Die Niederlage

Schauspiel in 3 Akten

von
Wolf-Alexander Melhorn

 

3. Akt

 

 

 

3.Akt 1.Szene

OFFIZIER in einem Stuhl. BRENNERIN tritt ein.

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BRENNERIN ( vorsichtig ): Richtknechte waren hier. – Vom Fürstprobst, wie ich hörte.

OFFIZIER ( lächelt ): Du weißt gewiss schon mehr als ich! – Ist er in Sicherheit?

BRENNERIN ( zögert, nickt ): Ein Jude, Herr!

OFFIZIER (gleichgültig ): Und? – Mensch muss er sein!

BRENNERIN: Doch hielten alle ihn ...

OFFIZIER ( nachdrücklich ) : ... für einen Mönch! - Ich wünschte, öfters so getäuscht zu wer-den.

BRENNERIN ( unsicher ): So meinte ich das nicht.

OFFIZIER ( gutmütig ): Die Heilige Inquisition.... – Ich kenne Deine Ängste, Frau! – ( nach-drücklich ) Wenn es Dir hilft: Verleugne ihn. - Nur solltest Du ihn nicht verraten! - ( zitiert spöttisch ) Und über eine kleine Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrlich Du bist auch einer von denen, denn Deine Sprache verrät Dich. Da hob er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht.

BRENNERIN ( steif ): Ihr macht Euch wieder lustig, Herr.

OFFIZIER ( freundlich): Brennerin! Gebrauche den Verstand!

BRENNERIN ( aufgebracht): – Die Juden sind nun mal nicht so wie wir!

OFFIZIER : Ich bitte Dich! – Euch wärmt der Pfaffe doch nur stets die gleiche Suppe!

BRENNERIN ( abweisend ) : Ich stehe fest im Glauben, Herr! - ( sieht ihn unverständig an ) Die Heilige Inquisition! - Macht die Euch keine Angst?

OFFIZIER ( geringschätzig): Mir? – Wir kämpfen für sie um die Macht! – Mir geht die nicht ans Leder!

BRENNERIN ( steif ): Ihr kämpft mit Worten, wie mit Eurer Waffe, Herr!
( Pause ) ( nimmt ihre Arbeit auf ) – ( beiläufig, mehr für sich ) Ihr könnt Euch vieles leisten. - ( seufzt, dann laut ) Als Witfrau hab ich manchen Hochmut zu ertragen. - Könnt Ihr glauben. – ( gewollt heiter ) Ich helfe mir auf meine Weise... – Lass meinen Stolz zu Hause! - ( bitter, mehr für sich ) Stiehlt ihn dir keiner... - ( nach einer Pause, sachlich ) Er sollte aber baldigst weg! - So mancher wird es nicht verzeihen, ihm Dankbarkeit gezeigt zu haben.

OFFIZIER ( nickt ): Der ist im Fehrertann auch nicht mehr sicher! – Ich nehm’ ihn besser mit.
- ( nachdenklich ) Was ich mir nicht erklären kann .. Die Bauern haben nichts erwähnt, von diesen Schergen...

BRENNERIN ( winkt ab ): Nichts sehen und nichts hören, wenn es um andre geht ... - Die dachten sich schon, wie Ihr zu ihm steht

 

 

 


3.Akt 2.Szene


Vorige. GRETE kommt herein.

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GRETE ( ruhig ) : Vielleicht ist es ja auch nicht wichtig, Mutter... – Es haben sich noch mehr bewaffnet.

OFFIZIER ( beunruhigt ): Landvolk...?

GRETE ( wichtig ) : Ihr solltet die mal sehen, Herr...
( BRENNERIN sieht OFFIZIER fragend an )

OFFIZIER ( nach kurzer Pause, geringschätzig): Nach so was steigen immer Wichtigtuer auf den Mist und krähen wie die Hähne. – Das geht vorbei, dass die so ihr Gefieder plustern.

BRENNERIN ( wütend ): Nehmt sie nur noch in Schutz!
( OFFIZIER verblüfft )
Und wenn die uns ins Unglück stürzen, Herr? – Kriege, heißt es, seien Männersache! – Die Männer kämpfen aber bloß! – Und selbst, wenn sie verloren haben, als Krüppel umeinandersteh’n, tun manche sich noch weiter wichtig! - Mit Erinnerung und Ehrenzeichen...

OFFIZIER (entschuldigend ): Ich wollte es doch nur erklären...

BRENNERIN ( wütend) : In Wirklichkeit trifft uns der Krieg! - Nur Weiber seht ihr weinen, Herr! Um einen Mann, die Kinder... ( bitter ) nicht selten um sich selbst. – - ( wütend ) Deshalb fragt uns ja auch vorher keiner! Weil wir das nämlich nicht so wollen! – ( beginnt zu weinen )
( Pause )
BRENNERIN ( verlegen, wischt sich ihre Tränen ab ): Entschuldigt, Herr.

OFFIZIER ( unsicher ) : Nein, nein... So Unrecht hast Du nicht ...

BRENNERIN ( mühsam beherrscht ): Es ist doch so! - Ein dummes Wort, nur eine Geste, schon schlägt das dumme Mannsvolk los. – Und haben die erst Waffen. - - ( gefasst ) Doch Euch, Herr, jetzt doch eine Warnung! - Zwei der Verletzten... ( zu GRETE ) der Erich und der Hans ... geht es schlecht! Die nahmen unsre Warnung auch nicht ernst. - Dem einen ist der Bruch verschoben, der andre blutet aus dem Bauch. – ( deutet auf den Stuhl ) Haltet Ihr Euch wenigstens zurück!

OFFIZIER ( bedauernd): Ich habe keine Wahl, Brennerin! Es gilt, ins Speichenrad zu greifen, b e v o r der Wagen abwärts rollt.

BRENNERIN ( nickt müde, geht zur Türe ): Ich hör’ mich dann mal um, bei unsren Leuten.

OFFIZIER ( nachrufend ) : Und schicke mir den alten Mann! Hier ist er sicher. – ( spöttisch, mehr für sich) Noch, hoffe ich, verschafft mein Stand mir nötigen Respekt! ( GRETE sieht ihn verständnislos an )

 

 


3.Akt 3.Szene

ALTER MANN müde am Tisch. OFFIZIER.

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OFFIZIER ( freundlich ) : Du bist Jude, wie ich höre.

ALTER MANN ( müde ): Ich hätte es Euch sagen sollen...

OFFIZIER ( gelassen ): Nicht von Belang! - - Der Bader nannte Dich in Hofersfelden. – Was habt ihr miteinander? - - Erzähle mir von Dir.

ALTER MANN ( hilflos ) : Was soll ich sagen, Herr. – ( gefasst ) Ich war ein wirklich reicher Jude, könnt’ man sagen. – Deshalb kennt mich wohl der Bader. - So einer kommt viel rum. Auch bei uns Juden.

OFFIZIER: Und weshalb gingst Du in den Wald? – Mal wieder ein Pogrom...?

ALTER MANN ( bitter ): Verfolgung? - Nein! – Die hat es immer schon gegeben. -– Mit so was lernten Juden zu leben, seitdem sie euch das Christentum gebracht und nicht von ihrem Glauben ließen.

OFFIZIER: Ihr meint, es geht nicht um den Glauben, sondern Macht...?

ALTER MANN ( bitter ) : Ging es schon jemals nicht darum? – So lange Religion ein Volk beherrschbar macht, wird Religion von Macht beherrscht! – Wer sich dem dann nicht unterwirft, den werden beide töten!

OFFIZIER (nickt nachdenklich): Wir kämpfen auch nur um die Macht! - Der Kaiser betet zwar katholisch, doch wär’ er Jude oder Lutheraner... Es ging genau so hitzig um die Macht!
( Pause )
Doch warum dann?

ALTER MANN ( atmet tief durch, dann gefasst ): Nach einer Schlacht suchten Kaiserliche einen Offizier der Schweden. - Bei uns. In meiner Stadt... – Sie fanden ihn dann, schwer verletzt, bei meiner Tochter. – ( mühsam ) Es war Verrat zu helfen...

OFFIZIER ( betroffen, zögernd ): Ein Exempel wurde statuiert?

ALTER MANN ( nickt, mühsam ): In einem Sack ertränkt! – Wie ihren Mann... - Und ihre Kinder.
( Pause )
( leise ) Ich wollte es dort lassen. – Jetzt holt es mich wohl wieder ein.

OFFIZIER ( behutsam, mehr für sich ): Wie ich die Menschen kenne, galt dieses Blutgericht wohl Euch... - Ihr wart doch reich! – Da hatte sich der Neid mal wieder was gefunden.
( ALTER MANN schweigt bekümmert.) ( Pause )
- ( unverständig ) Du wolltest niemals Rache?

ALTER MANN ( schüttelt langsam den Kopf ) : Aug’ um Auge, Zahn um Zahn... - Das war nie meine Art zu denken.

OFFIZIER ( verständnislos ) : Ich könnte so was nicht! – ( betroffen ) Mir fällt es schwer, von der Erziehung frei zu kommen. - Ich bin wie alle andern. – ( unverständig ) Es waren Eure Kinder, Herr! – Gesackt! - Von meinen Leuten! – Ein Exempel...

ALTER MANN ( in sich gekehrt ): Das war vor Eurer Zeit als Kriegsherr, Hauptmann. - Längst vorbei, wenn niemand das Vergessen lüftet. – ( OFFIZIER schüttelt energisch den Kopf, will etwas sagen ) Bedenkt: Das Schicksal hat noch niemand auferlegt, sich seinen Kummer
ewig zu bewahren. Es trennt uns auch von solchen Fragen.
( OFFIZIER sieht ihn nachdenklich an ) ( ALTER MANN mehr für sich )
Der Offizier, der das Kommando hatte, hat damals nach Gesetz gehandelt. - - Das macht es mir nicht leichter, Herr, doch es erklärt Euch vielleicht manches.

OFFIZIER ( zögernd ): Und hängt das mit dem Ring zusammen? – Ihr sollt erschrocken sein, als Ihr den bei mir saht.

ALTER MANN ( erschrickt, nach kurzer Pause aber bedächtig ): Ich bin ein Sonderling. Ein alter Narr für manche Leute. – Gebt nichts auf solche Worte.

OFFIZIER ( schüttelt den Kopf, freundlich ): Ihr weicht mir aus, mein Herr!

ALTER MANN ( verlegen ): Mag sein, dass ich für Augenblicke wähnte, Euren Ring zu ken-nen, Herr... - Doch das Geschlecht ist weit verbreitet! Wohl mancher trägt das gleiche Wappen. – ( als er OFFIZIER zögern sieht) Ich küsste einen Ring! - In Tränen und auf Knien! – Wer weiß, was ich gesehen habe, Herr? – ( freundlich ) Ich sage doch: Ich klage niemand an. – Werft mir nicht vor, dass mich Erinnerung befiel ...

OFFIZIER ( zögernd ): Ich will nicht weiter in Euch dringen, Herr. Ihr habt Euch über die Vergangenheit erhoben. – ( ernst ) Doch bitte schweigt darüber! Sonst züngelt das gefährlich fort. – Die Stimmung hier ist aufgeladen. – Mit Namen, Titel ist zwar Einfalt zu beherrschen, doch lange schützt so Blendwerk nicht. ( ALTER MANN nickt zustimmend ) – Und noch ein’s, werter Herr. - Ich nehm’ Euch mit! - Hier seid Ihr nicht mehr sicher. Auch nicht in Eurem Wald! – Ich habe es nur aufgeschoben! – Wo Ihr dann wünscht, verlasst Ihr uns.

ALTER MANN ( erleichtert ): Da bin ich Euch verbunden, Herr.

OFFIZIER ( trocken ): Rührt schon mal einer selbstlos seine Finger ... - Kämt Ihr auf’s Rad, mein Herr, wäre alles, was Ihr hier getan, zu Eurem Nachteil ausgefallen. – So mancher sähe sich da noch bestätigt!

ALTER MANN ( sorgenvoll ): Bringt Euch nicht selber in Gefahr, mein Herr...

OFFIZIER ( macht eine wegwerfend Bewegung, danach sachlich ) : Doch etwas anderes! - Ihr seid gewiss dann auch des Schreibens mächtig. Nicht?
( ALTER MANN nickt ) ( OFFIZIER seufzt )
Hätte ich das nur gewusst! – Ein Brief ...zu meinem Hauptquartier! – Sucht mir auch bitte jemand, der ihn dann besorgt. – Er muss genau nach Norden! Inzwischen wohl zwei Tage nur. Dort wird er auf die Vorhut treffen. – Er zeigt den Brief und jemand führt ihn dann zum General!

ALTER MANN ( nickt ) : Ihr müsstet nur diktieren.

OFFIZIER ( erleichtert ) : Ich danke Euch, mein Herr. - Doch, bitte, gebt mir zuvor noch von dem Trank.
( ALTER MANN nickt und holt Tropfen, die er in den Krug gibt
- ( OFFIZIER inzwischen nachdenklich ) Schwächen, die noch nichts bedeuten, vermitteln ein Gefühl von ihm. – Doch wenn der Tod sich wirklich nähert, erahnen wir es meistens nicht.

ALTER MANN ( lächelt ): Das Sein verliert sich, nicht die Seele! – Für sie ist eine Prüfung abgeschlossen. Weiter nichts. – Der Tod dabei ist stummer Diener, ein Helfer, der vor Gott geleitet...
( ALTER MANN greift sich dabei Feder und Papier ) ( Pause )

OFFIZIER ( sammelt sich, plötzlich hart ) Zum Teufel auch! Ich will das wissen! – Ihr müsst doch einen Namen kennen!
( ALTER MANN schweigt ) ( OFFIZIER packt ihn erst hart am Arm, dann fast bittend )
Sagt es! Ohne Angst!

ALTER MANN ( schließlich entspannt ) : Der Offizier war Euer Ebenbild.

OFFIZIER ( lacht bitter auf ): Ein harter Mann. Fürwahr! – ( bewundernd ) Und trotzdem gebt ihr mir! (zitiert, mit heiserer Stimme ) Er betete und sprach: Mein Vater, ist’s nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorüber gehe, ich trinke ihn denn. So geschehe Dein Wille.
(Pause )
- ( berührt den Arm des ALTEN MANNES, freundlich) Ich danke Euch von ganzem Herzen, Herr.

 

 


3.Akt 4.Szene

Vorige. Nach Klopfen tritt HÖLZEBAUER unaufgefordert ein.

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HÖLZEBAUER ( wichtig ): Ich komme wegen Eurer Männer, Herr ( zu ALTER MANN ) Du, Jude, gehst hinaus!

ALTER MANN (kommt OFFIZIER zuvor ): Ich komme später wieder, Herr.
( geht ab )

 

 

3.Akt 5.Szene

Vorige.

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OFFIZIER ( kühl ): Nun ...

HÖLZEBAUER ( wichtig ): Sie planen Euren Tod und wollen danach in die Wälder! – Uns dann von dort aus überfallen!

OFFIZIER ( lacht ): Wer kommt auf solchen Unsinn, Mann?

HÖLZEBAUER ( steif ) : Ein Zeuge hat die zwei belauscht!

OFFIZIER ( scharf ): D e n bring mir her! - Nicht die Verdächtigung!

HÖLZEBAUER ( überlegen ): Genügt Euch nicht, dass wir Euch warnen?

OFFIZIER ( verächtlich ): Und wäre es die Wahrheit, Bauer ... – Der Landsknecht träumt von reicher Beute, vom Siegen und Gelagen. – So ist nun mal die Zeit! - Die Wirklichkeit sieht anders aus! - Die beiden aber kennen sie!

HÖLZEBAUER ( kühl ) : Das haben wir gehört ...

OFFIZIER ( geringschätzig ): Die führten große Reden, um einem Lauscher Angst zu machen! – (scharf) Schluss damit. - Wenn Du es wagst, bring mir die beiden! - Dann wiederhole, was Du weißt!

HÖLZEBAUER ( unwillig ): Die würden Euch doch nichts gestehen! – ( gleichgültig ) Wir dachten jedenfalls, Ihr sollt es wissen! – Und dass wir Euch beschützen werden...
( Pause )

OFFIZIER ( nachdrücklich ): Von mir droht euch erst recht Gefahr, wenn ihr die zwei ermordet!

HÖLZEBAUER ( verächtlich ): Zwei solche Galgenvögel...

OFFIZIER ( wütend ): Sie sind mir anvertraut!

HÖLZEBAUER ( aufgebracht ) : Die gehen selber davon aus, dass Ihr sie hängen lasst, wenn sie uns plündern! – ( nachdrücklich ) Deshalb seid Ihr denen ja im Weg!

OFFIZIER ( sieht ihn zunächst böse an, schüttelt dann den Kopf ): Schon weil es Zeugen gibt! – (erklärend ) Man würde sie zu Tode hetzen! - Sonst wär’ die Disziplin beim Teufel!

HÖLZEBAUER ( zögernd ): Das seht I h r so, Herr...

OFFIZIER ( gelassen ): Selbst wenn ich friedlich sterbe, Bauer, müssen die zurück zu ihrer Truppe. – Sonst machen Uns’re Jagd auf sie! – Du siehst, ihr spinnt euch was zusammen!
( HÖLZEBAUER schweigt ) ( OFFIZIER gereizt )
Wer wird sie töten? – Du?

HÖLZEBAUER ( steif ): Wir bringen Euch zu Eurem Heer. – Lassen Euch die ganze Beute, wenn Ihr wollt...
( Pause )

OFFIZIER ( böse ): Du versucht uns aufzuspalten! – Ihr wollt sie töten... Mit meiner Rückendeckung! – Damit wir neu verteilen können! - Und hofft dabei auf meinen Dank! Das ist es also! – ( gereizt ) Und ihr Gesindel stellt euch über meine Leute! - ( wütend ) Wer bin ich, dass Du wagst, mir solchen Handel anzutragen...?

HÖLZEBAUER ( halbherzig ): So ist das ja nun nicht...

OFFIZIER ( verächtlich ): Noch heute Mittag war der Anteil euch zu wenig! – Wollt ihr jetzt plötzlich gar nichts mehr?

HÖLZEBAUER ( unsicher ) : Nur, was Ihr geben wollt ...

OFFIZIER ( scharf ): Mehr würdet ihr auch nie bekommen!

HÖLZEBAUER ( kleinlaut ): Ihr glaubt mir nicht, mit Euren Männern, Herr! – Doch sollte es so kommen und die sind in den Wäldern ... Die vielen Pferde, diese Waffen , dann ist das Zeug für uns gefährlich! – Ob Kaiserlicher oder Schwede... Jeder würde Rache an uns nehmen, wenn einer denkt, w i r hätten Euch erschlagen!

OFFIZIER ( unverständig ): Euch treibt die Angst schon wunderliche Blüten ...

HÖLZEBAUER ( achselzuckend ): Angst hatte immer eig’ne Regeln...

OFFIZIER ( trocken ): Wie das Geld. Ich weiß. – Und wo die zwei zusammentreffen...
- (sieht HÖLZEBAUER vorher prüfend an ) In ein paar Tagen zieht mein Heer hier durch.

HÖLZEBAUER ( verblüfft ):Das sagt Ihr doch nur so!

OFFIZIER ( kühl ): Die Schweden waren kein versprengter Haufen! – Mein Auftrag war, sie abzufangen! - Uns folgt inzwischen uns’re Hauptmacht nach. – ( spöttisch ) Ihr lasst uns also besser leben! Alle drei! - Soldaten nehmen’s gründlich mit der Rache!

HÖLZEBAUER ( unruhig): Das glaubt, von uns, mir keiner...
( OFFIZIER zuckt mit den Achseln )
- ( aufgebracht) Da wären wir ja wieder angeschmiert!

OFFIZIER ( gelassen ): Ihr habt die Suppe selbst so angerührt... – ( entschieden ) Jetzt geh’ und sorge, dass meinen Männern nichts geschieht! – ( eindringlich ) Handelt ein Mal nach Vernunft! – (versöhnlicher ) Es bleibt bei meinem Wort, dass ich die Beute gut verteile.

HÖLZEBAUER ( eifrig ): Gewiss, Herr. ( Will abgehen )

OFFIZIER: Den alten Mann schick’ wieder rein...

HÖLZEBAUER ( erstaunt ): Den Saujud’, den verdammten? – ( überlegen ) Ihr solltet mit dem nichts zu schaffen haben, Herr! - Ich weiß, Ihr habt sie fortgeschickt...

OFFIZIER ( zischt ): Wenn ihr so feige seid, dass ihr ihm Dankbarkeit verweigert, Bauer, erstick’ ich euch in eurer Angst!

HÖLZEBAUER ( glatt ): Der Mann hat Zauberkraft in seinen Händen, Herr! – Ein guter Christ könnt’ so was nicht! Fragt doch den Pfarrer!

OFFIZIER ( kalt ): Der Alte bleibt mir ungeschoren! – Auch wenn Du glaubst, mich damit wieder in der Hand zu haben. – ( verächtlich ) Da zeigt sich wieder: Feigheit hat nicht immer was mit Angst zu tun. - ( scharf ) Und jetzt tue was für meine Leute!

HÖLZEBAUER ( kühl ): Wir wollten nur behilflich sein...
( HÖLZEBAUER eilig ab )

 

 

 


3.Akt 6.Szene

Voriger. ALTER MANN tritt kurz danach ein.

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OFFIZIER ( besorgt ): Was denkt Ihr... - Kann ich auf ein Pferd? – Wir müssen weg! - Sie auch!

ALTER MANN ( schüttelt den Kopf ): Das könnt Ihr nicht riskieren, Herr.

OFFIZIER ( aufgeregt ) : Das Landvolk stellt sich gegen uns!

ALTER MANN ( bekümmert ) : Es waren Euch nicht alle wohl gesonnen... – Einer forderte sogar von mir, ich solle der Natur mehr überlassen ... - Sie verstehen eben vieles nicht.

OFFIZIER ( ungehalten ): Deshalb sind sie so gefährlich! – Da gärt schon lange was im Kes-sel! - Das kann nicht mehr genießbar sein!

 

 

 

3.Akt. 7.Szene

Vorige. BRENNERIN eilt herein.

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BRENNERIN ( aufgeregt ): Sie wollen Euch ans Leben, Herr!

OFFIZIER (kurz betroffen ): Wann?

BRENNERIN: Sie hielt nur noch die Angst vor Euren Männern!

OFFIZIER ( unverständig ): Der Bauernmeister war soeben hier... - Die wollen mich sogar beschützen!

BRENNERIN ( eindringlich ): Ich weiß, wovon ich rede, Herr!

OFFIZIER ( zweifelnd ) : In ein paar Tagen sind doch meine Truppen hier!

BRENNERIN ( entgeistert): In unserm Tal?

ALTER MANN ( zweifelnd ): Das wissen die?

OFFIZIER: Ich hab’ es ihm gesagt!

BRENNERIN ( fahrig belehrend ): Ihr seid gewiss ein großer Herr, wo man den Kaiser ach-tet. – Doch, mit Respekt, hier glauben andere, dass sie das Sagen haben.

( Im Hintergrund fallen vier Schüsse )

- ( BRENNERIN aufgeregt ) Das galt jetzt Euren Männern, Herr! - ( zu ALTER MANN ) Ihr, ehrwürd’ger Vater, müsst mir helfen. - Rafft alles Nötige zusammen, was Ihr für seine Wunden braucht. – Ich packe Proviant für eine Woche ...

OFFIZIER ( hält sie am Arm fest, beschwichtigend ): Es wäre sinnlos, gute Frau.

BRENNERIN ( entschlossen ): Die Wälder hier sind günstig, Herr! - Ich kenne eine kleine Höhle! – Beim Morgengrauen wärt Ihr dort.
( Sie will sich vergeblich los machen)

OFFIZIER ( ruhig ) : Bist Du Dir nicht im klaren, was das für Dich bedeutet?
( lässt sie los )

BRENNERIN ( gezwungen ) : Kann ich denn Eure Pläne kennen, Herr? – Gebt mir ein Goldstück, wenn Ihr wollt. Das zeig’ ich als Entlohung....Als Ihr heut’ nacht gegangen seid. – Mir hättet Ihr gesagt, Ihr wollt zu Euren Truppen. – ( achselzuckend ) Und ich? Als Frau... Ihr wisst ja, wie die Männer denken ... versteh’ doch nichts von solchen Dingen!

OFFIZIER ( sieht sie anerkennend an ): Du wagst sehr viel!

BRENNERIN ( fest ): Viel hab’ ich nie besessen, Herr. Doch Werte gibt es auch für mich. Die opfert man nicht dumpfer Angst!

ALTER MANN ( besorgt ): Komm lieber mit! - Die könnten jemand strafen wollen, Brennerin!

BRENNERIN ( schüttelt den Kopf, fest ): Von Kindheit an leb’ ich jetzt hier. – Soll ich noch umeinander ziehen? – Und betteln vor den Kirchen?

OFFIZIER ( ruhig ): Für Dich gibt es noch anderes zu tun! Dafür sorge ich!

BRENNERIN ( entschlossen ): Ich tu’ kein Unrecht, Herr! Im Unrecht sind die andern! – Seid ohne Sorge: Ich weiß mich schon zu wehren, wenn einer dumme Sprüche macht.

ALTER MANN ( ernst ): Wer wagt, der Feigheit einen Spiegel vorzuhalten, gute Frau, wird meist besonders hart gestraft!

BRENNERIN ( verbissen ): Das wird sich zeigen.
( Pause )

OFFIZIER ( entschlossen ): Dein Tun will ich Dir gut belohnen! – Es darf nicht in so Bosheit untergehen!

BRENNERIN ( ruhig ): Nein! Bitte nicht! - Ihr wisst, wie Neider denken. – Besonders heut’, wo überall die Hexen brennen. - ( eilig ) Ich sehe mal nach Euren Männern.– Ihr, Vater, tut, worum ich Euch gebeten habe.
( ALTER MANN ab )

 

 

 

3.Akt.8.Szene

Vorige. GRETE eilt herein. Hält BRENNERIN fest, als diese hinausgehen will

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GRETE ( ruft zu OFFIZIER ): Sie haben sie erschossen, Herr!

BRENNERIN: Also doch ....

GRETE: Es ging wohl um den frommen Vater. – Der Frieder, Mutter... Und der Wagner... - Die stritten sich mit denen. - Es kam zum Kampf. - Der Selmesbauer, der war auch dabei.

OFFIZIER ( ruhig ) : Du hast sie fallen sehen!

GRETE ( zögernd ): Das wieder nicht! - Der Streit zog sich die Mühltalgasse durch. Ich blieb zurück. - Und hörte dann nur Schreien. – Und die Schüsse...
( Pause )

OFFIZIER : Den Bauernmeister hast Du nicht gesehen?

GRETE ( schüttelt den Kopf ) : Doch! - Er kam auf all den Lärm herbei, ging aber sofort wie-der.

OFFIZIER ( nachdenklich): Schau an, der Fuchs... ( zu BRENNERIN ) Ich bitte Dich! Sieh nach, was mit den zwei geschah. - ( zu GRETE, weist in die Ecke zu seinen Waffen ) Und Du, Kind, bitte die Pistolen. – ( gelassen ) Die klären manchen auf, der glaubt, ein Held zu sein.
( GRETE folgt erschrocken der Anweisung )

 

 


3.Akt.9 Szene

BRENNERIN trifft auf dem Weg HÖLZEBAUER.

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BRENNERIN ( dringt auf ihn ein ) : Was ist bloß los mit euch?

HÖLZEBAUER ( macht sich frei, ungehalten): Was willst Du?

BRENNERIN ( drängend): Die Schüsse, Hölzebauer! – Die Soldaten...

HÖLZEBAUER ( unwirsch ) : Hab’ nichts gesehen, Brennerin!

BRENNERIN ( aufgebracht ) : Du hast weggesehen, Hölzebauer!

HÖLZEBAUER ( wütend ): Werd’ mir nicht frech!

BRENNERIN ( herausfordernd ): Du hast doch hier das Sagen, Hölzebauer! Warum hältst Du die Unsern nicht zurück? - Muss es denn noch mehr Tote geben?

HÖLZEBAUER ( ärgerlich): Das geht Dich gar nichts an!

BRENNERIN ( wütend ): Du hast nur Angst, sie könnten Dich in Ungnad’ bringen, bei un-serm Fürstprobst! – Doch Du bist auch dem Falkenstein verpflichtet! - Schau also ja nicht weg, was die mit seinen Leuten machen!

HÖLZEBAUER ( böse ): Dann will ich D i r jetzt mal was sagen, Brennerin! – ( gehässig ) Mit diesem Hexer, diesem Juden, seist Du offenbar recht gut ... - Heißt es wenigstens, im Ort! – Das will man gleichfalls prüfen lassen.

BRENNERIN ( erschrocken ): Wer? – ( aufbegehrend ) Ich habe mir nichts vorzuwerfen!

HÖLZEBAUER ( von oben herab ): Wirst Du noch früh genug erfahren, Brennerin!

BRENNERIN ( empört ): Ich habe viel für euch getan!

HÖLZEBAUER ( gehässig ): Nur seltsam, dass Du nicht zu Hause warst, als diese Schweden kamen... Dem Hexer gabst Du zudem gleich Quartier ...

BRENNERIN ( unterbricht ängstlich, fasst HÖLZEBAUER flehend am Arm ): Dem Offizier doch auch! – Wir schlafen in der Scheuer, ich und die Grete! - Ich wusste doch auch gar nicht, wer der ist.

HÖLZEBAUER ( macht sich frei, überlegen ): Mit einem Hexer so vertraut ... - Es gibt Me-thoden, dies zu klären.
( Pause )

BRENNERIN ( böse): Du hast mich früher haben wollen, Hölzebauer. Kaum, dass der Mar-tin tot war. Damals ... – Und jedem ist das hier bekannt! - - Ist das jetzt Deine Rache? –
( plötzlich hasserfüllt ) Ich sag’ Dir, Hölzebauer: Wenn ich verbrenne, brennst Du mit! – Dann warst Du mir mein Hexenbuhle! Und jeder, schwör’ ich, wird es glauben! – Du weißt, Du bist nicht unumstritten...

HÖLZEBAUER ( zurückweichend ): Verdammte Schlange! - ( kleinlauter, aber drohend ) Komm’ mir nicht in die Quere, Brennerin! – Sonst, schwöre i c h, war es das letzte Mal!

BRENNERIN ( verächtlich ): Das Bett, Hölzebauer, hättest Du zu gern mit mir geteilt. – Doch meine Werte nicht! – Schon richtig, dass ich Dich nicht haben wollte!
( Pause ) ( beide beruhigen sich langsam )
– ( ruhig ) Doch lass es gut sein, Hölzebauer. Du verstehst mich nicht. - - Was ist jetzt, mit den Kaiserlichen?

HÖLZEBAUER ( ruhiger ): Ich weiß es wirklich nicht.– Geschossen wurde... - Wen das traf?
( zuckt mit den Achseln, dann leicht verlegen ) - - Hast vielleicht recht, Brennerin... - Ich wollte es auch gar nicht wissen.

BRENNERIN ( versöhnlich ): Du kannst eben auch nicht anders, Hölzebauer. – Doch diese Hexenreden... – Da denkst Du besser drüber nach ... - ( eindringlich) Hölzebauer! Allerorts zünden Lügen sich die Scheiterhaufen an... – Wir beide, Du und ich, müssen nicht die nächsten sein! – Auch weißt Du ganz genau: Ich war stets gottesfürchtig!

HÖLZEBAUER ( unbehaglich ): Ja, ja. – Ich werde das schon richten. – Wir brauchen Dich hier schließlich auch. - Halt Du Dich aber raus, aus allem! Sonst kann ich Dich nicht schüt-zen.

 

 


3.Akt 10.Szene

GRETE. OFFIZIER erschöpft auf seinem Lager. Die Pistolen neben sich. ALTER MANN tritt eilig ein, mit allerlei Bündeln.

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ALTER MANN ( atemlos ) : Der Bote ist jetzt weg.

OFFIZIER: Und? - Ist er zuverlässig?

ALTER MANN ( nickt ) : Hab’ es ihm so erklärt, wie ihr es wolltet. – Er braucht das Geld! – Wird sich den Botenlohn schon holen!

OFFIZIER: Dann bin ich ja beruhigt.
( Pause )

ALTER MANN ( aus dem Hintergrund ): Von Euren Männern weiß ich leider nichts. – Die Leute sind mir jetzt verschlossen. - ( bekümmert ) Dass es so weit gekommen ist... - Das wird für alle noch zur Niederlage...

OFFIZIER ( gelassen): So schlimm wird’s schon nicht werden. – Doch bleibt Ihr besser hier, im Haus! - Die Meute ist womöglich schon auf Jagd. – Ihr werdet sonst ihr nächstes Wild! –
( aufmunternd zu ALTER MANN ) Auch Trümmer bergen manchen Schatz! - Lasst jetzt den Kopf nicht hängen!

ALTER MANN ( hilflos ): Ich weiß nicht, was ich denken soll. Mich überrennt das plötzlich alles.

OFFIZIER ( fest ) : Es geht nun mal um mehr! - Nicht nur um Beute ...

ALTER MANN ( sorgenvoll ): Verfangt Euch bloß nicht noch darin, mein Herr. – Verdienst bringt niemand Zeitgewinn, geht es ans Sterben!

OFFIZIER ( ruhig ): Ich bin noch nie zurückgewichen.

ALTER MANN ( besorgt ) : Mein Alter weiß, wie sehr das Leben uns bestimmt. - Ihr wollt’ gewiss noch selbst entscheiden!

OFFIZIER ( lächelt, zitiert ): Mein Vater, ist es nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorübergehe, ich trinke ihn denn...

ALTER MANN ( verzagt ): Das 'Wie’ macht mir nur Angst...

GRETE ( angstvoll ): Kann niemand etwas tun? – Vielleicht die Mutter....?

OFFIZIER ( freundlich ) : Geh’ zu ihr, Grete! – Das ist gewiss das Beste!

( GRETE ab )

 

 

 

3.Akt 11.Szene

Vorige. HÖLZEBAUER tritt ein und schwenkt einen aufgebrochenen Brief.

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OFFIZIER ( mühsam beherrscht ): Du wagst es, meinen Brief zu öffnen?

HÖLZEBAUER ( überlegen ): So hab’ ich ihn bekommen. – Ich bring’ ihn nur zurück. – ( ver-halten wütend ) Ihr habt Soldaten angefordert! – Mich machtet Ihr noch glauben, dass wir einig seien!

OFFIZIER ( böse ): Das werde ich mir merken!

HÖLZEBAUER ( unbeeindruckt, höhnisch ) : Wozu wollt Ihr eigentlich noch die Eskorte, wenn jetzt doch Eure Hauptmacht kommt?

OFFIZIER ( kalt ) : Ihr schießt doch schon auf uns!

HÖLZEBAUER ( gelassen ): Genaues weiß ich jetzt noch nicht, doch was ich hörte, haben die geschossen! - ( deutet auf ALTER MANN ) Seinetwegen! – Wir wehrten nur den Angriff ab.

OFFIZIER : Wenn sie nicht tot sind, Bauernmeister ... – Wo sind die beiden dann ?

HÖLZEBAUER ( gleichgültig ): Werden sich verkrochen haben...! - ( schwenkt den Brief ) Ich denke nicht, dass Ihr gerecht bewertet, Herr! – ( nachdrücklich ) Schreibt wenigstens in diesem Punkte anders! – Nur diese zweite Seite... – Der Jude ist Euch ja zu Willen.
( Pause )

OFFIZIER ( wütend ): Der Brief bleibt, wie er ist!

HÖLZEBAUER ( vieldeutig ): Ich kann da keinen zwingen, Herr... - Ihr wisst, wie krank die Leute hier noch sind.

OFFIZIER ( wütend ): Ich h a t t e einen Boten! – Und geht der nicht, lass ich Dich hängen, Hölzebauer! – Ich habe hier Befehlsgewalt!

HÖLZEBAUER ( ruhig ): Nur weil wir überfallen wurden, Herr, gilt nicht das Kriegsrecht! – Ich halte mich daher an die Gesetze. - ( sieht dabei den ALTER MANN an ) Gerade in so Zeiten!

OFFIZIER ( fasst sich ) : Nun gut! - Auch Dir droht das hier aus der Hand zu gleiten – Doch wenn Du jetzt versagst, dann trifft es Dich mit voller Härte, Bauernmeister! – Ihr könnt mich schließlich nicht mehr töten! – ( lauernd ) Oder wollt ihr alle Zeugen niedermachen? – ( spöttisch ) Was anderswo ja auch schon war... – ( selbstbewusst ) Ich habe nur den besten Ruf, Bauernmeister! – Wenn ich nicht überlebe, geht hier mancher auf die Folter. - ( entschieden, böse ) Du kannst mir nur gehorchen!
( Pause )

HÖLZEBAUER (verunsichert ): Wärt ihr hier alle umgekommen und hätten wir die Schweden schließlich selbst erschlagen, so drohte uns dafür nun Folter?
( OFFIZIER sieht ihn an, zuckt dann mit den Achseln ) ( HÖLZEBAUER aufgebracht )
Ihr gebt Euch immer so! – In Wahrheit gilt Euch Leben nichts!

OFFIZIER ( deutet auf ALTER MANN, kalt ): Das seine schon! – Versteck’ ihn vor den Schergen! - Ich nehme ihn dann später mit.
( Pause )

HÖLZEBAUER ( zögernd ): Der Heiligen Inquisition darf niemand vorenthalten werden! – Ihr wisst, das wäre Ketzerei!

OFFIZIER ( kalt ): Ihr seid ihm zum Dank verpflichtet!

HÖLZEBAUER ( windet sich ): Gegen die Heilige Inquisition ...

OFFIZIER ( ruhig ): Ihr stellt euch gegen deren Schergen! Weiter nichts! – ( fest ) Doch Schluss damit! Ein klares Wort!

HÖLZEBAUER ( unbehaglich, deutet mit dem Kinn auf ALTER MANN ): Mir schien er auch ein braver Mann... – Half, ohne einen Lohn zu fordern...

OFFIZIER ( nickt ) : Na also! – Im übrigen hat auch das Fegefeuer hier auf Erden seinen Preis! – (auffordernd ) Was kostet so ein Mensch?

HÖLZEBAUER ( unsicher ): Macht das jetzt nicht zum Schacher, Herr! – Ich klage den doch gar nicht an! Ich diene nur der Obrigkeit...
( Pause )

OFFIZIER ( ruhig ): Hier hast Du fünf Goldstücke. Mehr habe ich jetzt nicht. - - Dafür bestellt Du noch den Brief!
( gibt HÖLZEBAUER 5 Goldstücke )

HÖLZEBAUER ( sieht sich hastig um ): Nun gut! – Ich nehme das auf meine Kappe. - ( halblaut zu ALTER MANN ) Du kommst zur Scheune an der Biegung. Unauffällig! – Weißt Du wo? ( ALTER MANN sieht erst hilfesuchend auf OFFIZIER, nickt dann )

 



3.Akt. 12.Szene

Vorige. MICHAEL taumelt blutüberströmt herein, den Degen in der Hand.
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MICHAEL ( grinst gequält ): Da staunt ihr! Was?

HÖLZEBAUER ( entgeistert ): Aber ...

( MICHAEL wendet sich jäh zu HÖLZEBAUER und tötet ihn mit einem Degenstoß,
während OFFIZIER zur Warnung in die Luft schießt )

OFFIZIER: Halt!

MICHAEL ( zufrieden ) : Erst muss ich mal die Bauernsau hier schlachten. - ( mit Genugtuung ) So kann der nicht mehr schaden, Herr!

OFFIZIER ( schreit ): Was tust Du, Kerl?

MICHAEL ( sinkt auf den Boden, mühsam ): Mir habt Ihr nichts mehr zu befehlen, Herr. – Tut mir fast selber leid... -– Wir hatten in die Luft geschossen und dachten, damit sei es dann vorbei. – Doch sind die hinterrücks gekommen! – Beim Karl ist es gelungen. – Ich nahm mir zwei noch mit! - Die andern sind geflohen!
( ALTER MANN beugt sich aufgeregt über MICHAEL, der aber freundlich abwehrt )
Verschwinde, Alterchen. – Die suchen Dich schon wieder.
( MICHAEL stirbt )

 

 


3.Akt. 13. Szene

Vorige. BRENNERIN und GRETE stürzen herein.

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BRENNERIN ( aufgelöst ): Sie kommen, Herr!

( sieht die Toten, erschrickt heftig. GRETE klammert sich an BRENNERIN ) ( Durch das Fenster sind die Lampen der heranrückenden Bauern zu sehen und Stimmen zu hören) ( GRETE sinkt auf die Knie und betet )

 

 


3.Akt 14.Szene

Vorige. Landbevölkerung drängt drohend herein. Stoßen dabei GRETE um. ALTER MANN weicht ängstlich zur Seite. OFFIZIER richtet beide Pistolen auf sie. Die Bauern zögern, weichen etwas zurück

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OFFIZIER ( schneidend ): Kommt zur Vernunft, Leute!

EINER ( beugt sich über HÖLZEBAUER ): Der Hölzebauer!

FRANZ ( deutet auf MICHAEL ) : Da ist der andere!

FRIEDBAUER ( gehässig, aus dem Hintergrund ) : Jetzt seht ihr, wie er denkt, der hohe Herr!

ANNA ( hasserfüllt aus dem Hintergrund ): Soldaten will er holen! - Dann geht das Plündern weiter!

WAGNER ( zeigt auf HÖLZEBAUER und dann auf OFFIZIER ): Der hat ihn erschossen!

ALTER MANN ( ruft verzweifelt ): Nein! Der Landsknecht! - Er wollte ihn noch retten!

FRIEDBAUER ( energisch von hinten ): Glaubt ihm kein Wort, dem Juden! Der hat uns lang genug belogen!

OFFIZIER ( scharf ): Nein! – ( deutet auf MICHAEL ) Der Bauernmeister starb durch ihn!

ANNA ( tritt vor, zeigt auf OFFIZIER, feindselig auffordernd zu den anderen ): So lange der da lebt, wird das kein Ende haben! - Habt ihr noch nicht genug gelitten?

GRETE ( stürzt weinend vor ): Bitte! Er hat uns doch geholfen!

ANNA ( verächtlich, schlägt auf GRETE ein ): Was weißt denn Du schon, schöne Larve? – Das nächste Mal bist Du dabei! – Dann weißt Du, was ich meine!

BRENNERIN ( schreit energisch ): Lass ja mein Kind in Ruhe, Anna! – Was Dir geschehen, dafür kann sie nichts! – ( deutet auf den OFFIZIER ) Und der da auch nicht!

ALTER MANN ( drängt vor ) : In Gottes Namen! Wahret Frieden!

SCHMIED ( schlägt ihn nieder ): Du, Hexer, gebrauchst nicht Gottes Namen!

GRETE ( neben ALTEN MANN auf dem Boden kauernd, verzweifelt ) : Vater!

BRENNERIN ( dringt auf den SCHMIED ein ): Schmied! Verdammt! – Er hat doch nichts getan!

SCHMIED ( wütend, stößt sie zurück ) : Bist doch schon selbst so eine Hexe, Brennerin!

( SCHMIED will BRENNERIN mit seinem Hammer niederschlagen)
( OFFIZIER schießt ihn nieder )

OFFIZIER ( schneidend ): Genug! Es ist vorbei! – Den nächsten kostet es das Leben!

FRIEDBAUER ( drängt aus dem Hintergrund vor, zeigt höhnisch auf OFFIZIER): Jetzt hat er sich verschossen, mit dem Bauernmeister und dem Schmied...!

ANNA ( außer sich ): Übt denn hier keiner mehr Gerechtigkeit?

ALTER MANN ( kommt taumelnd wieder hoch, fest ) : Beendet endlich dieses Töten! – Ist nicht genügend Leid verschüttet?
( Die Umstehenden sehen sich unsicher an) ( MÜLLER steht mit einer gesenkten Pistole herum )

FRIEDBAUER ( tritt an MÜLLER heran, entschieden ): Schieß, Lumpenmüller!
( MÜLLER sieht ihn unsicher an ) ( FRIEDBAUER auffordernd )
– Willst doch zu uns gehören! Oder? – Zeig’s!
(schlägt ihm auf die Schulter und zeigt auf OFFIZIER ) ( die übrigen weichen erschreckt aus der Schusslinie) ( MÜLLER schießt nach kurzem Zögern auf OFFIZIER) ( FRIEDBAUER nickt betont zufrieden und tritt nach hinten zurück )

OFFIZIER ( im Sterben zu dem fassungslosen ALTEN MANN, leise ): ... ist es nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorübergehe, ich trinke ihn denn...
( GRETE hält ihm hilflos die Hand ) ( OFFIZIER stirbt )

BRENNERIN ( verzweifelt ): Oh Gott!

ALTER MANN ( erschüttert ): Herr, vergib ihnen...

( ALTER MANN nimmt OFFIZIER in den Arm. )
( MÜLLER lässt erschrocken die Pistole fallen. Die übrigen blicken ihn unsicher an )

 

 

 

3.Akt. 15.Szene

Vorige. Drei Bewaffnete kommen herein.

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BEWAFFNETER ( drängt die Leute zur Seite ): Platz da! – Der Fürstprobst schickt uns!

FRIEDBAUER ( laut ): Gott sei Dank! Jetzt herrschen wieder Recht und Ordnung!
– (ungehalten zu den anderen ) Geht doch zur Seite, Leute!
– ( zu den Bewaffneten, deutet auf ALTER MANN) Wenn ihr den Juden sucht ...!
( Die beiden anderen Bewaffneten binden sofort ALTER MANN )
- ( deutet auf BRENNERIN ) Die ist mit dem im Bunde!
( Ein Bewaffneter fast die Brennerin am Handgelenk und zieht einen Strick hervor )

GRETE ( schreit auf ): Mutter! Nein!

FRIEDBAUER (zu den Bewaffneten, verächtlich): Die nehmt gleich mit! - Das gleiche schlechte Blut!
( Er will abgehen ) ( Landvolk sieht den Bewaffneten wie gelähmt zu )
( FRIEDBAUER fällt das schließlich auf. Weit hinten dreht er plötzlich um,
tritt vor an die Rampe, auf OFFIZIER und MICHAEL deutend, selbstgefällig )
Du rackerst dich kaputt und so Gesindel fackelt es uns nieder! – Als hätte Fleiß nie was gegolten! - Wir sind nur Vieh und das die Schlächter! - Dass ihr's wisst!

( Stapft nach hinten. Beim Stichwort 'Fleiß' wird seine Ansprache von verschiedenen Seiten aus dem Zuschauerraum bedächtig drei, vier Mal beklatscht )

 


ENDE

 

 

 

Zu den literarischen Arbeiten von Wolf-Alexander Melhorn

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