Missbrauch, Manipulierbarkeit und Versagen von Kommunalparlamentarismus
Die Notwendigkeit von mehr direkter Bürgerbeteiligung
durch vereinfachten Bürgerentscheid

Zeitungsausschnitt 158 zum Leitartikel: "Manipulierbarer Kommunalparlamentarismus"

Die bleibende Aktualität dieses Bürgerbegehrens von 1986 ergibt sich aus dem heute offensichtlichen Gegensatz von Versprechen und Wirklichkeit. Die "Große Rochade" in Ellwangen beweist die Schwäche der gegebenen Demokratieregeln! Unbeirrbar manipulierten Wenige eine Stadt, 'verpulverten' letztlich unsinnig viele Millionen Mark an Steuergeldern und dies in Wahrheit nur, um zum Schaden der Ellwanger Innenstadt auf 'der grünen Wiese' ein Kaufhaus mit 24 000 Quadratmetern Verkaufsfläche möglich zu machen, das zur damaligen Zeit eigentlich nicht mehr genehmigt werden durfte.

Zurück zum Leitartikel "Manipulierbarer Kommunalparlamentarismus"
Zurück zum "Chronologischen Verzeichnis der Zeitungsausschnitte"

 



   7.10.86

„Machtkampf im Einzelhandel"

„Machtkampf im Einzelhandel", so lautet der Titel von Band 13 der Schriftenreihe des Mittelstandsinstitutes Niedersachsen. Das politisch sicher unverdächtige, da kompromißlos unternehmerfreundliche „Handelsblatt" berichtete hierüber in seiner Ausgabe vom 29. 9. 1986.

Das Institut hatte ein Jahr lang empirische Vergleichsanalysen über die Folgen der Ansiedlung eines neuen Verbrauchermarktes gemacht und diese mit dem vorherigen Zustand verglichen. Auch wenn sich diese Untersuchung auf Verbrauchermärkte bezieht, ist sie m. E. doch auf das für Ellwangen geplante Kaufhaus im Rathausgebiet übertragbar. Dies deshalb, weil Woha, das bisher einzige im Gespräch befindliche Kaufhaus, für Ellwangen dieselben Folgen haben wird und haben muß, wie ein Verbrauchermarkt. Ein großes Woha‑Kaufhaus wird und muß nämlich ein Angebot bringen, das derzeit in Ellwangen noch bei mehreren Einzelhändlern läuft. Die Erschließung gänzlich neuer „Märkte" würde schließlich eine Umstrukturierung des Verbraucherverhaltens und ‑interesses bedingen, die von Woha mit enormem Aufwand erst mal vorzufinanzieren wäre. Der Erfolg solcher Bemühungen wäre, nach den Erkenntnissen des Mittelstandsinstitutes, allerdings so unwahrscheinlich, daß es wirtschaftlich unsinnig wäre, sie als Unternehmer überhaupt zu beginnen. Unternehmerisch kann es für Woha nur eine Politik geben: Bestehende Märkte durch Verdrängungswettbewerb zu übernehmen. Nur das sichert, bei Minimierung des Aufwandes, wirtschaftlichen Erfolg für das beträchtliche Risiko einer so erheblichen Kaufhausinvestition!

Die Ergebnisse des Mittelstandsinstitutes zeigen denn auch den Weg, den die Ellwanger Fachgeschäfte vor sich haben, wenn Woha in das Rathausgebiet ein Kaufhaus geplanter Größe stellen darf. So stellt das Mittelstandsinstitut als „einheitliche" Erkenntnis fest, daß die Ansiedlung neuer Verbrauchermärkte nur zu einer Konzentration der Handelsströme geführt hat, nicht aber ‑ wie im Falle Ellwangens hartnäckig behauptet wird! ‑ zur Heranziehung neuer Käuferströme aus dem überregionalen Bereich.

Die Untersuchung hat gezeigt, daß Leidtragender jeder Neuansiedlung von Verbrauchermärkten der traditionelle Einzelhandel ist, „der im Umkreis der Neuansiedlung zu 60 Prozent ,erheblich' durch Umsatzentzug betroffen ist, zu 30 bis 35 Prozent sogar „tödlich"'. Bedeutsam auch, daß ein solcher Verbrauchermarkt zwar neue Hilfsarbeiterplätze, mit ihrer geringen Qualifikation und Bezahlung, schafft, dafür aber, je Fachbereich, im Facheinzelhandel durchschnittlich 2,6 Facharbeiterplätze verloren gehen. Also beste Aussichten für Ellwangen, wenn das „Jahrhundertprojekt" der „Großen Rochade", mit dem von Verwaltung und Gemeinderat (wem noch?) so ersehnten Kaufhaus in zentraler Lage Wirklichkeit würde!?

Wolf‑Alexander Melhorn, Ellwangen