Stadtverwaltung stellt zum Spitalerwerb klar:

Es geht um die Zukunft der Stadt, nicht um irgendwelche Kaufhausinteressenten

ELLWANGEN (ij). Bei dem geplanten Erwerb des Spitalgebäudes geht es keinesfalls darum, irgendeinem Kaufhausinteressenten zur Niederlassung zu verhelfen, sondern es geht wesentlich und vor allem um die Zukunft der Stadt. Darauf weist die Stadtverwaltung nochmals ausdrücklich hin und betont, daß die geplanten Maßnahmen der Gesamtbevölkerung zugute kommen sollen. Wenn bei einer Verwirklichung der Pläne die Spitalbewohner in andere Heime umziehen müßten, so könne und müsse dies in angemessener und rücksichtsvoller Weise erfolgen. 

Den Sachverhalt in Sachen „Spitalerwerb" stellt die Stadtverwaltung folgendermaßen dar: Will die Stadt Ellwangen ihre alte Stellung als Mittelpunkt eines großen, weitgehend ländlich strukturierten Umfeldes zurückgewinnen, so muß sie auch als Einkaufsstadt wieder attraktiv werden. Dies ist sie derzeit ganz offensichtlich nicht, wie der weit überdurchschnittliche Kaufkraft­abfluß der Stadt beweist. Neben einer Stärkung des Einzelhandels ist daher die Ansiedlung eines Kaufhauses notwendig. Daß an­dere Städte die gleiche Meinung vertreten,zeigen Kaufhausprojekte etwa in Aalen oder in Crailsheim. Ein Kaufhaus nützt der Stadt aber nur dann etwas, wenn es auch dem Einzelhandel Vorteile bringt. Diese Vorteile kann der Einzelhandel jedoch nur haben, wenn das Kaufhaus möglichst nahe beim Zentrum der Fachgeschäfte, nämlich in der Innenstadt angesiedelt ist.

Ein Kaufhaus auf der „grünen Wiese" würde dagegen zu einer Schwächung des Einzelhandels führen und würde daher besser gar nicht gebaut. Als Standort für ein Kaufhaus in der Stadtmitte bietet sich der Bereich um das Rathaus an, weil hier die erforderlichen Freiflächen zu einem großen Teil bereits vorhanden sind. Ein anderer, gleichermaßen geeigneter Standort in der Innenstadt, der dazu noch die Vorzüge der Zentralität hat, ist derzeit nicht vorhanden. Die Ansiedlung eines Kaufhauses im Bereich um das Rathaus bedeut aber freilich, daß die Dienststellen der Stadtverwaltung verlegt werden müssen.

Die Stadtverwaltung ist deshalb auf die Spitalstiftung zugegangen und hat mit ihr wegen eines Erwerbs des Spitalgebäudes verhandelt. Sie hat dabei große Verhandlungsbereitschaft gefunden, die sicherlich damit zusammenhängt, daß das Spitalgebäude in einem Zustand ist, den die Spitalverwaltung nur mit erheblichen Investitionen verbessern könnte. Hinzu kommt, daß diese Investitionen von seiten des Landes nur dann gefördert werden könnte, wenn es sich bei dem Spitalgebäude um ein Pflegeheim handelte.

Es besteht nämlich in Ellwangen ein Überhang an Altenheimplätzen  ‑ nur 24 von 60 Spitalbewohnern stammen aus Ellwangen ‑ so daß die Sanierung des Spitals als Altenheim gar nicht förderungsfähig wäre. Aber auch bei einem Umbau des Spitals zum reinen Pflegeheim würden sich ganz erhebliche bautechnische und finanzielle Probleme ergeben. Ob es im Spital nicht auch ohne die Pläne der Stadt bald keine Altenheim‑ und Pflegeplätze mehr geben wird, ist also eine berechtigte Frage.

Zu beweifeln ist auch, ob für ein reines Pflegeheim der jetzige Standort des Spitals der richtige wäre. Pflegebedürftige alte Menschen sind meist bettlägerig. Sie können, anders als Altenheimbewohner, aus den Vorzügen eines zentralen Standortes leider keinen großen Nutzen ziehen. Hier muß man sich vielmehr fragen, ob der ruhigere Standort am Schönbornhaus für diese Mitbürger nicht der richtige wäre.

Bei einem Verkauf des Spitals durch die Hospitalstiftung würde diese Stiftung weder ihren Stiftungszweck noch gar ihre Existenz verlieren. Sie hat dies auch nicht dadurch verloren, daß sie den Spitalgebäuden Anfang der 70er Jahre das Schönbornhaus am Budenberg hinzufügte. Vielmehr würde das Spital am Buchenberg weiterexistieren.

Bei einem Kauf des Spitals und dem Einbau des Rathauses in dieses Gebäude könnten im übrigen die bisher in sechs Gebäuden verstreuten Dienststellen der Stadt im Spital zusammengefaßt werden. Ohne Zweifel würde dies organisatorische und auch finanzielle Verbesserungen im Betrieb der Stadtverwaltung mit sich bringen.