Handfeste Entscheidungshilfe

Jetzt hat der Ellwanger Gemeinderat endlich, wonach seine Mitglieder schon seit einem Jahr verlangt haben: eine exakte Schätzung der Kosten, die der Umbau des Spitals zum HI. Geist in ein Rathaus verursachen würde. Die angenehme Überraschung dabei: der Betrag von rund 10,6 Mio. Mark liegt zwar über den vor Jahresfrist in einer ersten groben Schätzung von Architekt Bauer in den Raum gestellten neun Millionen, doch nicht soweit darüber, wie insgeheim befürchtet worden war. Viel Geld zwar dennoch, aber kalkulierbar ‑ und finanzierbar, wie Kämmerer Saupp überzeugend darlegte.

Schließlich konnte die einheimische Architektengruppe noch erfolgreich eine weitere Befürchtung ausräumen: die denkmalpflegerischen Vorgaben könnten ohne komplizierte und teuere Eingriffe eingehalten und das markante historische Bauwerk als Denkmal saniert werden.

Der Ellwanger Gemeinderat hat damit eine handfeste Entscheidungshilfe ‑ jetzt sind Landkreisverwaltung und Kreistag am Zuge. Alles andere als eine mehrheitliche Zustimmung zum Verkauf des Spitals an die Stadt wäre jedoch eine Sensation. Denn die tatsächliche Situation des Spitals entlarvt alle Erklärungen, das Spital als Alten­- oder Pflegeheim erhalten zu wollen, als Lippenbekenntnisse. Mit Sicherheit käme eine entsprechende Sanierung nicht billiger und mit Zuschüssen könnte die Spitalstiftung nach den Förderrichtlinien. nicht rechnen. Wie also den frommen Vorsatz umsetzen?

Und warum hat man den altehrwürdigen Bau nicht schon vor Jahren saniert, als dieses Vorhaben noch billiger gewesen wäre, die Zuschußbestimmungen weniger rigide? Doch zu dieser Frage haben sich Stiftung, Landkreisverwaltung und alle, die sich plötzlich so mannhaft vor die alten Leute hinstellen, bisher beredt ausgeschwiegen. Gewiß, einen alten Baum soll man nicht mehr verpflanzen. Eine Sanierung des Spitals als Altenheim hätte jedoch genau dies ebenfalls für einen Zeitraum von rund zwei Jahren erforderlich gemacht. Und viele derjenigen, die dem Sachzwang gehorchend ausgezogen wären, hätten sich die logischerweise im renovierten Spital erheblich höheren Pflegesätze nicht mehr leisten können. Was also taugt dieses Argument?

Im übrigen läßt es sich für Gmünder und Aalener Kreisräte trefflich in Eilwangen sozial sein. Deren Innenstädte sind dank erheblicher privater und öffentlicher Investitionen in den vergangenen Jahren zu pulsierenden urbanen Zentren umgewandelt und aufgewertet worden. Ellwangen jedoch, das eben diesen Schritt noch tun will, um etwas für die Lebensqualität aller Bürger, die hier leben, zu leisten und um sich in der Konkurrenz mit den umliegenden Städten wenigstens annähernd behaupten zu können ‑ diese Stadt soll die günstige Chance bekommen, in ihrem Zentrum ein echtes Altenzentrum zu erhalten, wie die SPD-Kreistagsfraktion kundtat.

Soviel Fürsorge von außen schlägt dem Faß den Boden aus. Sich am eigenen Aufschwung zu freuen und Ellwangen als riesiges Museum erhalten ‑schön anzusehen aber mausetot. So geht's nicht! Die Räte stehen auch für das Wohl und Wehe der Großen Kreisstadt in der Verantwortung.

Die einzige Chance für Eilwangen, neben dem dafür nicht nutzbaren Marktplatz ein Geschäfts- und Dienstleistungszentrum zu erhalten, besteht in der weiteren Erschließung des Viertels zwischen Rathaus und Marienkirche. Ein Umzug der Verwaltung ins Spital wäre dazu die unerläßliche Vorbedingung.

Zusatzforderung (ebenso notwendig): der Bau von weiteren Altenwohnungen über die acht über der Tiefgarage geplanten hinaus. Um hier eine allen dienliche Lösung zu finden, sollten der OB und seine Mitdenker etwas mehr Hirnschmalz aufwenden, als dies in der Rochaden‑Euphorie offensichtlich geschehen ist. Den Kritikern seiner Pläne hätte Schultes damit ein entscheidendes Argument aus der Hand genommen.

Wolfgang Nußbaumer