Missbrauch, Manipulierbarkeit und Versagen von Kommunalparlamentarismus
Die Notwendigkeit von mehr direkter Bürgerbeteiligung
durch vereinfachten Bürgerentscheid

Zeitungsausschnitt 353 zum Leitartikel "Manipulierbarer Kommunalparlamentarismus"

Die bleibende Aktualität dieses Bürgerbegehrens von 1986 ergibt sich aus dem heute offensichtlichen Gegensatz von Versprechen und Wirklichkeit. Die "Große Rochade" in Ellwangen beweist die Schwäche der gegebenen Demokratieregeln! Unbeirrbar manipulierten Wenige eine Stadt, 'verpulverten' letztlich unsinnig viele Millionen Mark an Steuergeldern und dies in Wahrheit nur, um zum Schaden der Ellwanger Innenstadt auf 'der grünen Wiese' ein Kaufhaus mit 24 000 Quadratmetern Verkaufsfläche möglich zu machen, das zur damaligen Zeit eigentlich nicht mehr genehmigt werden durfte.

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Umzug ins Palais nur eine Zwischenlösung?

Die Stadtbibliothek hat viele Seiten

Doch noch können nicht alle aufgeblättert werden / Bis 1989 schlummern Bücher in Kisten

Ellwangen (usi). Die Stadtbücherei platzt aus allen Nähten. Bereits 1979, zehn Jahre nach der. Eröffnung, zeichnete sich ab, daß die Kapazitäten der Räume in der Spitalstraße 10 bald erschöpft sein würden. Mittlerweile sind zu den 17 000 Bänden weitere 6000 hinzugekommen. Ein Ausweg aus der qualvollen Enge ist frühestens 1989 in Sicht, wenn das Nebengebäude des Palais Adelmann zum Domizil für die gedruckten Schätze und die Ellwanger Leseratten wird. Fraglich bleibt, ob sich dort die Stadtbücherei von dem längst veralteten Image der reinen Buchverleihstelle lösen kann, um sich mit einem breiteren Medienangebot zu einer modernen Informations‑, Kommunikations‑ und Freizeiteinrichtung zu entwickeln. Denn nach dem Zielbestand, den die staatliche Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen mit zwei Medieneinheiten pro Einwohner festlegt, werden auch die neuen Räume schon bald zu klein sein.

Richtlinien sind es, die die staatliche Fachschule ohne Rechtsverbindlichkeit aufstellt. Für 1000 Bände rechnet die Stelle mit einem Platzbedarf von 30 Quadratmetern, Leseecken und Arbeitsplätze inbegriffen.

Kein Platz mehr
Daß es auch anders geht, zeigt das Ellwanger Beispiel: auf gerade 180 Quadratmetern stehen 24 000 Bände dicht an dicht, auf den Fensterbrettern stapelt sich der begehrte Lesestoff, der, in Kisten verpackt, sogar ausquartiert werden muß. Kein Platz mehr für 1000 Neuanschaffungen im Jahr, geschweige denn für Lesungen, Kinder‑ und Bastelnachmittage. Ein unerträglicher Zustand für die Mitarbeiter der Stadtbücherei und die Benutzer.

„Noch nicht einmal Regale für die ausgelagerten Bücher sind mir bewilligt worden, mit der Begründung, man wolle den Zustand nicht zementieren", klagt die Leiterin der Stadtbücherei, Elfriede Rössler. So muß sie weitere zwei Jahre Kisten stemmen, wenn einige Anfragen nach ausquartierten Büchern zusammengekommen sind. Die Suche nach dem Gewünschten ist in dem ungeordneten Durcheinander lästig und zeitraubend.

Schon deshalb freut sich Elfriede Rössler auf den Umzug, der endlich in greifbare Nähe rückt. Doch Kopfzerbrechen bereitet ihr die räumliche Situation im Palais. „Rein technisch sind wir hier im Haus besser bedient, weil alles auf einer Ebene ist", erläutert sie. Im Palais wird das Angebot auf drei Stockwerke verteilt, was wesentlich arbeitsaufwendiger ist. „Mit zweieinhalb Mitarbeitern ist das dann nicht mehr zu bewältigen", weiß die Büchereileiterin.

Palais als Stufenlösung?
Nach Auskunft der staatlichen Fachstelle kann der Umzug in das Palais auch nur ein erster Schritt einer Stufenlösung sein. Legt man die Richtlinien zugrunde, reichen die rund 650 Quadratmeter gerade für die 24 000 Bände, die schon vorhanden sind. Auch wenn die Ellwanger Bücherei mit einem Band pro Einwohner knapp über dem Durchschnitt im Ostalbkreis mit 0,81 Medieneinheiten liegt, von einer optimalen Literaturversorgung ist sie noch weit entfernt.

Deshalb ist das Palais auch nicht das Domizil, das sich die Leiterin der Fachstelle in Stuttgart, Kurschatt-Zenkel, für die Ellwanger Stadtbücherei wünscht: „Ich hoffe nicht daß es in ein paar Jahren heißt, es gäbe keine Stufenlösung mehr, weil das Geld im Palais investiert wurde." Langfristig sei die Stadtmühle als Bleibe der Stadtbücherei ins Auge gefaßt worden, so die Fachstellenleiterin. Für den Zielbestand von rund 44 000 Medieneinheiten sei das Gebäude gut geeignet.

Bürgermeister Dr. Hans‑Helmut Dieterich geht hingegen nicht davon aus, daß das Palais nur eine Zwischenstation für.die Bücherei ist. „Wir haben eine Nutzungsentscheidung für etwa 10 bis 15 Jahre getroffen. Was dann nötig sein wird, können wir heute noch nicht sagen."

Er habe auch nicht das Gefühl gehabt, daß der zu den Beratungen herangezogenen Sachbearbeiterin die Palais‑Lösung schlecht gefallen habe. „Wir müssen eben von unseren finanziellen Möglichkeiten ausgehen." Da könne man mit der dreifachen Fläche für eine Bücherei im Rahmen eines bürgerlichen Kulturhauses doch durchaus zufrieden sein. Schließlich stünden für Veranstaltungen der Bücherei auch die anderen Räume im Palais zur Verfügung.

Viele neue Ideen
Diese werden nötig sein, will Elfriede Rössler ihre Ideen verwirklichen. Neben Lesungen, Vorträgen und Ausstellungen möchte sie mehr Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, die Leser von morgen, anbieten. Und schließlich könnte sich die Bücherei dann auch von vielen Seiten zeigen: als Treffpunkt.mit gemütlichen Leseecken, ruhigen Arbeitsplätzen und einem gut sortierten Angebot an Spielen, Schallplatten, Ton‑ und Videokassetten, Noten, Stadtplänen, Zeitschriften und Grafiken. Das wäre eine Stadtbibliothek, die einer Stadt von kulturellem Rang gut anstünde.