Bürgerversammlung in der Ellwanger Rundsporthalle

„Heiße Eisen" ‑ Spital ‑ Rathaus – Kaufhaus

  Die Meinungen prallten hart aufeinander

ELLWANGEN (wm). Rund 1000 Bürger der Stadt Ellwangen waren am Freitagabend aufmerksame Zuhörer der kontrovers geführten Diskussion über die sogenannte „Rochade" (wir berichteten bereits kurz darüber). Oberbürgermeister Dr. Schultes erstattete einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über die Bestrebungen der Stadtverwaltung und die Beschlüsse des Gemeinderats in Sachen Rathaus, Kaufhaus, Hospital. Daran schloß sich eine rege Diskussion an.

Josef Kurz jun. ergriff als erster das Wort und richtete an den Oberbürgermeister die Frage, warum er erst jetzt, nach der Grundsatzentscheidung des Gemeinderats, eine Bürgerversammlung einberufen habe. Der OB habe zurecht von einer Jahrhundertentscheidung gesprochen. Darum sei ihm der Vorwurf zu machen, daß der Bürger nicht ins Vertrauen gezogen worden sei. Kurz führte weiter aus, das Schönbornhaus befinde sich zwar in schöner landschaftlicher Umgebung, aber seine Lage sei für ältere Menschen katastrophal, weil der Hang einfach zu steil sei. Deshalb müsse das Spital weiterhin bleiben; die Innenstadt könne man auch ohne Kaufhaus beleben und „Superriesen" seien der Tod des Einzelhandels.

Stadtplaner Stoll wies darauf hin, daß das Hospital im Falle einer Weiterverwendung notwendigen Umbaumaßnahmen unterzogen werden müsse. Das Problem liege u. a. in der Feuersicherheit: Die Gänge seien zu schmal, so daß im Gefahrenfall keine pflegebedürftigen Personen mit ihren Betten transportiert werden könnten. Zudem seien die sanitären Anlagen in schlechtem Zustand und veraltet. ‑ Auch andere Diskussionsredner bestätigten, daß das Spital „nicht' gerade das Gelbe vom Ei" sei.

Dr. H. Grupp ging auf den geschichtlichen Werdegang des Spitals ein; dieses sei eine der traditionsreichsten Stätten der Stadt. Es habe das Gesicht eines Hospitals, nicht eines Rathauses. (Bürgermeister Dr. Dieterich dazu: Das Haus war wahrscheinlich bis 1866 Krankenhaus, zwischendurch waren auch Schulklassen darin untergebracht.) Dr. H. Grupp bemängelte weiter, daß bisher kein Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden sei, um untersuchen zu lassen, was aus dem Spitalgebäude zu machen sei. Bei der finanziellen Seite gehe die Stadtverwaltung immer von Maximalforderungen aus.

Zur Frage der Finanzierung machte Stadtkämmerer Saupp folgende Ausführungen: Der Kaufpreis hänge von einer Schätzung ab; zwei Drittel desselben seien durch Zuschüsse von Bund und Land gedeckt. Jetzt gebe es auch eine Finanzierungsmöglichkeit für kommunale Vorhaben, aber nicht für die Sanierung des Hospitals. Weiter betonte Bürgermeister Saupp, ein Altenheim müsse sowohl Pflegebetten als auch Altenwohnungen haben; ein Heim mit Pflegebetten allein trage sich nicht.

Auch über das Thema Kaufhaus wurde heftig diskutiert. So wurden Fragen zum Kaufkraftabfluß, zur Frage der Finanzierungsmöglichkeit zu einem späteren Baubeginn, ob da die Mittel aus dem Sanierungstopf auch noch fließen, zur Verkehrsentlastung der Innenstadt usw. angesprochen. Die angeblichen 50 Prozent Kaufkraftabfluß bestehen nach einem Gutachten von 1978. Baubeginn für die „Rochade" müsse Ende 1987 sein. Man erwarte, daß durch die baldige Eröffnung der Westtangente die Verkehrsbelastung der Innenstadt geringer werde. In der Diskussion wurde auch eingewandt, ein Kaufhaus decke nur den Bedarf, der bereits gedeckt sei. Vor allem sei die Parkplatzfrage nicht gelöst.

Oberbürgermeister Dr. Schultes nahm während der zweieinhalbstündigen Diskussion mehrmals das Wort. Für ihn bestehe jetzt eine Chance, die es zu nutzen gelte. Ellwangen müsse mit seinen Nachbarstädten konkurrieren können. Er wünsche sich einen „Wind der Veränderungen" in Ellwangen. Die Innenstadt müsse lebendig bleiben und nicht zur Museumsstadt werden. Der ältere Mitbürger, mahnte der OB, könne nicht nur im Schönbornhaus isoliert sein, sondern unmittelbar neben uns, auch in der eigenen Familie. Die Besucherfrequenz im Hospital sei längst nicht so hoch, wie immer gesagt werde. Zum Vorwurf der Verzögerung der Bürgerversammlung wies OB Dr. Schultes darauf hin, die letzten Daten und Fakten seien erst vor zehn Tagen für die Stadtverwaltung sichtbar geworden. ‑ Die jetzige Rathaussituation sei schlecht; die Stadtverwaltung sei in sechs verschiedenen Gebäuden untergebracht, die baulich in einem schlechten Zustand seien. Den Neubau eines Rathauses, etwa am Oberen Brühl, wie aus der Versammlung gefordert wurde, lehnte der OB ab, weil hierzu die Mittel fehlten.