Missbrauch, Manipulierbarkeit und Versagen von Kommunalparlamentarismus
Die Notwendigkeit von mehr direkter Bürgerbeteiligung
durch vereinfachten Bürgerentscheid

Zeitungsausschnitt 487 zum Leitartikel: "Manipulierbarer Kommunalparlamentarismus"

Die bleibende Aktualität dieses Bürgerbegehrens von 1986 ergibt sich aus dem heute offensichtlichen Gegensatz von Versprechen und Wirklichkeit. Die "Große Rochade" in Ellwangen beweist die Schwäche der gegebenen Demokratieregeln! Unbeirrbar manipulierten Wenige eine Stadt, 'verpulverten' letztlich unsinnig viele Millionen Mark an Steuergeldern und dies in Wahrheit nur, um zum Schaden der Ellwanger Innenstadt auf 'der grünen Wiese' ein Kaufhaus mit 24 000 Quadratmetern Verkaufsfläche möglich zu machen, das zur damaligen Zeit eigentlich nicht mehr genehmigt werden durfte.

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KREISUMSCHAU.

AALENER VOLKSZEITUNG / IPF‑ UND JAGST‑ZEITUNG

Münchener Firma Infratest legte gestern dem Gemeinderat ihr Gutachten zur Situation des Einzelhandels vor

Aalen ist zum attraktiven Einkaufszentrum geworden

Wenn "massa" kommt: Kaufkraftverlust von 60 Millionen

 

AALEN (tu). Der Einzelhandel in Aalen hat in den letzten zehn Jahren einen enormen Aufschwung genommen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten der Firma Infratest aus München, das dem Gemeinderat gestern nachmittag in groben Zügen vorgestellt wurde. Demnach beläuft sich der Jahresumsatz des Einzelhandels der Ostalb‑Metropole auf rund 690 Millionen Mark. Von den Bürgern der Stadt selbst kommen davon 345 Millionen Mark, exakt den gleichen Betrag steuern die Bewohner der Umlandgemeinden bei. Allerdings ist Gefahr im Verzug: Sollte sich am Stadtrand von Eilwangen „massa" ansiedeln, dann muß der Aalener Einzelhandel mit einem Umsatzrückgang in der Größenordnung von 60 Millionen Mark oder acht Prozent rechnen. Insgesamt aber bestätigt das Gutachten, daß sich Aalen im vergangenen Jahrzehnt zum Einkaufszentrum in Ostwürttemberg gemausert hat.

Dass dies so ist, ist nach den Worten von Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle in erster Linie ein Verdienst des Einzelhandels selbst, dazu beigetragen haben aber auch flankierende Maßnahmen der Stadt. Pfeifle: „Wir können mit der Situation zufrieden sein, wir dürfen uns aber auf unseren Lorbeeren nicht ausruhen." Daher habe die Stadt bei Infratest ein Gutachten in Auftrag gegeben, um mehr über die Situation des Einzelhandels zu erfahren.

Die Ergebnisse stellte gestern nachmittag der Bereichsleiter Stadt‑ und Regionalforschung, Winfried Hagenhoff, vor. Er hatte an vier Standorten 1500 Passanten befragt, nämlich in der Innenstadt, in Supermärkten, im Industriegebiet West und in Wasseralfingen. Außerdem waren 509 Haushalte nach ihrem Einkaufsverhalten gefragt worden. Dabei trat zutage, daß der Einzelhandel seit 1978 einen starken Aufschwung genommen hat, einen stärkeren als der im Ostalbkreis oder der im Land. Auch die Zahl der im Einzelhandel Beschäftigten ist seit 1975 um 29 Prozent gestiegen. Insgesamt weist die Tendenz beim privaten Verbrauch angesichts des unverändert guten Konsumklimas weiter nach oben, eröffnete Hagenhoff dem Handel weitere erfreuliche Perspektiven.

Sein Fazit: Die Attraktivität von Aalen hat sich beträchtlich verbessert.

 

Einkaufsmagnet

Während aber die Aalener selbst bei einem Einkauf im Schnitt 100 Mark in die Kassen fließen lassen, sind die Beträge bei auswärtigen Besuchern wesentlich höher. Gemeinsam ist beiden Bevölkerungsgruppen dies: Die Innenstadt ist für 70 Prozent am attraktivsten und am vielseitigsten, nicht aber unbedingt am preiswertesten. In die Fachgeschäfte im Industriegebiet West zieht es dagegen mehr Auswärtige als Einheimische, es hat sich zu einem echten Einkaufsmagneten für die Region entwickelt. Überhaupt hat sich gezeigt, daß die Einkaufsmärkte zwar weniger häufig aufgesucht werden, daß dafür aber die Beträge höher sind, die dort ausgegeben werden.

Ein Haushalt kann nach den Berechnungen von Hagenhoff im Monat durchschnittlich 1200 Mark an Kaufkraft aufbringen. Dem Aalener Einzelhandel ist es gelungen, 94 Prozent dieser Summe am Ort zu binden, vor zehn Jahren waren es noch 90 Prozent. Pro Jahr fließen aus jedem Haushalt 13 500

Mark in den Konsum. Das bedeutet: Alle Aalener zusammen bescheren dem Einzelhandel der Stadt einen Jahresumsatz von 345 Millionen Mark. Exakt denselben Betrag machen auch die Einkäufe von auswärtigen Besuchern in Aalen aus, so daß der Handel auf einen Gesamtumsatz von 690 Millionen Mark kommt. Hagenhoff: „Es könnten tatsächlich noch zehn bis 30 Millionen Mark mehr sein, aber es sind schon 200 Millionen Mark mehr als 1975 für 1990 geschätzt wurden."

 

Ellwangen und Gmünd

Interessant ist im übrigen in diesem Zusammenhang auch, woher die auswärtigen Besucher kommen. Die Oberkochener sind Spitzenreiter, sie tätigen im Jahr Einkäufe in einer Größenordnung von 42 Millionen Mark in Aalen. An zweiter Stelle rangiert Essingen, an dritter Stelle kommt schon Ellwangen mit einem Umsatz von 28 Millionen Mark, gefolgt von Schwäbisch Gmünd, das 27 Millionen Mark in Aalen „abliefert". Die Aalener andererseits sind offensichtlich außerhalb der Mauern ihrer Stadt nicht sonderlich konsumfreudig: Der KaufkraftabfluB beläuft sich lediglich auf 21 Millionen Mark.

Das Bild könnte sich allerdings drastisch wandeln, wenn „massa" kommen sollte. Bei den Aalenern selbst könnte der Verbrauchermarkt aus der Nachbarstadt keine sonderliche Rolle spielen, ganz anders dagegen würde es bei den Wasseralfingern aussehen. Sie könnten ihren täglichen und zum Teil ihren periodischen Bedarf bei Ellwangen decken. Dasselbe gilt für alle anderen Gemeinden nördlich von Aalen:

Eine wenigstens teilweise Erfolg versprechende Strategie zeigte Hagenhoff des Stadtparlamentariern allerdings auf: Ein dem Industriegebiet West entsprechender Bereich mit Fachgeschäften entweder bei Attenhofen auf der „grünen Wiese" oder zwischen Aalen und Wasseralfingen. Dies allerdings würde auch eine Umverteilung zu Lasten der City und des Industriegebietes West nach sich ziehen. Hagenhoff: „Der Umsatz im Norden würde neu verteilt."

Konkret gInge es dabei um ein Volumen von 200 Millionen Mark, das von verschiedenen Konkurrenten umworben würde. Von Aalen selbst, prognostiziert Infratest, dürften drei bis fünf Millionen Mark nach Eilwangen abfließen, aus den Gemeinden nördlich der Kreisstadt dürften es 50 bis 60 Millionen Mark sein, von denen wiederum ein Drittel durch neue Fachmärkte im Norden von Aalen „abgefangen" werden könnte.

 

Einbruch zu verkraften

Fest steht für das Institut aber: Kommt „massa" nach Ellwangen, dann muß Aalen einen Kaufkraftverlust von etwa 55 Millionen Mark verkraften. Diesen Einbruch könne der Einzelhandel aber verkraften. Er sei nur vorübergehend, weil beim Konsum die Tendenz weiterhin steigend ist. Abschließendes Urteil des Oberbürgermeisters: „Dieses Gutachten ist eine hervorragende Entscheidungsgrundlage für den Einzelhandel."

Jetzt aber werden sich die Gemeinderäte erst einmal in die Einzelheiten vertiefen und der OB wird dem Gewerbe‑ und Handelsverein Rede und Antwort stehen. Erst dann wird das Stadtparlament darüber entscheiden, welche Konsequenzen zu ziehen oder nicht zu ziehen sind.