20.12.05
Die Eisfee
von
Wolf-Alexander Melhorn
Über die Selbstfindung einer Einhsamen - ein Märchen
Es war einmal ein Mädchen namens Deborah. Sie lebte nach dem jähen Tod der Eltern in einem Heim. Dort waren die Erwachsenen immer streng und sehr schnell ungehalten.
Eines Nachts wurde Deborah darüber traurig, so dass sie bitterlich weinte. Ersehnte sie sich doch, dass jemand sie mal voller Herzlichkeit umarme. Ihr schien das nicht zu viel erwartet, doch keinem war das wichtig. Es taten alle ihre Pflicht.
Auf einmal
klopfte es ganz sachte an der Fensterscheibe.
Niemand sonst schien das zu hören. Dabei schlief sie nicht allein im Zimmer.
Vorsichtig trat sie
heran.
Draußen stand ein Wesen, so wunderschön, wie Ähnliches Deborah
nie gesehen.
Sie öffnete leise
das Fenster. „Hast Du geklopft?“ fragte sie flüsternd, und
die strahlenden Augen dieses zierlichen Geschöpfes beglückten sie
sofort.
Das Wesen nickte freundlich und lächelte sie an.
„Die andern schlafen aber alle…“
Das Wesen winkte dankend ab und sagte darauf leise: „Ich komme Deinetwegen.
- Ich weiß, Du kennst mich nicht, Deborah,. - Ich bin die Sonnenfee und
hörte, dass du weinst.“
Deborah schreckte auf!
Ich war zu laut, durchfuhr es sie!
Zudem kannte diese Fee auch ihren Namen!
Als könne sie Gedanken gelesen, schüttelte die Fee jedoch den Kopf. „Ich höre Seelen rufen, weißt Du! - Vielleicht kann ich Dir helfen...“
Die liebevolle Art ließ Deborah rasch Vertrauen fassen und als habe sie das immer so getan, erzählte sie von ihren Eltern und wie sehr sie deren Herzlichkeit vermisse. Auch, dass sie die Unpersönlichkeit im Heim als eine schwere Last auf sich empfinde.
Doch während sie das
so berichtete, schämte sich Deborah plötzlich etwas.
War sie nicht vorlaut mit so Wollen? - Anderen erging es noch weit schlechter!
- Was erwartete sie eigentlich? - Dass man noch mehr Verständnis für
sie habe? - Liebe geben… ? - So was braucht gewiss viel Zeit! Wie anders
könnte man sich näher kommen? - Doch.... ! - Zeit? - Die hatte niemand
in dem Heim!
Die Sonnenfee streichelte aufmunternd ihren Arm und sagte : „So Wünsche sind nicht unberechtigt, Kind! - Liebe ist nun mal das Schönste, das sich Menschen geben können und ward sie Dir erst mal geschenkt, bleibt immer Sehnsucht danach übrig.“
Deborah war erleichtert!
Doch wusste sie auch etwas von dem Schlimmen auf der Welt und dass die Liebe
dort nicht wiegt! - Denn was war schon ein Herz?
Doch lächelte die
Sonnenfee ihr weiter zu:
„ Weißt Du, Deborah: Genau an dieser Sache krankt ihr armen Menschen!
- Ihr denkt nur immer an euch selbst! - Weil viele Liebe gar nicht kennen. -
Was also sollten die vermissen können? - Und was, vor allem, sollten die
dann weitergeben? -- Bei Dir, Deborah ist das anders! - Du hattest Eltern, die
kannten die Bedeutung einer Liebe! - Und dieses Wissen wird nun Last!–
Deshalb kam ich überhaupt! - Dir für Deinen Mut zu danken und auch
für Dein Vertrauen, dem Schicksal denoch Herzenswärme abzufordern.“
Die Fee ließ ihre Worte etwas wirken, dann fragte sie ganz unverhofft: „Doch wärst Du auch bereit, dafür selbst etwas zu tun und so, vielleicht als Vorbild, anderen ihr Schicksal zu verschönen?"
Deborah schwieg betroffen. Sie hörte auch den leichten Spott, als die Sonnenfee nach langer Pause fragte: " Oder bleibt es – wie bei vielen Menschen - auch bei Dir beim Klagen?"
Das saß nun punktgenau! Deborah wusste um den Unterschied, ob man im Selbstmitleid nur mit der Zukunft hadert oder etwas für sich tut!
Die Sonnenfee betrachtete
sie einen Augenblick lang prüfend und sagte danach nur: "Durchdenke
dies bis morgen Nacht!“
Damit verschwand sie.
Deborah stand noch eine
Zeit lang reglos an dem Fenster.
Dann schlüpfte sie ganz leise
in ihr Bett zurück und grübelte noch lange.
Gewiss! - Sie war
bekümmert, weil die Eltern fehlten! - Doch sonst erging es ihr doch gar
nicht schlecht! Hatte sie nicht alles, was sie brauchte? - Darf trotzdem einer
noch mehr wollen?
Und wofür sich ändern und einem Anspruch auf Gefühle damit seine Wirklichkeiten opfern? - Selbst wenn gelegentlich die Seele kümmern sollte... - Dem Leben ist das schließlich nicht gefährlich! - Nur einem Augenblick!
Der Tag verging. Für sie schien es entschieden!
Deborah bangte trotzdem dieser Nacht entgegen!
Was bloß, wenn sie das Falsche tat? Schien doch die Sonnenfee viel mehr
zu wissen, was sie brauchte, als sie selbst!
Anders sie? Deborah! - Was sollte sie jetzt tun? - Was wurde eigentlich erwartet? - Nur, dass sie sich entscheiden müsse, war schon klar! - Auch, dass es wohl um etwas ging!
Sie dachte nochmals alles durch! - Vielleicht machte sie sich etwas vor! Hatte sie das alles missverstanden? - Oder wollte sie, in frecher Selbstvergessenheit, das nur so verstehen?
Plötzlich hörte sie im Dunkel schwaches Hufgetrappel!
Sie eilte leise an das
Fenster, um den Schlaf der andern nicht zu stören und sah ein strahlend
weißes Pferd.
Niemand sonst schon davon etwas zu bemerken!
Der Schimmel schien auf sie zu warten!
Als sie dies begriff, brauchte es nur Augenblicke, bis sie sich umentschieden hatte. Selbst Zweifel gab es plötzlich keine! - Nur Gründe für dies Handeln, hätte sie nicht nennen können.
Heftig winkte sie dem Schimmel durch die Scheibe zu. Er solle wissen, dass sie komme, und wie zur Antwort senkte er ganz kurz den Kopf.
Leise lief sie danach vor
das Haus, erfüllt von neuem Schwung und Zuversicht!
Sie, die noch nie geritten war, glitt sogar ohne Zögern auf das Pferd.
Das Tier ritt an. Ihr Herz erfühlte neues Glück!
Irgendwann. nach schnellen
Ritt. hielten sie vor einem Teich.
Zu Deborahs Überraschung schwammen in der Mitte pralle Blumen, die –
wie ungewöhnlich! – im Mondlicht für sie aufgegangen waren!
Am Ufer aber wartete die kleine Fee.
Zögernd stieg Deborah
von dem Schimmel.
Was sollte sie jetzt sagen? - Oder tun?
Die Sonnenfee begrüßte
sie
Anerkennend fügte sie dem noch hinzu: „Es erfordert immer Mut, den
Alltag zu verlassen.“
Plaudernd deutete sie dann auf das Pferd: „ Der Ausritt machte Dir ganz
offensichtlich Freude. - Das ist schön!"
Deborah fühlte, ihr
war aus Güte dieser Augenblick geschenkt!
Doch, warum?
Die Sonnenfee lächelte
sie weiter an. Sie hatte längst in dieses junge Herz geblickt und dort
gesehen, was dem wichtig war.
Ruhig blickte sie daher Deborah an. "Wenn Du Dich fragst, was Dich erwartet,
so hast Du nichts zu fürchten. - Ich weiß, Dir ist das aber nicht
genug! - Du möchtest mehr vom Leben. Das ist die Neugier jeder Jugend!"
Sie wurde plötzlich
ernst.
"Doch wer nur fordert, ohne ernsthaft selbst zu geben, wird niemals wirklich
viel erhalten! – Bist Du bereit, für diese Zukunft auch zu wagen?“
Deborah erschrak. Die Sonnenfee
durchschaute sie!
Sie war doch stets
nur Schülerin der Pflicht und des Gehorsams und beiden ist die Zukunft
niemals Wagnis, das sich lohnt! Schon gar nicht, wenn dies einen Aufbruch aus
dem Jetzt bedingt!
Und sie begriff, wie sehr sie sich in Wahrheit überschätzte! - Überhaupt! - Was wusste sie von Liebe und dem Leben? - So lange man bescheiden bleibt, genügt es doch, dass wenigstens die Hoffnung bleibt!
Die Sonnenfee betrachtete
sie sinnend.
Dann fuhr sie schließlich fort: "Wenn Dir der Ausflug jedoch schon
genügt, dann bringen wir Dich auch zurück! - Niemand weiss bisher
von Deinem Fehlen."“
Deborah war erleichtert. Die Fee ließ ihr die Freiheit, wiederum zu wählen!
Denn was nun kam,
das sollte sie sich offenbar erkämpfen müssen! - Und kämpfen
hatte man sie nie gelehrt!
Die Sonnenfee fügte aber an: „Du sollst die Eisfee überwinden! – Weil sie jedem schadet, den sie trifft! - Denn sie entzieht den Menschen Herzenswärme!“
Deborah erschrak.
Das klang gefährlich! Und so was war sie nicht gewachsen!
Doch war sie nicht
zu mehr bereit gewesen, seitdem dies alles hier begann?
Nach kurzem Zögern
nickte sie daher entschlossen! Nur wusste sie nicht recht, warum. - Und doch
schien dies in irgend einer Weise selbstverständlich!
Denn warum sollte sie die Eisfee nicht bezwingen? - Tat sie das nicht auch für sie selbst? - Gegen jeden Mangel fremder Herzenswärme? - Vielleicht war diese Eisfee überhaupt der Grund, dass sie sich so verlassen fühlte? Denn Herzen geben schwerlich Liebe, denen es an Wärme fehlt! - Doch wie erwärmen sich noch Herzen, wenn die Eisfee sie der Liebesfähigkeit beraubt?
Bei allem Mut und Selbstvertrauen war Deborah jedoch klar: Ihr Wollen räumte nicht das Wissen weg, dass diese Eisfee Böses wollte - aus einem unbekannten Grund. Wie konnte sie daher nur denken, ein solches Wesen zu bezwingen?
Der Einwand stand vor ihr wie eine Mauer!
Die kleine Sonnenfee, dies Zauberwesen, schien ihr das jedoch zuzutrauen! - Warum daher nicht auch sie selbst? - Inzwischen hatte doch manchen Schritt getan, die Dinge neu zu wagen! - Und damit sich auch selbst ermutigt!
Die Sonnenfee sah sie zwar
an, sagte aber weiter nichts. Verschwand vielmehr so schnell, wie in der Nacht
zuvor.
Das weiße Pferd lief einfach in den Wald hinein.
Deborah blieb allein zurück und wurde plötzlich sehr verzagt. Hatte sie sich doch zu weit gewagt? - Bescheidenheit und Demut wären angebracht gewesen! Nicht ihr frecher Übermut!
Sie wusste nur nicht, was jetzt tun!
Doch es geschah auch nichts!
Das ließ sie hoffen! -
Auch schien die Sonnenfee sich sicher, dass es Deborah wagen könne und
dann zur rechten Zeit auch fähig sei zum Richtigen!! - Sie forderte auch
nicht, dass sich Deborah etwa opfern solle! Keineswegs! - Sie solle vielmehr
siegen!
So viel Vertrauen von der Sonnenfee gab Deborah neuen Mut, und um dem dann auch zu genügen, wartete sie einfach ab. War dabei fest entschlossen, sich bei Bedarf auch zu beweisen!
Irgendwann jedoch, zu Füßen einer alten Eiche, gähnte sie die Müdigkeit in einen tiefen Schlaf.
Ganz plötzlich fror sie, und erwachend hörte sie Gemurmel.
Aufgeschreckt sah sie sich um!
Wo zuvor noch Blumen auf dem Wasser blühten, fror jetzt Eis die Fläche zu und strahlte seine Kälte ab,
Deborah fröstelte.
Plötzlich aber wurde sie ganz wach, denn auf dem festen Eis des Teiches
stand die Eisfee!
Deborah kannte sie sofort, als sage es ihr eine Stimme. Es konnte niemand anders sein!
Die Eisfee war auch nicht allein! Bei ihr zwei furchterregende Gesellen und auf diese sprach sie halblaut ein. Deborah hörte nur noch, wie sie halblaut sagte:"„Bewacht mir gut den Wasserfall! Deborah darf ihn nicht erreichen! - Schützt uns die Wunderblume!“ Die Mahnung schien ihr wirklich wichtig, denn sie fügte nochmals an: " Sie darf die niemals finden!"
Deborah jagte das Gehörte großen Schecken ein! Es wirkte sehr bedrohlich, verstärkt durch diese Finsterlinge! Die Eisfee selber schien ihr eher unscheinbar, doch furchteinflößend vor Entschlossenheit. Was sie begann, das würde auch zum Ende kommen! Aus Gehorsam oder Pflichterfüllung!
Und dieses zu begreifen,
lähme jetzt Deborah!
Wie sollte sie ein solches Wesen überwinden? - Sie! Die zwar Wille und
Bereitschaft hatte, aber weder Können noch die Macht, den Kampf mit einem
solchen Wesen aufzunehmen?
Erschreckend sah sie außerdem, wie selbst die starken Widerlinge vor der Eisfee dienerten und in die Finsternis enteilten, wobei sie dunkle Laute von sich gaben.
Deborah schlich sich schaudernd
hinter diese dicke Eiche, in deren Wurzelwerk sie vorher schlief.
Sie wusste nur, sie müsse weg! - Ihr fielen, wie im Hohn, dabei die Worte
wieder ein, mit der die Sonnenfee sie noch beschwichtigt hatte:" Wenn Du
Dich fragst, was Dich erwartet, so hast Du nichts zu fürchten!"
So konnte doch nur jemand
sprechen, der solche Augenblicke nie erlebt! Sie spürte schließlich
die Gefahr, die diese Eisfee kalt verstrahlte! - Daran gab es nichts zu zweifeln!
Furchtsam schmiegte sich Deborah daher an den rauhen Stamm. Die Eisfee hatte
sie noch nicht bemerkt! Doch was, wenn sich das tat? - Hatte nicht die Sonnenfee
gesagt, die Eisfee sei zu allem fähig?
Angst ist dem Menschen
meist ein Schutz! Denn sie behütet ihn vor Schaden und bremst vor allem
Übermut.
Doch selbst im Fliehen darf sie niemals einfach niederrennen, sondern muss,
auch dann, sich mit Vernunft zusammentun! Damit gemeinsam beide das Geschehen
wägen und danach wissen, was zu tun!
Deborah war das aber nicht bewusst! Auch stellte sich zur Hilfe nicht die Ruhe in den Weg, um mit ihr alles abzuwägen. Deborah wusste nur, die Eisfee werde sie gewiss bemerken, wenn sie jetzt kopflos in den Wald mit seinem Dunkel rannte, in dem auch noch die beiden Kerle waren!
Der Schrecken ließ sie dennoch wieder zu sich kommen. Doch wie gelähmt verharrte sie an ihrem Platz!
Die so geschenkte Zeit rief jedoch wieder in Erinnerung, was die Eisfee eindringlich den Finsterlingen sagte: „Bewacht mir gut den Wasserfall! Deborah darf ihn nicht erreichen! - Schützt uns die Wunderblume!"
Wie schon die Sonnenfee,
so wusste also auch die Eisfee von Deborah! - Nicht nur das! Sie glaubt gar,
Deborah könne ihrer Macht gefährden! - Sie besiegen! - Wie die Sonnenfee
verlangte!
Die Eisfee schien Deborah offenbar zu fürchten!
Das aber stellte alles auf den Kopf!
Die Gedanken fanden dadurch
aber neue Ordnung und auch die Angst ließ etwas los!
Doch immer noch gewannen die Bedenken Oberhand!
Hatte sie die Worte vielleicht falsch gehör?! - Vielleicht ihr nur die
Angst so eingegeben?
Nein!
Keine Zweifel!
Von einer Wunderblume war die Rede, die es vor ihr zu schützen galt!
Doch warum sollte sie die denn nicht finden?
Die Widersprüchlichkeiten
nahmen überhand!
Dennoch musste irgend was geschehen! Sie durfte hier nicht länger bleiben!
Sie tastete sich schließlich
ganz behutsam vor. Bedacht, Geräusche zu vermeiden, weg nur von von dem
kalten Ort und der Bedrohung ihres jungen Lebens!
Wie weit sie dabei wirklich
kam, hätte sie nicht sagen können, weil sich die Dinge so vermischten,
dass sie ihr Zeitgefühl verlor. Bei
diesem Tasten durch die Finternis berührte sie jedoch auf ein Mal etwas
Weiches, das voll Leben - und leises Schnauben schob ihr alle Ängste auf
die Seite, gab neuen Halt und Zuversicht.
Sie ahnte nur! Das
war das weiße Pferd! - Sehen konne sie es zunächst nicht! Es hatte
sie jedoch erwartet und schien zu wissen, was zu tun!
Zumindest war sie
nicht jetzt nicht mehr allein!
Würde es sie wieder führen? - So, wie es sie an diesen Ort gebracht?
Sie wusste nicht, was sie
erwarten durfte. Nur ein Vertrauen war jetzt da, das vorher in ihr fehlte.
Sie suchte daher einfach nach dem Sattelknopf, schwang sich beherzt hinauf und
wie befreit ließ sie das alles hier zurück.
Zunächst im Schritt
und lautlos, dass die Eisfee nichts erahne, brachte sie das Tier behutsam fort.
Als sich der Wald dann lichtete, trabte dann der Schimmel an und brachte sie
schnell weiter. Sie wusste nicht, wohin, doch machte ihr das keine Sorge.
So ahnte sie auch nicht, das sie das Tier in jene Richtung brachte, in der zuvor die Eisfee ihre Helfer schickte. Von denen aber war schon lange nichts zu sehen.
Jählings stand Deborah,
Augenblicke nur, vor jenem hohen Wasserfall, dessen Rauschen schon seit langem
hörbar war.
Dann brach der Schimmel
durch die Wand aus Gischt und Wasser!
Sie befanden sich in einem kleinen Tal auf einer Wiese voller Pracht, die hohe
Felsen reizvoll säumten und Tageslicht durchflutete.
Deborah wähnte sich verzaubert, als stolz das weiße Pferd durch einen solchen Liebreiz schritt.
Der Schimmel hielt mit
ihr vor einer Blume, deren Farbenkraft sich der Beschreibung fast entzieht und
sie Deborah nie gesehen hatte.
Das also war die Wunderblume! Keine Frage!
Und Du hast sie nun doch erreicht, flüsterte es ihr es ihr von allen Seiten
zu, als hätten viele darauf nur gewartet.
Das weiße Pferd, von dem Deborah nicht mal ahnte, dass es sprechen konnte, drängte sie jedoch ganz plötzlichl: „Brich diese Blume! - Schnell!"
Deborah wagte dennoch nicht, der Forderung zu folgen! - Das Tier sprach von der Wunderblume, die, wie sie von der Eisfee wusste, zudem ein Geheimnis barg! - Welch ein ganz besonderes Gewächs! – Und diese Kostbarkeit zerstören? Das konnte niemals richtig sein!
Das weiße Pferd bemerkte
diesen Widerstreit in ihr und schnaubte schließlich drängend. Dann
sagte es jedoch ganz ruhig: „Bis hierher hast Du mir doch auch vertraut,
Deborah.“
Kein Vorwurf war das. Mehr ein mahnendes Erstaunen!
Deborah wusste darauf nichts
zu sagen!
Doch plötzlich dachte sie, ganz unverhofft, an den geliebten Vater, der
einstens ihre Hände nahm - bei welchem Anlass war ihr längst entfallen!
- und freundlich sie belehrte: "Nicht immer alles zu verstehen, Kind, heißt
nicht, schon was falsch zu machen!"
Sie gab sich daher einen Ruck, beugte sich herab in ihrem Sattel und brach die Blume möglichst tief.
In diesem Augenblick geschah es! Der Eisfee Finsterlinge brachen mit Geschrei durch diese Wasserwand - entsetzt, was sich vor ihren Augen tat und sichtlich fest entschlossen, mit Gewalt noch ihrem Auftrag zu genügen!
Deborah wurde starr vor Schreck! Saß auf dem Pferd, die Wunderblume in der abgesenkten Hand und der Eisfee Mannen schon bedrohlich nah!
Der Schimmel hätte
sie in schneller Flucht vielleicht noch retten können! Statt dessen blieb
er stehen.
Doch er fraß die Wunderblume in Deborah 's Hand!
Im gleichen Augenblick wurde aus dem weißen Pferd ein starker jungen Mann, der Deborah sofort Schutz gewährte. Die Finsterlinge heulten daher auf, verharrten einen Augenblick und flohen durch den Wasserfall zurück, woher sie kamen. Sie hatten ihre Kraft verloren!
Was weiterhin geschah, ist rasch erzählt.
Die Eisfee, wie uns später zugetragen wurde, verlor zur gleichen Zeit an Macht und konnte Menschen danach nur noch Schaden, wenn sich ihr noch mehr schlechte Wesen zugesellten. Doch wussten sich die Menschen fortan auch zu helfen!
Deborah und der junge Mann
jedoch wurden sehr vertraut.
Von seinem Vater, der vor Glück die Rückkehr seines Sohnes zunächst
sehr beweinte, erhielten sie ein großes Haus.
In diesem wohnten sie mit ihren Kindern, bedacht, stets von der Herzenswärme
abzugeben, die fortan auch sie selbst umfing.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie im HEUTE….
überarbeitet: 21.9.08
Zu
den literarischen Arbeiten von Wolf-Alexander Melhorn
Zum
Gesamtverzeichnis www.melhorn.de