Die Niederlage

Schauspiel in 3 Akten

von
Wolf-Alexander Melhorn

 

1. Akt


 

 

1.Akt 1.Szene

MÜLLER trägt herumliegende Waffen und Pferdegeschirre in einen Stall. HÖLZEBAUER eilt vorbei.

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HÖLZEBAUER: Hast Du die Brennerin gesehen?
( MÜLLER schüttelt bedauernd den Kopf, arbeitet aber weiter )
( enttäuscht): Muss die auch heute in den Tann!

MÜLLER ( hält ein ): Besser so! Schon für das Gretchen... – ( schwer ) Wären wir nur alle mit... - Sind aber welche los. Sie suchen...

HÖLZEBAUER ( besorgt ): Die ist doch oft drei Tage fort. Und länger...

MÜLLER ( nickt ): Wird wohl noch ein Leben kosten. - Der Jörg, der könnt’ sie wirklich brau-chen...

HÖLZEBAUER ( nickt ): So wichtig war die hier noch nie. - ( hilflos ) Na ja... Bei anderm Anlass müsst’ der schließlich gleichfalls warten.

MÜLLER (trüb ): Das Schicksal drückt schon immer auf die kleinen Leute.

HÖLZEBAUER ( aufmunternd, dabei müde lächelnd): Und Du, Müller?

MÜLLER: Ich habe Glück gehabt. - Auch die Familie. – Da dank ich unserm Schöpfer, Bauernmeister.

HÖLZEBAUER ( nickt nachdenklich ) : Ich ebenso. - ( nach Pause munterer ) Was tust Du da jetzt??

MÜLLER: Ich dacht mir... die Beute sichern. - ( zeigt umher ) Das bringt schon einen Batzen. – Und Not ist jetzt ja überall.

HÖLZEBAUER : Wohl wahr. – - Ich kann es immer noch nicht fassen! –Gut! – Lasst alles hier zusammentragen! - Sag das den andern!

 

 


1.Akt 2.Szene

Vorige. FRIEDBAUER tritt auf. Sieht die beiden und will sich wieder verdrücken.

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HÖLZEBAUER ( aufmunternd ): Was ist, Friedbauer? Redest nicht mit uns?

FRIEDBAUER ( mürrisch ): Was soll ich sagen, Hölzebauer? Heut’ ist, bei Gott, genug geredet und geschrieen worden.

HÖLZEBAUER ( versöhnlich ): Doch nach der Sache, heute morgen... - Die Herzen sind da manchem voll.... und wollen vielleicht reden. – ( deutet auf MÜLLER und sich ) Wir beide hatten Glück!

FRIEDBAUER ( unwirsch ): Der Schuppen ist mir abgebrannt! – Und vom Gesinde drei erschlagen...

HÖLZEBAUER ( nickt ): Die Rosa und ihr Kind. – Und dann der Hannes.... Hab’s geseh’n.

FRIEDBAUER ( gleichgültig ) : Der Knecht war alt und Ärger gab’s mit dem genug. – ( aufgebracht ) Doch um die Rosa....! – War tüchtig, dieses Frauenzimmer. – - Doch mit dem Schuppen ... – Meine ganze Saat...

HÖLZEBAUER ( sachlich ): Das Kind von der...War doch von Dir?

(FRIEDBAUER macht eine unleidige Handbewegung )

MÜLLER ( verächtlich, nebenbei ): Der Schlaukopf spielt den Armen. – Damit, für Gotteslohn, ihn keiner um Getreide bettelt!

FRIEDBAUER ( übellaunig fortfahrend ): Rackerst dich kaputt und so Gesindel fackelt es dann ab. – Als hätte Fleiß nie was gegolten! - Wir sind nur Vieh und das die Schlächter, dass ihr’s wisst! – Ich sag’ dir, Hölzebauer: Dieses Land verfault von innen! - Mehr Abgestorb’nes gibt es als Gesundes, mittlerweile!

MÜLLER ( trocken ): Da hast Du recht, Friedbauer. – Fast könnt’ man meinen, jetzt hätt’ auch arm sein mal was Gutes ...

FRIEDBAUER ( gallig ): Du hast gut spotten, Müller. Dir fehlt es ja an nichts!

MÜLLER ( überlegen ) : Eine Frage, Friedbauer.. – Ich mein’, ich hätt’ die Scheune selbst geleert, vor ein paar Tagen. – So viel ist vielleicht nicht verbrannt...

FRIEDBAUER ( braust auf ): Du wagst, mich einen Lügner nennen, Müller? – Die Scheune war längst wieder aufgefüllt! Der Hannes hat es selbst getan! – ( drohend ) Halt ja Dein Maul! Sonst gehst Du wieder auf die Straße, Müller! - So Hergelaufene wie Du, die gibt es immer!

MÜLLER ( fährt auf ): Mach’ Du Dich mal nicht ganz so groß, Friedbauer! - Dein Ahne war’s, der Dich zum Rodungsfreien machte! Und nicht Du! - Du sitzt nur im gewärmten Nest! - Ich mach’ die Arbeit zwar in Fron, doch über mich gibt’s keine Klagen! - Da kannst Du fragen, wen Du willst!

FRIEDBAUER ( feindselig ): Nur weil Du Dich beim Kämpfen wichtig tatest, Müller, führst Du jetzt nicht das große Wort! Verstanden! – (gehässig ) Sonst bringt wer einen andern auf die Mühle! Und dann kannst wieder wandern, mit der Sippe!

HÖLZEBAUER ( einwerfend ): Er hat sich gut für uns geschlagen. Und selber viel für uns riskiert! – (versöhnlich ) Das hat er doch nicht so gemeint...

FRIEDBAUER ( steigert sich neuerlich hinein): Aber so gesagt! – ( abweisend ) Wieso stellst Du Dich überhaupt auf seine Seite, Hölzebauer? – Du! Als Bauernmeister! – Du weißt, der hat nur seine Pflicht getan! – Den jagen sie sonst fort, schützt der das Eigentum des Fürstprobst nicht mit seinem Leben! – (wendet sich ab, verächtlich ) Ein Müller!

HÖLZEBAUER ( ruhig ) : Wir sind in seiner Schuld, Friedbauer!

MÜLLER ( unruhig ): Verzeih mir, Friedbauer! – Hab’s wirklich auch nicht so gemeint! - Natürlich hast Du Deine Scheuer wieder aufgefüllt. - Ich wusste das nicht, mit dem Hannes!
( FRIEDBAUER sieht MÜLLER kritisch an. Schweigt.)

HÖLZEBAUER ( versöhnlich ): Es lohnt nicht, wegen so was rumzustreiten. – Wir müssen jetzt zusammenstehen! - Denkt an die andern! Die brauchen uns’re Hilfe.

FRIEDBAUER ( gleichgültig ): Soll sich die Brennerin drum kümmern!

MÜLLER ( ruhig ): Die ist mal wieder fort, Friedbauer!

FRIEDBAUER ( achselzuckend, fest) : Dann wartet, bis sie kommt!

HÖLZEBAUER ( mit Nachdruck ): Es geht auch nicht nur um Verletzte, Friedbauer...

FRIEDBAUER ( unterbricht unwirsch ): Oder holt den Mönch vom Fehrertann’! – Der sei noch besser als die Brennerin. - Soll ruhig raus aus seiner Klause! Der kann bei uns genau so beten!

MÜLLER ( rasch ) : Ich hörte schon von dem... Genaues weiß ich freilich nicht!

HÖLZEBAUER: Du, Friedbauer?
( Friedbauer schüttelt unwillig den Kopf )

HÖLZEBAUER ( nachdenklich ): Der Fehrertann ist riesengroß!

MÜLLER: Der lebt da sehr zurückgezogen.

HÖLZEBAUER ( nachdenklich ) : Offenbar ein guter Mensch...

MÜLLER ( besorgt ): Doch was ich hörte, geht der nicht von seiner Klause.
– Und die Verletzten zu ihm bringen? - Wir wissen noch nicht mal, wohin!

FRIEDBAUER: ( knurrig ): Wenn’s wirklich gilt, verkriecht sich jeder ins Gebet! –
( aufgebracht ) Kommt auch kein Schwarzrock aus der Fürstprobstei... - Christus immer auf der Zunge... Doch im Herzen? – ( entschieden ) Ich sag’: Der hat kein Recht auf seinen Frieden! - ( böse ) Selbst wenn’s ihm keiner lohnen sollte... - Jesus ist für uns sogar gestorben.

HÖLZEBAUER ( mutlos ): Na ja... Zwingen kann ihn keiner ...

FRIEDBAUER ( ungehalten ): Ein guter Mensch tut überall was Gutes!

HÖLZEBAUER ( nickt, ernst ): Was unsereinem ja nicht immer so gelingt. Da setzt sich Böses leichter durch...

FRIEDBAUER ( aufbegehrend ): Den werdet ihr schon finden! – ( verächtlich ) Im Wald... - Da nützt der nur sich selbst! - Der wird jetzt hier gebraucht! - Macht ihm das klar!
( Pause )

HÖLZEBAUER ( ruhig ): Noch mal zu Dir, Friedbauer...

FRIEDBAUER ( winkt ab ): Ich weiß schon, was Du willst! – Aber mir gibt gleichfalls keiner!
( Das Gesicht des HÖLZEBAUER verfinstert sich ) ( aufbegehrend ) Was willst Du, Hölzebauer? Wer meinte, er muss sich mit dem Schweden schlagen, soll sehen, wie er jetzt die Mäuler stopft.

HÖLZEBAUER ( mit Nachdruck ): Wer mit uns kämpfte, tat das für uns alle!

FRIEDBAUER ( winkt entschlossen ab ): Die sollen in die Stadt! – Die Elendshäuser geben jedem, Bauernmeister! - Verkommt heut’ keiner, bei den Bruderschaften!

HÖLZEBAUER ( freundlich, bemüht ): Friedbauer... Schick sie doch jetzt nicht betteln. - Kennst doch die meisten lang genug.

FRIEDBAUER ( abweisend ): Muss ich die deshalb durch den Winter füttern? – Almosen geb’ ich schon genug als Christ! Da kann mir keiner kommen! - ( tritt an HÖLZEBAUER heran) Will Dir was sagen, Bauernmeister: Wenn die uns nicht in ihren Kampf gezogen hätten, dann lägen uns nicht die Verletzten auf der Tasche! – ( fest ) Wollt ihr was verteilen, nehmt es von der Beute!

MÜLLER ( ungehalten ) : Und die Kaiserlichen?
( FRIEDBAUER zuckt mit den Schultern ) (MÜLLER aufgebracht )
Ich hab’ die kämpfen sehen! - Von dreizehn Mann sind zehn gefallen! - Und nur, um uns zu helfen!

FRIEDBAUER ( sieht ihn verächtlich an ): Du bist ein Narr, Müller! Zu jung an Jahren, um schon das Leben gut zu kennen. – ( überlegen ) Ich sag’ Dir, was mit uns geschehen wäre! - Die Schweden... - Die hätten vielleicht zwei, auch drei erschlagen... Um sich die andern und die Weiber so gefügiger zu machen. - Der Rest von uns wär’ jedoch arbeitsfähig! Könnte sich das Brot jetzt selbst verdienen! Müsst’ nicht die Kinder betteln schicken! – - ( gleichgültig ) Was gingen uns die Kaiserlichen an? - (gewichtig ) Da darf man nicht Partei ergreifen, so wie ihr! – Schon gar nicht, wenn die Schweden derart in der Überzahl!

HÖLZEBAUER ( schüttelt energisch den Kopf ): Die hätten uns doch nichts gelassen, Friedbauer!

FRIEDBAUER ( energisch ) : Ich kenn mich aus, im Leben, Hölzebauer. – Ich war zwar nicht dabei, doch reicht mir, was ich hörte!
( nickt den beiden zu und geht ab )

HÖLZEBAUER ( wütend hinterher ): Der Geizhals, der verdammte!

 

 


1.Akt. 3 Szene

Vorige. BADER tritt hinzu. Wartet in 'gehörigem’ Abstand’.

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HÖLZEBAUER ( schroff ): Hab’ keine Zeit!

BADER ( unterwürfig ): Bist Du der Bauernmeister?

HÖLZEBAUER ( will gehen ): Wenn Du was willst, dann später!

BADER ( eilig ): Bin auf der Wanderschaft. - Ein braver Bader, Bauernmeister!– Könnt’ Euch vielleicht beim Räumen helfen! Ihr braucht doch sicher jede Hand...
( HÖLZEBAUER zögert. Sieht ihn sich kurz an. Inzwischen BADER beflissen )
Gut fünfzig Tote habt ihr zu begraben, wie ich weiß. – Und so was eilt! Die fressen sonst die Ratten! - Und stinken euch zum Himmel, in zwei Tagen! - Hab so was oft gesehen, Bauernmeister! - Könnt Ihr glauben!

MÜLLER ( einwerfend, nachdenklich ): So einen könnten wir schon brauchen, Hölzebauer!! - Das mit dem Segen lässt sich später machen. – Jetzt kommt ja doch kein Pfaffe. - ( zu BADER ) Aber Hände weg von allen Taschen! Sonst hängen wir Dich auf! Verstanden!

BADER ( nickt): Was denkst Du denn von mir?

HÖLZEBAUER ( sieht BADER nachdenklich an ): Bader bist Du... So! - ( entschlossen zu MÜLLER ) Hebt große Gruben aus, für diese Fremden. - Ich schicke Dir noch den Erich und den Heiner! – Doch trennt die Lutherischen von den Katholiken!

BADER ( zustimmend ): Recht hast Du, Bauernmeister! – Den Frommen in das eine, den Unchrist in das andre Loch. – ( nebenbei ) Auch wenn die beiden sich vielleicht am jüngsten Tag verwechseln lassen.

HÖLZEBAUER ( entschieden, zu BADER ) : Verstehst Du nicht auch was von Kranken? Von Verletzten?

BADER ( nickt zögernd ): Als Fremder wagte ich mich gar nicht anzutragen, Bauernmeister... – ( fest ) Ein wenig schon... - Wenn auch nicht grad auf solche... - Zahnreißer bin ich, um es euch genau zu sagen. – ( locker ) Doch da fließt gleichfalls Blut. - Und mit den Schmerzen...

HÖLZEBAUER: Dann werden wir’s mit Dir versuchen, Bader! - ( zu MÜLLER ) Bis die Brennerin zurück ist. – ( zu BADER ) Dein Schaden wird’s nicht sein. Doch gib’ Dir Mühe! - Schaut Dir so mancher auf die Finger, der Pfusch sehr übel nehmen würde.

BADER ( selbstbewusst ): Gebt mir was zum Verbinden und was ich sonst so brauche. – Ich habe manches schon getan. – ( mahnend zu HÖLZEBAUER ) Denk aber dran, beim Lohn: Das ist nicht ungefährlich! – Nachdem so was gewesen ist, haut man uns Fremde schnell aufs Maul!

HÖLZEBAUER ( nickt, dann entschieden ) : Das dritte Haus im Dorf! - Sag’, ich würd’ Dich schicken... - Ich komm’ dann nachher selber...
( BADER nickt und will abgehen. HÖLZEBAUER plötzlich innehaltend )
Nein! Anders! – Erst zu dem Offizier und den Soldaten! – Die dürfen wir nicht liegen lassen. Sind schließlich Kaiserliche! - Der Fürstprobst würde das nicht dulden.

BADER ( zustimmend ): Besonders nicht, nach dem, was die für euch getan! – Ich hab’ es selbst gesehen!

MÜLLER ( misstrauisch ): Du?

BADER ( nickt ): Gestern abend ... – Ich kroch am Hang in eine Scheuer und wollt’ am Morgen dann ins Dorf. – Als ich die Schweden sah! – ( betont ) Die haben euch geschunden! –
( bewundernd ) Bis dann die Kaiserlichen attackierten! - Zwölf Mann! Ein Offizier! - Mit dreißig Schweden...! – Auch wenn die überrumpelt wurden! – ( zögert, dann geflissen ) Die haben euch natürlich gleichfalls viel zu danken. Keine Frage! – Die hätten nie gewonnen...

HÖLZEBAUER ( winkt ab) : Lass gut sein, Bader!– Erst zu den Kaiserlichen. - Man wird Dir zeigen, wo sie sind.
( BADER ab )

 

 

 

1.Akt. 4.Szene
Vorige.

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HÖLZEBAUER ( nachdenklich) : Das mit dem Mönch...– Zum Fehrertann... - Vier Stunden wirst schon brauchen... – Dir hilft gewiss das Glück! – Am Besten, nimm’ ein Pferd von den Soldaten.

MÜLLER ( winkt ab ) : Diese Viecher... - Wer die nicht wirklich kennt! – Im Fehrertann schon gar nicht... - Da geht es nur zu Fuß. – Doch wie gesagt: Den Alten müsst’ ich erst mal finden....

HÖLZEBAUER ( eindringlich ): Ich weiß, du bist vom Kampf erschöpft. Doch tu’ es für uns alle! - Musst es wenigstens versuchen, Müller!

MÜLLER ( ergeben ): Von mir aus. - Auf mein Wort! – Doch mach’ Dir keine Hoffnung. – Selbst wenn ich den dann finde: Es heißt, den bindet ein Gelübde. – Und so was bricht man nicht! – Bist du bei Gott im Wort...

HÖLZEBAUER ( drängend ): Vielleicht nur alles Hörensagen, Müller! - Gib Du dein Bestes! - Ein ehrlich’ Wort hat viel Gewicht! – Vielleicht ist der nicht gar so streng gebunden. – Das and’re hier, das mache ich. - Ich geh’ mir jetzt gleich Hilfe holen. – Du schaust, dass Du den Alten findest.
( Beide ab )

 

 

 

1.Akt. 5.Szene
( Zwei Landsknechte mit dem BADER in einem Zimmer. MICHAEL ist bereits versorgt. Der BADER legt KARL eben die letzte Binde an.)

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BADER ( ehrfürchtig ): Ich hab’ euch kämpfen sehen! – Alle Achtung!

KARL ( geschmeichelt, gelassen ): Wer’s Handgeld nimmt, der hat sich auch für den Tod entschieden. – ( grinst) Wir teilen dafür kräftig aus. – Wenn’s uns dann selbst erwischt, gleicht sich das wieder aus.

MICHAEL ( gedehnt ): Na ja, nicht immer ist es Mut, der treibt...

BADER ( bewundernd) : Die Leute, jedenfalls, sind euch hier sehr verbunden. – Ihr müsstet die mal hören!

KARL ( lacht, gelassen ): Die sind nur einfach unerfahren. – Was Micha? - Dörfer gibt es, Städte, die hat man drei, vier Mal genommen! Da starben sie an jeder Ecke!

MICHAEL ( grinst ): Und die Weiber... - Die kennen das dann schon!

KARL ( gewichtig zu BADER ): Auch wo man so sein Zeug versteckt .... – ( lacht ) Sofern die später überhaupt noch etwas haben. – ( geringschätzig ) Die hier... – Die schreckt das jetzt noch auf! - ( zweifelnd ) Oder waren hier schon mal Soldaten?

BADER ( zögernd ) : Was ich so hörte: nein!

MICHAEL ( misstrauisch ) : Ach! Du bist gar nicht von hier? - ( BADER schweigt und arbeitet schneller ) Kennst Dich im kämpfen aber aus... – Und mit Verbänden! - Was bist Du eigent-lich für einer?

BADER ( angespannt gleichgültig ) : Ein Bader, Herr. Sonst nichts.

KARL ( zu MICHAEL ): Viel gibt’s für den hier aber sicher nicht zu tun. – ( zu BADER, scheinbar drohend ) Du bist Soldat! Im Dienst des Schweden!

BADER (erschrocken ): Nicht doch, ihr Herren! – Kein Soldat! – ( ängstlich ) Beim Tross war ich... Gelegentlich!

KARL ( knurrig ): Hast wohl einen Wagen, Kerlchen? – Um Deine Salben anzupreisen. Was?

BADER ( eilig ): Nicht doch! Was ich besitze, kann ich tragen.

MICHAEL ( geringschätzig): Wer keinen Karren hat, der gilt erst recht nicht viel. – (grinst plötzlich) Karl! – Die Fierling, diese alte Hexe? – Weiß Du noch?

KARL ( lacht zustimmend): Das zähe alte Luder? Richtig! – Die hatte doch so eine Tochter... Diese Stumme! Das Kathrinchen... – Die sprach doch immer so ...
( er äfft eine Stumme nach, die sprechen will. MICHAEL lacht herzhaft. BADER lacht vorsichtig mit)
- ( KARL lachend ) Lacht jeder, der sie hört! – ( beruhigt sich jäh) Na ja! Die Menschheit ist gemein...

BADER ( salbungsvoll ): Dafür schenkt der HERR den Kranken und Gebrechlichen seine ganz besondre Liebe...

KARL ( winkt ab ): Davon hab’ ich nichts gesehen, Freund. – Es immer nur gehört, vom Pfaffen.

MICHAEL ( trocken ): Der ist ja einer von den Frommen...

BADER ( eilig ): Keineswegs, ihr Herren! – Im Glauben eher oberflächlich, würd’ ich sagen. – Doch so zu sein, wie ich, ist Gottes Werk, wie andersrum!

KARL ( trocken zu MICHAEL ): Ein Ketzer, Micha! - Lutheraner!

BADER ( erschrocken): Bei Gott, ich stehe fest in uns’rer Kirche! – Ich? Ein Ketzer! Was ihr denkt! – Ich rede nur nicht viel von Glauben. – ( gewichtig ) Weil’s eben auch gefährlich ist, zur falschen Zeit...
( Landsknechte sind belustigt )

KARL ( ruhig ): Aber von den Schweden bist Du ...! - Deren Tross! – ( trocken zu MICHAEL ) Stech’ ihn Dir ab! - Bevor der uns vergiftet...

BADER ( aufgeregt): Wär’ ich dann hier? - Und würd’ Euch helfen? – Ich hätte mich doch längst davon gemacht!

KARL ( scheinbar zweifelnd ): Vielleicht bist einer von den Oberschlauen? Die sich noch mit dem Teufel arrangieren, trifft der mal ihren Weg...

BADER ( ängstlich ): Ich war nur unterwegs. – Natürlich auf der Suche nach dem Krieg... – Doch als des Kaiser’s Mann! Versteht ihr! - Und daher Euch sofort zu Diensten, werte Herren!

MICHAEL ( ernst ): Ich trau’ Dir nicht, mein Freund! - Doch Deine Sache machst Du hier nicht schlecht.
(packt BADER plötzlich an der Brust)
Was hast Du da? – Lass sehen!

BADER ( verängstigt nestelt er ein Säckchen unter dem Wams hervor ): Kein Gold, Ihr Herren! Könnt’ Ihr sehen! - Nichts, was euch wichtig wäre! Ganz gewiss!
( KARL nimmt ihm das Säckchen ab und schüttet es auf den Tisch. Es sind Zähne )

MICHAEL ( angewidert ): Was machst Du mit den Zähnen, Kerl?

KARL ( sieht ihn prüfend an ): Auch Dich hat die Natur mit weniger bedacht...

BADER ( ängstlich ) : Ich samm’le Zähne! Weiter nichts!

KARL ( ungehalten ): Als Spielzeug? Oder was?

BADER ( aufgeregt ) : Verkaufen, Herr! - Was sonst? – ( redet auf die verblüfften Landsknechte ein ) Andere sind froh darüber! – Reiche! Vor allem, die so gelten wollen! – Wisst ihr doch selbst: Der Krieg verschiebt den Reichtum nur! – Und ohne Zähne sieht kein Weibsbild mehr nach Schönheit aus. – Nur Knäuel in die Backen, täuscht auf Dauer keinen! - Ein neuer Zahn hingegen... Ein Gebiss! – Gibt immer welche, die was leiden wollen, nur um’s Schönsein. - Um es festzuhalten...

MICHAEL ( zu KARL ): Hab’ schon gehört davon. Gibt’s noch nicht lange...

KARL ( verächtlich ): Der fleddert Leichen, Michael! - So kommt der an die Zähne! – Deine nähme der genauso mit. – ( gelassen ) Ist doch so, Bader! Oder nicht?

BADER ( erschrocken ): Ich doch nicht! – Das mit den Leichen, Herr, sind andere! – Nicht Kaiserliche! - Und bei denen bin ich doch im Tross!

MICHAEL ( trocken ): Dann musst Du bei der falschen Einheit sein. – Wir Kaiserlichen sind genauso!

BADER ( aufgeregt ): Nun ja! Das wisst ihr vielleicht besser, Herr. - Doch ich nehm’ nichts von diesen Toten! – Nur die Zähne...

KARL ( ruhig ) : Von Achtung zeugt das gleichfalls nicht.

BADER ( aufgeregt) : Ich bitt’ euch, Herr! – Die werden ohnehin verscharrt! - Gibt keinen, der die näher kennt! – ( eindringlich ) So sind die wenigstens was nütze! - Nicht bloß für einen Krieg! – Da könnt ihr fragen, wen ihr wollt, der Schmerzen hat im Maul. – Und ich ... - Ich übe das Gewerbe redlich aus, wie jeder!

MICHAEL ( lacht ): Das geht jetzt ohnehin zu Ende, Karl! – ( deutet auf die Zähne ) Die sind noch aus der Spur des Wallenstein! - Doch seit die Größen weggestorben, der Gustav und der Wallenstein, wird Ferdinand wohl Frieden machen. - ( grinst ) Dann musst Du sie Dir kaufen, Bader! Stück für Stück. - Sonst hängen sie Dich auf, mein Lieber.

BADER ( eifrig ): Kaufen tue ich schon jetzt!

KARL ( belustigt ): Klar! - In solchen Zeiten gibt man leichter sein Gebiss! – ( trocken ) Der schönste Zahn macht keinen Sinn, wenn einer nichts zu beißen hat! - ( plötzlich abweisend) Du hast uns gut verbunden, Bader. Keine Frage!– Trotzdem! Offen raus: Ich mag nicht Deinesgleichen! Dir hängt der Aasgeruch in Deinen Kleidern.

BADER ( eilig ): Das sind gewiss die Zähne, Herr! - Sind sie zu frisch, dann riechen die noch eine Weile. – ( sackt alles hastig ein ) Im Säcklein stören sie Euch nicht!

KARL ( schüttelt den Kopf ): Es sind nicht nur die Zähne ...

MICHAEL ( versöhnlich ): Lass gut, sein, Karl - Man redet vielleicht schlecht von denen, doch nützlich sind sie allemal. ( zu BADER, reißt zuvor kurz den Mund auf ) Hab’ selber meine Plage.

BADER ( diensteifrig ): Dann lasst mich besser sehen, Herr! – Ein fauler Zahn kann tödlich sein.

KARL ( lacht dröhnend): Vorher, Bader, hat den der Schwede tot geschlagen!

BADER ( besorgt): Ich sage immer: Lieber einen kurzen Schmerz, als lange leiden! – Ihr müsstet die mal sehen, die sich lang verweigern!

MICHAEL ( schüttelt den Kopf, gutmütig ): Mir hat schon einer mit der Keule auf das Hirn geschlagen. Ich hab’ genug für heute, Bader! - Andermal! – Sieh Du mal zu, dass wir bald reiten können!

KARL ( zu BADER, nickt mit dem Kopf zur Türe ) : Hast schon nach ihm gesehen?

BADER ( betont ) : Natürlich! - Doch konnte ich noch nicht viel tun. – Verbunden eben... - Der ist noch nicht mal aufgewacht.

KARL ( zu MICHAEL ): Verdammt! Wär’ schade um den Mann! – ( zu BADER ) Bring’ uns den wieder in den Sattel!

BADER ( nickt, eilig ): Ich geh’ dann wieder, edle Herren. – Werd’ später nochmals nach Euch sehen!
( geht eilig ab )

MICHAEL ( argwöhnisch ): Der Hundsfott ist zu glatt. - Sei auf der Hut! – ( trocken) Am Ende sind es wirklich Deine Zähne, die der in seinem Beutel hat.

 

 

1.Akt. 6 Szene

OFFIZIER reglos auf einem Lager. BRENNERIN und Tochter GRETE bereiten im Hinter-grund aus Kräutern und Wurzeln Salben und Tränke. Plötzlich stöhnt OFFIZIER auf. Die Frauen eilen zu ihm )

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OFFIZIER ( schwach ): Wer seid ihr?

BRENNERIN: Die Brennerin, mein Herr. – Die, meine Grete!

OFFIZIER: Wo bin ich?

BRENNERIN: Zwei Tage wart ihr nicht mehr bei Besinnung.

OFFIZIER ( bewegt sich, stöhnt ) : Verdammt, die Schmerzen, Frau. – ( gefasst ) Die Schweden...

BRENNERIN ( unterbricht ihn ) : ...die habt ihr erschlagen, Herr! – Jetzt aber schweigt. – Ihr seid noch viel zu schwach.

OFFIZIER( hält sie matt am Ärmel fest ): Und meine Leute ....?

BRENNERIN ( ruhig ): Bis auf zwei, Herr, sind sie alle tot.

OFFIZIER: Die beiden bring mir her! Sofort! ( schläft wieder ein )

 

 


1.Akt 7.Szene

Vorige. Alter Mann kommt hinzu. Setzt sich müde an den Tisch.

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BRENNERIN: Seit ihr jetzt hier seid, ehrwürd’ger Vater, rastet ihr noch nicht!

ALTER MANN ( bekümmert ) : Das viele Leid ringsum... - Legt sich uns auf... Als hätten wir die Kraft, es auch zu tragen.

GRETE ( stellt ihm eine Suppe hin ): Bitte, ehrwürdiger Vater. – Hühnersuppe! Frisch ge-macht.

BRENNERIN ( herzlich ): Mir schien, Ihr würdet Euch erkälten, Herr.

ALTER MANN (lächelt dankbar ): Das ist bereits verflogen, Brennerin. – Habt jedoch Dank für eure Sorge. - ( zu GRETE ) Auch Dir, mein Kind.
( Isst ) ( Pause )

BRENNERIN ( sachlich ) : Das Gröbste ist zum Glück getan, Vater.

ALTER MANN ( nickt ) : Jetzt heißt es nur noch warten, was Gott in seiner Güte stehen lässt, an Leben. - ( deutet auf den OFFIZIER ) Was ist mit ihm?

GRETE ( eifrig ) : Er wachte vorhin auf. Schläft aber wieder.

BRENNERIN: Ihr solltet ihn noch mal mit euren Händen heilen, Vater. – Die haben solche wunderbare Kraft...

ALTER MANN ( nickt ) : Das will ich gerne tun. – Doch gebt mir einen Augenblick der Ruhe...

BRENNERIN ( verständnisvoll ): Ich weiß, das zehrt Euch aus, das Heilen. – Bleibt erst mal sitzen! Kräftigt Euch! – - ( erleichtert ) Ein Segen, dass Ihr hergekommen seid!

ALTER MANN ( winkt ab ): Ein junger Mann hat mich gebeten. – ( ablenkend ) Du warst wohl länger fort im Wald, wie der mir sagte...

BRENNERIN: Nun... Wie immer... - Kräuter, Beeren suchen... - Ihr wisst ja, was es braucht. – Ich geh’ damit auch auf den Markt nach Hofersfelden. – Durch Zufall kamen wir am Abend jedoch wieder, um hier abzuladen. – Könnt Euch ja denken, wie entsetzt ich war. ( ALTER MANN nickt nur ) ( Pause ) – Habt Ihr noch einen Auftrag, Vater?

ALTER MANN ( nickt ) : Eh’ ich’s vergesse... - Wenn Du so gut wärst, Brennerin.... Bei euren Leuten gibt es zwei, die brauchen frischen Honig in die Wunden, damit es Dreck und Eiter zieht.

GRETE ( deutet auf OFFIZIER): Was denkt Ihr, Vater... Wird er Wundbrand kriegen?

ALTER MANN ( lächelt verständnisvoll ): Er fiebert nicht, so weit ich sehe.

BRENNERIN ( nickt ): Hat nur viel Blut verloren. Mit noch mehr Glück wird er es überstehen.

GRETE ( wendet sich rasch ab ): Ich will nicht, dass er stirbt!

ALTER MANN ( gütig ) : Kind! - Wenn es bestimmt, muss jeder gehen. – Ein Aufschub lässt sich nicht ertrotzen, noch erflehen...

GRETE ( trotzig ): Keiner wäre mehr am Leben, ohne ihn!

BRENNERIN ( ungehalten ) : Dummes Zeug! – Was redest Du?

GRETE ( aufbegehrend ): Natürlich, Mutter!

BRENNERIN: Du meinst die Marodeure, Kind! Die töten wirklich jeden! – Damit sie keine Zeugen haben! – Das waren aber jetzt Soldaten! – Die greifen sich zwar, wenn Gelegenheit, das Beste, doch rotten sie uns noch nicht aus!

GRETE ( bockig ): Soldaten oder Marodeure, Mutter! Wenn’s Mordgesindel ist ...

OFFIZIER ( schreckt hoch ): Der Fähnrich! Bringt ihn her! ( er sinkt wieder in sich zusammen und schläft weiter )

BRENNERIN ( sieht ratlos ALTER MANN an) : Was will der, Vater?

ALTER MANN : Ihn quält jetzt wohl Geschehen, an dem er sich zurück ins Leben findet.

 

 


1.Akt. 8 Szene

Vorige. Bader kommt herein. Setzt sich an den Tisch.

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BADER ( fordernd ) : Hast Du mir nichts zu essen, Brennerin? – Ich habe gleichfalls viel ge-tan.

BRENNERIN ( schiebt ihm ruhig eine Schüssel Brei hin ): Brei. - Wir hatten auch nichts anderes.
( BADER sieht in die Schüssel des ALTEN MANNES, schweigt aber ) - (BRENNERIN sachlich) Hast alles so getan, Bader...?

BADER ( nickt ) : Kannst Du fragen...

ALTER MANN ( freundlich ) : Du hast Erfahrung mit Verletzten! – Bist wohl beim Tross der Kaiserlichen?

BADER ( zögernd ): Na ja... - Nicht so direkt. Gelegentlich. – ( nachdenklich) Ihr wisst ja wie die Zeiten sind, nach siebzehn Jahren Krieg... – Es wird sich jeder selbst der Nächste. Nur selten findet sich noch einer, der was mit einem Fremden teilt... - ( bitter ) Doch wo soll man sich da beschweren? – Bei diesen hohen Herren? – Denen spuckt doch keiner ins Gesicht! Obwohl sie diesen Krieg erst finanzieren... – Vor denen buckelt alle Welt! – Wär’ mancher selber gerne so wie die!

BRENNERIN ( nickt nachdenklich ): In diesen Zeiten tun sich viele schwer...

BADER ( böse ): Gibt aber noch Gerechtigkeit! Ein bisschen... – Auch Geld schützt nicht vor allem! – Es ziehen Seuchen durch das Land, die greifen, wen sie wollen! - Meist ist da
Reichtum eher schädlich! - Weil der den Mensch verweichlicht macht, im Leben. – Da tut der Tod sich leichter!

ALTER MANN ( zustimmend ) : Das hab’ ich selbst erlebt.

BADER ( bitter ): Der Krieg allein ist aber auch nicht alles! - Schlimm sind auch diese Hexenjäger, sag’ ich euch! – ( betont ) Heilige Inquisition! - ( gequält ) Selbst Kinder, von der Mutterbrust! - Lassen sie als Satans Brut verbrennen!
( Grete schlägt entsetzt die Hände vors Gesicht )
Doch, doch! – Ich weiß, wovon ich rede! – ( eindringlich ) Und ... Schwör’ ich euch: Das bleibt auch so! - Die Schinder wissen schließlich, welch Zeugnis Christentum verlangt! - Und werden gut dafür bezahlt!

BRENNERIN ( zweifelnd ): Du meinst, das hält sich nur des Geldes willen?

BADER ( bitter ): Um Glauben, Brennerin? – Der zieht der Kirche nur den Karren, auf den die ihren Reichtum packt! – Außerdem braucht es noch wen für’s Grobe. – So haben beide was davon: Der Kirchensäckel, wie der Henkersbeutel. – Und jetzt sag’ Du mir, wer vom Geld die Finger lassen würde! – Ich sage euch: Gäb’ es die Hexen nicht... - Die würden sie erfinden!
( GRETE wendet sich erschreckt ab )
Das schreckt dich, Kleine? – Dann hast Du wohl auch Angst, dass einer mit dem Finger zeigt und Dir was anhängt, weil er neidisch ist. – Besonders andre Weiber! - Die Pfaffen und die Schinder, die machen aus Vergnügen mit.

ALTER MANN ( befremdet ): Du redest, Bader... – Was hat Dich so verbittert?

BADER ( hasserfüllt ) : Mich? – Will ich Dir sagen, Alter! – Der Krieg stahl mir mein Leben!
( Pause )

BRENNERIN ( beunruhigt ): Wir haben hier nicht die Erfahrung, Bader. – Wir halten noch zusammen. – (zögernd ) Doch kann ich Dich schon gut verstehen...

BADER ( müde ): Nichts für ungut, Brennerin. - Ich wollte hier nicht Angst verbreiten. – ( ge-fasster ) Mir kocht es eben manchmal hoch und läuft mir einfach über.
( beruhigt sich, schiebt die leere Schüssel weg und beginnt, sich die Füße zu massieren)
- ( plötzlich schroff) Ist auch nicht wert, sich damit aufzuhalten. Ich habe einen Weg gefunden. - ( betont neugierig ) Doch nun ein Mal zu Dir, mein Alter. - Wo bist Du her? - Ich hörte nur, nicht hier vom Dorf.

ALTER MANN: Vom Fehrertann. In einer Hütte. - Ich lebe sehr zurückgezogen. Was soll ich weiter sagen...

BADER ( schüttelt den Kopf ): Nein, nein! Ich hab’ gesehen, was Du kannst! – Wie kommst Du zu dem Wissen, Alter? Das lernt sich nicht in einer Klause!

ALTER MANN ( lächelt ): Ich sehe schon... - Du hast Dich über mich erkundigt.

BADER : Klar doch! – Wenn jedermann mit Ehrfurcht von Dir spricht... – Nur Antwort wusste keiner, wenn ich tiefer fragte!

ALTER MANN ( lächelt milde ): Was soll ich sagen. - Bin nur ein kleiner Mensch, wie andre...

BADER ( zögert, nach Pause ): Doch wie erklärst Du mir Dein Heilen?

ALTER MANN ( lächelt ): Es gab seit jeher gute Lehrer, Bader. – Ich hatte früher einen.

BADER ( schüttelt den Kopf ): Du bist ein Herr! Da bin ich sicher! – Ich bin ein Künstler, mit den Zähnen. - Da hast du ein Gedächtnis für Gesichter! – Ich meine, Alterchen, ich hätt’ Dich schon gesehen!

ALTER MANN ( bleibt ruhig, nach Pause ): Da musst Du mich verwechseln, Bader.

BADER ( nach Pause, gelassen ): Nun gut. Das muss ich vorerst glauben.
( er steht auf und geht zur Türe . Zur BRENNERIN )
Dank’ Dir für Deinen Brei. Ich lege mich jetzt schlafen.

BRENNERIN ( freundlich ): Schon gut. - Bis morgen dann.
( BADER ab. )

 

 

 

1.Akt. 9.Szene

Vorige.

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OFFIZIER: Was ist mit meinen Männern. Bringt Ihr sie?

BRENNERIN ( sieht ALTER MANN unsicher an, halblaut): Das überlebt der nicht, wenn wir ihn jetzt nicht zügeln!

ALTER MANN ( nickt )( laut zu OFFIZIER hinüber) : Die können selbst noch nicht, mein Herr. – Sind viel zu schwer verletzt.

OFFIZIER: ( schwach, eindringlich ): Es ist von größter Wichtigkeit... – Sie müssen sofort reiten!

BRENNERIN ( theatralisch ): Reiten, Herr? Die zwei? – Die könnt Ihr kaum auf einer Holzbank halten. – Die bringt ihr niemals auf ein Pferd!

OFFIZIER: Habt ihr mir einen Mann, als Boten?

BRENNERIN ( zögernd): Zu den Soldaten...? – ( sieht gleichzeitig unverständig auf ALTER MANN ) Da müsste ich erst sehen, ob sich einer findet, Herr. – Seid Ihr mit uns’rer Pflege nicht zufrieden?

OFFIZIER ( erschöpft): Darum geht es doch nicht, Frau! – Ich habe eine Botschaft an mein Hauptquartier. - Von höchster Dringlichkeit!

BRENNERIN ( beschwichtigend ) : Wir hatten gleichfalls viel Verluste, Herr. – Da muss ich wirklich erst mal fragen, wann einer dazu fähig ist. – Wie lange wäre denn der fort?

OFFIZIER ( nach Pause, erschöpft ) : Ein Ungeübter... - Drei Tage, mit drei Pferden durchgeritten.

ALTER MANN: Das schafft von denen keiner, Herr!

OFFIZIER ( sinkt erschöpft zurück) : Dann ist es ohnehin zu spät.

 


1.Akt. 10. Szene

MÜLLER, WAGNER, LENA, FRANZ, ANNA miteinander draußen.

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WAGNER (unleidig) : Wie geht es jetzt den andern?

LENA ( zuckt bekümmert die Achseln): Schwer zu sagen. Elf Familien hat’s getroffen.

FRANZ ( drängend ) : Wir brauchen eine Lösung!

WAGNER ( zu MÜLLER ): Da gibt’s doch Waffen und Geschirre, Müller! – Und die Pferde! - Was wird denn nun damit?

MÜLLER: Der Bauernmeister hat’s verwahren lassen. Bei sich in seiner Scheune.

ANNA: Genau! - Wir nehmen uns die Beute!

WAGNER ( nickt ) : Und was die Toten bei sich hatten!

LENA ( besorgt): Die Kaiserlichen wollen sicher ihre Pferde wieder. - Und die Habe ihrer To-ten...

MÜLLER: Wohl auch noch Anteil an der Beute!

FRANZ ( ungehalten ) : Dann bleibt nicht viel, für elf Familien!

WAGNER ( aufbegehrend ) : Wir nehmen einfach mehr davon! - Wir sind nicht schlechter als Soldaten!

 

 


1.Akt 11.Szene

BADER kommt heran. Sieht die anderen miteinander reden und zieht sich unbemerkt zurück. Er bleibt als Lauscher an der Seite )

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MÜLLER ( überrascht ): Und was sagen wir den Kaiserlichen?

LENA ( hoffnungslos ) : Die lassen sich das doch nicht bieten!

WAGNER ( auffahrend ): Schlagen wir sie eben tot! – Wer weiß denn schon, dass die nicht auch im Kampf gefallen sind?

LENA ( erschreckt ) : So ihren Einsatz lohnen...

WAGNER ( geringschätzig): Ihr Weiber, immer! Das Gefühlsgedusel... - Wenn morgen Schweden kommen, Lena, stechen die sie ab! – Und uns dazu, damit Du’s weißt.

ANNA ( eisig ): Ich hab’ gehört, was einer von den Schweden schrie: Erst Spaß und dann Fourage machen. Die Kaiserlichen sind nicht anders, Lena!
( betretenes Schweigen )

LENA (eindringlich ): Fast alle kamen dabei um...

WAGNER (aufgebracht): Was trennst Du hier in gut und böse, Lena? Soldaten sind sich alle gleich! – Ist Dir nicht klar, was das bedeutet? - Einem Herrn zu dienen, der Dich dann nach Belieben hetzt! – Wer sich verweigert, kommt als Warnung an den Galgen! – Da wird der Sohn des Vaters Feind, als stünde er mit ihm im Krieg!

LENA ( fest ): Du weißt, das stimmt nicht, Wagner! - Die meisten kommen selber von der Scholle. - Ob geworben oder durch den Landesherrn verkauft... - Sie wissen, wie es früher war, bei ihnen!

ANNA ( wütend ): Eben deshalb, Lena, sind wir denen jetzt auch so verhasst! - Bislang war keiner hier, von dem Gesindel! – Für die geht es uns hier doch viel zu gut, nach siebzehn Jahren Krieg! – Die wieder ziehen lassen? - Die kämen nur mit andern wieder!

FRANZ ( bestimmt ): Recht hat die Anna! – Im übrigen: So lange, wie der Krieg nun geht, ist Grausamkeit doch längst die Regel! – Und die drei Toten mehr ...

ANNA ( steigert sich hinein ) : Seht euch doch um: Wo gibt es noch ein fröhliches Gesicht? – Das Dorf ist einem Friedhof gleich! – Warum sind immer wir die Opfer? – ( Pause )
( zu MÜLLER ) Sag’ Du doch auch was, Müller!

MÜLLER ( achselzuckend, bedächtig ): Wir Kleinen, Anna, werden doch zuletzt gefragt. Wir tragen nur die Last des Krieges. – So wird’s auch bleiben! – Ich weiß nicht, wer das ändern sollte.

ANNA ( giftig ): Musst hier nicht schön tun, Müller, wie beim Hölzebauer oder denen...
( MÜLLER sieht sie böse an, schweigt aber )

FRANZ ( sieht sich auffordernd um ): Was nützt uns noch die Arbeitskraft, wenn’s nichts mehr gibt zu ernten? – ( zu MÜLLER, nachdrücklich ) Wir müssen wirklich sehen, dass für uns was bleibt!

MÜLLER ( halbherzig ): Na ja, im Abstand, seh’ ich manches auch schon anders...

ANNA ( auffordernd): Und?

MÜLLER ( zögernd ): Nun, die kamen erst aus ihrer Deckung, als uns die Schweden ziemlich hergenommen hatten.... Sie sicher waren, wir würden uns aus Angst auf ihre Seite schlagen.

WAGNER ( zustimmend ): Genau! - Ihr wisst ja, wie das Landvolk ist! – Gewöhnlich halten wir doch still, wenn sich Soldaten schlagen. - Warten, wer gewinnt und zahlen an den Sieger. – Der Müller hat da völlig recht! - Die haben abgewartet, bis sie mit uns’rer Hilfe rechnen konnten!

ANNA ( nickt ): Vorher durften die den Kampf nicht wagen...

FRANZ ( bedächtig ) : Ihr Zögern hatte Gründe!

ANNA ( böse ): Nur Mitleid war es nicht!

WAGNER ( fest ) : Die haben uns für sich benutzt!

LENA ( nickt ): Und täten es wohl morgen wieder!

ANNA: Sind überhaupt ganz üble Kerle, diese zwei... - Den Offizier hab’ ich ja nicht gesehen... – Doch sind die zwei, weiß Gott, mir schon genug! - Was man so hört von denen...

WAGNER ( wichtigtuerisch ) : Soldaten sind nicht mehr wie früher! Beim Kaiser wie dem Schweden. - Mit wem Du heute noch das Brot geteilt, der trägt vielleicht am Morgen schon Dein Wams! – Das macht die so gefährlich! - Und daher sag’ ich auch: W i r nehmen uns die Beute! – Und die Soldaten ...

MÜLLER ( bedächtig ): Halt Dich zurück, Wagner! – Das sind des Kaisers Leute! Katholiken! - Bei Lutherischen könnten wir’s mit Gott begründen. Aber Kaiserliche...? - Das würde uns der Fürstprobst ahnden!

ANNA ( hasserfüllt für sich ): Wir müssen uns nicht immer schänden lassen, plündern und erschlagen!
( Betretenes Schweigen )

LENA ( hart ): Der Fürstprobst! - Käme das denn überhaupt zu dem?

MÜLLER ( bedächtig ): Ob wir dann so zusammenhalten, Lena... – Wir tun das in der Not! Hier würde aber was verteilt! - Fast siebzig Pferde, Sattelzeug und Waffen! – Da sieht das vielleicht anders aus. Steht vielleicht jeder gegen jeden!

WAGNER ( entschlossen zu MÜLLER): Doch wie Du selbst gesagt.... Wir waren Teil von ihrem Plan und sind gestorben wie Soldaten!

ANNA ( fällt ein ): Nur recht und billig, dass uns’re Männer gleichen Anteil haben!
( Die übrigen nicken zustimmend )

MÜLLER ( windet sich ) : Sehe ich ja auch so. - Doch wisst ihr, was die Herrschaft davon hält?
( Betretenes Schweigen )

WAGNER ( abschließend ) : Für’s Erste jedenfalls bewahrt ihr Stille! – Jeder hört nur mal behutsam rum. – Dann gehen wir zum Bauernmeister!

ANNA ( geringschätzig): Der... Mit seiner Obrigkeit! - Da mach’ ich mir nichts vor.
( alle sehen sich schweigend an ) ( BADER verschwindet hastig )

 

 


1.Akt. 12. Szene

( Die Landsknechte KARL und MICHAEL in der Stube. Beide noch sehr bandagiert. Sie pflegen ihre Waffen )

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MICHAEL: Karl... – Der Falkenstein. – Wird der wieder?

KARL ( nickt ) : Nach der Brennerin...

MICHAEL ( besorgt ) : Sonst gibt es Schwierigkeiten mit der Beute. – Wir haben nur sein Wort.

KARL ( gelassen ): Das hat der stets gehalten, Micha!
( Pause )

MICHAEL ( beiläufig ) : Diesmal hat der aber wirklich überzogen.... - Nicht viel, wir lägen bei den andern!

KARL ( winkt ab ): Der Zeitpunkt war schon richtig! – ( eindringlich ) Du bist doch lang genug dabei! – Warst Du bei solchen Festen jemals satt und voll gesoffen, dass einer Dir ans Leben konnte? – Also! – Und diese Schweden hatten gute Leute! - Wenn nicht da... Wann dann?

MICHAEL ( gereizt ): Wir ritten nun mal hinter diesem Fähnrich her und seiner Gruppe! – Das waren aber sechs! - Nicht dreißig, Karl!

KARL: Es wusste niemand, dass der auf die andern trifft!

MICHAEL ( nachdrücklich): Wir hätten erst mal warten sollen, nachdem sich die zusammen taten!

KARL ( unwirsch) : Und wenn sich die nicht wieder trennen? – Sie irgendwo dann später attackieren....? – Ausgeruhte Leute...? – Und in solcher Überzahl?

MICHAEL ( ungnädig) : Man greift nicht an, bei solchem Missverhältnis, Karl!

KARL ( wütend ): Niemand war gezwungen mitzureiten! – Doch die Bedingung war: Gehorsam bis zum Tod! - Dafür werden wir auch gut entlohnt!
( MICHAEL macht eine verächtliche Handbewegung) ( KARL ruhiger )
Der Hauptmann hat auch nicht gekniffen, wie gewöhnlich uns’re feinen Herr’n! – Dein Risiko war auch das seine!

MICHAEL ( unwirsch ): Ja. Ja.
( Pause )
KARL ( aufmunternd ): Ist doch nicht schlecht, Soldat zu sein! – Dein Fressen hast Du, Weiber, Beute... Und zahlst es mit Gehorsam!
( Pause )
MICHAEL ( feststellend ) : Du hast kein Weib.

KARL: Ein eigenes? ( lacht gutmütig ) – Nicht jede will so einen, der nur die Knochen zu verkaufen hat. – (MICHAEL nickt ) – Du hast Kinder, wie ich weiss...

MICHAEL ( stolz ): Sechs.

KARL ( grinst ): Bisschen viel von Deiner Sorte...
( Pause )

MICHAEL ( forsch ): Je länger wir uns hier die Eier kratzen, Karl, je mehr kommt mir die Geilheit hoch. – Die Schweden hatten sich doch Junge rausgegriffen... – Wo sind die plötzlich alle? – Ich seh’ hier nur noch Alte! - ( grinst ) Die könnten doch was tun für Christenmenschen! – Nicht bloß für lutherische Schwänze!

KARL ( lacht grölend ): Vier Tage war der Hundsfott tot. – Jetzt juckt’s ihn endlich wieder!

MICHAEL ( halblaut ): Hast die gesehen, diese Kleine ...? - Die Tochter von der Brennerin! - Ein blank poliertes Stückchen Weib! – Bei Gott, wär’ schon ein Spaß, das Vög’lein intonieren...
( macht obszöne Handbewegungen )
Die würd’ ich schon das Singen lehren!

KARL ( unmutig ): Die Sau lass raus zu andrer Zeit!

MICHAEL ( streckt sich ): Der Körper braucht noch mehr, als nur zu fressen.

KARL ( gereizt ): Bist Du zu hart auf’s Hirn gedroschen, Mann? - ( betont ) Das Luderchen lässt Du in Ruhe! Klar? – So lange die uns brav kurieren, will ich hier keinen Ärger, Micha! – - ( drohend ) Im Kampf stirbt es sich leichter, als am Galgen, langsam hoch gezogen!

MICHAEL ( abwiegelnd): Komm! Reg’ Dich ab. – War nur am Träumen! – ( abwägend ) Aber kann sich ja noch ändern...

KARL ( stutzt ) : Was soll das jetzt wieder heißen?

MICHAEL ( ausweichend ) : Ich mach’ mir nur Gedanken, Karl. – Die haben hier noch alles! – Wie schnell kommt einer da ins Grübeln, ob er uns nicht verschwinden lässt....

KARL ( unverständig ): Die kurieren uns doch nicht, um uns dann nachher tot zu schlagen.

MICHAEL ( gereizt ) : – Die könnten hier noch tückisch werden! - ... Siehst Du in Bauernschädel, Karl? – ( beugt sich zu KARL, fest ) Ich spüre immer die Gefahr! – Und diesmal bin ich mir genau so sicher!

KARL ( nachdenklich): Na ja... Schon möglich.... ( aufgeregt ) Verdammt! - ( nachdenklich ) Doch legen die zur Zeit die Karten! – Wir beide sind zu schwach, um aufzuspielen. – ( entschieden ) Doch lass uns wachsam sein. – ( müde) Da treibst Du in was rein... Und nur, weil wir Soldaten...

MICHAEL ( nickt ): Wir sollten schon was tun.

KARL (wieder gelassen): Angst haben und es zeigen, Micha, sind immer zwei Paar Stiefel. – Ich zieh’ nur den an, der nicht drückt.

MICHAEL ( abwägend ): Vielleicht, wenn die uns fürchten, Karl... – Du weißt, als Landsknecht lebst Du manchmal durch die Angst, die Du verbreitest! – Die sollen glauben, dass wir für sie gefährlich sind! Das bringt dann sicher etwas Zeit! – Wenn auch nur Tage.... - Doch machen wir dann wieder mit!

KARL ( schüttelt den Kopf ): Wenn die jetzt Angst bekommen, töten die uns morgen, Micha! – Lass’ es, wie es ist. – Und.... – Die brauchen uns ja schließlich noch!
( MICHAEL sieht ihn zweifelnd an )
- ( eindringlich ) Die vielen Pferde, Waffen und das and’re... – Die hatten nie ein Recht auf Beute, Micha... Taglöhner oder Bauern! - Wenn andere Soldaten kämen... ? – Selbst wenn es Schweden wären... - Die glauben doch, die hätten uns erschlagen, um unsre Beute zu bekommen! – Wär’ schließlich nicht das erste Mal!

MICHAEL ( nickt ): Verlangt der Kodex, dass der Soldat zusammenhält! Gleich unter welcher Fahne!

KARL ( gelassen ): Dann sind die froh, wenn wir noch leben.

 

 


1.Akt 13.Szene

BRENNERIN und ALTER MANN. GRETE kommt irgendwann später hinzu und arbeitet im Hintergrund.

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BRENNERIN: Mal auf ein Wort, ehrwürd’ger Vater... – Was ist das mit dem Bader und mit Euch?

ALTER MANN ( überrascht ): Wie meinst Du das?

BRENNERIN: Kennt Ihr den nicht von früher?

ALTER MANN ( überrascht ): Nein. – Den sah ich hier zum ersten Mal.

BRENNERIN ( zweifelnd ) : All die Tage sieht der Euch so seltsam ins Gesicht...

ALTER MANN ( nickt ) : Er sprach mich auch schon darauf an ...

BRENNERIN ( bohrend ) : Versteht mich recht... - Immer wieder fing der damit an: Ich kenn’ den, Brennerin... Und so... – Lebt Ihr schon lang im Fehrertann?

ALTER MANN: Gut fünfzehn Jahre. – ( lächelt ) Weißt Du... Das Schweigen und die Einsamkeit, werden viel zu sehr gemieden. Obwohl sie jedem hilfreich sind. ( BRENNERIN sieht ihn fragend an) – Ein Gleichnis... Vielleicht hilft es Dir... – Wer Pflanzen ständig um sich hat, sieht meist nur noch die Frucht, den Nutzen, den sie bringen. – Doch geht der Blick für ihre Seele so verloren.

BRENNERIN ( zweifelnd ): Ihr meint, so schärft Ihr Euren Blick für Menschen? – - Doch... das mit der Seele... - Passt das überhaupt in uns’re Zeit?

ALTER MANN ( lächelnd ): Wenn Du so willst: In keine! – Doch wird dem Menschen nicht geschenkt, sich selbst in Liebe zu begreifen.

BRENNERIN ( zweifelnd ): Das sieht die Kirche vielleicht anders, frommer Vater.

ALTER MANN ( schüttelt den Kopf ): Auch sie tut nur ihr Bestes. – Mit falschen Mitteln, manches Mal, doch immer aus der Sorge des Begreifens, wie wenig wir das Menschsein kennen.

BRENNERIN ( nachdenklich ): Ihr habt wohl recht, denn alles, was der Mensch erdenkt, dient letztlich seinem Leib.

ALTER MANN ( nickt lächelnd ) : Dabei ist er klug, zwar mancherlei zu tun, nicht aber fähig, anderes zu lassen.
( Pause )
BRENNERIN ( behutsam ) : Verzeiht nochmals die Neugier, Vater... – Das mit dem Bader... - Hat das vielleicht damit zu tun, dass Ihr erschrocken seid, als Ihr den Herrn von Falkenstein hier liegen saht?

ALTER MANN ( lächelt, nach einer Pause ): Du hast schon einen scharfen Blick, Brennerin...

BRENNERIN: Gregor von Falkenstein! Ich fragte seine Männer... - Kennt Ihr ihn?

ALTER MANN ( langsam): Nein! – Auch diesen habe ich noch nie gesehen.

BRENNERIN: Doch sah ich Euch erschrecken!

ALTER MANN ( nickt, nachdenklich ): Erinnerung kam in mir hoch, die ich mir längst begraben wähnte.

BRENNERIN: Wollt’ Ihr es nicht erklären? – Ihr kennt ihn nicht, doch rührt er Euch so innig an!

ALTER MANN ( nach Pause, bedächtig ): Ich kenne nur den Ring an seinem Finger.

BRENNERIN ( abwägend ) : Den Ring? – Na ja... - Wer weiß, in dieser Zeit, wie er daran gekommen ist. – Gleichwohl... Ein solcher Herr...? - ( etwas verlegen ) Verzeiht mir jeden-falls, ehrwürd’ger Vater! – Erst dieser Kerl da, dieser Bader... - ( schauert etwas zusammen) Der mir noch nie so ganz geheuer... – Dann unser Hauptmann, der Euch wanken machte ....

ALTER MANN ( nickt ): Was beieinander liegt, scheint oft verbunden... (steht auf, freundlich) Doch lass’ uns jetzt noch ein Mal nach den Kranken sehen.

 

VORHANG

 

Fortsetzung 2.Akt