Architektenteam berichtet im Gemeinderat:

Spital ist für Umbau in Rathaus geeignet

Geschätzte Kosten: 10,6 Millionen Mark

ELLWANGEN (jm). Das Heilig‑Geist‑Spital wäre für den Umbau in ein Rathaus geeignet. Zu diesem Ergebnis kam nach gründlicher Untersuchung des Gebäudes das vom Gemeinderat beauftragte Architektenteam Rothmaier, Brenner und Tröster, das gestern abend dem Gremium berichtete. Die Umbaukosten wurden auf 10,6 Millionen Mark geschätzt, die weitgehend durch Landeszuschüsse abgedeckt sind. Der Kauf des Spitals, das bis jetzt noch als Altenheim genutzt wird, würde allerdings eine weitere Summe von vier Millionen Mark erfordern, die von der Stadt aufgebracht werden müßten. Über den Verkauf an die Stadt hat im November der Kreistag noch zu entscheiden, weil sich die Spitalstiftung in der Trägerschaft des Landkreises befindet. Dann erst kann im Gemeinderat endgültig darüber beschlossen werden.

Ziel der Untersuchung war, so führte Oberbürgermeister Dr. Schultes einleitend aus, die Entscheidungsfindung des Gemeinderats in dieser schwerwiegenden Sache zu erleichtern. Da Dr. Koepf vom Landesdenkmalamt bei der Baubegehung zugezogen worden war, seien auch denkmalpflegerische Gesichtspunkte bei der geplanten Lösung voll gewahrt, betonte Architekt Tröster. Der bauliche Zustand sei teilweise bedenklicher als erwartet. Das Mauerwerk sei bis zum ersten Stockwerk hinauf feucht. Das Gebälk sei durch Wurmbefall stark in Mitleidenschaft gezogen, besonders in den Gebäudeteilen zur Spitalstraße hin. Balkenauflagen im Mauerwerk sind teilweise abgefault. Im Dachbereich ist der Käferbefall.

Umfangreiche Brandschutzmaßnahmen müßten getroffen werden. Ahnliches gilt für den Schall‑ und Wärmeschutz. Die bestehenden Installationsanlagen für Heizung, Lüftung, Sanitär sowie im elektrischen Bereich müßten insgesamt erneuert werden.

Als markanteste Planungsgesichtspunkte nannte Tröster die Anlage des Haupteingangs an der nordöstlichen Seite des Gebäudes Ecke Spitalstraße/Badgasse. Die Sitzungssäle werden im Erdgeschoß angelegt. Zur Spitalstraße hin werden Ladengeschäfte untergebracht. Das erste und zweite Obergeschoß sowie das noch auszubauende Dachgeschoß werden als Verwaltungsräume genutzt. Mit dem Einbau eines großen Sitzungssaals in den Innenhof kommt der gesamte umbaute Raum auf 21530 Kubikmeter (davon 17 650 Kubikmeter Altbau, 2230 Kubikmeter Anbauten und Nebengebäude, 1650 Kubikmeter Erweiterung des Altbaues).

Dankbar für diese Ausarbeitung zeigte sich Stadtrat Josef Merz für die CDU‑Fraktion. „Wir sehen jetzt klarer, um die richtige Entscheidung treffen zu können." Grundlegende Sanierung sei in jeder Beziehung notwendig. Damit sei die Möglichkeit gegeben, das Spitalgebäude zu erhalten. Auch in finanzieller Hinsicht sei diese Lösung erschwinglich dank der „Jahrhundertförderung" durch das Land.

Im Hinblick auf die Erklärung der SPD-Kreistagsfraktion für den Erhalt des Spitals als Altenheim erkundigte sich Stadträtin Dr. Klein nach den Kosten für diese Verwendung im Vergleich zu denen für den Rathausumbau. „Aus dem Stand heraus" sei ihm dies kaum möglich, meinte Architekt Tröster. Wenn man aber den größeren Aufwand für die Sanitäranlagen berücksichtige, die ein Alten‑ und Pflegeheim brauche, und den Wegfall des Dachstockausbaus in Rechnung ziehe, dann würden sich die Kosten wohl etwa die Waage halten. Wie OB Dr. Schultes ergänzte, befasse sich die Kreisverwaltung zur Zeit mit dieser Kostenfrage für die Entscheidung im Kreistag.

Der bauliche Zustand lasse wohl eine „kleine Lösung", sprich Weiterführung als Altenheim, nicht zu, äußerte sich EFL‑Stadträtin Diemer Schmid. Deshalb sei es legitim, sich über die neue Nutzung Gedanken zu machen. Kritik an dem geringen Interesse der Bürger übte Fraktionskollegin Gisela Mayer. Sie ließ auch die Katze aus dem Sack, was die Kosten für den Erwerb des Spitals angeht, nämlich vier Millionen. „Wer diese Summe bezahlt, der leistet gegenüber der Spitalstiftung geradezu eine soziale Tat!" Der Einbau kommunaler Räume sei das einzig Richtige.

Kritik an der Finanzierung übten die SPD‑Stadträte Hieber und Boecker. Die Stadt gehe mit diesem Vorhaben an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Boecker bezweifelte auch, ob dies im Interesse der Stadtentwicklung eine „soziale Tat" sei. Von der „Großen Rochade" ‑ Rathaus raus und Kaufhaus rein ‑ sei nun plötzlich nicht mehr die Rede, meinte SPD‑Stadträtin Ulmer. Es sei zu schwierig; beide Projekte gleichzeitig in Angriff zu nehmen, entgegnete OB Schultes. Damit seien Stadt und Gemeinderat mit Sicherheit überfordert. Aber es bleibe erklärtes Ziel, nur sei das eine nicht vom anderen abhängig.