Katholische Kirchengemeinde nach Gespräch mit OB Schultes:

Große Bedenken gegen Prioritätensetzung

Kaufhaus vor dem Wohl der alten Menschen

ELLWANGEN (kgde). „Ein Staat, eine Stadt, ein Gemeinwesen ist so gut, wie es mit seinen schwächsten Gliedern umgeht". Dieses Zitat stellte der Zweite Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde, Alois Müller, an den Anfang der gemeinsamen Aussprache mit OB Dr. Schultes in Sache „Jahrhundertentscheidung" in Ellwangen, Verwendung des Altenheimes der Hospitalstiftung als Rathaus. Die Ursache, daß die Katholische Gesamtkirchengemeinde diesem Thema breiten Raum einräumt, sind eine Vielzahl besorgter Anfragen an die Kirchengemeinde und die Aufforderung vieler Bürger, Stellung zu diesem Thema zu beziehen.

In seinen Ausführungen bestätigte Dr. Schultes entgegen teilweise in der Öffentlichkeit aufgekommener Unmutsäußerungen, daß es gerade eine Aufgabe der Kirchengemeinde ist, sich mit der Nutzungsänderung des Spitals einschließlich der daraus resultierenden Folgen zu beschäftigen. Schultes erläuterte nochmals umfassend, weshalb die bekannten Großprojekte -  Kaufhaus, Verwendung des Hospitales als Rathaus ‑ zum Vorteil Ellwangens seiner Meinung nach die einzigste Zukunftsalternative darstellen. Der Großteil seiner Ausführungen beschränkte sich dabei auf die Notwendigkeit einer Kaufhausansiedlung in Ellwangen. Dem Kaufkraftabfluß ‑ 50 Prozent des Grundbedarfs werden z. Zt. in Ellwangen nicht abgedeckt, so OB Schultes, könne nur durch eine Stärkung der Innenstadt, der Ansiedlung eines Kaufhauses entgegengetreten werden. In diesem Punkt liege die Stadtverwaltung in völliger Übereinstimmung mit dem Handels‑ und Gewerbeverein. In der Diskussion wurde deutlich, daß die gesamten Vorhaben der Stadtverwaltung im Detail noch nicht ausgereift sind. Oberbürgermeister Schultes wies darauf hin, daß die Stadtverwaltung bisher lediglich die Fragen, die der Stadtrat an die Verwaltung herangetragen hat, einer Überprüfung unterzogen hat. Das Ergebnis dieser Überprüfung kann lediglich als Vorentwurf baulicher und finanzieller Art bezeichnet werden; ein Planstadium sei noch nicht erreicht.

Große Bedenken wurden gegen die von der Stadtverwaltung vorgenommene Prioritätensetzung, Vorrang des Kaufhauses vor dem Wohl alter Menschen, angemeldet. Die Verlagerung der Altenheimplätze des Spitals in das Schönbornhaus führt zu einer Isolierung dieser Heimbewohner. Die Stadt Ellwangen sollte sich deshalb glücklich schätzen, ein derartiges Haus im Zentrum zu haben. Als Beispiel dafür wurde angeführt, daß viele Leute nach Erledigung ihrer Einkäufe wegen der Zentralität des Spitals bereit sind, Bekannte oder Verwandte aufzusuchen. Dies wird mit Sicherheit bei Verlagerung der Heimplätze wegen der Randlage des Schönbornhauses nicht mehr gegeben sein.

Nach den Planungen wird der Verlust der Altenheimplätze des Spitals nur teilweise durch den Anbau am Schönbornhaus aufgefangen werden können. Tatsache jedoch ist, daß trotz eines statistischen Überhangs an Heimplätzen in Ellwangen ein tatsächlicher Bedarf vorhanden ist, wie eine Nachfrage in den verschiedensten Heimen bestätigte. Die Feststellung von OB Schultes, daß im Pflegeplatzbereich ein weitaus größerer Bedarf besteht, wurde nicht bestritten. Nach Auffassung des Kirchengemeinderats könnten jedoch diese ebenso im Spital als sinnvolle Ergänzung zu Altenheimplätzen geschaffen werden. Alte Menschen, die auf der Suche nach einem Altenheimplatz sind, orientieren sich in erster Linie an der Umgebung, die sie zu Hause hatten.

Deshalb gewinnt ein auf modernstes Niveau ausgestattetes Altenheim nicht immer den Zuspruch alter Menschen. Bei der Aussprache wurde auch offenkundig, daß das Altenheim der Hospitalstiftung nach dem Stiftungszweck nicht für den Stadtbereich Ellwangen allein, sondern für den gesamten Einzugsreich geschaffen wurde. Dieses Belegungsrecht wurde zwar abgelöst, doch spiegelt die Zusammensetzung des Stiftungsbeirates heute noch diese Gegebenheit wider. Altenwohnungen in der Innenstadt stellen keine Ersatzlösung für den Verlust der Altenheimplätze des Spitals dar. Ein tatsächlicher Bedarf kann durchaus bestehen, jedoch nicht für die jetzigen Altenheimbewohner. Wesentlich höhere Pflegesätze sind die Ursache dafür. Dies wurde auch von OB Schultes anerkannt.

Auf die besorgte Anfrage, ob die geplanten Altenwohnungen vor oder nach der möglichen Spitalauflösung geschaffen werden, meinte der OB, daß er sich es nicht vorstellen könne, „zuerst zu räumen und dann zu bauen". Unklar blieb, weshalb bei einer Sanierung des Spitals die Städtebaufördermittel nur in beschränktem Maße für den denkmalpflegerischen Bereich (Fassadenanstrich, Fenster) fließen, während bei einer Nutzung für Verwaltungszwecke diese Mittel für die gesamten Modernisierungsmaßnahme gewährt werden.

Bei der Aussprache mit dem Stadtoberhaupt wurde deutlich, daß in der Bevölkerung noch ein großes Informationsdefizit besteht. Deshalb kam auch aus den Reihen des Kirchengemeinderates die Anregung, in diesem wichtigen Entscheidungsprozeß die Bürger in Form einer Bürgerversammlung mit einzubeziehen. Auch nach zweistündiger Aussprache blieben die vorgebrachten Bedenken bestehen.