Missbrauch, Manipulierbarkeit und Versagen von Kommunalparlamentarismus
Die Notwendigkeit von mehr direkter Bürgerbeteiligung
durch vereinfachten Bürgerentscheid

Zeitungsausschnitt 385 zum Leitartikel: "Manipulierbarer Kommunalparlamentarismus"

Die bleibende Aktualität dieses Bürgerbegehrens von 1986 ergibt sich aus dem heute offensichtlichen Gegensatz von Versprechen und Wirklichkeit. Die "Große Rochade" in Ellwangen beweist die Schwäche der gegebenen Demokratieregeln! Unbeirrbar manipulierten Wenige eine Stadt, 'verpulverten' letztlich unsinnig viele Millionen Mark an Steuergeldern und dies in Wahrheit nur, um zum Schaden der Ellwanger Innenstadt auf 'der grünen Wiese' ein Kaufhaus mit 24 000 Quadratmetern Verkaufsfläche möglich zu machen, das zur damaligen Zeit eigentlich nicht mehr genehmigt werden durfte.

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9.10.85

 

Für den „Stefan“ hat keiner mehr Zeit

Der „Stefan", wie man ihn in Ellwangen nennt, war bei allen Beerdigungen dabei. Allabendlich ging er mit seinem „Wägelchen" in die Wirtschaft auf ein Bier: Ein Behinderter, der seinen Lebensinhalt gefunden, einer, der sich auf liebenswerte Weise mit seinem Schicksal arrangiert hatte. Seit 26 Jahren lebte er schon so im Spital und als sie es auflösen wollten war für ihn klar: „I gang net raus!" Die „höherrangigen" kommunalen Interessen interessierten ihn deshalb nicht, weil er ,wußte, was eine Verlegung in „das Heim auf dem Berg" für ihn bedeuten würde.

Blieb die Hoffnung, wenigstens in die Nikolauspflege zu kommen ‑ denn daß er gehen müsse, das hatten sie ihm eingehämmert. Von der Nikolauspflege, hoffte er, könne er wenigstens weiterhin auf den Friedhof. Doch sie hatten keinen Platz für ihn. Er mußte ins Schönbornhaus ‑ weg von allem, was ihm lieb und wichtig war!

Freiwillig gehen wollte er nicht und das Mietrecht bot keine Handhabe. Also hätten sie das Spital nicht abreißen können. Da erwies es sich nun als hilfreich, daß es der Vormundschaftsrichter ‑ m. E. pflichtwidrig ‑ abgelehnt hatte, mich dem „Stefan" antragsgemäß als Gebrechlichkeitspfleger beizuordnen. Folglich konnten sie mit dem „Stefan" allein verhandeln ‑ ohne daß einer wie ich ihnen dazwischenreden konnte. Folglich wußten sie sich auch zu helfen: Dem Gutgläubigen wurde einfach zugesagt, er werde mit dem Auto der Hospitalstiftung zu den Beerdigungen gefahren, wenn er sich jetzt verlegen lasse. Tatsächlich haben sie das auch getan. Wie vereinbart! Bis das Spital so weit abgerissen war, daß er nicht mehr zurückkonnte. Seither hat niemand mehr Zeit. Warum auch?

Wolf‑Alexander Melhorn, Ellwangen