29.11.06

 

 

Gestern und Morgen
von
Wolf-Alexander Melhorn

 

 

 

Ich tauche in die Tiefen des Erkrankens.
Ertaste planlos seinen Grund;
befingere mir Kräftestummel,
wo immer sie sich greifen lassen;
erflehe Hilfen,
die den Himmel stützen,
der sich so drückend auf mich legt
- und die Verzweiflung steht vor mir,
bereit, zu tödlicher Umarmung.

 

Versunken in der Kläglichkeit des Körpers,
der scheinbar mir geblieben ist,
schwimme ich im Mitleid meines Denkens
und übersehe so
den Mut,
der anderen aus weniger entsteigt;
mithin die Kraft
aus Hoffen, Sehnsucht, Gottvertrauen,
die stets in diese Leeren fließt.
Sie speist uns lebenslang,
bereit,
uns immerfort zu nähren.
Wenn wir nur dauerhaft vertrauen,
dann weiß sie auch der Zukunft Richtung!

 

Doch drückt mich das Gewesene,
verweigert mir dabei den Halt,
weil sich Vergangenes noch an mich klammert,
das Gegenwart schon überholt!

 

Dabei ist alles schon bereitet,
mir Zukunft längst schon angerichtet,
und lähmt nur Kleinmut noch die Kraft,
von Altem einfach los zu lassen
- nachdem Vergangenheit schon abgestellt,
was ich nun plötzlich nicht mehr bin!

 

Es sind nicht Hochmut oder Unverstand,
die uns treiben,
vielmehr geht Leben seinen Weg
und willst Du es begleiten,
so ist sein Tritt bald wieder aufzunehmen
- aus dem ich jüngst gekommen bin!
Denn auch wenn es geduldet,
Augenblicke anzuhalten,
um Genuss zu leben
oder sich Erschöpfung auszugleichen:
Es wirft auch unerbittlich ab,
- und danach steigst Du nicht mehr auf!

 

Darum geh,
Verzagtheit,
jetzt zu Deinesgleichen
und gib mich wieder frei
damit ich nicht in Dir verende!

 

Nur so schließt Gott
mir die Bedrohung wieder ein,
entzündet mir erneut das Licht

- auf dass ich weiter ewig lebe!

 

 

Zu den literarischen Arbeiten von Wolf-Alexander Melhorn
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