Die Insel

von
Wolf-Alexander Melhorn

 

Hoffnung in der Aussichtslosigkeit - eine Erzählung

 

 

 

Das Meer atmete geruhsam.

Gleichmäßig bezwangen die sehnigen Arme das Boot.
Kräuselndes Wasser warnte vor dem Riff.


 

 

 

Ihn kannte plötzlich keiner mehr!
Niemand würde mit ihm reden!

Er starrte er auf steinerne Gleichgültigkeit der Insel.
Vor ihm ein Wasserschlauch im Boot,
vier Brote und sein Messer.
Genug,
sich des Verendens
noch bewusst zu werden!

 

 

Sie lösten ihm die Fesseln.
Weil er noch steif war durch die Bindung,
schleiften sie ihn auch noch auf den Strand
und warfen ihn dort ab,
wie einen Sack.

Der Bootsmann legte ihm danach den Proviant zur Seite
und grußlos stiegen sie ins Boot zurück.

 

 

 

Er saß allein,
mit seinem Schatten.
Die Sonne füllte ihm sein Weltenweit.
Er musste alles erst begreifen.

 

 


Als sich,
nach der Benommenheit,
das Boot im Wogenspiegel zu zerfließen drohte,
entwich die Hoffnung aus der Wirklichkeit 
und Angst nahm ihre Stelle ein.


Was ihm plötzlich große Kraft verlieh!

„Nein!“

Der Schrei zerschlug ihm fast die Stimme!
Nur noch in Fetzen schickte er ihm hinterher:
„Ihr könnt doch nicht ....!“
Der Bootsmann drehte sich zu ihm zurück. 

 

 

 

Endlich!
Sie hatten ihm nur ihre Macht beweisen wollen!


Er war bereit,
jetzt zu gehorchen
und
- wenn gefordert -
sich auch tief dabei zu beugen!

 

 

 

Damit die nicht noch warten mussten,
stürzte er zum Wasser,
schwamm ihnen schon mal zu,
mit harten, schnellen Stößen.
Er wollte doch sein Schiff nicht warten lassen!
Und die Erleichterung verlieh ihm Kräfte,
tief aus sich.

 

Dabei,
um in den langen Wellen
auch sein Finden zu erleichtern,
rief er ihnen lauthals zu:
„Hier! - Hier bin ich! Hier!“

 


Als sich die großen Segel in den Horizont verschoben,
verließ ihn seine Seele.

 

 

 

 

 

Erst eine ungekannte Angst
gemahnte ihn des Tiefezuges seiner Kleider!
Und die Insel fiel ihm wieder ein,

 

 

 

 

Er wandte sich ihr müde zu
und das Bewegen tat sich mehr von selbst.
verlor er sich doch bald im hohlem Denken:
Vier Brote
und der Wasserschlauch!
Mehr ließ sich mit der Insel nicht verbinden!

 

 



Bis die sich seinem Blick entzog!
Nun würde sie nicht mal ein Morgen geben!
Er musste sich entscheiden!

 

 

 

 

Als er dann wieder Grund erspürte,
war längst die Nacht schon über ihm

und Krämpfe würgten die Erschöpfung auf den dunklen Sand. 

 

Doch hatte er jetzt endlich seine Insel wieder!

 

 

 

 

 

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