Leidenschaften

Über Grenzen einer Beziehung - eine Erzählung

von
Wolf-Alexander Melhorn

 

 

 

 

Weiß war er geworden,
im Gesicht.
Spannung hatte sich tief eingegraben.

 


Sein Leiden würde ihn jetzt quälen.
Doch fühlte sie sich auch verletzt!
Hatte gleichfalls Sorgen!
Die betrafen allerdings nicht ihn,
sein Herz!
Diesmal ging es nur um sie!
Sie aber war dem niemals wirklich wichtig!
Der spiegelte sich immer selbst!
War Mittelpunkt!
Auch ihrer!
Er hatte ihn dazu gemacht.
Längst konnte sie es nicht mehr hören,
sein Gejammer mit dem Herz!
And're Frauen mochten vielleicht anders sein!
Sie nicht!
Die andern waren ohnehin nicht immer ehrlich,
so wie sie!
Sie wollte sich das leisten!

 

 

" Warum nur tust Du Dir das an?"
Da war er wieder,
dieser ewig gleiche Vorwurf!
Als sorge der sich um ihr Wohlbefinden!
Dieser Heuchler!
Sie hasste so Verlogenheit!
Dafür würde sie ihn jetzt
zur Demut zwingen!

 

"Ich weiß! Er hat mich nicht verdient!"
Sie betonte es,
als zitiere sie ihm ein Gedicht.
Nach einer Pause
warf sie noch im Hass nach ihm:
"Du bist nur wieder eifersüchtig!"

Getroffen zuckte er zusammen!
Sah sie wohl,
doch stand er geistig nochmals auf;
gab sich wie immer
- unzerstörbar weise -
und Väterliches in der Stimme:
"Den hast Du bald vergessen…"

 

Hätte er doch zugegeben,
dass er ihr verfallen war!
Sie gebeten,
nichts zu tun
und da zu bleiben!
Sich ein Mal klein gemacht,
wie sie ihn sah,
wenn sie ihn haßte!
Dann hätte sie jetzt Rücksicht nehmen können.
So musste sie noch was beweisen!
Schließlich meinte der das ernst!
Was sie besonders wütend machte,
er hatte auch noch recht dabei!
Doch durfte sie sich so was bieten lassen?
Nein!
Das war genau die Überlegenheit,
die sie an ihm so reizte!

 

 


Sie warf sich lässig in den Sessel;
betrachtete
- in sich gespannt und aufgebracht -
den Farbauftrag der Nägel.
Schwieg!
Er sollte spüren,
was sie dachte und empfand
- und würde danach nichts mehr wagen!
Noch so einen billigen Versuch,
- als Ausgleich dafür,
was sie ihm getan -
aus seiner Unterlegenheit
vielleicht doch einen Sieg zu machen,
würde sie ihm nicht erlauben.

 

 

 

Doch starrte er jetzt nur noch vor sich hin.
Sein Zeichen,
dass er aufgegeben hatte.
Doch fühlte sie sich weiterhin von ihm belauert!
Wusste es durch ihr Gefühl
und war sich sicher,
in Wahrheit hätte er sie gerne angesehen!
Wenn ihr Instinkt sie so bedrängte,
war sie schließlich 'seine' tolle Frau!

 

Sie liebte ihn dafür,
weil sie das wollte,
brauchte
und er wusste es,
das Schwein!
Nur konnte sie ihm das nicht zeigen!
Es wissen musste ihm genügen!
Dafür würde sie ihm auch verzeihen,
dass er sich wieder eingemischt!

 

Die Falten spannten sich ihm im Gesicht,
als er sich dann erhob
und leise aus dem Raum entwich.

 

 

Sie sah ihm dabei aus den Augenwinkeln zu,
den Blick nur scheinbar abgewandt,
die Haltung in gekränkter Langeweile;
bereit,
bei neuem Widerspruch
ihn aber augenblicklich zu zerreißen!

 

 

Es gab auch nichts mehr zu bereden!
Erst musste sie mal Klarheit schaffen!
Er hatte damit nichts zu tun!
Morgen würde sie ihm
- früh genug! -
dann wieder freundlicher begegnen!

 

 

 

 

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