr Fluch denn Segen. Ist ihm damit doch in Wahrheit eine Freiheit des Entscheidens eingeräumt, die dem instinkthaft handelnden Tier nicht aufgebürdet ist. Den Menschen zwingt nun nicht mehr Instinkt zu arterhaltendem Tun, sondern jetzt ist er seinem Verstandeshandeln überlassen.

Als wohl einziges Lebewesen kann der Mensch seine, ursprünglich instinkthafte Liebe dadurch nach verstandlichem Belieben leben.

Damit wird die Liebe des Einzelnen aber auch Ausdruck und Folge dessen, was er erlebt und erfahren hat, was seinen Verstand und damit auch sein weiteres Wollen prägte.

Aber eben deshalb kann nun auch die Bindungsstärke in einer Beziehung zwischen 'Menschen-Eltern' und ihrem Kind aufgrund Unerfahrenheit, Unwissenheit und/oder instinkthaftem Versagen des Einzelnen gering sein. Wegen Überbewertens des eigenen Verstandes entspricht sie im Ergebnis möglicherweise sogar nur der eines Tieres.

Wegen der geistig-seelischen Beschränktheit jedes Verstandes kann der Einzelne sein Geben von Liebe vielleicht sogar nur noch auf den Augenblick des Geschlechtsaktes beschränken und/oder eine Eltern-Kind-Beziehung schon bald beenden.

Entwicklungsgeschichtlicher Vorteil sieht anders aus!


9. Enttäuschende Elternschaft

Wenn Menschenkindern den eigenen Lebensweg betreten, trennen sich ihre Eltern wegen der langen Phase (über)lebensnotwendigen Zusammenlebens mit dem Kind oft um so schwerer von ihm, je liebevoller elternseitig die Eltern-Kind-Beziehung war.

Der Mensch scheint vordergründig insoweit gegenüber dem Tier gleichsam benachteiligt, denn soweit vom Menschenkind – vom Tier wissen wir darüber nur wenig – in dieser Reifungszeit den Eltern Gefühl entgegengebracht wird, ist es eben überwiegend 'nur' Dankbarkeit, Zuneigung, Freundschaft u.a. – aber keine Liebe.

Das scheint vielen aber wiederum grundsätzlich zu wenig 'Entschädigung' für einen eigenen Einsatz als Eltern.

Wegen der heute zunehmenden Betonung des Verstandes – wie immer dieser vom Einzelnen geschult wurde – liegt es daher nahe, dass sich der Mensch einer Eltern-Kind-Beziehung verweigert. Denn warum soll man sich als 'moderner' Mensch überhaupt ein Kind 'antun'? Hat man nicht schon mit dem eigenen Überleben genug zu tun? Zumal die Gesellschaft außerdem steigende Standards bezüglich der Voraussetzungen setzt, Kinder überhaupt aufziehen zu können(dürfen)?

Es konnte nicht ausbleiben, dass die Überbetonung der Verstandeskräfte für das menschliches Tun – sofern solche Kräfte beim Einzelnen überhaupt immer auszumachen sind – schließlich in jeder modernen Gesellschaft auch zu ihrer Schwachstelle wurde.

Die Möglichkeit zur Fortentwicklung seiner Verstandeskräfte bezahlt der heutige Mensch jedenfalls mit dem Preis verweigerter Arterhaltung.

Der Einzelne wird diese Auswirkungen irgendwann zu fühlen bekommen. Selbst bei bescheidenem Wissen wird er dann begreifen, nun Opfer bloßer Verstandeskräfte und deren teilweise selbstläuferischen Entwicklung zu werden - bezüglich seines Lebens mit anderen, wie auch mit sich selbst.

10. Dankbare Kinder?

Wenn ein Kind den Eltern schon keine Liebe gibt, sollte es aber wenigstens 'richtig' dankbar sein, denken viele.

Aber auch Dankbarkeit von größeren Kindern ist keineswegs selbstverständlich. Wofür sollte ein Kind schließlich seinen Eltern dankbar sein, wenn ihm selbst keine wirkliche Liebe, sondern allenfalls gefühlsarme Versorgtheit zuteil wurde?

Wo umständehalber elternseitige Liebe nicht möglich war, kann dafür allerdings beim Kind aus verschiedensten Gründen später vergebendes Verständnis reifen.

In erster Linie spiegelt jedoch ein Mangel an kindlicher Dankbarkeit oder sonstiger Gefühle Versäumnisse der Eltern, ihrem Kind in ausreichender Liebe begegnet zu sein. Schließlich nimmt beim sog. 'modernen’ Menschen die Bereitschaft zur Liebe als der vorbehaltslosen Hingabe an ein Anderes ( = Kind ) verstandesbedingt eher ab und das ICH drängt in die Entscheidungen.

Dieses Versagen von Eltern ist für die weitere Entwicklung eines Kindes meist verhängnisvoll. Vor allem, wenn es nicht durch jähe Beziehungsbrüche geschieht, wie etwa der jähen Trennung von einem Elternteil. Eine schleichende Abnahme der elterlichen Beziehungswilligkeit gegenüber dem Kind beschädigt dieses in seiner seelischen Entwicklung oftmals dadurch erheblich mehr, weil dessen fürsorgebedürftige Seele bis zum endgültigen, inneren Abbruch der elternseitigen Beziehung zum Kind dauerhaft Schäden erleidet oder daran vielleicht zerbricht.

Solches Geschehen ist im Einzelfall bedingt und nur mittels schneller Entscheidungen für 'Ersatzeltern’ aufzufangen oder sogar ausgleichbar. Diese 'Ersatzeltern' wiederum sollten dem Kind Liebe entgegenbringen ( können) – was allerdings vorrangig wieder davon abhängt, ob diese Dritten ihrerseits in der Kindheit ausreichend Liebe erfahren hatten.

 

 


11. 'Ersatzliebe'

Es unterscheidet den Menschen von anderen Lebewesen, dass er ursprünglich instinkthaftes Vorgehen teilweise durch verstandesgesteuertes Tun ersetzen kann. Allerdings darf diese Möglichkeit nicht überschätzt werden.

Es ist für erwachsene – so unscharf dieser Begriff sein mag – Menschen und ihr Sexualverhalten durchaus verträglich oder vielleicht sogar sozialförderlich, Instinkt durch den Verstand zumindest zu begleiten - auch wenn das Ergebnis im Einzelfall trotzdem noch erschrecken mag.

Schon immer spielte der Verstand etwa auch im Sexualverhalten der Menschen eine große Rolle. Es leisten außerdem viele Menschen einen auch wirtschaftlichen Beitrag für die Gesellschaft dadurch, dass sie auf unterschiedlichste Weise Wissen und Denken über 'Liebe' darzustellen, verbreiten u.a. . Der Verstand machte aus und mit Liebe sogar Kunst.

In modernen Gesellschaften wurde das 'Wissen' um 'liebevolles' Aufziehen eines Kindes daher auch eher dem Verstand übertragen. Er soll den Instinkt zumindest unterstützen. Im Ergebnis ersetzt daher etwa das Berufsbild der ErzieherIN bedarfsweise die instinkthafte Liebe natürlicher Eltern – was dem Kind aber durchaus förderlich sei kann.

Schwierigkeiten ergeben sich bei verstandlichem Ersatzhandeln jedoch dann, wenn der Verstand durch eine Situation ge(über)fordert ist, für die er kein taugliches Wissen hat. Ohne Fremdhilfe wird daraus eine Notsituation, wenn vom Einzelnen trotzdem Handeln gefordert ist.

Im Sexualverhalten wie bei der Kinderbetreuung wird in solchen Fällen der hilflose, da unwissende Verstand unbewusst immer auf die 'Notreserve' seines Instinktes umgeschaltet und ist dann allerdings dem ausgeliefert, was dort an unterbewusster Erfahrung abgespeichert ist. Gar nicht selten ist dies aber ein, einst prägendes, negatives Erleben mit sich selbst oder Dritten.

Die fachlichen Anforderungen an Dritte in der Rolle der 'Ersatzeltern' müssten hinsichtlich Verstand und des ihm zubereiteten Wissens über instinkthafte Liebe in Wahrheit damit aber weit höher sein, als heute gesellschaftlich gewöhnlich gefordert wird. Wie entgleiste Betreuung aus Kinderheimen belegt, genügt es jedenfalls nicht, dass sich jemand nur gutwillig in eine Institution eingebracht und die eigene 'Liebesfähigkeit' dadurch gleichsam selbst 'zugeteilt' hat.

Fehlt einem Menschen in der natürlichen wie zugewiesenen Elternrolle sowohl eigene Liebeserfahrung als Kind, als auch diese ersetzendes Wissen, so wird ein solcher Mensch vielmehr gerade dann sogar zum Ungeheuer für das ihm anvertraute Kind, wenn er diesem gegenüber instinkthaft handelt, nur weil sein Verstand die Schäden seines Instinktes nicht zu kontrollieren vermag.

12. 'Ersatzhandlungen' für Liebe

Mensch und Tier müssen sich immer artgemäß und artbezogen verhalten. Soweit beide trotzdem artfremde Lebewesen 'lieben' im definitorischen Sinne, handelt es sich jeweils nur um eine 'Ersatzhandlung' eigentlich artgemäßen Verhaltens.

Aufgrund einer fehlenden oder unbefriedigenden Eltern-Kind-Beziehung weist der 'Liebende' eigentlich dem 'geliebten' Lebewesen – meist einem Tier – eine artgemäße Kindrolle zu. Die meisten Katzen und Hunde leben so in den Haushalten mit dem Menschen zusammen.

Allerdings wurden auch Fälle bekannt, in denen Tiere Menschen oder artfremde Tiere 'ersatzweise' als 'Kind' übernahmen.

Auch wenn in allen Fällen jeweils im definitorischen Sinne 'in Liebe' gehandelt wird, war es – auch bei Menschen - trotzdem stets instinkthaftes, artgemäßes Ersatzhandeln von Rudelwesen.

Dies gilt auch für artgemäßes Rollenspiel , wie etwa dem instinkthaften Nachahmerspiel des Kindes mit seiner Puppe, bei dem es leblose Materie 'zum Leben' erweckt.

Der Mensch kann verstandlich allerdings 'Liebe' nicht auf tote Materie wie etwa Briefmarken oder auf Abstraktes wie 'Natur' ausweiten. Solche Unterstellung verwechselt Liebe begrifflich mit Liebhaberei aufgrund von Neugier, Träumerei, Zuwendung, Schwärmerei, Freude, Herrschsucht o.ä. . Selbst wenn es voller Hingabe betrieben wird und sich das im sachlichen Zustand der 'geliebten' Materie widerspiegelt, bleibt es im eigentlichen Sinne doch stets gruppenbezogene 'Ersatzhandlung', wie etwa das Puppenspiel des Kindes.


13. Religion als Gegenstück zu den Verstandeskräften

Die entwicklungsgeschichtliche Abkehr der Menschheit von ausschließlichem Triebverhalten brachte für vieles jenseits des Materiellen aber auch eine wachsende Erklärungsnot. Als Gegenstück zur materiellen, bedurfte der Mensch daher gerade verstandesmäßig notwendig auch einer geistigen Welt.

Gerade wegen der Gefangenheit in seinem materiellen Sein erbaute sich der Mensch daher nach Wünschen und Wissen ein Denkgebäude, das ihn und seine Mitmenschen insbesondere auch vor dem Verstandesmissbrauch durch die eigene Art schützen sollte.

So ward dem Menschen die Religion geboren,
schenkte sich die Menschheit Glauben.

Es entstanden im Verlauf der Menschheitsgeschichte verschiedenste Glaubensformen und –inhalte von der Vorstellung schöpfungsgemäßer Existenzen außerhalb der materiellen Welt und deren manchmal fast unerträglichem Elend der Gläubigen. In sie konnte sich der Mensch flüchten. Dort boten sich ihm Erklärungen, die dem Einzelnen das tägliche Weiterleben erleichterten, und wenn er solche Verstandesarbeit nicht selbst leisten konnte, taten dies Andere für ihn.

Die Hoffnung wurde dabei wesentlicher Bestandteil des jeweiligen Glaubens, denn sie erst gibt einer sehnenden Seele die Zuversicht, dass sich alles ändern, alles doch noch bessern werde oder zumindest bewegen könne – wenn nicht auf dieser, so in einer späteren Welt.

Aus der Notwendigkeit, Religion zu haben,
verfasste sich die Menschheit danach ihre Kirchen.

14. Die Freiheit der Reinkarnation

Dieses verstandesbedingte Begreifen eigenen Seins beinhaltete für den Menschen aber zwangsläufig, sich auch eine Seele - ein ICH - eingestehen zu müssen, denn es wurde klar: „ICH habe einen Körper und ICH habe einen Geist und beide gehorchen meinem ICH.“

Die wichtigsten Fragen wurden: Wem gehorcht mein ICH? Was eigentlich ist Seele? Vor allem: Warum gleicht erkennbar nicht jede Seele der anderen? Wie und warum kommt es zu den verstandlich fassbaren Unterschieden zwischen den Menschen? War die Seele vielleicht mehr als nur ein bestimmendes Handlungselement?

Aufgrund solcher, durchaus schlüssigen Sinn- und Seinsfragen menschlichen Lebens kam es so zur verstandesgemäßen Dreiteilung des Menschen in Körper, Geist und Seele. Hieraus wiederum erwuchs dem Menschen schließlich die religiöse Gewissheit, dass es zwar ein irdisch begrenztes Sein des Körpers gibt, aber nicht den Tod seiner Seele. Diese versammele sich nach dem Tod des Körpers vielmehr in einem sog. 'Höheren Selbst' als ihrem eigentlichen Rückzugsgebiet.

Zu Ende gedacht, ergaben diese Überlegungen, dass sich eine Seele später - irgendwann und irgendwo – dann auch wieder einen irdischen Leib suchen werde. Nur in diesen Phasen ihrer körperlichen Wiederkehr mit den sich daraus ergebenden Aufgabenstellungen konnte sie schließlich weiter reifen und dabei jene Prüfungen ablegen, aufgrund derer sie zuletzt in den Himmel/das Paradies gelange.

Die Seele beschreitet während ihres jeweiligen irdischen Daseins demnach einen, auch selbst mitbestimmten, langen Weg, denn sie im Jetztsein überfordernde Prüfungen für ihre Entwicklung zur Vollkommenheit durften nun auch in ein späteres körperliches Sein dieser Seele verschoben werden. Das Himmelreich musste nicht schon in einem einzigen Anlauf irdischen Hierseins gewonnen werden.

Der Glaube an die neuerliche Fleischwerdung ( = Reinkarnation ) der Seele in Form ihrer Wiedergeburt in einem anderen Körper war entstanden - nicht zu verwechseln mit der Metamorphose (= Seelenwanderung) , dem Einkörpern eines Geist-Wesens in einen neuen Körper, unmittelbar nach dem Tode eines Menschen).

Solches Denken war dabei nicht nur schlüssig, sondern brachte dem Bedrängten die vormals nie lebbare Freiheit, sich entscheiden zu können. Entscheiden ist aber „die einzige Freiheit des Menschen“ ( Wolf-Alexander Melhorn: „Die Freiheit – als eine schöne Kunst betrachtet“ – http://www.melhorn.de/Freiheit).

Eine tröstliche Aussicht für manchen. Je unerbittlicher der Körper in irdischen Zwängen gebunden war, gab die Annahme einer Wiedergeburt der Seele vielen eine sicherlich erlösende Antwort auf die Ängste ihres Alltags. Das beengte Erdensein wurde dem Höheren Selbst zum wechselnden, aber letztlich doch friedvollen Durchgang in eine andere, geistige Welt.

 

 


15. Das Weltwissen der Reinkarnation eine Bedrohung der Kirchen

Diese Überzeugung teilten als ureigenstes Wissen einst alle Religionen. Religion konnte dadurch überzeugen.

Als Folge so individualisierter Religiosität konnte und würde sich der Einzelne jedoch jederzeit in eine eigene Vorstellungswelt zurückziehen, wenn ihm seine Kirche – als institutionalisierte Einrichtung seiner Religion – auf Dauer nicht ausreichend Halt und Hilfe bieten konnte.

So freies Denken bedrohte aber wiederum den Machtanspruch jener, die sich zu Vertretern der jeweiligen Religion des Einzelnen gemacht hatten. Einen Glauben wie die Reinkarnation bestehen zu lassen, stellte letztlich die Meinungsführerschaft jeder Kirche als geistige und weltliche Herrschaft über die Glaubenden und Hoffenden ( = Gläubigen) infrage.

Das aber ist für jede Kirche als Institution ein schwer hinnehmbarer Zustand von Ohnmacht. Für die meisten Menschen ist Macht schließlich Ausdruck von Entwicklung, Bewährung und Besonderssein. Daher nicht selten auch das fast wahnhafte Bedürfnis des Menschen zu herrschen – über alles und vor allem seinesgleichen. Bietet sich die Gelegenheit, so wird diese vor allem ein seelisch unfertiger Mensch ergreifen (müssen) und fragt dabei nicht nach der Berechtigung solchen Tuns, sondern nur nach dessen Erfolg.


16. Religionswechsel durch die christliche Kirche

Der Machtwille ihrer Vertreter hatte sich schon bei Umwandlung der christlichen Religion in eine institutionalisierte Kirche gezeigt, indem alle Frauen aus der Führung der christlichen Glaubensgemeinschaften entfernt wurden und deren Aufgaben machtbewusste Männer übernahmen.

Nachdem der letzte Herrscher des römischen Gesamtreiches, der im Osten des römischen Reiches lebende Kaiser Theodosius I. ( 347 – 395 ) in dem Dreikaiseredikt 'Cunctos populos' das Christentum zur Staatsreligion erhoben hatte, war aus einer, vormals in der Regel frauengeführten Glaubensgemeinschaft endgültig eine machtbewusste Institution von Männern geworden. Die Kirche der christliche Religion verfolgte von da ab als weltliche Macht etwa Irrlehren ( 'Ketzer') mit staatlicher Gewalt. Priscillian wurde im Jahr 385 als erster Ketzer hingerichtet.

Weltliche Macht geworden, war es für die christliche Kirche als 'Hüterin der christlichen Religion’ daher unerhört, dass jeder trotzdem durch die Lehre von der Reinkarnation auf seine Weise das Seelenheil erstreben und sich der Kirche folglich sogar verweigern konnte. In einer Bannschrift gegen die bis dahin unangefochtene Lehre ihres einstigen Kirchenvaters Origines ( 185 -253 n.Chr) verurteilte sie daher im Jahre 543 die Reinkarnationtheorie und ersetzte sie durch die Lehre von der ewigen Hölle. Auf Anordnung des oströmischen Kaisers Justinian wurde im gleichen Jahr das 5. Allgemeinen Konzil zu Konstantinopel einberufen, welches das Edikt bestätigte.

Die Bannsprüche lauten seither:

• Wer die märchenhafte Präexistenz der Seele und die mit ihr zusammenhängende abenteuerliche Apokatastasis ( Wiederherstellung aller Dinge, dass es werde wie am Anfang ) behauptet, der sei verflucht.

• Wenn einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und des gottlosen Menschen sei zeitlich und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben … der sei verflucht.

Anders als in der Lehre von der Reinkarnation, war der christliche Mensch nun auf sein derzeitiges, irdisches Hiersein und die ihn hier und jetzt beeinflussenden Kräfte eingeschränkt. Sein irdisches Verhalten weist ihm beim Sterben dauerhaft Himmel oder Hölle zu. Will er etwas für sein Seelenheil tun, muss es daher in der ihm irdisch gegebenen, zu vorherigem Denken vergleichsweise nur knappen Zeit geschehen.

Der Einzelne war kirchlicherseits dadurch insofern eingeschränkt worden, als nun sein Verstand bestimmender Lenker seines irdischen Handelns werden musste.

Das konnte nicht gelingen. Die geistige Unterwerfung unter die angeblich Wissenden der Kirche wurde daher um so größer, je mehr der Einzelne etwa aufgrund eindringlichster Belehrung durch die Kirchen anerkannte, dass gerade sein Verstand und Wissen eher fragwürdige Ratgeber seiner Entscheidungen seien.

Die christliche Kirche hatte um ihrer Weltlichkeit willen die Religion verraten.

Die christliche Kirche lenkte ihre Gläubigen also mittels deren Angst, jene offenen Fragen nicht selbst beantworten zu können, die eigentlich der Grund ihrer Flucht in die Religion gewesen waren und deren Beantwortung sie eigentlich aus den irdischen Zwängen ihrer Körperlichkeit befreien sollte.

Der Kirche kam dabei zugute, dass die Menschen in einer Zeit großer Grausamkeit lebten, mit der sie sich gegenübertraten. Recht war – wie heute? – zudem stets auf Seiten der Gewalt.

Begünstigt wurde diese Bevormundung der Massen noch zusätzlich dadurch, dass andererseits kein Andersdenkender überzeugend darlegen konnte und kann, was sich der Mensch unter dem Himmel/Paradies nach dem Tode genau vorzustellen hat. Was wohl Hölle sein werde, das allerdings lehrten/lehren jeden Einzelnen in der Regel seine Lebensschwierigkeiten! Hölle würde vergleichsweise nur noch schlimmer sein!

Der Ablasshandel des Mittelalters u.ä. Vorgänge hatten und haben in solchem Denken ihren Ausgang.

17. Tod den 'Ungläubigen' und Andersdenkenden

Diese Veränderung der Religion ließ sich kirchenseitig aber nun auch noch dazu nutzen, den glaubensmäßig auf sein jetziges Erdensein beschränkten Menschen nun unmittelbar zur Verbreitung des christlichen Glaubens und damit des weltlichen Machtanspruches der christlichen Kirche einzusetzen.

Folge dieser, im Kern eher menschenfeindlichen Abkehr vom Gedanken der Reinkarnation waren von der christlichen Kirche angezettelte Religionskriege. Sinn- und wortmissbräuchlich wurden sie als 'Kreuzzüge' bezeichnet und sogar zu 'Heiligen Kriegen' erklärt. Die Kirchen(be)herrscher trieben dazu ihre 'Gläubigen' durch den Hinweis an, dem einzelnen Glaubenskämpfer bleibe nur seine kurze Lebensspanne auf Erden, dadurch für die eigene Seele Vorteile zu erlangen.

Gerade auch die Art ihrer 'Bekehrungen Gottloser' durch die stets gewaltbereite Mission ( = Verbreitung einer religiösen Lehre unter Andersgläubigen ) der christlichen Kirche, entlarvte durch nicht selten grausiges Tun ihrer 'Heilsbringer' jedoch die wahren Absichten der, die christliche Religion vertretenden Kirche. Dabei braucht taugliche Religion in Wahrheit keine Mission, sondern verbreitet sich durch Vorbild.

Zu den beklemmenden Höhepunkten kirchlicher Machtpolitik gehört außerdem der Umgang der christlichen Kirche mit Anhängern der eigenen Religion. Unter dem Vorwand, Ketzer nur befragen, sie aber nicht selbst anzuklagen zu wollen, erstand die Inquisition. Deren Machtstellung wuchs dann um das Jahr 1100 mit Aufkommen der Bogomilen, Katharer (Albigenser) und Waldenser. Deren Zulauf ließ die christliche Kirche ein Abspalten fürchten und wurde von ihr daher als Bedrohung bekämpft.

Zur Behörde wurde die 'heilige Inquisition' im 13. Jahrhundert. Sie überstellte die angeblich 'Abtrünnigen im Glauben' stets der weltlichen Herrschaft. Ihre menschenverachtenden Methoden der 'Befragung' sind bekannt.

Eine schreckliche Hochzeit hatte dies in den Hexen- und Hexerverfolgungen des Mittelalters. Angeblich vom Teufel Besessene sollten durch 'peinliches Befragen' zunächst wieder zum rechten Glauben gebracht werden, nach dem Hexenprozess verbrannte sie die weltlichen Macht.

Was noch heute von der Kirche jedoch verständnisvoll als verblendetes Eiferertum abgetan wird, wurde in der Wirklichkeit meist skrupellose Geschäftemacherei. So konnte – jedenfalls in den Anfängen - vorgabegemäß kein Mitglied des Adels vom Teufel 'besessen' sein und blieb damit der Inquisition entzogen. Waren doch viele Kirchenfürsten von Adel oder diesem verbunden.

Auch die Armen 'verschonte’ der Teufel üblicherweise. Besaßen sie doch nichts, um die Kosten ihrer Haft aufzubringen, sich gar ihre Freiheit oder wenigstens 'Erleichterungen’ bei der 'Befragung’ unter der Folter oder ihrem anschließenden Verbrennungstod erkaufen zu können.

Hexenprozesse betrafen daher fast nur das sog. Bürgertum, denn deren Vermögen fiel - mit stillschweigendem Wissen und Duldung der Päpste - jeweils an die örtlichen Kirchenherren, die damit etwa Bau und Erhalt ihre Residenzen finanzierten. Hierzu etwa die Dokumente bei Hans Gebhard: „Gerichtsherr Luwig Kieninger – ein Hexer aus Ellwangen“ (MedienTeam Berger, Ellwangen).

18. Dogmenrücknahmen durch einen Papst?

In heutiger Zeit hätte der Versuch, den Glauben der Reinkarnation zu bannen, wohl Ablehnung ausgelöst und würde als Ausdruck des bloßen Unterwerfungswillens einer kirchlichen Institution abgelehnt(?).

Die Aufhebung des Bannes über die Reinkarnationslehre würde noch heute jedenfalls in allen christlichen Religionen vor allem auch das, abseits inzwischen ohnehin wieder aufkommendes Verständnis für die Annahme einer Wiederkehr der Seelen stärken. Das käme der christlichen Religion und insbesondere ihren Kirchen unmittelbar zugute.

Die Aufhebung dieser Dogmen wäre jedenfalls angebracht. Nachdem dieser Bann aber durch rücksichtlosen Gewalteinsatz der Kirchenführer inzwischen Jahrhunderte überdauerte, kann und wird aus falsch verstandener Tradition jedoch niemand mehr in den christlichen Kirchen eine solche Rückbesinnung wagen.

Für geistlicher Unbeweglichkeit in den christlichen Kirchen steht gerade das Beispiel der katholischen Kirche. Zum Zwecke institutioneller Machtfestigung legte sie am 18.7.1870 unter Papst Pius IX. auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869/1870) in der Papst-Konstitution „Pastor aeternus“ sogar das Glaubens-Dogma von der päpstlichen Lehr-Unfehlbarkeit (Lehr-Infallibilität) sowie den Primat des römischen Bischofs über die ganze Kirche (Jurisdiktionsgewalt) fest:

„Wenn der römische Bischof ´ex cathedra´ spricht, das heisst, wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen kraft seiner höchsten Apostolischen Autorität entscheidet, dass eine Glaubens oder Sittenlehre von der gesamten Kirche festzuhalten ist, dann besitzt er mittels des ihm im seligen Petrus verheissenen göttlichen Beistands jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei der Definition der Glaubens- und Sittenlehre ausgestattet sehen wollte.“( http://www.kath.de/kurs/vatikan/unfehlbarkeit.php )

Dieses Dogma von der Unfehlbarkeit wird ein Papst irgendwann allerdings wieder aufheben, denn es ist nicht schlüssig begründbar - und eben das wissen die Kirchenmitglieder längst.

Die katholische Kirche würde ihren Anhängern dadurch eine neue Freiheit des Entscheidens schenken und sie dadurch gewiss wieder fester an sich binden!

Zugleich wäre diese Dogmenrücknahme ein beherzter Ausdruck geistiger Größe, als Zeichen immerwährenden Unterworfenseins des Menschen unter einen Allmächtigen die Fehlbarkeit menschlichen Tuns einzuräumen – gerade wenn und weil sich der Handelnde als irdischer Stellvertreter des Sohnes Gottes versteht.

Gerade in modernen Gesellschaften ist solche Abkehr der Kirchen von weltlicher Macht wichtig, weil sie das Festhalten an weltlicher Macht von den eigentlichen Aufgaben einer Suche nach Antwort auf menschheitswichtige Fragen ablenkt(abhält). Die christlichen Kirchen erkennen aber leider immer noch nicht, dass die Gattung Mensch durch eine 'falsche' Religion langfristig aussterben wird.


19. Die aussterbende Menschheit?

Diese Voraussage steht nicht im Widerspruch zur derzeitigen Zunahme der Weltbevölkerung, die örtlich derzeit noch durch Vermehrung aus ihrem Elend freikommen will.

Wirtschaftliche Not legt den Menschen schließlich ganz selbstverständlich Kinderreichtum nahe, wenn ihren Gesellschaften tragfähige Sozialsysteme fehlen. Dem Kranken wie dem Alten droht andernfalls vorzeitiger Tod, weil außerhalb der eigenen Familie keiner zu helfen bereit ist. Diese Entwicklung hat aber nur so lange ihre Berechtigung, wie dadurch Armut noch und nicht anders begegnet werden kann.

Armutsbekämpfung durch Vermehrung bleibt volkswirtschaftlich jedoch auf die Grenzen örtlicher Belastbarkeit beschränkt. Werden diese nämlich dauerhaft überschritten, so muss Kinderreichtum dem Einzelnen vorhersehbar zur Falle werden, auch wenn er sich in seinen Ansprüchen schließlich ständig weiter zurücknimmt, nur um mit seinen Kindern überleben zu können. Zuletzt wird sich der Einzelne doch weitere Kinder versagen müssen.

Gerade wenn Kinderreichtum als verstandesmäßige Voraussetzung einer familiären Sozialeinheit Sinn macht, wird den Kindern aber gewöhnlich Liebe eher nicht zuteil. Mit Zunahme der familiären Armut wird die ihnen zukommende Liebe gewöhnlich sogar noch weniger. Solche Kinder werden schon deshalb gefühlsmäßig zögern, sich im ohnehin versagenden Sozialsystem Familie später trotzdem für eigene Kinder zu entscheiden.

Um einem solchen, verstandesmäßigen Aussterben der Menschheit gegenzusteuern, werden mit Willen der Kirchen unterschiedslos und zeitenunabhängig vielerorts die Menschen in sexueller Unwissenheit belassen. Tierhaft soll der Geschlechtstrieb die Vermehrung regeln, anstatt Kinderreichtum milieuabhängig in einem gesellschaftsverträglichen Maß zu halten.

Gerade zu diesen Fragen erwarteten die Menschen aber schon immer Unterstützung in Form eines geistigen Überbaues menschlichen Tuns von der Religion und deren Kirchen und 'Gott' oder der 'Allmächtige' schienen dabei lebens- und liebensfähige Vorstellungen einer Hilfe. Die Kirchen jedoch verweigerten sich weitgehend.

Beispielhaft blieb etwa die katholische Kirche mit ihrem Verbot der Empfängnisverhütung in der geistlichen Unbeweglichkeit überholter Dogmen stecken. Weiterhin werden so, durch Androhung seelischer Strafen oder mittels gesellschaftlicher Ausgrenzung, Menschen in einem triebgesteuerten Kinderreichtum belassen. Menschliche Selbstbestimmung sieht anders aus.

Richtigerweise stellen sich solche Kirchen dadurch aber vor allem in 'modernen' Industriegesellschaften heute mit einem Verlust an Ansehen und Anhängern selbst in Frage.


20. Rettung durch neuzeitliche Sozialsysteme?

Da die großen Kirchen aufgrund ihrer weltumspannenden Machtstellung nicht beweglich/angemessen handeln können, passen sie sich nicht den verschiedenartigen Orts- und Sozialbedingungen an. Armut und Reichtum bedienen sie geistlich vielmehr weiterhin mit den gleichen Antworten. Ihr Bemühen ist oftmals nur, Einfluss auf die neuzeitlichen Sozialsysteme zu erhalten, anstatt gerade in der modernen Industriegesellschaft dem System Familie den passenden Platz zu erobern oder zu verteidigen.

Diese Verweigerung der Kirchen wird durch die gesellschaftliche Fehldeutung begünstigt, bei tauglichen Sozialsystemen bestehe für Familie verstandesmäßig kaum mehr eine Notwendigkeit. Vielmehr mache es für den Einzelnen mehr Sinn, keine Kinder zu haben. Bringt die oft entbehrungsreiche Mühsal liebevoller Kinderaufzucht doch von jeher nur begrenzt eigene Befriedigung und erlebt der, seinem Kind Liebe gebende Elternteil dies vordergründig oft sogar als 'gegenwertloses' Tun. Das ist für ihn um so mehr eine Enttäuschung, je mehr seinerseits der instinkthafte Teil des Handelns eingestellt wird.

Außerdem reift mit zunehmendem Bildungstand gesellschaftlich die 'Einsicht', Elternschaft sei eher ein instinktbehaftetes Überbleibsel verstandesmäßiger Vorzeit.

Der Verstand rät dem Einzelnen daher eher zu möglichem Genuss und verweigert Verzicht.

So wächst die Neigung des Einzelnen, sich 'liebender' Elternschaft teilweise oder ganz zu verweigern - sei es, dass vom Einzelnen keine Elternschaft begründet, sei es, dass sie von ihm vorzeitig zerstört wird.

Der Verstand besiegt den Instinkt.

Eine solche Entwicklung war allerdings zu erwarten, seitdem der Mensch beides zu trennen vermochte.

Andererseits sind Religionen aber - immer schon und zu recht - als Gegenkraft zum Verstand entstanden. Aber ihre Kirchen versagten, als sie versuchten, ihren Anhängern einen geistig-geistlichen Rahmen zu geben, der sie anhielt, im jeweiligen Glauben die Bindung der Menschen an den Gedanken der 'Liebe' zu betonen. Waren dies doch immer eher Vorschriften denn wirkliche Hilfen zur Lebensführung, sowie die Ausdeutung einer eher unwirklichen Wesensexistenz im sog. Himmel/Paradies. Zudem pflegten die christlichen Kirchen unredlich die Hoffnung ihrer Anhänger auf mögliches Umsetzen ihres Glaubens in der Wirklichkeit.

Die dauerhafte Beschäftigung der Kirchen mit sich selbst und ihrer Machtstellung machte die Religionen also nicht zum möglichen wie nötigen Gegengewicht des Verstandes.

Auch dies ist jedoch nur bedingt vorwerfbar, denn dass Vertreter der Kirchen etwa die christliche Religion dadurch über Jahrhunderte zum Unterdrückungsinstrument der Menschen herabwürdigten, liegt nun mal im individuellen Drang des Menschen zur Macht. Es sollte jedoch richtig gewertet und berichtigt werden.

Die Menschen erkennen heute jedenfalls überwiegend das Versagen der Kirchen, können/wollen ihr Unbehagen daran in der Mehrheit allerdings nicht offen ausdrücken. Sie haben wohl Angst, dann gar nichts mehr zu haben. Also entziehen sie sich zwar den religiösen Wertesystemen und stehen abseits der Kirchen, bleiben aber 'ihrer' Religion lose verbunden.

Damit aber landen viele dieser Menschen – allein gelassen – noch härter in der Welt ihres Verstandes. Die aber hat in ihrer ausschließlichen Jetztbezogenheit letztlich keinen Platz für Liebe.

Vor allem scheint damit die tiefe Bedeutung eines gegenseitigen, wenn auch zeitverschobenen Gebens und Nehmens zwischen Eltern und Kind vergessen zu werden.

Es war insofern auch Ausdruck eben dieses geistigen/geistlichen Stillstandes, dass sich moderne Industriegesellschaften eigene Sozialsysteme errichteten. Sie fangen damit zwar die Armut vor allem der Kranken und Alten auf, fördern dadurch aber wiederum den Verzicht in der Gesellschaft auf eigene Kinder.

21. Das Verschwinden der Familie - ein Verlust?

Diese Frage ist dann zu verneinen, wenn die Abhängigkeit des Einzelnen von seiner Familie eine demütigende Unterwerfung unter den Willen der jeweiligen familiären Meinungsmacher und Gewalthaber ist.

Auch wenn es für viele familiäre Wirklichkeiten gilt, stellen solche Umstände jedoch den Grundgedanken der Familie nicht infrage, denn solche Missstände sind Mängel im Umgang der Familienmitglieder miteinander, die durch Aufklärung, Strenge, Vorbild u.ä. abgestellt werden können(müssen).

Die 'menschenlosen' und ausschließlich gesetzgesteuerten Sozialsysteme der Neuzeit scheinen aber eher der Versuch einer Flucht, solches Fehlverhalten in den Familien zu bekämpfen. Aber dies scheitert ebenso, wie es sinnlos ist, etwa die Kirchen dafür einzuspannen, dass der Mensch seelisch gesehen weiterhin 'Mensch' bleiben möge. Dazu hat der Mensch nämlich vordergründig keinerlei Veranlassung. Vielmehr wird er mit Abkehr vom instinkthaften Verhalten um so gefühlskälter, je mehr er sich seinem 'sachlichen' Verstand überlässt.

Gerade hier wäre also die Politik gefordert und eben da versagt sie heute mangels Problembewusstsein und nur kurzsichtiger Handlungsbereitschaft.


22. Das Rudelwesen Mensch

Das Zurückdrängen von Armut durch den menschlichen Verstand ist für die Gesellschaft also kein wirklicher Fortschritt – der er für den Einzelnen dabei natürlich durchaus sein kann! – wenn sich andererseits die Menschen verstandesrichtig von der Familie als Kleingruppe entfernen.

Hierzu sei noch klargestellt, dass die Zweisamkeit von Kinderlosen zwar formaljuristisch durchaus eine Familie begründen kann und soll, weil sie die Zufriedenheit solcher Menschen befördert, doch löst eine solche Lebensgemeinschaft nicht das eigentliche Problem der modernen Gesellschaft: ihre zunehmende Kinderlosigkeit.

Ihr Aussterben können moderne Gesellschaften auch nicht durch verstärkten Ausbau ihrer Sozialsysteme auffangen, da ein solcher bei zunehmender Kinderlosigkeit unfinanzierbar wird.

Außerdem verursacht ein Umverteilen der ohnehin immer begrenzten Finanzmittel in diese Sozialsysteme noch mehr Armut bei besitzschwachen Eltern und ihren Kindern. Diese Familien werden – verstandesbezogen richtig! - den Älteren und Kranken daraufhin sogar jede außergesellschaftliche Fürsorge verweigern – gerade auch, wenn diese Besitz haben. Wo vorher noch aus Mitgefühl freiwillig geholfen wurde, dafür muss dann bezahlt werden, bis auch die vormals Besitzenden arm sind.

Dadurch wird Fortschritt aber zum Fluch, denn er führt letztlich sogar zum Aussterben der Menschheit, denn Folge solcher sozialen Verhältnisse ist die schwindende Bindung des Einzelnen an Gruppen oder auch an Einzelne.

Als Rudelwesen braucht der Mensch für sein Gefühlsleben aber unveränderbar das Eingebettetsein in eine Gruppe. Andernfalls kann der Einzelne langfristig nicht bestehen, weil er der seelischen Belastung zunehmenden Vereinsamung artmäßig nicht gewachsen ist. (Wolf-Alexander Melhorn: „Eine egoistische Gesellschaft? - Der Einzelne zwischen Individualismus und Solidarität“ - http://www.melhorn.de/Egoismus)

 

 

 


23. Artvermehrung statt Arterhaltung

Almosenhafte Familienpolitik allein hält das Aussterben der modernen Gesellschaften und schließlich der Menschheit dabei nicht auf.

Auch die Kirchen können diese Entwicklung nicht verhindern. Ihr Einfluss wird vielmehr noch geringer werden, weil sie sich in ihrer Geschichte durch geistlichen/geistigen Stillstand längst zu weit von ihren Gläubigen entfernt haben, um diese noch wirklich führen zu können. Wie sie es immer schon getan haben, werden die Kirchen daher zwecks eigenem Machterhalt auch nur der Weltlichkeit helfen wollen, durch religiöse Vorgaben die Gläubigen zu beeinflussen. In einer zunehmend verstandesgelebten Gesellschaft wird derlei aber immer weniger angenommen werden.

Aber auch die Hoffnung auf technischen Fortschritt ist trügerisch. Er schafft der Menschheit zwar neue Möglichkeiten und war Bedingung ihrer Weltherrschaft - aber er war nie ernstzunehmender Beitrag zur geistig-seelischen Weiterentwicklung des Menschen und eben dies ist hier gefordert. Außerdem ist Voraussetzung auch für technischen Fortschritt nicht nur die menschliche Arterhaltung, sondern die Artvermehrung.

Diese Feststellung ist keine kinderselige Gefühlsduselei, sondern eben hierin unterscheidet sich der Mensch von allen anderen Lebewesen.

So hat das Tier nie technischen Fortschritt hervorgebracht – es hatte allenfalls über den Menschen daran teil.

Die Beziehung zwischen Eltern und Kind kann daher in der Tierwelt auf die Arterhaltung beschränkt bleiben, wobei Nachwuchs der Gruppengröße und damit dem Gruppenerhalt dient, nicht aber der Artvermehrung. Das Schicksal alter Tiere spielt – soweit bekannt – für den Nachwuchs dabei kaum eine Rolle. Die Eltern-Kind-Beziehung beschränkt sich darauf, dass Alttiere ihre Jagd- und Gruppenerfahrungen an die Jungtiere weitergeben.

Auch beim Vormenschen der Urzeit genügte Arterhaltung noch.

Das änderte sich erst mit technischem Fortschritt, der schließlich eines besonderen, geistigen Potentials bedarf, das jedoch stets nur Einzelne haben. Fortschritt setzte neben einem großen Gehirn also immer viele Menschen voraus.

Nachwuchs zu haben, wurde für die Menschen somit mehr als nur bloße Arterhaltung. Erst Artvermehrung bedeutete - zusammen mit Auslese - langfristig also Lebensfortschritt, dieser wiederum mehr Lebenssicherheit und ermöglichte damit erst der Menschheit, über die Welt zu herrschen. Gerade Artvermehrung setzt aber instinkthafte Bereitschaft zur liebevollen Elternschaft voraus.

Menschheit ohne verstandesmäßiges Interesse an instinkthafter Liebe hat langfristig aber keinen Fortschritt mehr, weil diesem keine neuen Ideenträger heranwachsen. Sie stirbt aus.

 

 

 

24. 'Elitezucht' ein tauglicher Ersatz?

Wegen der Bedeutung des technischen Fortschritts, der seinerseits ständige Auslese von möglichen Leistungserbringern braucht, macht es für eine verstandesgesteuerte Gesellschaft daher scheinbar Sinn, den zunehmenden Mangel an Kindern dadurch wettmachen zu wollen, dass die zukünftigen Träger weiteren Fortschritts eben unmittelbar aus der geistigen Elite 'gezüchtet' werden. Motto: Wenn zur Auslese schon keine Masse zur Verfügung steht, dann muss eben das personelle Angebot für eine Auslese 'höherwertiger' sein. Gesellschaften könnten daher die Kinder ihre jeweiligen 'Eliten' dafür vorsehen, jener Nachwuchs zu sein, der technischen Fortschritt weiterträgt.

Es gab menschheitsgeschichtlich auch immer wieder solche Anläufe, Arterhaltung oder –vermehrung der jeweiligen Gesellschaft durch Kinderreichtum der 'Eliten' steuern zu wollen. Einer dieser wahnhaften Fehlversuche war ansatzweise der nationalsozialistische Lebensborn.

Erfolgreich kann so etwas jedoch schon deshalb nicht sein, weil für 'Elite' keine allgemeingültigen Auswahlbestimmungen festlegbar sind.

Das scheitert allein schon daran, dass Eliten die Begriffsbestimmung 'Elite' selbst festlegen. Dabei neigen sie jedoch zur Selbstüberschätzung und den Begriffsinhalt 'Elite' bestimmen außerdem immer solche, die bereits in den Grenzen ihrer Gestrigkeit denken.

In geistiger Hohlheit waren daher den sog. Eliten immer schon Herkunft, Macht und vor allem Geld meinungsführende Werte. Weil das auch in Elitekreisen als eher ungenügend empfunden wird, halten diese schon aus Angst um den Statuserhalt wiederum 'elitär' entsprechend zusammen, verpaaren sich möglichst nur 'standesgemäß’ und fördern und/oder bevorzugen im Übrigen beruflich den eigenen Nachwuchs.

Dass aus solchen Kleingruppen Liebe kommt, die der Gesellschaft treibende Impulse für ihre Vermehrung geben kann, ist außerdem ohnehin auszuschließen. Schließlich hat schon der meist aufreibende und nicht selten angstbesetzte Lebenskampf der Eltern in der Regel seinen Preis und begrenzt daher vom Kind elternseitig empfangene Liebe. In der Folge besitzt dieses Kind seinerseits als möglicher Elternteil zu wenig emotionales Grundvertrauen in eine eigene Elternschaft und wird neigungsmäßig daher eher darauf verzichten.

Das Verhalten dieser Kleingruppen der Gesellschaft war dauerhaft jedenfalls im Ergebnis für die Gesellschaft nie mehr, als dass sie sich selbst reproduzierten. Ihr K(r)ampf, Elite zu sein und zu bleiben, hat der Menschheit in Wahrheit jedenfalls kaum anderes gebracht, als brutalste Machtkämpfe insbesondere unter diesen 'Eliten’, aber auch gegen sie. Der systemerhaltende Fortschritt kam parallel dazu in der Regel hingegen von denen, an die Eliten meist zuletzt denken.

Gerade der Gedanke an eine technikfördernde Vermehrung der Menschheit durch die Bevorzugung ihrer gesellschaftlichen Eliten erweist sich daher als bloßes Denkspiel. Fortschritt ist erst nach der Auslese aus Menge und Vielfalt zu erwarten und folglich müssen viele Menschen aus nicht-elitären Bereichen darin einbezogen werden. Das Gegenteil davon wird derzeit in der BRD eingeleitet.

25. Zur Lebensberechtigung alter Menschen

Gerade weil mit technischem Fortschritt vernunftgemäß die Neigung abnimmt, überhaupt noch Kinder zu haben, ein solcher Mangel an Kindern außerdem die Finanzierung der Alterssicherung gerade in einer modernen Gesellschaft erschwert, stellt sich in einer modernen Gesellschaft ohne Armut ernsthaft die Frage nach der Lebensberechtigung alter Menschen.

Gerade weil die Kinder naturgemäß ihre Eltern nicht definitionsgemäß lieben, ist nämlich nicht zu erwarten, dass sie später die Last der Alterspflege und –sicherung aufnehmen wollen.

Hat das Elternteil seine Betreuungsaufgabe am Kind erfüllt, könnte es – vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund - eigentlich getötet werden.

Auch dass Erfahrung und Wissen alter Menschen in der Menschheitsgeschichte immer wichtige Voraussetzung technischen Fortschritts waren, begründet keine andere Überlegung. Schließlich haben die Alten aus ihrem Beitrag am technischen Fortschritt selbst Vorteile gezogen.

Warum also sollten Eltern folglich nicht irgendwann als offenkundige Belastung 'entsorgt’ werden? Jene, die Kinder hatten, ebenso, wie Kinderlose, die für eine Selbstversorgung ausreichend Besitz haben und daher der Gesellschaft finanziell nie zur Last fallen würden. Warum sollte ihr Besitz schließlich nicht der immer finanzbedürftigen Gesellschaft zufallen? War diese Gesellschaft doch den Besitzenden Voraussetzung dafür, Besitz überhaupt anhäufen zu können.

Wie lange also sollten - als Kostenfaktor - alte Menschen leben dürfen?

Diese Fragen erschrecken, sind aber längst angedacht. Sie beeinflussen unterschwellig das tägliche Leben ebenso wie die Gesellschaftspolitik. Etwa in der Fragestellung, ab wann oder welchem Gesundheitszustand sollte man einem Kranken Operationen verweigern und/oder wie lange ihm teure Medikamente bezahlen?

Es wäre dabei fraglos scheinheilig, solches Denken als verwerflich brandmarken und/oder etwa mit dem empörte Verweis auf das so beliebig missbrauchbare Wort 'Liebe’ geißeln zu wollen. Die modernen Gesellschaften liefen dann nämlich Gefahr, zwar diese Fragen zu verbieten, sie – ungestellt und damit undiskutiert - aber trotzdem beantworten zu müssen, und in stillschweigendem gesellschaftlichem Einvernehmen hätten die Alten und Kranken als Folge angeblicher 'Sachzwänge' schließlich doch einen zeitlich begrenzten Lebensabend. Die stets gesellschaftsangepassten Kirchen würden sich als angebliche Vertreter der Religion solchen Entscheidungen erfahrungsgemäß dabei nicht lange verweigern.

Tatsächlich muss solchen Fragen jedoch nicht ausgewichen werden. Die Antworten liegen in dem Begriff Liebe, sofern er als vorurteilslose Hingabe an Andere definiert wird.

Eben hierin scheint aber wiederum das eigentliche Problem zu liegen. Genau genommen schrecken die Gesellschaft weniger die obigen Fragen, als vielmehr die gesellschaftsändernden Folgen der Antworten. Die sich daraus ergebenden Aufgaben sind nämlich so gewaltig, dass sie kaum jemand angehen wollte. Verändern sie doch das Denken und Handeln aller in einem noch nie gelebten Ausmaß.

26. Die Liebe im geschlossenen Lebenskreis

Es wurde bislang nur dargelegt, dass richtigerweise ein geliebtes Kind selbst nicht liebt. Damit ist gedanklich der Lebenskreis um das Thema Liebe aber nicht geschlossen, und eben hierin liegt die zukünftige Aufgabe moderner Industriegesellschaften.

So erlebt das Kind die Zeit, bis es den Schutzbereich elterlicher Liebe verlässt, zwar als eine mehr oder weniger bereitwillige Unterwerfung, doch (hoffentlich) auch in Zufriedenheit und als persönlichkeitsprägende Beglückung. Anders könnte aus der Eltern-Kind-Beziehung kindseitig später jedenfalls kein Gefühl der Dankbarkeit entstanden sein.

Dieses zeitverschobene 'Liebe-Geben' und 'Dankbarkeit-Erhalten' müssen die Meisten allerdings erst mal als die zwei Seiten derselben Münze begreifen, bevor sie beides in seiner gegenseitigen Abhängigkeit in das gelebte gesellschaftliches System einbauen können. Schließlich ist es vor allem auch bequemer, sich gesellschaftlich damit abzufinden, dass – wie ein Tier - das Kind die Eltern naturgemäß niemals 'lieben' wird, weil es sich sonst nicht von ihnen ablösen kann. Erwächst Eltern und Gesellschaft dadurch doch kein Druck, sich so verhalten zu müssen, dass aus instinkthaft gewährter Elternliebe wiederum in instinkthafter Gegenreaktion mal Dankbarkeit der Kinder entsteht.

Vor allem die Alten und die Kinderlosen - meist Mehrheit in den modernen Industriegesellschaften - versagen sich diesbezüglich. Was geht sie das (noch/überhaupt) an, wenn Andere meinen, noch immer Kinder in die Welt setzen zu dürfen?

Entsprechend gleichgültig fallen die Antworten solcher Gesellschaften aus. Etwa indem gefordert wird, Verhaltensschwächen der Eltern eben als 'Erziehungsauftrag' durch die Schulen aufzufangen oder die Kirchen zu beauftragen, Religion solle dem Kind gar gebotsmäßig Liebe zu den Eltern abfordern.

Tatsächlich bleiben Eltern wie Kinder dadurch allein gelassen. Dabei kann aus jedem System immer nur das und in der Menge herauskommen, was entweder bereits darin enthalten oder ihm eingegeben wurde. Es müsste also mehr getan werden.

Ebenso unsinnig ist es, ein Aussterben etwa der BRD-Gesellschaft durch die Empfehlung ausgleichen zu wollen, Zuwanderung zu fördern. So lange sich die gesellschaftlichen Grundbedingungen und –einstellungen der BRD nicht ändern, wird dadurch die bislang gescheiterte Problemlösung nur auf die Zugewanderten übertragen.

Eben hierin besteht aber wohl die eigentliche Prüfung der modernen Industriegesellschaften, die letztendlich sogar über den Fortbestand der Menschheit entscheidet.

Das Aussterben der bundesdeutschen Gesellschaft scheint bis auf weiteres jedenfalls nicht aufzuhalten, zumal die aus den wirtschaftlichen Gegebenheiten erwachsende Ratlosigkeit viele Menschen in die Vereinsamung führt.

Einsamkeit ist aber nicht nur Ausdruck schwindender Fähigkeit des Einzelnen, geliebt zu werden, sondern auch seiner abnehmenden Bereitschaft, selbst zu lieben. Beidem ist schwer zu begegnen, denn aus dem dadurch aufkommenden Gefühl der Hilflosigkeit und Angst vor Verpflichtung entwickelt sich schließlich als Selbstschutz meist eine Bindungsunwilligkeit, die dann irgendwann zur Bindungsunfähigkeit wird.

Bezogen auf ihr trotzdem instinkthaftes Liebesbedürfnis spiegelt sich das dann wiederum in bindungsunwilligem Sexualverhalten der Menschen, das nicht selten als Selbstzweck kurzfristigen Liebeshandelns etwa über die Prostitution oder in ständig wechselnden Sexualpartnerschaften ausgelebt wird.

Auch das heutige Heer der sog. Singles, die in ihrer Mehrzahl zwar eine Bindung wünschen, aber in und von der zunehmend geldorientierten Gesellschaft schließlich überzeugt sind (wurden), sich Bindung nicht mehr leisten zu sollen, ist Beweis dieser Fehlentwicklung.


27. Die Bindungsintenstität zwischen Eltern und Kind

Die Bedeutung einer Bereichung des Kindes durch eine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung erschließt sich erst, wenn das Kind erwachsen ist. Das erklärt auch die Schwierigkeit der Erwachsenen, die Bedeutung jeder Eltern-Kind-Beziehung und damit der Liebe für ihr eigenes Leben und für die Gesellschaft überhaupt zu sehen.

• Zum einen bringt die Liebe der Eltern in den Humus des Kindseins jenen Samen ein, der beim Kind als Erinnerung – vielleicht sogar verklärt – später wiederum den Wunsch zu eigenem Elternsein begründet.

• Zum anderen baut sich durch das Geben von Liebe eine Bindungsintensität zwischen Eltern und ihrem Kind auf, die es diesem Kind später innerlich ermöglicht, seinen Eltern bei deren Hilfsbedürftigkeit seinerseits zu helfen.

Auch eine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung verliert dadurch zwar den verlogen gepflegten Schein der Selbstlosigkeit, gewinnt bei so ehrlicher Betrachtung andererseits die Einsicht hinzu, dass folglich auch Eltern zu eigenem Vorteil handeln. Motto: Es lohnt sich eben doch, seinem Kind instinkthaft Liebe zu geben.

Das solchermaßen ausgelöste Eltern-sein-Wollen eines Kindes kann dabei von ihm mehrschichtig gelebt werden. So kann das Kind vielleicht sogar auf ein Kind verzichten und seine Dankbarkeit nur an den Eltern ausleben. Gewöhnlich wird sich dies aber zunächst auf das eigene Kind auswirken. Dieses instinkthafte Bedürfnis kann aber auch in einer Pflegschaft oder etwa als Erzieher gelebt werden.

Im weiteren Lebenslauf beinhaltet diese Bereitschaft dann schließlich die eigenen Eltern, vor allem, wenn diese altersbedingt ganz oder teilweise hilfsbedürftig werden. Damit wandelt sich die vormalige Kind-Eltern-Abhängigkeit zur Eltern-Kind-Abhängigkeit und kann - je nach Pflegebedürftigkeit der Eltern – sogar wiederum zu einer richtigen Eltern-Kind-Beziehung werden.

Anders als in der Tierwelt, hat ein Mensch als 'liebender' Elternteil also durch diese Möglichkeit des Aufbaues einer starken Bindungsintensität den Vorteil, als gleichsam späte 'Belohnung' seinerseits irgendwann – meist im Alter – in die Rolle des vorbehaltlos betreuten Schutzbedürftigen schlüpfen zu können und seinerseits Liebe in definitorischem Sinne zu erfahren.

Weil das Kind seine Eltern nicht lieben wird und auch nicht lieben soll, kann und wird es folglich in der Regel von den Eltern abhängen, wie viel wahrhaftigen Dank das Kind für diese Eltern schließlich verspüren wird und was dies dann wiederum in ihm auslöst.

28. Die Kind-Eltern-Beziehung

Solches Geben und Nehmen zwischen Eltern und Kind schließt also gleichsam einen Kreislauf des Lebens und von Liebe.

Selbstverständlich ist eine solche Entwicklung allerdings nicht, auch wenn sich die Gesellschaft mit Unterstützung der Kirchen diesbezüglich Normen gegeben hat. Diese Regeln sind im Kern nämlich deshalb unredlich, weil sie vom Kind nur fordern, ohne aber das vorleistende elterliche Geben als entscheidende Bedingung anerkannt zu haben.

Je weniger Elternliebe ein Kind aber erfährt, desto schwieriger wird es ihm fallen, solche als Erwachsener später seinerseits geben zu wollen. Warum auch sollte man Eltern definitionsgemäß Liebe geben, die sie einem vorher nur unzulänglich selbst zuteil werden ließen oder gar verweigerten? Zumal, wenn der gesellschaftliche Rahmen einem solchen 'geschädigten' Kind dann Raum zu eigenständigem und vernunftgemäßen Denken lässt?

Besteht jedenfalls kein ernsthafter Grund zu solchem Dank, wird sich das Kind später also richtigerweise verweigern, zumal es verstandesmäßig die ihm aus solchem Dank entstehenden Verpflichtungen und die damit wiederum verbundenen Einschränkungen heute kennt.

Nur wenn sich Eltern in einer gewachsenen Bindungsintensität viel Liebe in ihrem Kind gleichsam 'anhäuften', kann(wird) dies seinerseits aus Dankbarkeit für das Empfangene bereit sein, davon später wieder an seine Eltern 'abzugeben'. Nur dann wird Fürsorge für die Eltern nicht als bloße Pflichterfüllung gehandhabt und werden Eltern bei Hilfsbedürftigkeit nicht an Institutionen abgeschoben.

Nicht grundlos büsst Mancher heute in Stunden stummen Einsamkeit sein liebeloses Leben im Alter ab - sofern ihn nicht eine gnädige Umnachtung vor der Erinnerung und dem Bewusstsein der Leere seiner Gegenwart bewahrt.

Wie vielschichtig, aber auch bedeutsam diese Problematik ist und welchen Einfluss sie grundsätzlich auf das Zusammenleben der Menschen hat, macht jedenfalls der Volksmund sarkastisch in einer griffigen und letztlich bedauernswerten Feststellung deutlich: „Stelle Dich gut mit Deinen Kindern, denn sie suchen Dir vielleicht mal Dein Pflegeheim aus“.

29. Religion und Erdbevölkerung

Die Eltern-Kind-Beziehung und deren Bedeutung für das menschliche Zusammenleben wird etwa in der christlichen Religion dadurch verdeutlicht, dass GOTT in einem Kind auf diese Welt kam und bereits als Kind verehrt wurde.

Das ist aber nur ein Teil des eigentlichen Geschehens. Erst durch die unausgesprochene Verpflichtung, ein Kind nicht nur zu zeugen und aufzuziehen, sondern ihm auch ein hohes Maß an Liebe zuteil werden zu lassen, damit es diese dann aus Dankbarkeit als Erwachsener seinerseits weitergeben kann, schließt sich der Kreis dahingehend, dass mit dem Kind letztlich auch die Alten geehrt werden.

Eine Gesellschaft, die nicht nur formal das Alter ehrt, sondern den Alten die Liebe ihrer Kinder zuteil werden lässt, gelingt allerdings nur, wenn sich beide – abhängig von ihrem leiblichen Zustand - eine letztlich gleiche Menge an Liebe gewähren. Dies darf nicht als schwärmerische Idylle gesehen werden, sondern als gesellschaftliche Notwendigkeit.

Es wird auch darüber entscheiden, ob und wie die derzeitige Menschheit langfristig weiterleben kann. Ansporn zur Vermehrung kann den Zeugungsfähigen eine weitgehend 'liebelose' Gesellschaft nämlich nicht sein. Schließlich fehlt ihnen dann eine ausreichend nachhaltige Erinnerung an selbst empfangene Liebe und damit der instinkthafte Wunsch, Gleiches nachleben zu wollen.

Etwa die gesellschaftlich anerkannte legale Abtreibung ist schon heute Ausdruck und Folge falscher Gesellschaftsentwicklung – so vernunftgemäß richtig sie im Einzelfall auch gesehen werden mag.

Bevölkerungsmäßig werden sich daraus zunehmend erst Schwierigkeiten für politisch abgegrenzte Menschengruppen ergeben, danach für ethnische Gruppen und schließlich für die menschliche Art insgesamt. Erst werden etwa 'die Deutschen' aussterben, danach 'die Europäer', schließlich die 'Weißen' und zuletzt die ganze Menschheit.

Das wäre in der Menschheitsgeschichte nicht mal ungewöhnlich. Die letzten denen das geschah, waren wohl die sog. Neandertaler - auch wenn niemand weiß, wieso sie ausstarben und nur bekannt ist, dass sie im Laufe der Zeit einfach von einem machtfähigeren Menschentypus abgelöst wurden.

Seinerseits überlebenstauglicher als der Neandertaler scheint der heutige Mensch deshalb in der Zusammenschau weltlichen Geschehens allerdings nicht. Schließlich versagt er schon in der erst kurzen Zeit von nur 30 000 Jahren auf der Erde ganz offensichtlich im Bereich menschlichen Zusammenlebens.

30. Der Untergang der Menschheit trotz technischem Fortschritt?

Die Menschheit kann einerseits nicht vom 'Verstand in den Instinkt' zurückkehren, andererseits aber ersichtlich nur mühsam ein lebensfähiges Gleichgewicht zwischen beidem schaffen.

Im gesellschaftlichen Überwinden dieser Gegensätze liegt aber die Überlebensprüfung der Menschheit. Daran wird sie gemessen. Darin wird (muss) sie andernfalls scheitern.

Liebe und die sie stützenden Glaube und Hoffnung sind demnach kein beliebiges Geschenk an die Menschheit oder gar den Einzelnen, sondern naturgewolltes Handeln zur Arterhaltung.

Daran hat sich nichts geändert, seitdem der heutige Mensch die Erde betrat und auch seine gewaltigen geistigen Leistungen, wie sie im technischen Fortschritt sichtbar sind, befreien ihn nicht von diesen Verbindlichkeiten.

Eben das aber will die Menschheit nicht wahrhaben, auch wenn sie inzwischen bereits Angst vor der eigenen Maßlosigkeit ergriffen hat, wie ihre Flucht in ein geschöntes Verständnisbild vom Menschsein beweist, das sie sich durch die Kirchen absegnen ließ und dessentwegen insbesondere den Begriff Liebe lebensfremd verwässert wurde.

Das Ergebnis ist die 'liebelose' Wirklichkeit moderner Industriestaaten mit ihrem Kosten-Nutzen-Denken. Dieses Kosten-Nutzen-Denken hat dabei mit Liebe weit mehr zu tun, als wahrgehabt wird, denn die wirtschaftlichen Voraussetzungen stecken einer Bevölkerung nun mal den Rahmen ihrer Lebensbewältigung ab. Damit wirken die Lebensverhältnisse auch in die Hoffnungen und Wünsche, sowie in die Ängste der Menschen hinein, bestimmen direkt oder indirekt die geistige Welt des Einzelnen, seine Anforderungen an eine Religion und damit auch an die Kirchen.

Eine verstandliche Trennung zwischen geistiger und materieller Welt
gibt es letztlich also nicht!

Das Beispiel der Bundesrepublik ( BRD ) macht das deutlich.


31. Die Fehlentwicklung der BRD

Hervorgegangen aus den Trümmern des 2.Weltkrieges, erstarrt die BRD zunehmend in einem Denken, wie es nur in ihrer Aufbauzeit angebracht war. Damals war sie noch eine einerseits nachfrage- und fortschrittshungrige, andererseits noch nicht kapitalübersättigte und -beherrschte Volkswirtschaft, die in ihren ersten Jahrzehnten daher auch noch für (fast) alle Menschen Arbeit hatte.

Mit zunehmender Technisierung übernahm jedoch auch in der BRD – wie in allen modernen Industriestaaten - das Kapital die Arbeit des Menschen, gefördert durch die längst widerlegte Behauptung, Nachfrage zum Zweck einer Kapitalisierung der Arbeit schaffe langfristig Arbeitsplätze.

Tatsächlich übernimmt dadurch das Kapital auch wirtschaftlich die Herrschaft.

Aus der Erfahrung ist inzwischen bekannt, dass Nachfrage zum Zweck eine Maschinisierung der Arbeit - nicht zwingend gleichzusetzen mit technischem Fortschritt! - nur begrenzt neue Arbeitsplätze schafft. Erst recht nicht soll/ wird Kapital durch Maschinen vorher aus dem Wirtschaftsprozess ausgestoßene Menschen wieder in Arbeit bringen.

Es ist daher volkswirtschaftlich falsch, Gewinne zu begünstigen.

Die Kapitalisierung jeder Volkswirtschaft müsste vielmehr immer da enden, wo sie die Nachfrage der Privaten nicht stützt oder – noch besser – fördert, sondern schließlich mangels Kaufkraft oder Kaufwillen einbrechen lässt. ( Wolf-Alexander Melhorn:- "Inflationstheorie" - http://www.melhorn.de/Inflationstheorie)

Die Kapitalisierung von Arbeit hätte in den modernen Volkswirtschaften wie der BRD also jeweils gestoppt werden müssen, als die Arbeitskraft (= der Mensch ) in einem Umfang von der Industrialisierung ( = der Maschine = dem Kapital ) ersetzt wurde, der die Fähigkeit der Volkswirtschaft überstieg, dadurch freigesetzte Arbeitskräfte ausreichend und würdig in sozialen Netzen aufzufangen. (Wolf-Alexander Melhorn: "Aktie und Arbeitslosigkeit" - http://www.melhorn.de/Kapitaleigner ) Diese sozialen Systeme hätte zudem richtigerweise jeweils das Kapital finanzieren müssen und nicht die (noch) verbleibenden Arbeitnehmer!

Solches Geschehen zerstört nämlich langfristig – kapitalseitig durchaus nicht ungern gesehen! – die Beziehungen der Menschen auf vielerlei Ebenen, die für den Einzelnen natürlich auch eine Schutzfunktion und –wirkung u.a. gegen das Kapital hatten(haben).

Eine solche Gesellschaft opfert den Menschen dem Kapital.

Ihre Verrohung vertuschen moderne Industriegesellschaften dabei durch ihre meist versteckte Verachtung für die Schwachen.

Das beweist etwa der persönliche Kampf der Arbeitskräfte um ihren Arbeitsplatz. Nicht ein Wettkampf der Besten um einen neuen Arbeitsplatz findet dabei mehr statt, sondern das gnadenlose Verteidigen eigener Interessen gegen jene Nächsten, die aus gleicher Angst ebenfalls mittels mobbing versuchen, ihren bisherigen Arbeitsplatz zu behalten. ( hierzu auch Wolf-Alexander Melhorn: "Überstunden schwächen Arbeitsmarkt - Ein Gesetzentwurf gegen Arbeitslosigkeit" - http://www.melhorn.de/Ueberstunden)

Möglich wird dies durch eine 'Kultur feigen Wegsehens', die ihren brutalsten Ausdruck allerdings in der schweigenden Duldung einer Verwahrlosung von Kindern oder gar deren Misshandlung findet. Das Ergebnis solcher Fehlentwicklung ist die zunehmende Zerschlagung der Institution Familie mit ihrer – trotz aller auch geistigen Begrenztheit – emotionalen Schutzfunktion für den Einzelnen.

Gefördert wird dies noch dadurch, dass in der modernen Industriegesellschaften die Arbeit gewöhnlich nicht mehr zur Arbeitskraft kommt, sondern der Einzelne muss der Arbeit oft weit 'nachlaufen'. Die Entvölkerung ostdeutscher Landstriche von Menschen im leistungsfähigen Arbeitsalter und deren soziale Folgen stehen in der BRD beispielhaft dafür. Im Weltmaßstab gesehen, ist es der unheilvolle Sog der Megastädte auf die verelenden Bevölkerungen.

32. Individualisierung eine Entschuldigung?

Das Bemühen, alles schön zu reden, um Entgleisungen nicht wahrhaben zu müssen, verwendet für diese Geisteshaltung den positiv besetzten Begriff 'Individualisierung'. Er steht in der Wirklichkeit für die abgegrenzte und abgrenzbare Vereinzelung der meisten Menschen hinsichtlich ihrer Neigungen und Fähigkeiten.

'Individualisierung' müsste dem Einzelnen eigentlich 'seinen' richtigen Platz im System seiner Gemeinschaft zuweisen. Sie wird sein Verhängnis, wenn sie statt dessen dazu benutzt wird, ihn aus diesem System herauszuhalten oder daraus zu entfernen. Zurück bleiben dann nämlich Menschen, denen Angst die Entspanntheit nimmt, zu lieben und/oder geliebt zu werden.

Das Diktat gesamtwirtschaftlicher Nutzen-Überlegungen führt dann unausweichlich in das Aussterben jeder Gesellschaft.

Davon lenkt allerdings ab, dass gerade in einer individualisierten Gesellschaft der Gewinn des Augenblickes oft im Vordergrund allen Denkens und Tuns steht, weshalb es nicht mal wichtig scheint, diese Entwicklung überhaupt aufzuhalten. Es werden Fragen der Arterhaltung vielmehr als Rückschritt in instinkthaftes Denken verlacht und durch sog. 'Verstand'' überspielt. Dabei ergibt sich Zukunft nie aus der Launigkeit bloßen Vordenkens, sondern liegt in der Lösung einer Summe drängender Fragen.

33. Religion als Antwort?

Die Religion auch und gerade in den modernen Industriegesellschaften wird unnachgiebig allerdings noch eine Antwort fordern. Glaube, Liebe und Hoffnung in ihrer eigentlichen Bedeutung für die Menschen sind der Religion schließlich abhanden gekommen, obwohl etwa ihre Gebote seit jeher beweisen, wie notwendig es wäre zu antworten

Die jeweiligen Kirchen müssten folglich dafür sorgen, dass diese Antworten gegeben und auch verstanden, zumindest die jeweiligen Gebote beachtet werden.

Doch die, Religion jeweils vertretenden Kirchen haben längst ihre vermeintlich 'gottgefälligen' Nischen im System ihrer Gesellschaften gefunden. Diese verteidigen sie so gelassen wie unerbittlich gegen jede Aufdringlichkeit aufrüttelnden Denkens. Nichts wird sie und daher sich bewegen: Kirchtürme jeder Religion stehen immer unbeweglich.

Verändert hat sich diesbezüglich nur, dass im Weltgeschehen die machtpolitische Rolle der christlichen Kirchenfanatiker heute von politischen Eiferern des Islam übernommen wurden.
Im traurigen Ergebnis gilt weltgeschichtlich wieder mal:

'Gläubige' töten 'Ungläubige', um Seeligkeit zu erlangen.

Entgegen anderer Meinung wiederholt sich also Geschichte, wenn die Beweggründe des Handelns bleiben. Nur das Ergebnis ist jeweils anders.

Religion hat in der Möglichkeit einer Zusammenarbeit der Kirchen mit der Politik allerdings die Lösungsansätze. Kirchen und Politik verweigern sich aber.

Zuvor müssten dazu aber die Demokratien - als die eigentlich tauglichste Gesellschaftsform - erst mal 'demokratisiert' werden. Ist deren Wirklichkeit - auch in der BRD - doch weit entfernt vom 'Papiermodell Demokratie'. ( Wolf-Alexander Melhorn: "Abgeordnete und Demokratie - Parlament und Grundgesetz" - .http://www.melhorn.de/Dauerparlamentarier/ und "Neue Präambel zum Grundgesetz" - http://www.melhorn.de/Praeambel )

 

34. Gerechtigkeit statt Armut und Neid

Politisch begründeter Missbrauch der Menschen hat seine Ursache dabei nie in der Armut der Menschen. Diese ist vielmehr nur die Glut, das Feuer zu entfachen und unterhalten zu können.

Es genügt daher auch nicht, Armut beseitigen zu wollen, zumal ihre Begrifflichkeit stets in Bezug zu Wissen und Gefühl des Einzelnen steht. Dieser ist erst arm, wenn er Armut empfindet. Es gibt nicht grundlos glücklichere und zufriedenere Menschengruppen als die 'reichen' Industriestaatler in ihrem gehetzten Standarddenken.

Daher kann auch nicht Neid jener Treibsatz sein, der einen gesellschaftlichen Flächenbrand zündet.

Das wird auch nicht so, nur weil sich Besitzende aller sozialen Stufen dies ständig gegenseitig unterstellen, um moralisierend sozial und besitzmäßig ‚Tieferstehende’ von Ansprüchen auf Gleichstellung zu ihnen abzuhalten.

Neid ist schließlich keine Grundwesensart des Menschen, denn dieser ist ein Rudelwesen. Die das Rudel bestimmenden Regeln vertragen aber keinen Neid. Er würde das Rudel sprengen. Vielmehr gilt:

„Zusammenleben und Zukunft des Rudels sind abhängig
von der Solidarität der Einzelnen gegenüber der Gruppe und dem gruppengerechten Rückschnitt seiner Individualität“ ( Wolf-Alexander Melhorn: „Eine egoistische Gesellschaft? - Der Einzelne zwischen Individualismus und Solidarität“ – http://www.melhorn.de/Egoismus ).

Dass Neid dem Wesen des Menschen im Grundsatz fremd ist, zeigt sich etwa beim Sport, denn der redliche Erfolg wird dem Sportler vom vergleichsweise 'Unsportlichen' seiner Gruppe/Rudels/Volkes nicht geneidet, sondern anerkannt. Der Erfolg des Sportlers löst sogar Anerkennung und Bewunderung aus, obwohl artgemäßer Neid eben dies verweigern würde.

Der Neid beginnt im Miteinander der Menschen erst, wenn in Bezug auf das Erfolg/Leistungsverhältnis die Gerechtigkeit verletzt wird und damit die Grundsätze des Rudels missachtet sind.

Was aus durchsichtigem Denken fälschlich immer als Neid gedeutet wird, ist in Wahrheit also jenes Bedürfnis der Menschen nach Gerechtigkeit, das überlebensnotwendig für den Erhalt (s)eines Rudels ist.

Gerechtigkeit ist folglich auch nicht das Beschließen von Gesetzen oder die Einrichtung von Gerichten und Justizwesen, denn gewöhnlich wird die Gerechtigkeit nie stärker misshandelt, als in den sog. 'Rechtsstaaten'. Pflegen diese doch vorrangig immer eine Justiz der Herrschenden. Die BRD ist auch dafür ein Beispiel, obwohl sie eigentlich aus dem Missbrauch des Rechts im Nationalsozialismus wie in der DDR gleichermaßen hätte lernen können(sollen) ( hierzu Wolf-Alexander Melhorn: "Verzeichnis der Artikel über Rechtsmissbrauch und Machtmissbrauch in der BRD mit Vorschlägen zur Systemänderung" - http://www.rechtsmissbrauch.de ).

Wen dieser Vorhalt verärgert, der sei daran erinnert, dass solche Missstände keine Entwicklung der Neuzeit sind. Schon immer waren sie vielfältig beklagte Folge der rücksichtslosen Unterordnung des Instinktes unter den oft eher beschränkten Verstand des Menschen.

Damit fertig zu werden, galt daher immer schon als die große Forderung an die Menschheit zur Erhaltung ihrer Zukunft. Das Buch Jesaia, Kapitel 1, Vers 17 des jüdischen Propheten Jesaja ( 740 bis 701 vor Christus,) bringt das mit der Forderung auf den Punkt:

„Lernt Gutes zu tun,
sorgt für Gerechtigkeit“.

Glaube, Liebe und Hoffnung haben ihre Bedeutung für das Menschsein folglich ebenso behalten, wie für den Einzelnen in jeder verstandesgeführten Gesellschaft die Religion.

Daraus folgt, Gesellschaft und Kirchen müssen einerseits Eltern ermöglichen, einem Kind Liebe geben zu wollen(können), andererseits dem Kind die Gelegenheit schaffen, solche Liebe dauerhaft zu empfangen. Das ist aber nur zu erreichen, wenn es sich beide zur vordringlichsten Aufgabe machen, der Institution Familie taugliche wirtschaftliche und moralische Bedingungen zu schaffen.

Dies ist dabei keineswegs nur eine Frage des Geldes, sondern vorrangig der Gerechtigkeit. Das beginnt schon bei der politischen Stellung des Kindes in der Gesellschaft durch überfällige Beachtung des kindlichen Wahlrechtes. ( Wolf-Alexander Melhorn: : „Das Wahlrecht der Kinder“ – http://www.melhorn.de/Wahlrecht ).

26.2.06