Die Bürgeranhörung der Martha J.

 

Kammerspiel in 4 Akten

von
Wolf-Alexander Melhorn

 

4. Akt

1.Szene  

( Szenenstellung wie vorher )

 

MARTHA ( sehr besorgt ): Ich weiß nicht … - Das mit Kurt… - Gefällt mir gar nicht

 

HUBERT ( etwas ungehalten ): Bitte, Mutter…– Er will doch nur ein wenig ruhen. - In seinem Alter doch nicht ungewöhnlich.

ERIKA ( beruhigend ) : Denk ich auch, Mutter …

 

MARTHA ( , nachdenklich, besorgt ): Kurt ist nicht mehr sehr robust …

 

HUBERT ( ungehalten ): Aber er sagte doch, es sei der Kuchen …

 

MARTHA ( erregt ): Hubert, Du weißt, das hat ihn mitgenommen… - Dass ihr uns droht und so …

 

HUBERT (gereizt ): Jetzt t sind wir noch schuld daran … ( sieht ERIKA entrüstet an )

(  Pause )

MARTHA (bekümmert ): Sag’ ich doch nicht …

( . MARTHA nach Pause verbittert   )

Ihr wartet nicht mal ab, bis wir von alleine sterben …

 

ERIKA ( aufgebracht ): Also wirklich …!

( MARTHA winkt enttäuscht ab; ERIKA vorwurfsvoll )

 I h r   habt doch schließlich angefangen! - Seid los auf uns und kamt vom Hundertsten ins Tausendste… - Dann muss er auch was einstecken können!

 

HUBERT ( ärgerlich ): Der war immer gegen uns...

( MARTHA  verständnislos ) (

Hat er Dir natürlich nicht erzählt, Mutter ... um Euer trautes Glück nicht zu gefährden … - Dein Kurt hat bei den Roten früher kräftig mitgeprügelt,…um die verhasste Bourgeoisie zu stürzen !  – Und dafür steht der heute noch …!

 

MARTHA ( aufgebracht): Woher willst Du das wissen ... 

HUBERT ( kühl ) : Ich muss ja schließlich wissen, mit wem Du Umgang hat, wenn ihr hier solchen Wirbel macht… ( geringschätzig ) Glaubst Du wieder nicht …Ich weiß... -  ( gelangweilt )  Könnte ich beweisen, Mutter. - Bei uns kann keiner die Vergangenheit vertuschen …!

(PAUSE)

ERIKA ( ablenkend , aufgebracht ): Wir seien Schuld an seinem Unwohlsein....- Das ist nicht fair!

 (PAUSE)

HUBERT ( ungnädig ): Bist wirklich schwierig geworden, Mutter! - ( verständnisheischend  ERIKA anblickend) Warst früher doch nicht so …

 

MARTHA  ( bekümmert, entschuldigend ): Das ist für Kurt nun mal die letzte Heimstatt, das Spital… - Er hat solche Angst, hier raus zu müssen …

 

ERIKA ( ärgerlich ) : Herr Gott…– Du wolltest doch, dass er dabei ist!

 

HUBERT ( bringt ERIKA mit einer Handbewegung zum Schweigen, betont freundlich zu MARTHA): ‚Letzte Heimstatt’ … - Das ist doch wohl zu eng gesehen, meinst Du nicht? -  Du bist doch auch erst umgezogen … Der Mann ist zudem rüstig und vital… -  Hat er doch auch bewiesen, im Gespräch. 

 

MARTHA (leise ):- ( bitter ) : Wieso maßt ihr euch nur an, uns alles vorzuschreiben? -  Zu bestimmen, was ich will… -  Und dabei solche Angst verbreitet… - Nur weil es euch gerade nutzt!

 

Hubert ( freundlich, entschieden ): Fang’ jetzt nicht wieder davon an…

 

MARTHA ( unbeirrt fortfahrend ): …und das bei Menschen, die es Euch … wenn auch jeder nur ein Stückchen … überhaupt erst möglicht machten, das zu werden, was ihr seid…!  – (halblaut ) Es gab Kulturen, in denen Alter etwas galt und Jugend nur Beweis für Stärke war…

( ERIKA  und HUBERT sehen sich wieder an, HUBERT  zieht genervt die Brauen hoch )

ERIKA ( versöhnlich ): Das bildest Du Dir alles ein, Mutter…

 HUBERT  ( steht auf, geht übellaunig umher ): Nichts als Streit … - Als hätte ich nicht schon genug Probleme!

(PAUSE )

Mein Gott…! -  Mich fragt doch auch nicht ständig einer, was ich fühle …!  - Wir tun das doch für eine gute Sache!

 

MARTHA ( fasst sich, dann sachlich ): Bitte keine Deiner Fensterreden, Hubert…- Ja…?

(PAUSE )

 - Weißt Du, was mich erschreckt ... an Dir, Hubert ? -  Wer Dich zum Gegner hat… den machst Du  unversöhnlich nieder …

 

ERIKA ( belehrend ): Mutter! – Wieso hat Hubert ‚Gegner’?

 

HUBERT  (verletzt):  Wenn es so wäre, Mutter - Würde mich dann einer wählen?

(PAUSE )

 – (eindringlich ) Versteh’  das doch…!   - Als Abgeordneter, da hänge ich von etwa 15 Leuten ab. - Gegen deren Willen kann ich nicht mehr kandidieren... – (gereizt) In den Landtag  muss ich aber…! - Oder hast Du mir beruflich etwas and'res?

( PAUSE )

( beschwörend ) Mich nimmt doch nur die Politik! - Nach dem Studium ging ich damals zur Partei und kam gleich in den Landtag! - Wenn ich jetzt vom Karussell gestoßen werde … nur wegen Deiner Schwierigkeiten, die Du uns politisch machst… - (winkt ab ) Nicht auszudenken! - Soll ich Jeanette und meinen Kindern sagen, ich hsei arbeitlos ? Wegen des Spitals? - ( entschieden) Ich darf aus der Partei niemand ernsthaft vor das Schienbein treten, Mutter…! – Begreifst Du das denn nicht? - Komm' bitte zur Vernunft!

 

MARTHA ( bekümmert ): Ach, Hubert … Immer die Partei…! - Und wo bleibst Du dabei?

( PAUSE )

HUBERT ( geringschätzig ): Was glaubst Du denn…? – Die Partei? Kümmert mich doch einen Scheißdreck, ! – Es sind nur diese fünfzehn, die das Sagen haben…  - Denen aber kriecht man in den Arsch...

( MARTHA sieht ihn erstaunt an ) ( HUBERT ungehalten )

Wo lebst Du, Mutter ? - Vielmehr, In welcher Welt…?  – Seit der Fünf-Prozent-Klausel bei den Wahlen leben wir nicht mehr in einer Demokratie, sondern in einer Oligarchie … also der Herrschaft weniger, die keineswegs die Elite uns'res Volkes sein müssen…

( Hubert nimmt ihre Hand, beschwörend )

Warum haben wir denn diese Hürde bei der Wahl? – Spinner aus den Parlamenten rauszuhalten? -  Nein! - Weimarer Verhältnisse vermeiden?  -Naiv! – Wir halten Demokraten ab…das Urgestein,  das schmerzhaft jenen Grüppchen auf die Füße fallen könnte, die diesen Staat in Wahrheit ganz allein regieren!  - ( spöttisch ) Du meinst, ich, Dein Sohn, sei ein großer Macher…? – Ich, Mutter, hänge ebenso am Tropf von ein paar Strippenziehern, wie alle andern ... und egal, wie hoch die jeweils stehen, im System!

 

MARTHA (entzieht ihm die Hand, verständnislos ):  Und für so was bist Du angetreten, Hubert ?

 

HUBERT (fasst sich, unwillig ): Das weiß doch keiner, Mutter …vorher! - Wir sehen uns zunächst doch alle als die großen Demokraten, obwohl schon längst für un ein paar die Strippen zogen.

 

MARTHA ( fest ): Dann steige doch endlich aus, Hubert..! . - Ist man sich das das nicht selber schuldig?

 

HUBERT ( winkr ab, gereizt ): Aus Moral? – ( bissig ) So lange wir nur etwas sind, wenn wir Erfolge haben, Mutter … wie immer die zustande kommen… bringt mich Moral auch nicht in Schwierigkeiten! - Moral wird in der Politiknur gepredigt... nicht gelebt! - Schaff’ Du erst neue Wertigkeiten, Mutter… Dann sprechen wir noch mal darüber… - (beiläufig) Auch wenn Dich das erschreckt… - In dem System sind wir gewachsen ... und ich kein Unhold, wenn ich darin lebe! - - Mutter! – Politik ist Kompromiss ... Der Preis der Machterhaltung! -  Was nicht bedeutet, dass die Falschen diesen Staat regieren …Wir haben  all das nicht erfunden! - (spöttisch) - Der Steuerzahler liefert uns ja auch das Spielgeld… -Wir haben alle nur ein Leben, Mutter und jeder muss die Karten spielen, die ihm ausgegeben...

 

MARTHA ( ratlos ): Du machst Dir das zu einfach, Hubert …

 

HUBERT  ( entschieden ): Nein, Mutter… - Das  i s t  so einfach! –

( aus der Ferne nähert sich ein Martinshorn )

  

MARTHA  ( bitter ): Was hab’ ich bloß aus Euch gemacht … ?

 

ERIKA ( trotzig ): Erfolgreiche Bürger, die sich um das Gemeinwohl kümmern, Mutter …!  – ( spitz ) Und nicht nur an sich selber denken…!

 

HUBERT ( abweisend ): Um dem das noch hinzuzufügen… - Auch nichts, was ihr nicht selber so mal haben wolltet…! – Du und Vater! -  Hast Du vergessen, dass er zu sagen pflegte: Hart werden und es bleiben!

 

 

 

 

4.AKT

2.Szene 

( Es klopft. Eine Frau eilt herein )

 

FRAU: Schnell, Frau Jetter…!

 

MARTHA ( ahnend ) : Um Himmels Willen…! Kurt…?

 

FRAU: Der Notarzt ist schon bei ihm…! -  -  Er will sie nochmals  sprechen…!

 

( FRAU und MARTHA eilen aus dem Zimmer )

 

 

 

 

4.AKT

3.Szene  

( ERIKA betroffen. HUBERT steht auf )

 

HUBERT  ( sachlich ): Dann bin ich jetzt ja überflüssig…

 

ERIKA ( streng ): Du könntest ruhig warten, bis sie wiederkommt! 

 

HUBERT ( ärgerlich ): Das kann dauern, wenn der Notarzt da ist…- Ich habe meine Zeit doch nicht gestohlen!

 

ERIKA ( streng ):  Es geht um Mutter, Hubert! -! – (eindringlich) Siehst  Du doch, wie wichtig Du ihr bist…Mama's Liebling…! - Deshalb solltest Du ja kommen, Hubert ... - (verdreht theatralisch die Augen)  Wenn Franz gekommen wäre... - Lieber Himmel!

 

HUBERT ( genervt ):  Ja, ja ...

(PAUSE, dann übellaunig )

Der könnte aber wirklich auch was tun Erikal - Der profitiert davon doch am meisten…

 

ERIKA  ( kritisch ):  Wie meinst Du das?

 

HUBERT ( zögert erstaunt, dann amüsiert ): Jetzt aber …! -  Erika! – Eure Firma, die verdient doch immer kräftig mit ...! – ( aufzählend )  Umbau des Spitals… - Die Altenwohnungen… - Und der neue Pflegetrakt ans Schönbornhaus…

ERIKA (trocken): Und Deine Aufsichtsräte? . - Bingt das nicht auch genug?

HUBERT ( grinsend ); Schon vergessen, Erika? - Beim Bau von ‚Preisbewusst’… da sahnt Dein Franz erst richtig ab! – (grinst breit ) Man könnte richtig neidisch werden …

 

ERIKA ( unverständig ): Was ist das … - ‚Preisbewußt’…

 

HUBERT (lacht auf ): Ganz schön verschwiegen, mein Schwager! - - ( grinst ) Hat Dir nichts gesagt? – Recht so! – Klagen, wenn nichts weh tut und schweigen, wenn die Gelder fließen… - (grinst) Solltest Dich wohl nicht verplappern …

 

ERIKA ( ungehalten ): Was soll das, Hubert ? – So kannst Du Deine Frau behandeln …

 

HUBERT ( zögert kurz, dann knurrig):  Aber nur, weil Du es bist, Schwesterchen ...! – Und zu niemandem ein Wort darüber ! – Auch nicht Franz…– Muss ja nicht wissen, was ich Dir so stecke! - Klar?  

(ERIKA nickt nachdrücklich ) ( sachlich )

Preisbewusst …!  - Den Laden kennst Du doch … - Vom Stopfei bis zum Fertighaus… -  Sechs Milliarden Umsatz jährlich …

( ERIKA nickt auffordernd )

Die wollten 1969 schon zu euch… - An eure neue Autobahn… -  Als die sich aber dann verzögerte, hielt sich auch Preisbewusst zurück. -  Nächstes Jahr kommt nun die Autobahn…!  -  Das Problem… auf der grünen WieseI lässt der Landesentwicklungsplan solche Mammutmärkte nun nicht mehr zu… !  - 'Preisbewusst kann folglich nicht mehr bauen…

 

ERIKA ( erstaunt ): Höre ich zum ersten Mal… von 'Preisbewusst'…

 

HUBERT ( nickt ): Gibt auch nur wenig Eingeweihte …

 

ERIKA ( verblüfft  ): Ja…- Und? – Weiter!

 

HUBERT  (locker ): Na ja…-  Der Boss von 'Preisbewusst' kennt wiederum den ‚Chef’…- Vom Golfplatz… - Preisbewusst gab der Partei schließlich ihre Spende … - Kleine Raten und und auch Koffergeld ins Ausland …! - Und Träume werden Wirklichkeit  - (grinst) Preisbewußt knallt dem Städtchen 25 000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf die grüne Wiese... 

 

( PAUSE )

 

ERIKA ( fassungslos ) : Die ganze Stadt hat doch nur 50 000 Quadratmeter Verkaufsfläche! – Daran geht doch alles andere kaputt! - Was ist mit der 'Großen Rochade? - Die kommt doch auch noch!

 

HUBERT ( zuckt mit den Achsel): Ein Ablenkungsmanöver...

 ( ERIKA sieht ihn entgeistert an ) ( HUBERT sachlich )

Also, gut …! -   Ich sag’ Dir, wie’s gelaufen ist!  - Rechtlich und politisch war der bestehende Flächennutzungsplan das Problem …! - Der musste dafür nämlich abgeändert werden. - Und so was dann die Nachbarstädte erst genehmigen. - Politisch niemals durchzukriegen, beim Kaufktraftsog von Preisbewusst auf die Region! Kein Bürgermeister könnte so was schadlos unterschreiben....

 ( nach Pause, betont )

Das war die Geburtsstunde eurer ‚Großen Rochade’! Als Ablenkung der Bevölkerung und zum Schutz der maßgeblichen Oberbürgermeister.

( ERIKA sieht ihn unverständig an ) ( spöttisch )

Mutter hat natürlich recht mit ihrem Einwand: Ein zweites Kaufhaus in der Innenstadt ist die schiere Dummheit...! – Das wissen auch die Nachbarstädte! – Nur zieht das denen keine Kaufkraft ab, sondern macht bei euch  den Handel nieder. – Zum Vorteil eurer Nachbarstädte…! - Als daher Dr. Schmidt … als Oberbürgermeister die Rochade haben wollte, rieb man sich anderswo die Hände...

 

ERIKA ( unverständig ):   Die Große Rochade liegt aber doch in der Innenstadt …! - Preisbewußt will auf die grüne Wiese…!

 

HUBERT ( grinst ):  Neben diesem Blödsinn mit der Großen Rochade, den Schmidt hier so medienwirksam durchgezogen hat, lief auch die Planung für das neue Industriegebiet. - Dort wies die Stadt ein großes Gartencenter aus … riesige Parkflächen und so …  - Und keiner hätte je daran gedacht, dort ein Superkaufhaus hinzusetzen!  – Kämpfte doch die Stadt mit allen Mitteln für die Große Rochade, so dass ein Gartencenter auf der grünen Wiese durchaus glaubhaft war. - ( spöttisch ) Dieser nützliche Idiot ... der Maier … dem gebührt fast schon das Landesverdienstkreuz für seine Stänkereien - (sachlich fortfahrend ) - Da in den Nachbarstädten dadurch jeder an die Planung eines Gartencenters glauben konnte, unterschrieben sie die Änderung des Flächennutzungsplanes.

ERIKA ( unverständig ): Aber Preisbewusst ist doch kein Gartencenter…

 

HUBERT ( überlegen ): Erika! - In diesen Plänen wird nichts verbindlich festgeschrieben, sondern ausgeschlossen. - Bleibt alles offen, kann auf das Grundstück dann Gartencenter oder Superkaufhaus…

( PAUSE )

ERIKA ( fassungslos) : Und die Millionenspende? 

 

HUBERT ( grinst ): Gibt schließlich nichts umsonst im Leben…

 

ERIKA ( zögernd ): Und das Regierungspräsidium?

 

HUBERT ( winkt ab, lässig ) : Segnet nächste Woche alles ab und 'Preisbewusst' kauft das Gelände…

( PAUSE )

ERIKA ( zögernd ): Das Spital war also immer nur das Bauernopfer…?

 

HUBERT ( aufmunternd ): Dafür gibt das Land zwei Drittel Zuschuss für das neue Rathaus, den Abau an das Schönbornhaus und noch 12 Altenwohnungen…

- (beschwörend)

Aber…wie gesagt … Erika! – Kein Wort.! - Die hacken mich in Stücke…! - Erzähle Dir das nur, dass Du Zwänge kennst, die mir hier auferlegt.

 

ERIKA ( nickt ) : Und Normenkontrollklagen …?

 

HUBERT ( winkt ab): Würgt das Regierungspräsidium dann für uns ab…! - Und um den Landesrechungshof... Da mach' Dir gleichfalls keine Sorgen...

 

ERIKA ( betroffen ): Und hier geht alles jetzt kaputt…Die Gutachten... Expertenanhörungen … - Alles inszeniert ?

 

HUBERT ( gelassen ): Fang’ Du nicht auch noch an, wie Mutter … - Später kräht kein Hahn nach einem alten Laden an der Ecke…

( eindringlich )

Soll ich für einen solchen Scheiß meine Karriere wegschmeißen? - Wach auf, Mädchen!  - Wir sind in Deutschland.! -  Kein and'rer Staat der Welt wird von Parteien so beherrscht, wie wir! – Und glaube mir... der Chef spielt nach den gleichen Regeln !  - Nur eine Liga höher!

 

ERIKA ( nachdenklich ): Das wird aber Ärger geben…!

 

HUBERT  (gelassen):  Krieg’ Dich wieder … - Die wenigsten Akteure waren eingeweiht.  – Die andern glaubten, wir wollen nur die Große Rochade…

 

ERIKA ( zögernd ): Und wenn die platzt …?  

 

HUBERT ( lächelt ): Die Rochade? - Die bleibt natürlich ... offiziell. - Nur wird sich für ein Kaufhaus eben keiner finden, wenn Preisbewusst sich niederlässt... - Bleibt an niemand also groß was hängen…Nicht mal an eurem Dr. Schmidt…- Der wird dafür zum Oberbürgermeister einer großen Stadt gemacht.

ERIKA ( sachlich ): Das Spital kann dann doch bleiben ...

HUBERT ( fest ): Hier muss das neue Rathaus rein…! - Schließlich müssen wir doch den Beteiligten etwas bieten in Millionenhöhe …!  - ( grinst ) Wie etwa Deinem Franz …   Sonst platzt womöglich alles auf!

( PAUSE )

ERIKA ( trocken): Ich komme mir schon reichlich dämlich vor, Hubert.

 

HUBERT ( wohlwollend ): Unsinn, Kleines … - Wovon reden wir die ganze Zeit ? – Dass wir geschobene Figuren sind… – Spieler sind ganz andere!

( besorgt, eindringlich )

Deshalb nochmals…– Die Sache ist für Sterbliche gefährlich! – Beiße niemals in die Hand, die füttert! - Hilf' mir, das hier in Kürze abzuwickeln. Die ... in ihrer Kleinkariertheit fährt uns mit Vollgas in die Seite!

( nach kurzer Pause ungnädig, deutet dabei umher  )

Was meinst Du wohl, warum ich das mit ihr ertrage ?

( PAUSE )

ERIKA ( zögernd ): Franz.. - Wusste auch davon?

 

HUBERT  ( nickt ):  Der ist als Stadtrat schließlich einer von den Meinungsmachern! - Der und Dr. Mack, euer Fraktionsvorsitzender...– Die hätten uns sonst sauer fahren können, mit Stimmungsmache gegen die Rochade…

 

ERIKA ( nachdenklich ): Und in den anderen Parteien?  

 

HUBERT ( nickt ): Zwei oder drei… - Mehr nicht! – Die eben nützlich sind … zur Stimmungsmache!

 

ERIKA ( neugierig geworden ): Wie habt ihr die gekauft…?

 

HUBERT ( lacht ): He… ! - Ehrenmänner kauft man nicht!

 

ERIKA ( trotzig): Nichts gibt's umsonst!! - Hast Du vorhin selbst gesagt…

( PAUSE )

HUBERT ( lächelt, nach kurzem Zögern ):  Alles ganz legal ! -  Beamte sind ja kein Problem! – Selbst wenn die mal was ahnen, setzt sich von denen keiner in die Nesseln, wenn von oben die Signale kommen …! – Und Freiberufler schreiben für uns hoch bezahlte Gutachten, die später im Papierkorb landen... oder erwerben zufällig günstige Grundstücke … – So sind nun mal die Regeln…- Handwerker sind sowieso für die ‚Rochade’ kommt…!

( PAUSE )

ERIKA ( besorgt ): Wenn das mal gut geht, Hubert …

 

HUBERT ( winkt ab  ): . Da steht der Chef dahinter! – Also muss und wird es laufen …! – ( ärgerlich ) Deshalb stinkt mir das ja  so mit Mutter…! – Die und der Maier  sind die Schlimmsten, sagen Mack und Schmidt! - Deren Sturheit t könnten unsern Plan gefährden! - (böse) Und wenn der Chef davon erfährt … - Ich sitze schließlich nicht im Sattel, wie der Schmidt…! – Der bleibt OB, egal, ob er die Stadt fast ruiniert…- Hat er schon keinen Gegenkandidaten bei der nächsten Wahl... – Wer will schon seinen Pleiteladen übernehmen, solange wir den dann nicht fallen lassen?

(PAUSE)

ERIKA ( plötzlich entschlossen ): Verstehe …! - Mutter muss hier raus!

 

Hubert ( nickt, nachdrücklich ): Schnell und ohne Medien !

( PAUSE )

ERIKA ( nachdenklich ): Lass ihr einfach ihren Kurt …!

 

Hubert (unwirsch): Ich muss an meine Wähler denken…! – Sexualität dient nur der Zeugung, Erika ! - Schon vergessen ? – Bei Jungen ... Ja. … - Doch bei so Alten?  - Die haben sich weit ins Licht geschoben. - Ich kann es mir nicht leisten, in meinem Wahlkreis womöglich noch die Kirche zu verärgern..– Nur weil sie ihren zweiten Frühling hat …

 

ERIKA ( eindringlich ): Da ist doch nichts, Hubert… - Hat sie mir selbst gesagt!

 

HUBERT ( mit einer Handbewegung ): Dann hat sie Dich belogen! -   Ich weiß es besser!

( entschlossen )

Nein! – Mutter geht ins Schönbornhaus und er kommt irgendwo aufs Land…! - Alles schon geregelt!

(PAUSE )

( entschlossen ) - Und wenn sie weiterhin nicht kuscht, bekommt sie vom Gericht in dieser Frage einen Pfleger, weil sie ersichtlich nicht mehr in der Lage, ihre Interessen bestmöglich selber wahrzunehmen. - Ich habe das schon abgeklärt. Der Vormundschaftsrichter hat schon den passenden Gutachter. - ( lächelt ) Als Justizstaatssekretär lässt sich da schon leichter etwas regeln.

( ERIKA sieht ihn erschrocken an. HUBERT übergeht das )

Insofern passt das jetzt auch gut, mit diesem Herzanfall vom Michelsen …– Ich sorge nachher gleich dafür, dass die ihn eine Zeit lang dort behalten, in der Klinik. -  Danach ein paar Wochen REHA … - Bis Mutter eben umgezogen ist …! – Dann weisen sie dem etwas zu und fertig …!

 

4.AKT

3.Szene 

( MARTHA kommt zurück. Setzt sich erschöpft )

 

HUIBERT ( fürsorglich ): Was ist denn mit Herrn Michelsen?

 

MARTHA ( bekümmert ): Sieht böse aus …

 

ERIKA ( streichelt sie ): Das wird schon wieder, Mutter… -  Keine Sorge …!

( PAUSE )

 

HUBERT  ( sieht ERIKA bedeutungsvoll an und steht ächzend dabei auf ):  ch habe noch gewartet, bis Du wiederkommst. – Jetzt heißt es eben warten …! - Du solltest Dich jetzt wirklich gleichfalls schonen, Mutter… I

 

MARTHA ( abwesend ): Danke Dir, mein Junge …

 

HUBERT  (  tätschelt dabei ihre Schulter ): Wir sind schließlich eine Familie, Mutter … - Das …bitte… solltest Du jetzt gleichfalls nicht vergessen!

( PAUSE )( HUBERT zieht seinen Mantel an )
( beiläufig, freundlich )

Das mit Deinem Umzug geht dann klar…! -  Und Herr Michelsen? - Zunächst mal … grüße ihnb von mir. – Ich wünsche ihm Genesung.– Sag’ ihm das, bitte!Ja? – Er soll erst mal wieder auf die Beine kommen …- Ich werde dafür sorgen, dass er alle Pflege zukommt, die er jetzt braucht! – Versprochen…

( MARTHA nickt dankbar )

Sag’ ihm das… - ( HUBERT lächelt herzlich,versöhnlich ) Auch wenn Du das nicht hören magst… - Aber wozu hat man schließlich die Beziehungen…

 

( MARTHA ergreift dankbar seinen Arm. HUBERT macht sich sehr behutsam frei, küsst sie freundlich auf die Haare, nickt ERIKA knapp zu und geht ab )

 

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ENDE

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