Missbrauch, Manipulierbarkeit und Versagen von Kommunalparlamentarismus
Die Notwendigkeit von mehr direkter Bürgerbeteiligung
durch vereinfachten Bürgerentscheid

Zeitungsausschnitt 045 zum Leitartikel: "Manipulierbarer Kommunalparlamentarismus"

Die bleibende Aktualität dieses Bürgerbegehrens von 1986 ergibt sich aus dem heute offensichtlichen Gegensatz von Versprechen und Wirklichkeit. Die "Große Rochade" in Ellwangen beweist die Schwäche der gegebenen Demokratieregeln! Unbeirrbar manipulierten Wenige eine Stadt, 'verpulverten' letztlich unsinnig viele Millionen Mark an Steuergeldern und dies in Wahrheit nur, um zum Schaden der Ellwanger Innenstadt auf 'der grünen Wiese' ein Kaufhaus mit 24 000 Quadratmetern Verkaufsfläche möglich zu machen, das zur damaligen Zeit eigentlich nicht mehr genehmigt werden durfte.

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Dienstag, 15. April 1986 Seite 17

 

Zur Auflösung des Ellwanger Spitals

Das kann, darf, muß nicht sein, denn aus der Perspektive der Wissenschaft (Gerontologie = Alternsforschung) ist die Verlegung der Heimbewohner bzw. die Auflösung des Spitals als Altenheim in mehrfacher Hinsicht höchst problematisch:

• Mit zunehmendem Alter nimmt die Umstellungsfähigkeit der Menschen in der Regel ab; jede Veränderung, vor allem aber, wenn sie negativ erlebt wird, erfordert zunehmend mehr Energie und ist schwerer zu verkraften als in jüngeren Jahren. Die Volksweisheit, daß man „einen alten Baum nicht verpflanzen" soll, ist heute längst wissenschaftlich untersucht und bewiesen.

• Die Folgen solcher Veränderungen können schwerwiegende seelische und körperliche Störungen bis hin zum Tod sein! Solche Störungen können sich u. U. erst Monate nach dem eigentlichen Ereignis zeigen und werden von der Umwelt gar nicht mehr in Verbindung mit dieser Ursache gebracht, so daß die Verantwortlichen dieser Ursache meist nie zur Rechenschaft gezogen werden.

• Die heutige Tendenz in der Planung von Alten‑Einrichtungen geht deshalb längst weg vom dreifach gegliederten Unterbringungs‑Komplex „Altenwohnheim ‑ Altenheim ‑ Pflegeheim", wo der Mensch im höchsten Lebensalter gezwungen wird, drei verschiedene Wohn‑ und Lebensformen durchzumachen. Die Tendenz geht heute längst dahin, für den alten Menschen Einrichtungen zu schaffen, wo er ohne Wechsel bis an sein Lebensende wohnen, leben und gepflegt werden kann.

• Schließlich bestätigen die langjährigen Forschungsarbeiten des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, Köln, daß Alteneinrichtungen nicht mehr„ draußen im Grünen" gebaut werden sollen, sondern in möglichst zentraler Ortslage. Hier hat der alternde Mensch die Möglichkeit, seine in Jahrzehnten gewachsenen Bindungen aufrecht zu erhalten, lebensnotwendige Anregungen von draußen zu empfangen und selbst bei eingeschränkter Mobilität soziale Kontakte und bisherige Gewohnheiten (Kirchgang, Marktbesuch, Einkäufe, Schwätzchen mit früheren Nachbarn usw.) beizubehalten.

Wer sich als Bürger in dieser Frage nicht klar engagiert, der akzeptiert, daß alte Menschen, zu denen auch er früher oder später gehören wird, die Gruppe der Bevölkerung bleiben, auf deren Rücken in aller Ruhe vielleicht rationelle aber dennoch un‑menschliche Entscheidungen getroffen werden.

Schließlich sollte auch der Gesichtspunkt der„ Rentabilität" des jetzigen Spitals als Altenheim nicht dazu verführen, Auflösungspläne zu rechtfertigen: Rentabel ist eine wirklich angemessene Versorgung von Mitbürgern, die Hilfe brauchen, nie.

Wenn die Politiker einer Gesellschaft ihre soziale Verantwortung, für die sie das Mandat der Bürger haben, in erster Linie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen, fordern sie heraus, daß ein solches Vorgehen auch vom einzelnen Bürger nachgeahmt wird: letztlich wird dann keiner mehr Kinder in die Welt setzen, denn wirtschaftlich rentabel ist das für die Eltern ganz sicher nicht!

Frau Dr. Xenia Vosen‑Neersö,
Gerontologin, Aalen (Mitglied d. Deutschen Gesellschaft f. Gerontologie)