Die Niederlage

Schauspiel in 3 Akten

von
Wolf-Alexander Melhorn

 

2. Akt

 

 


2.Akt. 1.Szene

OFFIZIER auf seinem Lager, gestützt mit Kissen. Er döst vor sich hin. BRENNERIN tritt ein. OFFIZIER sofort wach.

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BRENNERIN: Ah! Ihr seid wach...

OFFIZIER ( lächelt mühsam ): Na ja. Nach reiten ist mir nicht.

BRENNERIN ( ernst ) : Ihr habt dem Himmel viel zu danken, Herr.

OFFIZIER ( gelassen ) : Wohl eher Dir und diesem Alten.

BRENNERIN ( befremdet ): Ihr lästert, Herr!

OFFIZIER ( winkt ab ): Bei uns Soldaten ist das anders. – Wir töten schließlich für den 'HERRN’ . – Da wird er mir verzeihen.

BRENNERIN: Ihr solltet das nicht sagen, Herr!
( Es klopft laut )

OFFIZIER ( munter ): Das werden meine Männer sein.
( BRENNERIN öffnet )

 

 

2.Akt. 2.Szene

Vorige. Die beiden Landsknechte treten zu OFFIZIER heran.

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MICHAEL ( linkisch) : Gut seht Ihr aus, Hauptmann. – ( gewollt anerkennend ) Schmuckes Lager habt Ihr da.... Ließ ich mir auch gefallen. - ( launig zu KARL) Und dann die Grete ... – ( zu BRENNERIN ) Da ist Dir ein Juwel geschenkt, Brennerin!
( BRENNERIN versteift sich )
– Nicht doch! Ich mein’ das mit Respekt! – ( Zu OFFIZIER ) Die Weiber hier sind fleißig, Hauptmann! Muss ich loben.

BRENNERIN ( kühl ): Ich gehe dann... ( ab )

 

 

2.Akt 3.Szene
Vorige.

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MICHAEL ( spöttisch hinterher ): Die fürchtet jedes Kompliment! – Ein Ratsherr oder Pfaffe könnt’ ihrer Grete übel reden, um sie auf Sünden hin zu untersuchen. – ( schnalzt mit der Zunge ) Der Geilheit wär’s gewiss ein Fest!

OFFIZIER ( streng ) : Genug jetzt, Michael!
( MICHAEL zuckt die Achseln )

KARL ( lacht ): Ihr kennt den doch! – Ein gutes Herz, mit großem Maul!

OFFIZIER ( ernst ): Zur Sache, Männer! – Könnt ihr reiten?

KARL: Wenn Ihr meint, den ganzen Weg zurück? ( schüttelt den Kopf)

OFFIZIER: Hört zu! – Mein Auftrag ist noch nicht erfüllt!

MICHAEL ( ernst ) : Ich weiß, wir ritten knapp zwei Tage, bis wir auf die Schweden stießen... - Aber Tag und Nacht! - Und jeder mit drei Pferden!

KARL ( ruhig ) : Ihr kennt uns, Hauptmann...! – Zumindest noch zwei Tage ...

OFFIZIER ( drängend ): Des Schweden Hauptmacht steht im Norden. Zwei Tagesritte nur! – Wir wollen durch die Wälder hier, ihm in die Flanke. – Der Fähnrich hatte unsren Plan und wollte ihn verkaufen. – Man wartet auf die Meldung, dass wir ihn abgefangen haben!

MICHAEL ( erstaunt, zu KARL ): Jetzt macht das einen Sinn...!

OFFIZIER ( nickt ) : Ich hatte keinen eingeweiht, denn sollten wir gefangen werden....

KARL ( zögernd ): Wenn das so wichtig war, Hauptmann... - Warum sind wir nur zwölf ge-wesen?

OFFIZIER: Ihr wart die Besten! – Zumal der Fähnrich nur mit seiner Gruppe ritt. – Dass er schon hier auf Schweden trifft, war nicht vorauszusehen.

KARL: Hm...

MICHAEL ( ungehalten): Doch ohne Meldung wär’ das dann umsonst?

OFFIZIER ( sinkt müde auf die Kissen zurück ): Nein! – Unser Plan wird trotzdem beibehalten. Die Schweden sind nur nicht gewarnt.

MICHAEL ( vorsichtig, sieht dabei vielsagend KARL an ): Ging also nur um den Plan! - Dass der nicht übergeben wurde...

OFFIZIER ( sieht MICHAEL lange an ): Es ging um eine große Sache, Michael.

MICHAEL ( wendet sich etwas ab, geringschätzig): Verzeiht mir, Hauptmann... In all den Jahren, geht’s immer nur um große Sachen, in diesem gottverdammten Krieg.

OFFIZIER ( freundlich ): Ich hatte mir das auch nicht ausgesucht.

KARL ( versöhnlich ): Geht schon in Ordnung, Hauptmann. – Dreifacher Sold und alle Beute, war uns dafür zugesagt!
( OFFIZIER nickt, sinkt erschöpft zurück und schließt die Augen )
- ( fest ) Sobald wir reiten können, Herr, gebt Order!

MICHAEL ( unverständig ): Kann denn nicht einer von den Bauern...

OFFIZIER ( rappelt sich wieder auf ) : Den ließen sie doch gar nicht vor. – Ich müsste schon was schreiben. Kann aber nicht, mit meiner Hand. –- ( grinst ) Schreiben könnt’ ihr ja wohl nicht... - Dass ich euch diktiere...

KARL ( steht eilig auf ): Ich bin Soldat! – Mein Degen ist mir Feder! – ( deutet auf MICHAEL ) Dem da auch!

OFFIZIER ( lächelt ): Hab’ euch schon richtig eingeschätzt.
(OFFIZIER sinkt erschöpft zurück ) ( Landsknechte ab.)

 

 

 

2.Akt. 4.Szene
MICHAEL und KARL in ihrer Stube. Es klopft. BADER tritt zögernd ein

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BADER ( unterwürfig ) : Darf ich euch stören, werte Herren?

KARL ( gut gelaunt ) : Nur rein mit Dir.

BADER ( druckst herum): Ich möchte weiter, werte Herren... - Ihr werdet euch gewiss erinnern: Ihr wolltet mich entlohnen.

KARL ( nickt, gelassen ) : Weshalb die Eile, lieber Freund?

BADER ( leichthin ): Ich? In Eile... ? – Keineswegs! - Man braucht mich nur nicht mehr! – Die Brennerin und dieser Alte...Da bleibt mir nichts zu tun! – Ihr wisst, der Bauer duldet keinen faulen Fresser. – Der Bauernmeister hat mich schon entlohnt. – Jetzt wollte ich nur höflich fragen...

KARL ( zu MICHAEL ): Gib ihm was!
( Er kramt aus seiner Kleidung zwei große Münzen und wirft sie dem BADER zu )

MICHAEL ( sucht gleichfalls nach Münzen, behält sie aber in der Hand, misstrauisch ): Und was, wenn der nur kommt, damit er überhaupt noch etwas kriegt?

KARL ( stutzt ): Was soll das, Michael ?

MICHAEL( misstrauisch ) : Der Bader, Karl, kommt rum, hier, bei den Leuten. – Der weiß wahrscheinlich mehr als wir!

BADER ( eilig ): Was könnte ich denn wissen, Herr? – Und wenn... Ich würd’ doch nichts verschweigen? – ( entschieden ) Damit ihr mich nicht falsch versteht: Ich will nicht gehen, Herr! - Ich muss!

KARL ( setzt sich entschlossen auf ): Das ist nicht wahr, mein Lieber! – Die hätten Dich vor Tagen weggeschickt!

MICHAEL ( zieht drohend sein Messer ): Ich stech’ Dich ab, Bader, wenn Du noch länger lügst!

BADER ( windet sich ): Bei meiner Ehre...

KARL ( scharf ): In unsrer Zeit gilt Ehre wenig! – ( eindringlich ) Ich will’s Dir anders sagen, Bader ... (deutet auf MICHAEL ) Der hat recht, wenn ich Dich hier zappeln sehe! - Ganz klar, dass Du Dich hier verdrückst! – Sag’, was Du weißt! – Ich schwör’s: Sonst kommst Du hier nicht lebend raus!
( Pause ) ( plötzlich betont freundlich )
Damit Du aber siehst, wie gut ich’s mit Dir meine, leg’ ich Dir sogar noch etwas drauf.
( holt ein weiteres Geldstück hervor und knallt es auf den Tisch. Greift sich dann mit einer Hand blitzschnell BADER und zwingt ihn auf den Stuhl am Tisch )

BADER ( ängstlich ): Ich sag’ euch alles, was ich weiß.

KARL ( ruhig ): Nur, warum Du wirklich gehst!

MICHAEL ( drohend ) : Und keine Sprüche, Mann! ( spielt dabei mit dem Messer )

BADER ( stotternd ): Mir braucht ihr nicht zu drohen! - Wär’ ich ein Held wie ihr, wär’ ich schon längst bei den Soldaten...

KARL ( freundlich ) : Dann einfach raus damit!

BADER ( eilig ) : Ich hab’ nur welche reden hören. Zufall eigentlich! - Die wollten von der Beute. - Und sprachen wirklich schlecht von euch. – Da dachte ich mir: Franz, Du solltest Dich verdrücken! – Das könnte Ärger geben! – - Das ist schon alles, werte Herren. – ( wird kleinlaut ) Und, wie gesagt, der Bauernmeister ...

KARL ( ruhig ) : Dem hast Du’s aber so begründet, wie bei uns? Am Anfang, mein’ ich ...

BADER ( nickt ): Der wollte sonst nichts wissen. - ( zuckt mit den Achseln ) Die Menschen hören nun mal, was sie möchten, Herr! – Was soll ich den verärgern?

KARL ( nickt ) : Wenn Du jetzt gehst, mein Freund: Zu niemand mehr ein Wort darüber!

BADER ( eilig ): Natürlich nicht, ihr Herren.
( KARL schnippt ihm die Münze hin )
Und nichts für ungut.
( Will nach dem Geldstück greifen )

MICHAEL ( scharf ): Halt! - Was war das noch mit unsrer Beute? – Und sag’ jetzt nicht, Du hättest nichts gehört!

BADER ( zögert ): Nun ja ... Sie wollen einen Anteil haben. – Für die Familien ihrer Toten.

KARL ( betont ): Du meinst, die wollen alles!

BADER ( zögernd ): Vielleicht nicht ganz...
( MICHAEL schlägt mit der Faust auf den Tisch )
- ( eilig ) Erregt Euch nicht, Ihr Herren! - Ihr wisst doch, wie die Menschheit ist. – Nichts ist ihr schlecht genug, dass es nicht einer denkt, auf Erden.

KARL ( scharf ) : Komm’ endlich raus damit!

BADER (unruhig ) : Die rotten sich zur Zeit wohl noch zusammen. - Der eine will, der and’re kneift. – Wie das so ist, bei solchen Leuten! – Mir sind das eben Warnsignale!

KARL ( trocken ): Die Dich das Weite suchen lassen...

BADER ( aufgeregt) : Versteht mich recht... - Ich mag mich täuschen... – Indem ich es zu schwer gewichte... - Doch hält mich hier auch nichts. Bin hier wie dort gut aufgehoben. – Es wäre töricht, hier zu bleiben!

MICHAEL ( misstrauisch ) : Und wohin gehst Du?

BADER ( zögernd ): Wohl in die Fürstprobstei, nach Hofersfelden. – War ohnehin schon auf dem Weg dahin. – Dort weiß man meine Kunst gewiss zu achten! – Ich mein’, das Handwerk mit den Zähnen...

KARL ( ruhig ) : Klingt vernünftig. – Dann wollen wir Dich auch nicht halten, Bader. – Doch könntest Du was für uns tun.

BADER ( geflissen): Aber ja doch...

KARL: Lass die bei Hofe wissen, dass Du uns hier getroffen hast. – ( vielsagend ) Noch bes-ser: Wie Du uns verlassen...

BADER: Das will ich gerne tun. – ( neugierig) Sollen die euch hier entsetzen?

KARL ( winkt gelassen ab ): Aber nein! Wir sind doch unter Freunden... – ( freundlich ) Es reicht, wenn einer weiß, dass wir noch lebten, als Du gingst.
( KARL schiebt BADER das Geldstück zu. Dieser eilig ab )

 

 

 

2.Akt. 5.Szene

Vorige.

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MICHAEL ( sieht BADER entgeistert nach. Haut schließlich mit der Waffe auf den Tisch ): Saubande, dreckige!

KARL ( nachdenklich ): Uns fehlen alle Trümpfe, Micha!

MICHAEL: Das ist beschloss’ne Sache, sag’ ich Dir!

KARL ( beschwichtigend): Die haben sicherlich was vor! – Doch fest beschlossen scheint noch nichts. – Sonst hätten die den auch nicht ziehen lassen. – ( anerkennend hinter BADER her ) Der Hund weiß ganz genau, nur jetzt kommt er noch aus der Stube! – ( gelassen ) Es bleibt uns noch genügend Zeit, den Dolchstoß zu parieren.

MICHAEL ( entschlossen): Wir hauen erst mal ab! – Die Beute holen wir dann später! –
( Pause )
( eindringlich) Was denkst Du, Karl? - Nur Du und ich! – Der Wald ist groß genug! Um zuzuschlagen und dann wieder zu verschwinden!

KARL ( sieht erstaunt auf, schließlich bedächtig ): Wir steh’n beim Falkenstein im Wort!

MICHAEL ( drängend ) : Der ist doch sowieso am Ende! – Wenn’s sein muss... ( macht die Bewegung des Halsabschneidens ) helfen wir ihm nach...
( Pause )

KARL ( nachdenklich, betont ) : Seit zwanzig Jahren, Micha, bin ich jetzt Soldat! – So man-ches ist da schon gelaufen! – - Mein Vater stand im Tagelohn! Bei einem harten Bauern. - Du weißt schon: Säue füttern, Rüben hacken.... –War nichts für mich! Ich wollte nur zu den Soldaten. – Und jetzt? In Zeiten, wie den unsrigen... - Da hat der Landsknecht sogar was zu sagen! Da spuckt dem keiner ins Gesicht! – Doch Marodeur...? – ( schüttelt den Kopf ) Jetzt bin auch ich mal König, Micha! – Was Du jetzt willst, macht vogelfrei!

MICHAEL ( drängend ): Karl! Immer nur für fremde Herr’n... – Dann ging es in die eig’ne Tasche! – Alleine aber kann ich’s nicht!
( Pause )
( KARL schüttelt den Kopf ) ( MICHAEL lehnt sich enttäuscht zurück )
Du bist ein selten sturer Kerl. – Überlegst es Dir ja vielleicht noch...

 

 


2.Akt. 6.Szene

OFFIZIER auf dem Lager, ALTER MANN, BRENNERIN und GRETE.

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OFFIZIER ( munter umherblickend ): Nur noch ein Wespenstich. In ein paar Tagen bin ich wieder auf. – Ein Meister Deines Faches bist Du, Alter!

ALTER MANN ( lächelt, milde): Nur Werkzeug eines Höheren... – Und dieser Wespenstich, wie Ihr das nennt, der plagt Euch noch in Wochen.

OFFIZIER ( betont munter ): Ein Feuer wird nun mal zur Glut, fehlt ihm der frische Wind! – Ich muss zu meiner Truppe!

BRENNERIN ( entschieden): Nichts da, mein Herr! Ihr bleibt im Bett! - Ihr seid dem Wundbrand knapp entkommen...

ALTER MANN ( besorgt ): Nehmt mir das ernst, mein Herr! – Die Wunde könnte brechen. – Wo sonst soll unser Körper Kräfte finden, wenn nicht in Schlaf und Ruhe?

OFFIZIER( ernst ) : Schon gut. Ich weiß. - ( launig ) Der Körper als Geschenk ... Das sieht man als Soldat meist anders. – ( anerkennend) Du könntest ein Vermögen machen, als Feldscher, alter Mann. Komm mit! Zu uns Soldaten! – Vergrab’ Dich nicht in einem Wald!

ALTER MANN ( lächelt ) : In meinem Alter, Herr... – Wozu nach Reichtum streben? – ( bedächtig ) Seht es im Zeitenwechsel eines Lebens, Herr ... Reift eine Knospe zu der Frucht heran, dann braucht es wirklich Fülle. – Doch fällt dann das Gereifte ab... Dann ist die Zeit des Gebens.

OFFIZIER ( lacht ): Reichtum schändet auch das Alter nicht! – ( spöttisch ) – Nimm Deine Kirche, Alter! - Die häuft die Güter nur so auf! - Mach aus der Armut keinen Kult, nur weil Du noch nicht reich gewesen!

ALTER MANN ( lächelnd ): Auch Jesus, Herr, besaß nur wenig. – Reichtum gibt dem Leben vielleicht Form! Doch keinen Inhalt...

OFFIZIER ( lacht anerkennend ) : Gut pariert! – Doch wäre einer reich... – Dürfte der es dann behalten?

ALTER MANN: Warum nicht? - So manchem ist das Zierrat seines Lebens. – Doch... Ist sein Leben dadurch auch ’gelebt’? –

OFFIZIER: Darüber lässt sich fraglos streiten...

ALTER MANN ( schüttelt den Kopf ): Nur wer auserwählt ist, lernt, dass Reichtum ein Gefäß ist, Gutes in die Welt zu tragen.

OFFIZIER ( spöttisch ) : ... das jederzeit zerbrechen kann! – Weshalb wir es ja selbst mit unsrem Leben schützen! – ( lacht gutmütig ) Das lass mal keinen hören, der sich um seinen Reichtum schindet, Alter. Sonst kommt der mit dem Knüppel!

ALTER MANN ( lächelt ): Ihr habt danach gefragt.
( OFFIZIER stutzt, grinst dann ) ( ALTER MANN lächelt und geht hinaus )

 

 


2.Akt 7.Szene

Vorige.

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BRENNERIN ( energisch ) : Genug geredet, Herr... Legt Euch jetzt bitte nieder!

OFFIZIER: Nein! – Wie weit sind meine Männer?

BRENNERIN ( nachdenkend ) : Noch ein paar Tage ...

OFFIZIER: Ich will sie sehen. Jetzt! – Habt ihr hier Feder und Papier?

BRENNERIN: Mit Eurer Hand?

OFFIZIER: Ich muss es wenigstens versuchen.

BRENNERIN ( spitz ): Ihr beugt nicht immer die Natur... ( auffordernd zu GRETE ) Geh’, Kind!

GRETE: Ja, Mutter. (geht ab )

 

 

 

2.Akt. 8. Szene

KARL und MICHAEL vor dem Haus auf einer Bank in der Sonne.

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MICHAEL ( wütend ): Ich habe einige gesehen! - Stolzieren hier in Waffen, als wären sie bei Hofe!

KARL ( gleichgültig): Solang’ die mir den Rang nicht streitig machen...

MICHAEL ( knurrig ): Die werden uns bescheißen, Karl!

 

 

2.Akt.9.Szene

Ein Junge geht vorbei, mit einem Krug in der Hand

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KARL : He, Kleiner. Komm’ mal her! ( JUNGE kommt heran ) – Was hast Du da im Krug?

JUNGE ( arglos ): Wein, glaube ich!

KARL : Dann gib mal her.
( JUNGE will weglaufen, aber MICHAEL hält ihn blitzschnell fest )

MICHAEL( gelassen ) : Söhnchen! Hat niemand Dich Respekt gelehrt? – ( freundlich ) Er sagte doch: Gib her!
( JUNGE gibt ihm ängstlich den Krug )

 

 

2.Akt 10.Szene

Vorige. WAGNER eilt heran.

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WAGNER ( zu JUNGE ): Geh’, Peterchen. Ist schon in Ordnung.
( JUNGE läuft weg )

 

 


2.Akt 11.Szene

Vorige.

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MICHAEL ( herausfordernd, deutet auf den Krug ): Was ist, mein Freund? – Wem immer der gehört, wir werden ihn bezahlen. – Dir...?

WAGNER ( abweisend ): Nein!

KARL ( gemächlich ) : Dann sag’ das bitte weiter. – Sonst könnte einer böse sein.

MICHAEL ( betont vorwurfsvoll ) : Weißt Du ... - Ihr tragt das heimlich so vorbei, als wolltet ihr uns strafen. – Will uns denn niemand eine Freude machen?

KARL ( mit einladender Handbewegung ) : Setz’ Dich mal her...

WAGNER ( kühl ) : Ich habe Arbeit liegen...

KARL ( mit leicht drohendem Unterton ) : Ich bat’ Dich freundlich, noch zu bleiben...
( Er öffnet den Krug und reicht ihn WAGNER. Der aber sträubt sich )

MICHAEL ( ruhig ) Zier’ Dich doch nicht. – Zum Kämpfen waren wir euch gut. Warum nicht auch zum Feiern?
( WAGNER nimmt widerstrebend einen Schluck )

KARL ( ergreift seinen Arm und zwingt WAGNER auf die Bank ): Wir stehen mit der Kirche gut! Du hast hier nichts zu fürchten. – ( bedächtig ) Und alles zahlen wir mit unserm Blut! –

MICHAEL ( ruhig ) : Du siehst ja, was wir leiden mussten. - ( zupft etwas an WAGNER herum) Hast Dich wohl rausgehalten, aus dem Kampf?

WAGNER ( steif ): Ich war sehr wohl dabei, Ihr Herren. - Jetzt muss ich aber wirklich weiter!

MICHAEL ( schnell ) : Ein Wort noch, guter Mann. – Ich sehe manche so in Waffen, als zögen sie in einen Krieg...

WAGNER (hastig ): Das ist nichts! Tun sich nur Buben wichtig.

KARL ( ruhig ): Die scheinen mir nur ziemlich alt...

WAGNER ( steif ) : Das werdet Ihr verwechselt haben. – Auf jeden Fall: Es hat nichts zu bedeuten. – Ich werde es dem Bauernmeister sagen, damit er so was unterbindet.

KARL ( nickt nachdenklich ) : Da tut der sicher gut daran. – ( besorgt ) Das, missverstanden... Und so ein Bube nimmt dann Schaden...

WAGNER ( steht eilig auf und geht ab )

 

2.Akt 12.Szene

GRETE kommt heran. ANNA taucht ebenfalls im Hintergrund auf, nähert sich aber nicht.

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GRETE ( freundlich ): Der Herr von Falkenstein lässt mich Euch sagen, Ihr möget bitte zu ihm kommen.

MICHAEL ( hat sich freundlich lächelnd erhoben und bietet ihr seinen Platz an ): Du hast gewisslich etwas Zeit, mein Kind.

GRETE ( unbeschwert ) : Ich muss sofort zurück...

MICHAEL ( greift sie blitzschnell um die Taille, setzt sich und zieht sie sich dabei auf den Schoß, genießerisch ): Du bist ein prächtiges Geschöpf! ( GRETE wehrt sich, aber er hält sie fest ) Ich tu’ Dir nichts. – ( schlüpfrig ) Bin doch kein Schwede, süßer Fratz...

GRETE ( beherrscht ) : Ihr tut mir weh!

MICHAEL ( lässt sie aufstehen, hält sie aber weiter fest ): Dich würd’ ich gern vernaschen, Unschuld! (steht wieder auf, dreht sie sich ein bisschen in den Arm und kneift sie leicht in die Wange )

GRETE ( wird ängstlich ): Ich möchte gehen, Herr!

MICHAEL ( zu KARL ): Mit ihrer Sprödigkeit... Die lässt den Falschen mal nicht springen und schon hat der sie hexen sehen! - Und fest mit dem Gehörnten treiben...

KARL ( lacht, bedeutungsvoll zu GRETE ): Die Kutten sind die Schlimmsten. Ja! - Die würden’s Dir besorgen.
( GRETE beginnt fast zu weinen )

MICHAEL (wischt ihr im Gesicht, freundlich vorwurfsvoll ): Ein bisschen Spaß musst schon ertragen, Hübsche. – ( freundlich ) Glaubst Du, ich weiß nicht, wer Du bist, mein Kind?
( Er lässt sie los. Sie trocknet sich hastig die Tränen )

GRETE ( knickst, tapfer ): Ich hab’ das vielleicht missverstanden, Herr. - Entschuldigt bitte mein Verhalten.
( KARL macht MICHAEL hinter GRETES Rücken eine Handbewegung, sie wegzuschicken )

MICHAEL ( freundlich ): Ich wollte Dich doch nicht erschrecken! - Geh nur, zu Deiner lieben Mutter! -– Und sag’ dem Hauptmann, dass wir kommen. – Wir sind nur nicht so schnell wie Du.

( GRETE erleichtert ab) ( Unbemerkt hat ANNA wütend zugesehen und zieht sich nun gleichfalls zurück)

 

 


2.Akt. 13.Szene

Vorige.

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KARL ( mit einer Handbewegung) : Hol’ die Pistolen, Micha! – So Krücken können hilfreich sein. - Der Weg durch’s Dorf ist vielleicht tückisch.
( MICHAEL nickt und verschwindet im Haus. )

 

 


2.Akt 14.Szene

OFFIZIER versucht vergeblich, trotz seines Verbandes einen Brief zu schreiben. Schließlich gibt er auf.

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OFFIZIER( ärgerlich vor sich hin : Gibt’s denn hier keinen, der was schreiben kann?
( Es klopft laut. Zwei Bewaffnete treten ein )( OFFIZIER misstrauisch )
Wer seid ihr?

ERSTER: Vom Fürstprobst, Herr!
( BRENNERIN will zur Türe herein, macht diese aber sofort wieder halb zu und lauscht )

OFFIZIER: Und euer Auftrag, Männer?

ZWEITER ( steif ) : Diesen Alten holen, Herr!

OFFIZIER ( verständnislos ): Wen?

ZWEITER ( sachlich ): Ein Jude ...

ERSTER ( fest ): Ein Bader hat den Mann erkannt! – Bei Euch!

OFFIZIER ( scheinbar gelassen ): So einem glaubt ihr?

ZWEITER ( ungehalten ): Bloß weil der ehrlos ist? – Der Kirche ist sein Zeugnis gut!

OFFIZIER ( ruhig ): Was wird dem vorgeworfen, diesem Juden?

ZWEITER ( zurückhaltend ): Er achtet nicht die Kleiderordnung! – Hier hält man ihn für ei-nen Mönch!

OFFIZIER ( trocken, nickt ): Das wiegt schon schwer, in dieser Zeit ....

ZWEITER ( zögert, dann gereizt ): Kaftan und Tracht sind vorgeschrieben! - Ein Jude muss sich kenntlich machen!
( BRENNERIN verschwindet hastig )

OFFIZIER ( trocken, zustimmend ): Das trifft wohl zu, dass man den Christ nur an der Klei-dung kennt. – Doch kenn’ ich schwerere Vergehen. - Für so was macht ihr nicht den Weg!
( ERSTER und ZWEITER sehen sich an )( OFFIZIER ungehalten )
Was ist denn nun, mit diesem Juden?

ERSTER ( erklärend ) : War mal ein reicher Händler. – Und kennt sich aus in Vielerlei! Hier macht er an Verletzten rum...

OFFIZIER ( abfällig ): Dummes Geschwätz, wenn’s der ist, den ich meine! - ( spöttisch) Selbst wenn... - Tät’s Dich als Kranken kümmern, wer Dir hilft? - - Na also!

ZWEITER ( anzüglich ): Manche sind ja uneinsichtig, bei so Leuten...

OFFIZIER ( kühl ): Ich bin Gregor von Falkenstein! – Sagt euch das nichts?
( Die Bewaffneten sehen sich beeindruckt an )
Ihr kennt den Namen, wie ich sehe! – Halte Dich zurück, wenn Du hier redest!

ERSTER ( entschuldigend ): Wir streiten mit Euch nicht! - Wir haben nur die Ordnung herzustellen, Herr.

OFFIZIER ( kalt ): Ich kenne diesen Juden, ja!

ERSTER ( unbehaglich ): Es heißt, der Kerl erschleicht sich das Vertrauen braver Leute...

ZWEITER ( trotzig ) : ... und treibt damit ein finsteres Geschäft!

ERSTER ( fest ): Er wird der Zauberei beschuldigt!
( Pause )

OFFIZIER ( nachdenklich ): Das hat Gewicht! – Die Heilige Inquisition!

ERSTER ( steif ): Das macht man nicht gleich öffentlich!
( Pause )

OFFIZIER ( entschlossen ): Und was, wenn ihr den jetzt nicht findet?
( Pause )

ERSTER ( ruhig ): Ein Hexer, Herr! – Da sieht man nicht mehr weg!

ZWEITER ( belehrend ) : Die Pest, Herr, brachten auch die Juden!

OFFIZIER ( nickt, kühl ): Ich weiß, ihr seid auch nur der Knüppel, den ein andrer schwingt...

ZWEITER ( gereizt): Wenn ihr rechten wollt, mein Herr, um den ... – Macht das in Hofersfelden.

OFFIZIER ( beschwichtigend ) : Nein, nein! – Schon gut! – ( bedächtig ) Ich bin nur einfach nicht gewohnt, dass der Gehorsam den Befehl zu überholen trachtet.

ERSTER ( zögernd ): Wie meint Ihr das jetzt?
( Pause )

OFFIZIER ( ruhig ): Ich sage Euch, wie ich das sehe, Männer! – Ihr seid vom Inquisitor und der bezahlt euch auch für’s Menschenschinden. – ( sachlich ) Das ist in Ordnung, Männer. Keine Frage! Sonst macht es jemand anders. – Doch kenne ich die Bräuche! - Ihr kauft euch Zeugen wie den Bader, damit ihr wieder Arbeit habt und wieder Schindergeld bekommt. – Ich weiß, da seid ihr nicht die ersten! – Ich will auf etwas andres raus! – Ihr hättet folglich Geld verloren, an den Bader, bringt ihr den Juden nicht nach Hofersfelden. - Auch fehlt euch dann das Schindergeld. – Das gilt es beides zu ersetzen! Keine Frage!

ERSTER ( abwartend ): Er muss im Dorf sein, Herr...

OFFIZIER ( ruhig ): Der ist längst fort! – Kaum einen Tag nach diesem Bader. – Zurück, in diesen Fehrertann! –
( Pause )
Ein Goldstück, Männer! Jedem...! – Ihr wisst: Der Fehrertann ist tief.

ZWEITER ( ruhig ): Es hat so mancher seinen ‚guten’ Juden, Herr. Vielleicht ist das ja Eu-rer... – Doch Vorschrift ist, wir bringen ihn zu der gehörigen Befragung.

OFFIZIER ( trocken ): Was heißt, ihr brecht ihm auf dem Rad die Knochen und so 'geläutert’, wird er dann verbrannt.
( ZWEITER zuckt gleichgültig mit den Achseln )

ERSTER ( kühl ): Es wird nun mal geprüft, ob einer gut ist oder schlecht.

OFFIZIER ( nach Pause, ruhig ): Gefällt mir, Männer, wie Ihr eure Pflicht versteht.

ZWEITER ( verbindlich ) : Wir könnten allenfalls was machen, wie der stirbt. - Indem wir ihn erdrosseln, bevor man ihn verbrennt.

OFFIZIER ( schüttelt den Kopf ): Ihr müsst mich schon verstehen, Männer!
( er holt 4 Goldstücke hervor und legt sie einzeln vor sich hin )
– Ich lege noch ein Goldstück zu für jeden! – Ihr streift dann durch den Fehrertann und sagt, ihr habt ihn nicht gefunden.
( Bewaffnete sehen sich an. ZWEITER nickt zustimmend )

ERSTER ( zögernd zu ZWEITER ): Nun ja. - Fort ist er ja, wie wir jetzt hören ...

ZWEITER ( abwägend ) : Die Bauern haben ihn dort auch gefunden! – Willst Du aufs Rad, für einen Hexer?

OFFIZIER ( schnell ): Da hat man euch belogen! - Der Alte kam hier selbst vorbei! – Ihr würdet den nicht finden! - Und noch eins, Männer: Eurem Herrn sagt von mir Dank, dass er das Land vor Zauberei bewahrt! – Und sollte ich den Juden nochmals sehen, bekommt er ihn durch mich. – Gebt das so weiter!
( Die Bewaffneten sehen sich kurz an. OFFIZIER gibt ihnen die Goldstücke)
- ( mit leiser Drohung ) Ihr seid bei mir im Wort! – Wenn ihr es brecht... – Ich lass’ euch töten!

ERSTER ( unbeirrt, nickt ): Wir tun nur uns’re Pflicht.

OFFIZIER( zufrieden ): Gut denn! - - Ich danke Euch, dass wir das so vernünftig regeln konnten.
( Bewaffnete nicken sich zu und wollen abgehen )

 

 


2.Akt 15.Szene

Vorige. MICHAEL und KARL kommen herein. Beide ziehen sofort die Waffen.

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OFFIZIER: Halt! – Die Heilige Inquisition!

MICHAEL ( verächtlich ): Die Kerle mag ich auch nicht! – Die beten die besond’re Art! –
( scharf zu den Bewaffneten ) Was habt ihr hier zu schaffen?

OFFIZIER: Lass sie in Ruhe, Michael! – Die Sache ist erledigt!

ZWEITER ( drohend ): Stellst’ Du Dich gegen uns, bist Du ein Ketzer!

KARL ( legt MICHAEL beschwichtigend die Hand auf den Arm) : Es ist erledigt, Michael!
( MICHAEL steckt die Waffe gleichfalls wieder ein, bleibt aber misstrauisch )

ERSTER ( spöttisch zu OFFIZIER ): Ihr habt da aufgeregte Leute, Herr. - Nur gut, dass Ihr ein kühler Kopf! – Wir gehen dann. - Gott mit Euch, werte Herren!
( Bewaffnete ab )

 

 

2.Akt 16. Szene

Vorige.

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MICHAEL ( misstrauisch hinterher ): Was wollten diese Henkersknechte?

OFFIZIER ( erschöpft ): Den alten Mann! – Doch es ist vorerst abgewendet.

KARL ( erstaunt): Unsern Alten?

OFFIZIER ( beiläufig ) : Ein Jude ... Weiter nichts. - Der sich nicht nach Vorschrift kleidet und trotzdem hier geholfen hat. - Der Bader... der mal hier war ...hat ihn an die verkauft. – Ihr wisst ja, was die daraus machen.

MICHAEL ( aufgebracht ): Mir scheiß egal, als was wer mal geboren wurde... und wo und wie und was wer betet! Mir zählt, ob einer etwas taugt! – ( feindselig ) Wenn sich die zwei den Alten greifen, schlitz ich sie auf bis an den Arsch!

OFFIZIER ( lacht ): Ich habe sie bezahlt. Die ziehen erst mal wieder ab.

MICHAEL ( plötzlich, besorgt ) : Und wenn die sich den heimlich holen?

KARL ( besorgt ): Selbst wenn Ihr die bezahlt habt ... - Die lassen sich den Schinderlohn doch nicht entgehen!

MICHAEL ( knapp ) : Entschuldigt, Herr! – ( überprüft hastig seine Waffen ) Wir sollten wohl die zwei ein Stück des Wegs begleiten. – Wir kommen danach gleich zurück!
( OFFIZIER nickt und sinkt erschöpft zurück )
( KARL und MICHAEL eilig ab )

 

 

2.Akt 17.Szene

Voriger.

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GRETE kommt herein, mit einem Becher in der Hand, den sie OFFIZIER gibt.

OFFIZIER (erschöpft ): Frisches Wasser? – Das tut gut. - Ich danke Dir. ( Er trinkt )

GRETE ( himmelt ihn etwas an ) : Ich war für Euch am Brunnen, Herr. - Das Wasser hier war schaal geworden.

OFFIZIER ( achtlos ) : Sehr aufmerksam von Dir. – Doch sag’: Hast Du den alten Mann ge-sehen?

GRETE: Nein!

OFFIZIER ( drängend ): Dann geh’ ihn suchen, Grete! Schnell! – Er soll sich irgendwo verstecken! - Bis ich ihn wieder holen lasse.

GRETE ( aufgeregt, unverständig ): Die Mutter suchte auch nach ihm. – Ich weiß nur nicht, warum.

OFFIZIER: Zwei Männer sind im Dorf ... – ( verächtlich ) Fürstpröbstliches Gesindel...

GRETE ( erschreckt ) : Die zwei, die vorhin bei Euch waren? – Die gingen runter an den Bach.

OFFIZIER: Hast Du sie mit jemand reden sehen?

GRETE: Nein, Herr! – Nur leise, miteinander...

OFFIZIER ( beunruhigt ): Meine Männer sind den beiden nach. – ( nachdenklich ) Das kommt dann wohl in Ordnung.

GRETE ( beruhigend ): Die Mutter muss davon erfahren haben. – Soll ich jetzt trotzdem ge-hen, Herr?
( OFFIZIER winkt ab ) ( GRETE arbeitet etwas im Raum )

OFFIZIER ( irgendwann, müde ) : Du hast sehr viel für mich getan, die letzten Tage.

GRETE ( verlegen ): Da täuscht Ihr Euch, mein werter Herr.

OFFIZIER ( beharrt ) : Wenn ich erwachte, war immer jemand da. - Mal Deine Mutter, mal der Alte... - Oder Du!

GRETE: ( unsicher ): Wir sind so sehr in Eurer Schuld!

OFFIZIER ( lächelt müde ): So selbstlos war das nicht, mein Kind. – – Warst Du denn auch in dieser Höhle?

GRETE: Ich verstehe nicht...

OFFIZIER: Das Landvolk floh zu einer Höhle...

GRETE: Ach ja, die Höhle...

OFFIZIER: Warst Du dabei?

GRETE: Nein, Herr! Zum Glück! - Ich war bei meiner Mutter, fort.... Im Wald.

OFFIZIER: Ach, jetzt versteh’ ich. – Da hast Du wirklich Glück gehabt. ( nebenbei, leise versonnen) So zartes Fleisch lockt viel Wölfe.

GRETE: Ich versteh’ Euch nicht...

OFFIZIER: Ach, weiter nichts ...
( Pause )

GRETE ( schüchtern neugierig ) : Seid Ihr denn gern Soldat, mein Herr?

OFFIZIER ( müde ): Mit Leib und Seele. - Wir sorgen für den Fortbestand des Reiches. –
( mehr für sich ) Nur macht der jahrelange Krieg das Land zu einem Sumpf aus Blut und Trä-nen... aus dem die Ehre längst geflohen ist.
( GRETE sieht ihn ratlos an. OFFIZIER lächelt sie an )
Du bist noch viel zu jung, um schon den Schmerz zu fühlen, dass Dir Dein Leben seinen Traum verweigert.
( Pause )

GRETE ( zögernd ): Darf ich Euch etwas fragen, Herr?

OFFIZIER: Bitte.

GRETE: Die Mutter sagt, der Vater sei erschrocken, als er Euch vorgefunden hat. – Sie sagt, er kenne zwar den Ring, will aber nicht darüber sprechen. – Wie ist das zu erklären?

OFFIZIER ( verblüfft ): Der Ring? - Das ist das Erbe meines Vaters! – ( spöttisch ) Und wenn es Gott gefällt, geht der an meinen Sohn. - ( für sich, nebenbei ) Da braut sich vielleicht was zusammen. So mancher spannt sich so Geschwätz vor seinen Karren. – ( freundlich zu GRETE ) Ich muss das erst noch klären...

GRETE ( unsicher ) : Oh! – Hätt’ ich besser nichts gesagt?

OFFIZIER ( beruhigend ): Nein, Grete. Ist schon gut.

 


2.Akt 18.Szene

Vorige. HÖLZEBAUER, FRIEDBAUER, FRANZ und WAGNER kommen herein. HÖLZEBAUER winkt GRETE zu, den Raum zu verlassen. GRETE ab.

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HÖLZEBAUER ( förmlich ): Wir würden Euch gern sprechen, Herr.

OFFIZIER: Also dann...

HÖLZEBAUER: Es geht um unsern Anteil an der Beute, Herr.

OFFIZIER ( erstaunt ): Uns’re Beute, Bauernmeister! – Was wollt denn ihr mit Pferden, Waffen? – Marodieren?

FRIEDBAUER ( steht finster blickend etwas abseits, nebenbei ): Da sieht man’s wieder! – Ob Herr ob Hund: Das Pack frisst sich hier durch und hält uns dafür dann für dumm!

HÖLZEBAUER: Ihr werdet es vielleicht nicht wissen, weil Ihr hier Tage lang wie tot gelegen seid. – Doch elf Familien sind betroffen! – Tote und Verletzte... – Doch Feldarbeit ist jetzt zu tun und wer nicht auf den Acker kann, bleibt im Winter ohne Brot!

FRIEDBAUER ( nachdrücklich ) : Andern ist die Scheune abgebrannt! Wir haben nichts zum Leben!

OFFIZIER ( ruhig ): Not gibt es überall. – Wir haben’s nicht verschuldet.

FRANZ ( aufbegehrend ) : So geht das aber nicht!

OFFIZIER ( scharf ): Ihr habt hier nichts zu fordern! – Zehn meiner Leute sind gefallen! – Auch da sind Mäuler satt zu machen!

FRIEDBAUER ( nebenbei, aufgebracht): Der lässt uns seine Stiefel lecken, die wir zuvor bezahlen müssen!

WAGNER ( beharrlich ) : Vier jedenfalls sind tot von uns! Die anderen teils schwer verletzt!

OFFIZIER ( ungehalten ) : Rechnen wir jetzt Tote auf?

WAGNER ( trotzig ) : Wenn wir Euch nicht geholfen hätten, Herr, wärt auch Ihr gefallen!

OFFIZIER ( wütend ): Es wagte keiner, diesen Schweden Widerstand zu leisten! - Bis wir attackierten! – Was ihr jetzt noch besitzt, habt ihr meinen Männern zu verdanken! - Wo also Not entstand, müsst ihr sie selber lindern!

FRANZ ( gereizt ) : Wir haben unsern Preis bezahlt!

OFFIZIER ( höhnisch zu ihm ): Du kennst Dich in der Kriegskunst aus? – Hol’ Dir Dein Handgeld, Mann! So Köpfe brauchen wir Soldaten!

WAGNER ( aufbegehrend ) : Ist das nicht einen Anteil wert?

HÖLZEBAUER ( eindringlich ): Versteht doch, Herr...

OFFIZIER ( kalt ): Ihr müsst verstehen, Bauer! – ( milder ) So ist nun mal das Kriegsrecht, Leute!

WAGNER ( empört zu den anderen): Da seht ihr’s wieder mal: Wir zahlen stets Tribut! Im Frieden nimmt’s der Fürstprobst, im Kriege die Soldaten! - Und gebt ihr nicht, schlägt irgendwer uns tot! – (hasserfüllt zu OFFIZIER ) Für Arme, Herr, ist immer Krieg! Und Euer Kriegsrecht so gemein, wie Euer Recht im Frieden!

OFFIZIER ( schreit ihn an ): Kerl! - Wíe redest Du mit mir?

HÖLZEBAUER ( beschwichtigend halblaut zu WAGNER ): Halt doch Dein Maul! - Verdirbst nur alles! – ( zu OFFIZIER ) Entschuldigt bitte seine Art. Das alles lastet sehr auf uns.

OFFIZIER ( nach kurzer Pause, ruhiger ): Ich bin ein kriegserfahr’ner Mann, war aber nie ein Feind der Bauern. – Ich weiß, ihr habt uns sehr geholfen! Keine Frage. – - Das will ich daher anerkennen... – Wenn ich mich auch für einen rechne, so wie sie... – Dann sind es dreizehn gleiche Teile. – Je einen Teil an uns drei, je einen den Familien unsrer Toten. - Da kommen fünf bis sechs zusammen! – Der Rest danach an Euch!

HÖLZEBAUER ( beeindruckt ): Ein gut gemeintes Angebot...

FRIEDBAUER ( aufbegehrend ): Reicht doch nicht weit! – Für elf Familien...?

( HÖLZEBAUER will was sagen )

OFFIZIER ( ruhig zu FRIEDBAUER): Wenn ich Dir rate, nicht zu viel zu wollen, Bauer, so weiß ich, was ich rede. – Denn was geschieht, wenn ihr Soldaten um die Beute prellt? – Es kommen andre, sie euch abzujagen! – Zu viele leben heut’ vom Krieg!

WAGNER ( verbissen): Wir werden uns zu wehren wissen!

OFFIZIER ( nachsichtig ): Ich zweifle nicht an Deinem Mut! Ich hab’ euch kämpfen sehen! - Doch manchem der Soldaten liegt’s im Blut zu töten und wenn es sein muss, auch dafür zu sterben. – (eindringlich ) Für die ist das nicht nur Beruf! - - So Kerlen seid ihr nicht gewachsen!

FRIEDBAUER ( böse ): Mit Eurem Rat droht Ihr uns doch!

HÖLZEBAUER ( nachdenklich ): Ihr habt da sicher recht ...

WAGNER ( wütend zu ihm ): Der macht Dich doch durch Angst gefügig, Bauernmeister!

OFFIZIER ( versöhnlich zu WAGNER): Nicht gefügig! - Ich bring euch dadurch zur Vernunft! - ( zu HÖLZEBAUER ) Du bist der Bauernmeister? – Berede es mit Deinen Leuten!– Mir liegt daran, das jetzt im Guten abzuklären. ( deutet auf WAGNER ) Und hütet euch vor solcher Hitze!
( HÖLZEBAUER nickt )
- Mit meiner Hilfe wird sich das dann gut verkaufen lassen, bei der Truppe... - Und danach wird geteilt.

WAGNER ( missmutig ): Ich zweif’le Herr, dass es so geht. – Und ...bei allem schuldigen Respekt ... die Zweifel habt Ihr sicher auch!

OFFIZIER ( fest ) : Nein! So muss es sein! – Dragonerpferde! Waffen! - Wem könntet ihr die sonst verkaufen?

HÖLZEBAUER ( entschlossen ): Ihr müsst das für uns regeln! - (zu den anderen ) Die Sa-che ist besprochen! Gehen wir. – ( zu OFFIZIER ) Wir dürfen uns dann wieder melden, Herr...

OFFIZIER: Selbstverständlich.
( Bauern ab )

 

 

 


2.Akt 19.Szene

Voriger.

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OFFIZIER ( zu sich selbst ): Die Lunte scheint mir noch zu glimmen. – Ich nahm sie anfangs wohl nicht ernst genug! Sonst hätten die das nie gewagt! – ( gelassen ) Zwei Seiten einer Münze. – ( entschlossen ) Doch eine kann nur oben liegen.

 

 


VORHANG

 

 

Fortsetzung 3.Akt