Der Bewerber

 

 

Über Unsicherheiten eigener Größe – eine Erzählung

von
Wolf-Alexander Melhorn

 

 

 

Eigentlich unnötig,
sich dieses Rotgesicht noch anzutun!
Es war doch schon entschieden!

Bald brachte aber jemand den Kaffee!

Und etwas Neugier war ja auch dabei,
wie einer sich verkaufe,
von dem man eigentlich nichts wollte.

 

Gewiss,
das war jetzt nur noch Spiel!
Mit Hoffnungen;
mit Menschenleben.
Aber harmlos!
Nicht wie die Katze
mit der Maus!
Da floss kein Blut und keine Träne!
Zumindest sieht man so was nicht.
Auch wenn es das schon geben muss!
Wie sonst
entsteht noch Ehrgeiz,
Konkurrenz?

 

Doch war es wiederum das Gleiche!
Ein Mal damit begonnen,
musste es jedoch in eine Form,
bevor man es beenden durfte!
So war nun mal der Kodex.
Er hatte sich ja auch schon längst entschieden!

Er blieb daher weiter freundlich,
als er es längst bereute,
sich auch den noch aufgehalst zu haben.

 

 

 


Allein schon dessen zögerliche Art des Fortbewegens:
den Kopf weit vorgeschoben,
- wie ein Huhn,
das sich den Dreck durchstöbert!
Die ganze Haltung unterwürfig!
Und zwar nicht in geflissentlicher Dienstbarkeit,
aus der auch etwas Drohung blitzt:
der Starke möge keine Schwächen zeigen!

 

Vielmehr die Hände!
In ständiger Entschuldigung!
Statt sich die Zukunft fassen
- derer sie doch habhaft werden wollten! -
- und sich ihr dadurch zu empfehlen!

 

Zu all dem saß er auch noch auf der Kante,
die Füße fluchtbereit!
Nicht vom Stuhl Besitz ergreifend,
als werde er nicht weichen,
bevor er diesen Job nicht hatte!

Dass der noch nicht mal so was wusste?
Kein Wunder,
dass der diesen Job so nötig hatte!

 

 

 

So,
war er,
in seinem Leben
nie gewesen!

 

 

 

 

Und was der alles preisgab,
von sich selbst!
Wie peinlich,
diese Ehrlichkeit!
Als ob gerade er die Wahrheit hören wollte,
erklärte er noch sein Versagen,
als spräche er nur zu sich selbst!
Dabei ging es doch
- wie stets -
um alles!

 

Das widerte ihn an!
Er wollte Macher sehen!
Nicht welche, wie dies Rotgesicht!

 

 

 

Das war nicht ungerecht!
Natürlich schlüpft aus einer Raupe
selten der erhoffte Schmetterling!
Doch bei Bewerbern
- da wollte er ihr Feuer fühlen,
das früher noch ihn selbst durchglühte!

Wenn dies im Alltag dann erlosch,
- natürlich war das eine andre Sache.
Dann mochten Höflichkeit und Selbsterhalt,
dies klugerweise übersehen …
Aber jetzt?
Bei solchem Anlass?
Da musste noch was rüberkommen!
Der müsste sich verkaufen,
als werde er sein bester Mann!
Das war nun einmal so.
Auch Hinterlist braucht auch ihr Opfer!
Es lag an ihm,
die Fäulnis in dem Obst zu finden!

 

Statt dessen war der hier vertrauensselig,
als brächte so was je Gewinn!

Das sollte jetzt kein Vorwurf sein!
Ist doch ein jeder,
wie er ist!
Nur darf er nicht auf Mitleid hoffen
- auch das ist meistens rücksichtslos!

Nein!
Er verstand den nicht!

 

Und wenn der schon so war,
dann hatte anderes das auszugleichen!
Nicht einfach leistungsfähig sein,
wie alle seines Alters
- das setzte jedermann voraus!
Vielmehr Gewähr verheißen,
etwa,
dass er sich allem unterwerfe.
Bis in die Selbstaufgabe!

So oder Ähnliches
Das sollte der ihn glauben machen,
bei dem Spiel!

Er hatte das auch selbst gelebt!

 

 

 

Sein Lächeln wurde steifer
und die Gedanken blieben schließlich aus,
weil jede Neugier ihm entglitt.

Was ging das Rotgesicht ihn an?
Auch wenn er dem jetzt
-- insgeheim -
die Lebenslösung hatte,
aus der für den noch etwas werden könnte!

Höchste Zeit,
den los zu werden!

 

 

 

Verdammt!
Was gäbe er darum,
wie dieses Rotgesicht
die Chancen nochmals auf dem Tisch zu haben?

Die da?
Die werden immer unten bleiben,
die Rotgesichter dieser Welt!
Für die war das bereits entschieden,
bevor sie aus dem Dunkel wollten!

 

 

 

 

Und wieder dieser schweißig-kalte Händegriff,
wie nur die Angst ihn sich erzeugt,
wenn sie sich schließlich überwindet!

"Ich danke Ihnen für die Zeit und die Bereitschaft,
sich um den Posten zu bewerben.
Sie hören dann von uns… "
Die Floskeln konnte er perfekt.

"Sie denken, dass ich..."
stotterte nun der, unsicher wie er war

Kam wirklich Hoffnung bei dem auf?
War ihm nicht klar,
was für ein Bild er ihm geboten hatte?

Er hatte ihm zu viel Zeit von seiner Zeit gewidmet.
Das stieg so Menschen dann zu Kopf!

"Aber ja."
gab er ihm daher freundlich mit.

 

 

 

 


Er lehnte sich jetzt abgespannt in seinen Sessel.
Verärgert über sich,
weil er sich zu so was hergegeben hatte!

 

 

Der Kaffee kam hereingerollt.

Endlich konnte er Tabletten nehmen!
Mehr,
hatten sie zu ihm gesagt,
sei nicht zu machen
und mit der Angst
war ihm der Schmerz geblieben!
Doch gab er niemals auf
- wie Rotgesichter!

 

Er würde sich wieder einen Termin machen!
Einer musste doch noch was wissen!


Entschlossen zog er sich das Telefon heran.

 

 

überarbeitet: 13.9.08

Zu den literarischen Arbeiten von Wolf-Alexander Melhorn
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