Rückblick
von
Wolf-Alexander Melhorn

 

 

Als sie dann ging,
versank die Kindheit sacht in mir.

Vorbei!

Kein klärendes Gespräch;
kein letzter Tausch von Liebe,
für ihre Jahre des Verstehens.

Doch Wissen blieb!

Von Kämpfen,
die sie ausgetragen
- um mich! -
- mit mir! -
die,
jedenfalls für mich,
aus Angst stets zu gewinnen waren;

damit ich wurde;
was
und
wer
ich heute bin.

Doch weil so Sieg mit Stolz erfüllt,
blieb ihr der Dank versagt,
den ich neidisch nicht gewähren wollte,
um niemand Schwächen aufzudecken!

So hielt gewahrter Abstand
uns schließlich beide
vor uns selbst zurück;
ließ nur verstohlen
- manchmal -
Trautheit zu,
mit Augenblicken guter Nähe;
Besinnung auf Gemeinsamkeiten.

Verloren!


Ich stehe wieder mal vor ihr.
Nicht um mir Kindheit zu erhalten,
viel -mehr,
um nochmals Liebe zu erfahren,
die mehr mir gab,
als jemals sie sich fordern würde.

Vergebens,
wie ich sicher weiß!

Und fühle mich doch so verstanden.

 

 

 

Veröffentlicht in der Anthologie:" Die Scherben der Seele"

Zu den literarischen Arbeiten von Wolf-Alexander Melhorn
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