In Ellwangen eskaliert der Streit um die Nutzung des „Spitals zum Heiligen Geist"

Vom Polizeichef persönlich abgeführt

Heilpraktiker Melhorn bekam Hausverbot und hielt sich nicht daran

Von unserem Mitarbeiter Michael Kanert

ELLWANGEN ‑ Der Stellvertreter des Aalener Landrats, Regierungsdirektor Ulrich Stückle, gab sich siegessicher: „Mit dem Herrn Melhorn werden wir schon fertig." Tags zuvor hatte jener Landratsvertreter Stückle den EIIwanger Polizeichef höchstpersönlich Iosgeschickt, um besagten Herrn Melhorn aus dem Ellwanger „Spital zum ‑ Heiligen Geist" abführen zu lassen. Das „Spital" Ist ein Altenheim in der Ellwanger Innenstadt, das unter der Verwaltung des Ostalbkreises steht. 50 Heimbewohner wollen dort ihren Lebensabend beschließen.

Inzwischen hat freilich der Ellwanger Oberbürgermeister Stefan Schultes ein Auge auf das historische Gebäude geworfen. Liebend gerne würde er dort mit seiner Stadtverwaltung einziehen. Die alten Leute dagegen seien viel besser am Ellwanger Stadtrand untergebracht, wo sie endlich einmal genügend „Luft und Sonne" hätten. CDU‑Mann Schultes handelte daher mit seinem Parteifreund, dem Aalener Landrat Diethelm Winter, den Verkauf des „Spitals" an die Stadt aus. Gestützt auf die CDU‑Mehrheit im Kreistag und im Gemeinderat, wurde der Handel mittlerweile perfekt gemacht.

In Ellwangen hagelte es freilich heftige Proteste gegen die ehrgeizigen Quartierwünsche des Oberbürgermeisters. 2700 Ellwanger unterschrieben ein Bürgerbegehren gegen den Verkauf, um die Alten vor der Isolation am Stadtrand zu bewahren. Das Begehren wurde jedoch als rechtlich unzulässig verworfen. Jetzt versuchen es die Umzugsgegner anders. Unter der Federführung des Heilpraktikers Wolf Alexander Melhorn wollen zwei Staatsanwälte und einige andere Bürger die Hälfte der 50 Heimbewohner, die auf jeden Fall im „Spital" bleiben will, dabei unterstützen, sich wenigstens mietrechtlich gegen ihre Umquartierung zu wehren. Heilpraktiker Melhorn führte entsprechende Beratungsbesuche bei den Heimbewohnern durch.

Diese Stippvisiten sind dem Aalener Landratsamt freilich ein Dorn im Auge. Am Tag vor Weihnachten verhängte Landrat Winter ein Hausverbot für Melhorn, weil dieser die Bewohner „durch falsche und unsachliche Behauptungen verwirrt". Davon unbeirrt machte sich Melhorn am Mittwochabend wieder auf ins „Spital" - um dann von der Polizei aus dem Zimmer eines 82jährigen heraus abgeführt zu werden. Da Melhorn trotzdem wiederkommen will, erwägt man im Landratsamt jetzt sogar, gerichtlich gegen den Heilpraktiker vorzugehen. Man könne beispielsweise ein richterliches Hausverbot erwirken, das dann notfalls mit Zwangsgeld oder Beugehaft durchzusetzen sei, sagt Ulrich Stückle. Wolf Alexander Melhorn fühlt sich jedoch im Recht. Der Landrat dürfe doch nicht die Heimbewohner bevormunden, wen sie in ihren Privaträumen empfingen und wen nicht.

Noch ehe der Streit ums „Spital" jetzt durch den Polizeieinsatz eskalierte, ist mittlerweile auch dem ehemaligen Orts­vorsitzenden der Ellwanger CDU, Heinrich Grupp über das Vorgehen seiner Partei­freunde beim „Spital'‑Projekt der Kragen geplatzt. In der Lokalzeitung beschwerte er sich über die „Selbstherrlichkeit und Fehlinformation" durch seine Parteifreunde - und erklärte öffentlich seinen Austritt aus der CDU.