Missbrauch, Manipulierbarkeit und Versagen von Kommunalparlamentarismus
Die Notwendigkeit von mehr direkter Bürgerbeteiligung
durch vereinfachten Bürgerentscheid

Zeitungsausschnitt 449 zum Leitartikel: "Manipulierbarer Kommunalparlamentarismus"

Die bleibende Aktualität dieses Bürgerbegehrens von 1986 ergibt sich aus dem heute offensichtlichen Gegensatz von Versprechen und Wirklichkeit. Die "Große Rochade" in Ellwangen beweist die Schwäche der gegebenen Demokratieregeln! Unbeirrbar manipulierten Wenige eine Stadt, 'verpulverten' letztlich unsinnig viele Millionen Mark an Steuergeldern und dies in Wahrheit nur, um zum Schaden der Ellwanger Innenstadt auf 'der grünen Wiese' ein Kaufhaus mit 24 000 Quadratmetern Verkaufsfläche möglich zu machen, das zur damaligen Zeit eigentlich nicht mehr genehmigt werden durfte.

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Seite 18 Samstag, 12. November 1988

 

 

Der Coup

Schiere Freude bei dem einen, blankes Entsetzen bei dem andern. Ellwangens Stadtoberhaupt strahlte nach dem überraschenden massa‑Coup wie ein Großwildjäger auf dem Tigerfell. GHV-Mann Ptok indes war's zumute, als wäre ihm besagte Raubkatze gerade an die Gurgel gefahren.

Des einen Freud', des andern Leid. Dabei haben beide das Wohl der Stadt im Sinn. Doch scheinen beide von entgegengesetzten Annahmen und Erfahrungen auszugehen. Schultes ‑ und wohl auch die große Mehrheit des Gemeinderats ‑ verspricht sich von dem Mammut massa langfristig einen kräftigen Impuls für den Handelsplatz Ellwangen, während der Einzelhändler Ptok angesichts des Riesen ante portas um dessen Ausbluten bangt.

Neue Arbeitsplätze, besseres Angebot für die Kunden, Kaufkraftbindung ‑ für Ptok ist massa allein der Nutznießer. Hätte sich das Unternehmen womöglich in einer anderen Gemeinde nahe Ellwangen niedergelassen, wäre es hier nicht zum Zuge gekommen? Ptok glaubt es nicht, weil die Stadt über das einzige Sondernutzungsgebiet weit und breit verfügt.

Wer letztlich Recht behält, muß die Zukunft lehren. Wobei nicht übersehen werden sollte, daß in absehbarer Zeit an der Konrad-Adenauer‑Straße und an der Haller Straße weitere, allerdings wesentlich kleiner dimensionierte Märkte eröffnen. Ob sie heute dieses Wagnis noch auf sich nehmen würden, oder ob es „Kaufring " noch riskiert? So betrachtet, ist der hiesige Markt spätestens in einem Jahr bei weitem übersättigt, der Verdrängungswettbewerb programmiert. Wer übrigbleiben wird, ist nicht schwer zu erraten. Hoffen wir, daß das „Kunstwerk in heiler Landschaft" auch in dieser mass‑iven Liaison heil bleibt.

Wolfgang Nußbaumer